Lincoln Band 2: Der in den Wind spricht – Unsere Comic-Rezension

Lincoln Band 2: Der in den Wind spricht – Unsere Comic-Rezension

Zum Ende des letzten Buches bekam Lincoln ungewollt Unterstützung von ein paar halbstarken Jugendlichen, die sich ihm als Bande anschließen wollten. Zu Beginn dieses Bandes sehen wir die Bande direkt in Aktion, auch wenn das Zusammenspiel noch stark ausbaufähig ist. Dennoch streichen sie die eine oder andere Beute ein und kommen über die Runden. Wir erinnern uns: Lincoln war Gott begegnet und wurde von diesem in ein Gespräch verwickelt. Schließlich schenkte Gott Lincoln sogar die Unsterblichkeit, was dieser zunächst nicht wahrhaben wollte, dann aber doch einsehen musste. Nun findet er sich gemeinsam mit den drei Jungs und Gott in einer Bande wieder, die sich so durchschlägt. Aber auch der Teufel ist noch nicht ganz aus dem Spiel und scheint im Hintergrund etwas auszuhecken, auch wenn er selbst vorgibt, nur ein wenig Spaß haben zu wollen. Schließlich beschließt die Truppe in der nächsten Stadt ein wenig die Seele baumeln zu lassen und checkt in einem Hotel ein. In der Stadt besorgt Gott ein Automobil und gerade in dem Moment, als Gott von der Truppe eine Fotografie anfertigen möchte, explodiert im Hintergrund ein Gebäude und setzt damit die vorliegende Geschichte so richtig in Gang.

 

Die Mitglieder der neuen Bande sind noch sehr grün hinter den Ohren. © Schreiber & Leser

 

Lincoln zögert nicht lange und kann den vermeintlichen Täter an der nächsten Ecke ausfindig machen. Einer seiner Jungs schnappt sich den Indianer, doch Lincoln stellt ihn zur Rede. Der Indianer lädt die Gruppe zum Essen in sein Versteck ein, um die Hintergründe des Anschlags in Ruhe zu erläutern. Dort treffen sie auch auf den Vater des Indianers, der die Gruppe herzlich in seinem Tipi versorgt. Es stellt sich heraus, dass den Indianern in der Gegend eine Menge Geld für ihre Ländereien geboten wurde, dieses Geld aber nie ausgezahlt wurde. Dahinter steckt ein Mann namens Mr. Jefferson, der mit dem örtlichen Sheriff unter einer Decke steckt, weswegen den betrogenen Landbesitzern keine Chance auf ihr Geld in Aussicht steht. Aus diesem Grund griff der namenlose Indianer zum Äußersten und sprengte das Gebäude in die Luft, um ein Zeichen zu setzen. Von der Ungerechtigkeit inspiriert, legen sich die Jungspunde der Bande am nächsten Morgen auf eigene Faust mit Jefferson und dem Sheriff an, was zur Folge hat, dass der jüngere Indianer mit dem Leben bezahlen muss. Zurück bleibt sein Vater mit dem Namen „Der in den Wind spricht“ sowie ein griesgrämiger Lincoln, der das natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann. Mit ein wenig Trickserei und passendem Timing nimmt er sich des Sheriffs und Mr. Jefferson an. Doch welche Rolle spielt der Teufel dabei und wird es ein Happy End geben?

Im zweiten Band hat sich Lincoln bereits ein wenig mit seiner Unsterblichkeit auseinandergesetzt. Er setzt diese Tatsache zum einen für einen guten Zweck ein, indem er sich das Preisgeld beim Sheriff schnappt und die Bürger vor den Ganoven bewahrt. Andererseits haut er das erhaltene Preisgeld dann für Alkohol und Prostituierte sowie für Annehmlichkeiten für sich und seine Gang wieder raus. Infolgedessen kommt man nicht umhin zu erkennen, dass in Lincoln unter der Fassade des Flunsch-tragenden Mannes ein Gewissen lauert, was sich ab und zu an die Oberfläche arbeitet. Er besitzt schon ein Gerechtigkeitsgefühl, nur ist es ihm oftmals einfach egal, wenn es nicht ihn, sondern jemand anderes betrifft. Kann man es ihm verübeln, wo er doch all den anderen Menschen in seinem Leben herzlich gleichgültig ist? Jedoch sind ihm die Belange der Indianer nicht egal, dort setzt er sich für die Rechte ein und versucht die Dinge wieder gerade zu biegen, auch wenn das nicht in vollem Maße gelingen kann. Während dieses Abenteuers wird Lincoln aber auch immer wieder vom Teufel in Versuchung geführt. Wer kann schon mit Sicherheit sagen, ob nicht der Beelzebub schon mehr Einfluss auf Lincoln ausübt, als der Leser mitbekommt.

 

Lincoln trifft in diesem Band erstmals auf die amerikanischen Ureinwohner. © Schreiber & Leser

Fazit

Die Künstlerfamilie Jouvray fängt die Abenteuer von Lincoln erneut gekonnt ein und führt die Geschichte souverän weiter. Auch wenn ich noch nicht genau sagen kann, in welche Richtung sich die Erzählung entwickeln wird, so springt mir der Teufel doch immer mehr ins Blickfeld. Auch wenn er sich hier nicht in den Vordergrund drängelt, ahne ich bereits, dass er in den folgenden Bänden eine gewichtige Rolle spielen wird (Ok, er ist auch auf dem Cover von Band 3 zu sehen, Spoiler). Lincoln macht mir sowohl als Charakter als auch als Protagonist im Western-Setting immer noch unheimlich Spaß. Manches Mal könnte man sich von seiner „Scheißegal-Mentalität“ eine Scheibe abschneiden und die Dinge ein wenig gelassener sehen. Dies wäre ja grundsätzlich kein negativer Charakterzug. Solange eine gewisse Ernsthaftigkeit gewährleistet bleibt. Denn auch im zweiten Band gibt es durchaus philosophische Ansätze im Hintergrund, bei denen ich mich über und mit Lincoln prächtig amüsieren kann.

© Newsbild: Schreiber & Leser

Lincoln Band 2: Der in den Wind spricht ist erschienen bei Schreiber & Leser – ISBN: 978-3-946337-69-0

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Lincoln Band 1: Auf Teufel komm raus – Unsere Comic-Rezension

Lincoln Band 1: Auf Teufel komm raus – Unsere Comic-Rezension

Als Kind habe ich gerne auch mal die Lucky Luke-Comics gelesen und die Zeichentrickserie geschaut. Im Fernsehen kamen hin und wieder die „Western von gestern“ und ansonsten habe ich mich bei den Prügeleien von Bud Spencer und Terence Hill amüsiert, sowohl bei den modernen Filmen als auch bei den älteren Westerngeschichten. Ich kenne ein paar der Klassiker aus dem Fernsehen, ansonsten waren Wildwest-Geschichten nie mein Ding. Kurioserweise sprachen mich die Prämisse und das Cover vom ersten „Lincoln“-Band direkt an, entweder weil ich eine lakonische Geschichte erwartete oder weil ich dem Gesichtsausdruck von Lincoln auf dem Cover mehr Bedeutung gab. Eventuell handelte es sich doch um ein sogenanntes „Funny-Comic“, so wie sie früher tatsächlich häufiger auch im franko-belgischen Raum inszeniert wurden.

Wie sich herausstellen sollte, wird der „Flunsch“, wie der Gesichtsausdruck von Lincoln genannt wird, ziemlich weit vorne in der Geschichte bereits thematisiert. Aber sonst hätte ich nicht weiter mit meiner Einschätzung danebenliegen können. Sicher, lakonisch ist unser Protagonist schon, aber alles andere um ihn herum spielt in einer anderen Liga und schert sich einen „feuchten Kehricht“ um ihn oder seine Probleme. Bis dann auf einmal Gott auftaucht und sich unter all den treulosen Seelen und Sündern unseren halbstarken Cowboy aussucht. Doch dazu müssen wir kurz etwas ausholen…

 

Lincoln nimmt sich gerne die Dinge, die er benötigt. © Schreiber & Leser

 

Lincoln ist ein Verlierer, niemand interessiert sich für ihn, also beschließt er, sich auch nicht für die anderen zu interessieren. Wir erfahren auf den ersten Seiten, wie er zu dem 19-jährigen „Mann“ geworden ist, den wir fortan begleiten werden. Er macht sein Ding, überfällt andere Menschen und holt so ziemlich bei all seinen Aktivitäten stets nur das Beste für sich heraus. Gewissensbisse? Fehlanzeige. Eines Tages beim Fischen mit Dynamit kommt jedoch ein Mann zu ihm ans Ufer, mit Hut und Poncho gekleidet, und verwickelt Lincoln ungewollt in ein Gespräch. Dieser Mann stellt sich als Gott vor und prangert den mangelnden Respekt von Lincoln, ihm und den anderen Lebewesen gegenüber, an.

 

Einige Seiten sind völlig ohne Dialoge gestaltet und funktionieren dennoch hervorragend, um die Geschichte voranzutreiben. © Schreiber & Leser

 

Lincoln zu Gott, auf die Frage hin, warum er so unleidlich sei:
„Du hast offenbar nichts Besseres zu tun, deshalb will ich dir antworten. Ich bin unleidlich, weil du mir den freien Willen dazu gegeben hast. Mehr noch, du hast es mir freigestellt, Deine Schöpfung als einen Haufen Mist anzusehen, der mir nur begrenzt Vergnügen bereitet. Und letztlich hast Du mir die Freiheit geschenkt, Dich zum Teufel zu schicken. Ich kann Dir sogar in den Hintern treten. Wie ich es regelmäßig mit einigen Deiner Jünger zu tun pflege.“

Ich möchte diesen Satz als einen Kernsatz im ersten Band herausstellen. An ihm zeigt sich hervorragend, womit wir es bei Lincoln zu tun haben. Der erste Band macht von Anfang an klar, dass es der Leser hier nicht mit klischeebehafteten Geschichten rund um einen Cowboy und seinen Alltag zu tun bekommt. Vielmehr zeigt sich hier bereits eine Richtung, die im Verlauf des ersten Bandes noch weitere Ausprägungen erhalten soll. Lincoln schert sich einen Teufel (Wortspiel beabsichtigt, der Beelzebub hat auch einen kurzen Auftritt) darum, was Gott von ihm hält und bringt sich immer wieder in schwierige Situationen. Schließlich beschließt Gott Lincoln seine Allmacht zu demonstrieren und macht ihn unsterblich. Aber auch das stellt Lincoln natürlich auf die Probe und macht seine Erfahrungen damit. Es dauert nicht lange und Lincoln wird geschnappt, gehängt und begraben, nur um kurz darauf von Gott wieder ausgegraben zu werden. Als Lincoln nach einer Weile anfängt sich um die Nöte eines Dorfes zu kümmern und einen Bankräuber dingfest macht, feiern ihn die Bewohner des Dorfes. Etwas, mit dem er nicht umgehen kann. Als sich dann zum Abschluss des Bandes auch noch Jünger Lincoln anschließen wollen, um mit ihm eine Bande zu gründen, erfährt die Erzählung einen höchst amüsanten Höhepunkt.

 

Auf dem Cover kommt der Flunsch schön zur Geltung. Achtet auch mal auf die Peitschenspitze im Buchstaben I vom Titel… © Schreiber & Leser

Fazit

Lincoln ist ganz anders, als ich es erwartet habe. Hier werden philosophische und theologische Themen angesprochen und bearbeitet, die den Leser bei dem einen oder anderen Gedankengang durchaus kalt erwischen können, was ich bei Weitem nicht in einem „Western-Comic“ erwartet hätte. Das Ganze ist so schön „schnorrig“ und politisch inkorrekt, dass es nur so eine Freude ist. Sicher werden einige gläubige Menschen mit der Darstellung Lincolns oder auch Gottes ihre Probleme haben, erst recht, wenn der Protagonist zum Abschluss des Bandes als Messias gepriesen wird, der Jünger um sich schart. Ich bin gespannt wie es inhaltlich weitergeht, inszenatorisch bleibt Lincoln recht konservativ, was man durchaus auch als Absicht deuten kann. Langweile Anordnung der Panels, kein Ausbrechen nach links oder rechts, keine Splashpages. Dennoch trauen sich Jérôme Jouvray und seine Geschwister auch mal seitenweise nur die Zeichnungen für sich sprechen zu lassen und ohne Dialoge zu inszenieren die Geschichte voranzutreiben. Warum diese Reihe so lange nach Deutschland gebraucht hat ist wirklich unverständlich, im Heimatland Frankreich kam der erste Band bereits im Jahr 2002 heraus. Zum Glück hat Schreiber & Leser bereits weitere Bände von Lincoln im Portfolio, von denen im Original bisher insgesamt 9 erschienen sind. Ich kann gar nicht abwarten die Geschichte von Lincoln weiterzuverfolgen, auch die weiteren Bände werde ich hier in Zukunft auf playto besprechen. Klare Kaufempfehlung!

© Newsbild: Schreiber & Leser


Lincoln Band 1: Auf Teufel komm raus ist erschienen bei Schreiber & Leser – ISBN: 978-3-946337-68-3
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Silver: Das Lied vom Blut & Tag des Zorns – Band 3 und 4 in unserer Comic-Rezension

Silver: Das Lied vom Blut & Tag des Zorns – Band 3 und 4 in unserer Comic-Rezension

Die Hebel wurden in Gang gesetzt, alle Figuren sind an ihrem Platz, der Plan läuft bisher wie geplant. Jetzt müssen nur noch alle Ereignisse ineinandergreifen und schon steht dem größten Raub der Geschichte nichts mehr im Weg. Ein Fälscher, ein Schauspieler, Vampirjägerin Rosalynd Sledge, der Junge Tao, dazu zwei Gauner-Kumpel sowie James „Finn“ Finnigan selbst – diese Truppe hat es geschafft, kurz vor der Walpurgisnacht in die Burg des Grafen Dracula einzudringen und dort unerkannt zu agieren.

Zur Auffrischung empfehle ich euch nochmal die beiden Besprechungen zu den ersten zwei Büchern Der Fluch des Silberdrachen und Orient Express zu lesen, um wieder auf den aktuellen Stand zu kommen. Die Geschichte geht in Band 3 natürlich nahtlos weiter und wird abschließend in Band 4 mit einem Finale beendet. Auch in „Das Lied vom Blut“ muss sich die Truppe wie bereits erwähnt an die Begebenheiten anpassen, die sich ihr präsentiert. Dabei wird ersichtlich, dass Sledge noch andere Pläne verfolgt, die mit ihrer Vergangenheit zu tun haben. Eines Nachts entdeckt Rosalynd, dass die Vampir-Prinzessin Lillian mitsamt Gefolge das Schloss verlässt. Da sie mit der bluttrinkenden Dame noch eine alte Rechnung offen hat, verfolgt sie die Blutsauger. Dabei droht der ursprüngliche Plan aufzufliegen, wovon Finn weniger begeistert ist und sie verfolgt…

Und somit startet das erste Kapitel des 3. Bandes auch ziemlich actionreich und streut Misstrauen zwischen Finn und Sledge. Letztendlich soll sich dieser Ausflug von Sledge aber für das weitere Vorgehen als durchaus hilfreich erweisen, wobei das Element der Improvisation hier auch eine Rolle spielt. Insbesondere im zweiten Kapitel aus dem Lied vom Blut holt Schreiber und Zeichner Stephan Franck nochmal alles hervor und bereitet Sledge einen ganz persönlichen Moment mit ihrer Schwester. Hier bricht er ein wenig mit dem vorhergehenden Artstyle und präsentiert dem Leser eine optische Abwechslung. Dies erreicht Franck, indem er die Panelstruktur aufbricht und ganzseitige Zeichnungen einbaut, die suggerieren, dass hier die Zeit kurz stillsteht und es für Sledge sehr intim wird. Im letzten Kapitel kommt Franck nicht umhin, die Protagonisten in eine ausweglose Situation zu manövrieren, schließlich bildet dies das letzte Kapitel vor dem Finalbuch.

Fury, wie wäre es mit einem kleinen Ausritt?

Das Finale mit dem Tag des Zorns

Graf Dracula wurde getäuscht und durch einen simplen Trick beinahe für immer vernichtet. Doch er konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen und sinnt nun natürlich auf Rache. Finn und sein Team haben ihm nicht nur seinen kostbarsten Schatz, den Silberdrachen, entwendet, sondern ihn mit einer grandiosen Finte dazu gebracht, sein Schloss in die Hände des Teams zu spielen. Wie das, fragt ihr? Nun ja, in Draculas Schloss gelangt man an sich nicht so einfach hinein, nur durch Tricksereien hat es das Team geschafft. Wenn wir uns nun an den ersten Band von Silver und die Erwähnung von General Chen erinnern, der den Grafen verfolgte und auf einmal bei Tagesbeginn die Spur samt dem Schloss mit einem Mal verlor, dann erhalten wir nun eine Auflösung des Rätsels. Gekonnt spannt Franck hier den Bogen und macht ein für alle Mal klar, dass Silver eine durchgehende, in sich stimmige Erzählung ist, die nur in ihrer Gänze das volle Potenzial entfaltet. Sobald Dracula den Befehl gibt, erheben sich aus den Katakomben der Burg die alten steinernen Leichen, tragen das Gebäude Stein für Stein ab und verfrachten es mittels eines Zuges an einen anderen Standort. Diesen Trick nutzen Finn und Company aus, indem sie die Lokomotive samt Waggons an sich reißen und nun mit dem Material in den Waggons fliehen wollen. Dort befinden sich in den Waggons dann auch sämtlich Schätze und Kostbarkeiten aus den Tiefen der Schatzkammer, also eigentlich ein cleverer Heist, oder?

Ich will hier natürlich nicht das Ende vorwegnehmen, nur so viel sei gesagt: Auch James Finnigan ist trotz aller Gerissenheit nicht davor gefeit auch selbst einmal Opfer eines Trickbetruges zu werden. Wie du mir, so ich dir. Das Ende lässt schlussendlich den Leser zufrieden zurück, nicht ohne noch einen kleinen Epilog mit einzubauen, der weitere Geschichten im Silver-Universum zulässt.

Der heiße Stuhl war auch schon mal bequemer.

Fazit

Insgesamt erzählt Stephan Franck in den vier Bänden der Silver-Reihe eine in sich abgeschlossene Geschichte, die immer wieder auch überraschen kann. Durch die Bank gefällt mir sein gewählter visueller Stil, der nur in vereinzelten Szenen ein wenig die Übersicht auf das Geschehen vermissen lässt. Doch dies führte bei mir nicht dazu, dass ich den Eindruck bekam, er wisse nicht was er tut, denn das gelingt ihm nahezu durchgehend. Man merkt ihm, auch gepaart mit den Anhängen in jedem einzelnen Buch, an, dass er ein Szenerist ist, der sich über jede einzelne Seite und ihre optische Wirkung Gedanken gemacht hat. Hier und da störten mich einige Schwächen im Lektorat, wenn beispielsweise Buchstaben fehlen oder ein Satz nicht ganz Sinn ergibt. Dies störte in keinster Weise das Gesamtwerk und ließ mich auch nicht den Fokus aus der Geschichte verlieren. Licht und Schatten sind in der Darstellungsform bei Silver das Hauptaugenmerk und hier kann Stephan Franck durch die Bank punkten. Strukturell wechseln sich die ruhigen und actionreichen Passagen im Verlauf der 4 Bücher gut ab, es wird nicht langweilig. Im Gegenteil, ich konnte das Werk gut auch nach anstrengenden Tagen auf dem gemütlichen Sofa genießen und war gespannt auf die Auflösung, die mich nicht enttäuscht hat. Es bleibt mir abschließend zu sagen, dass Silver in seiner gänzlichen Form nur mit allen 4 Büchern sein volles Potenzial entfaltet und abschließend durchaus noch die Lust auf mehr Abenteuer rund um Finn und Sledge besteht.

Silver Band 3: Das Lied vom Blut von Stephan Franck ist erschienen bei Schreiber&Leser – ISBN: 978-3946337287
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Silver Band 4: Tag des Zorns von Stephan Franck ist erschienen bei Schreiber&Leser – ISBN: 978-3946337768
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Silver Band 2: Orient Express – Unsere Comic-Rezension

Silver Band 2: Orient Express – Unsere Comic-Rezension

In Band 2 von Silver ist das Team rund um James „Finn“ Finnigan bereits in Europa angekommen und bereitet sich auf die erste schwere Etappe auf der Suche nach dem Silberschatz vor. Im ersten Band musste sich die Truppe zusammenraufen und machte Pläne, insgesamt präsentierte uns Zeichner und Autor Stephan Franck größtenteils doch eine längere Exposition. Zum Schluss befanden sich alle Personen an Bord eines Schiffes und schauten der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen. Insbesondere der kleine Junge Tao, der die Gabe hat in die Zukunft zu sehen, ist sich seiner Aufgabe durchaus bewusst, dies hält ihn dennoch nicht davon ab, das Team auf der Suche nach dem riesigen Silberschatz zu unterstützen. Doch wer oder was steckt hinter diesem millionenschweren ominösen Schatz?

Dieser Schatz wurde von niemand Geringerem als Graf Dracula selbst zusammengetragen. Der Silberdrachen war ein sagenhafter Schatz der Antike, der sich bis etwa 2800 vor Christus in der Mongolei befand und von einem großen Kriegsherrn namens Drah-Khann in einer Burg zusammengetragen wurde. Drah-Khann oder Drache war ein gnadenloser Herrscher mit einem unersättlichen Blutdurst und einer Vorliebe für Silber. All dieses über Jahre zusammengetragene Silber wurde von ihm zu Barren geschmolzen, aus denen er sorgfältig den riesigen Silberdrachen errichtete. Doch hinter diesem Silber waren auch andere Menschen her, so kam es, dass die Herrschaft Drah-Kanns endete und er von einem General Chen verfolgt und bedroht wurde. Jedoch verschwanden Drah-Khann und die Burg auf mysteriöse Weise und wurden weder von General Chen noch von jemand anderem wiedergesehen, bis ein gewisser Jonathan Harker über diesen Schatz stolperte.

Bei Drah-Khann und Graf Dracula handelt es sich wohl um dieselbe „Person“, wenn man bei Vampiren davon sprechen kann. Dracula sperrt Jonathan Harker in seiner Festung ein und verliebt sich Hals über Kopf in Mina Murray, die Verlobte von Harker, als er ein Bild von ihr bei Harker findet. Harker kann zwar mit einem Silberbarren aus der Burg Draculas entkommen und schreibt seine Erlebnisse in einem Buch nieder, er verliert jedoch seine Verlobte an Dracula. Jahre später findet ein gewisser James Finnigan dieses Buch samt Silberbarren und befindet sich nun auf dem Weg zur Festung von Graf Dracula. Mit dabei: ein Team wie es unterschiedlicher nicht sein könnte.

Finn und Sledge besorgen sich ihre Informationen nicht immer auf legalem Wege.

 

Der Einstieg in Band 2 ist wieder einmal gelungen, wir finden unser Team relativ schnell im Orient Express wieder. Dieser bringt die Passagiere, Menschen und Vampire, direkt bis zur Festung von Graf Dracula. Finnigan und sein Team haben alles soweit ausgekundschaftet und verstecken sich unter den Vampirgästen des Zuges, der sie in die Höhle des Löwen bringt. Jedes Jahr zur Walpurgisnacht im Mai werden besonders redliche Vampire als Gäste zur Burg von Graf Dracula eingeladen. Dieses Jahr steht auch die Vermählung des Grafen an, weswegen sich auch die künftige Braut unter den Fahrgästen befindet. Mina Harker ist es schon mal nicht, soviel sei verraten, jedoch hat sie später in Band 3 noch einen Auftritt.

Im ersten Kapitel des zweiten Buches kommen die Protagonisten des Teams rund um James Finnigan erstmals zum Tragen: ein Fälscher, ein Schauspieler, Rosalynd Sledge, die sich als Vampirjägerin verdingt und Enkelin von einem gewissen van Helsing ist, der Junge Tao, dazu zwei Gauner-Kumpel von Finn und James Finnigan selbst. So ergaunert sich das Team auf der ersten Seite des zweiten Buches eine Einladung zur Feier von Graf Dracula und versteckt sich unter den weiteren Vampiren des Orient Express. Im Verlauf des zweiten Buches gelingt es dem Team sich verdeckt unter den Vampirgästen zu bewegen, sich für den großen Coup in Position zu bringen und die Hochzeitsfeier zu unterwandern. Ob sie sich da nicht zu viel vorgenommen haben? Es bleibt spannend und in Buch 3 werden wir schon bald die Auswirkungen der Vorbereitungen zu sehen bekommen.

In allen 4 Büchern der Silver-Reihe finden sich in den Anhängen noch viele Informationen zu den Vorgängen hinter den Kulissen. Dort beschreibt Franck selbst, wieso er auf bestimmten Seiten in der Geschichte den entsprechenden Blickwinkel gewählt hat, um seine Geschichte zu erzählen. Dort ist auch nachvollziehbar, wie sich Panels oder komplette Seiten vom ersten Entwurf bis hin zur fertigen Seite entwickelt haben. Das liest sich teilweise genauso fesselnd wie die besten Stellen in der Geschichte an sich. Ein Blick hinter die Kulissen des Künstlers, insbesondere eine textliche Einordnung durch den Künstler selbst bekommt der Leser auch nicht alle Tage. Und dadurch, dass sich auch immer nur auf die Kapitel bezogen wird, die im jeweiligen Buch enthalten sind, wird durch den Background auch nichts vorweggenommen. Skizzen und Artworks sind in Anhängen von Comics und Graphic Novels natürlich nichts grundsätzlich Neues, aber solche Einblicke geben dem Leser manchmal schon noch ein wenig mehr auf dem Weg, wie sich ein Künstler dieser Kunstform annähert und diese entwickelt. Bestenfalls unterstützt es die Wertschätzung dessen, was der Leser vorher erfahren durfte, was ich im Falle von Silver so einstufen würde.

Mit dem Zug ins Verderben?

Fazit

Gekonnt inszeniert Stephan Franck durch passende Blickwinkel die Spannung auf den ersten Seiten innerhalb des Zuges. Überhaupt profitiert Franck in seiner Darstellung unheimlich davon, bereits als Regisseur und Storyboard-Artist gearbeitet zu haben. So entwickelt er innerhalb der Geschichte von Silver immer wieder passende Momente der Spannung, aber auch die Abwechslung zwischen ruhigen und actionreichen Passagen gelingt ihm mühelos. Dies erreicht er nicht nur durch die Aktionen der Akteure innerhalb der Geschichte, sondern auch durch eine abwechslungsreiche Anordnung der jeweiligen Panels. Als erfahrener Akteur weiß er nur zu gut, wann die Bilder die Geschichte vorantreiben müssen und dementsprechend detailarm ausgestattet sind und wann der Detailreichtum den Leser zum Innehalten anregt und das Tempo gedrosselt werden sollte.

 

Silver Band 2: Orient Express von Stephan Franck ist erschienen bei Schreiber&Leser – ISBN: 978-3-946337-22-5

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Silver Band 1: Der Fluch des Silberdrachen – Unsere Comic-Rezension

Silver Band 1: Der Fluch des Silberdrachen – Unsere Comic-Rezension

Zugegeben, das Cover zum ersten Band von Stephan Francks Silver-Reihe irritiert zunächst, lässt es doch einen gänzlich anderen Einstieg in die Geschichte vermuten. Statt einer Kick-Ass Heldin, die mit ihrem Katana ein paar Vampire schnetzelt, beobachten wir im New York Anfang der 30er-Jahre eine Auktion von Wertgegenständen. Langweiliger kann man einen Einstieg in einen Comic gar nicht gestalten? Fehlanzeige, es ist spannend ab der ersten Seite.

Diese Versteigerung bildet nur oberflächlich das Einstiegssetting, spielt sich doch im Hintergrund gleichzeitig ein Raubüberfall ab, ohne dass es den anwesenden Personen weiter auffällt. Wir lernen unseren Protagonisten namens James Finnigan kennen, der sich als FBI-Agent getarnt unbemerkt an eines der begehrten Sammlerstücke in einem Nebenraum begibt. In bester Mission Impossible-Manier sorgt er dafür, dass er mit einer Maske getarnt mit dem Schmuckstück allein im Raum verbleiben darf, um seiner Gaunerei nachzugehen. Scheinbar am Ziel angekommen, nimmt der Heist dann doch noch eine andere Wendung und Finnigan wird gezwungen zu improvisieren. Vielleicht war der Vergleich mit Tom Cruise doch nicht so passend, eher Nathan Drake aus Uncharted…?

Auf seiner Flucht vor FBI-Agenten und Polizisten ist Finnigan per Funk mit seinen Kumpanen draußen in einem Van verbunden, doch die können ihm nicht helfen, also muss er improvisieren. Dabei bekommt er überraschende Hilfe von einem Küchenjungen, als dieser ihm ein passendes Versteck aufzeigt, wo er nicht gefunden wird. Der Junge wird im Verlauf der Geschichte noch eine weitere Rolle spielen, zunächst führt er Finnigan aber in eine weitere vermeintliche Falle. Letztendlich gelingt Finnigan die Flucht und er stößt auf ein altes Buch sowie einen beigefügten Silberbarren. Dennoch muss der Coup als Fehlschlag angesehen werden, da der Schlüssel zu einem Bankschließfach, um den es eigentlich die ganze Zeit ging, bei der Flucht verlorenging und somit die Aussicht auf mehrere Millionen endgültig besiegelt scheint.

Zu Beginn des zweiten Kapitels scheint alle Hoffnung nun verloren, doch da sind ja noch das ominöse Buch und der Silberbarren. Im Buch stößt James Finnigan auf einen weiteren Hinweis, der ihn auf die Enkelin von Abraham van Helsing stößt und auf ein Schloss, in dem noch viel mehr Silber lagert, als sie es sich jemals erträumen können. Also macht sich Finnigan auf den Weg, Rosalynd Sledge, die einzige noch lebende Nachfahrin von van Helsing, aufzuspüren und sie für die Mission nach dem Silber zu akquirieren.

Im Verlauf des ersten Bandes von Silver lernen wir noch weitere Verbündete kennen und so stellt Finnigan ein Team aus Fälschern, Schauspielern, Vampirschlächtern und einem Kind zusammen, das sich auf die Reise nach Europa macht, um das sagenumwobene Schloss voller Vampire zu finden und das Silber zu bergen. Der erste Band endet mit der Schiffsreise in eine ungewisse Zukunft, mit einer Truppe, die gut und gerne auch in einem Film aus der Ocean´s Eleven-Reihe stammen könnte.

Gleich zu Beginn steigt Stephan Franck mit seiner Reihe actionreich ein und nimmt den Leser mit auf eine Tour de Force durch das erste Kapitel. Zwischendurch bleibt keine Verschnaufpause, auch wenn in den beiden anschließenden Kapiteln die Geschichte mit ein wenig mehr Fleisch ausgestattet wird. Optisch verbleiben wir in dieser Reihe im Bereich der schwarz-weißen Gestaltung des Geschehens und das passt nicht nur gut zum Setting, ich habe im ersten Abenteuer rund um Finnigan auch keine farbliche Gestaltung vermisst. Irritiert hat mich zunächst die Arbeit von Franck im Bereich der Aufrasterung von größeren Flächen. Die Zeichnungen werden von ihm am Computer scheinbar noch mit Druckrasterung nachbearbeitet, um eine größere Tiefe zu erreichen und um innerhalb der komplett schwarzen und weißen Bereiche eine Zwischenstufe zu haben, die mehr Tiefe darstellt. Im Verlauf der Geschichte hat sich diese Irritation selbstverständlich gelegt und ich konnte die Arbeit als künstlerischen Ansatz akzeptieren, der sich durchaus von anderen Gestaltungen unterscheidet.

Silberner Stahl trifft auf Vampire – Rosalynd Sledge macht keine Kompromisse!

Fazit:

Die Exposition der Geschichte bildet nahezu den kompletten ersten Band ab. Gäbe es nicht den fulminanten kalten Einstieg in die Erzählung, man müsste das Vorhaben als zu langweilig kritisieren. Dennoch baut Stephan Franck ein interessantes Setting auf, welches wahnsinnig viel aus der zeitlichen Verortung in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts profitiert. Es mag gewagt erscheinen, in der heutigen Zeit ernstzunehmende Vampire in eine Geschichte mit aufzunehmen und sie zum Kern der Erzählung zu machen. Ähnlich wie Zombies sind Vampire in den neuzeitlichen Medien der letzten Jahre doch arg in Mitleidenschaft gezogen worden, was ihre Bedrohung angeht (danke Twilight und Co.). Franck schafft es aber spielend, dieses Dilemma zu umgehen und schafft es mit stimmungsvoller Perspektive in seinen Bildern und passenden Dialogen uns die Charaktere näher zu bringen. Gegen Ende hat der Leser das Verlangen nun endlich richtig in die Geschichte einzusteigen, was im folgenden Band auch geschehen wird, so viel sei verraten. Der Fluch des Silberdrachen ist stark genug die Protagonisten in ihren Bann zu ziehen, den Leser hat er zumindest am Haken, auch wenn die weitere Reise noch nicht klar dargelegt ist. Ob der silberne Schatz halten kann, was er hier verspricht, wird sich spätestens im Orient Express in Band 2 herausstellen.

 

Silver Band 1: Der Fluch des Silberdrachen von Stephan Franck ist erschienen bei Schreiber&Leser –
ISBN: 978-3-946337-24-9

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