Under the Tree in unserer Filmkritik

Island ist nicht gerade als Filmland bekannt. Bei der Einwohnerzahl auch kein Wunder und dennoch kommen hin und wieder kleinere Perlen hervor oder großartige Regisseure, die dank der isländischen Förderung eine Chance bekommen. So auch der Regisseur Hafsteinn Gunnar, der 2013 mit dem Film Prince Avalance auf sich aufmerksam machte. Nun kommt er mit einer bitterschwarzen Komödie, die in vielen Punkten eher wie ein Thriller wirkt. Ein einfacher Nachbarschaftsstreit eskaliert wegen Belanglosigkeiten. Am Ende gibt es weniger zu lachen, doch der Grund dieser Eskalation ist schlichtweg ein Witz. Doch hinter jedem Witz verbirgt sich vielleicht ein Fünkchen Wahrheit und so lässt sich dieser Nachbarschaftsstreit gar auf die größeren Konflikte in dieser Welt übertragen.

 

Die Geschichte dieses Filmes spielt natürlich in Island. Das Ehepaar Inga und Baldvin lieben ihren Garten und noch mehr lieben sie ihren Baum! Doch ihre Nachbarn teilen nicht unbedingt die Liebe zu diesem Baum, da er einen viel zu großen Schatten auf die Terrasse der wohlsituierten Nachbarschaft wirft. Also keine Sonne und ohne Sonne kann niemand den Sommer richtig genießen. Also werden Inga und Baldvin gebeten, den Baum doch zu stutzen oder gar zu fällen. Doch nichts da! Der Sohn von Inga und Baldvin, Atli, hat währenddessen ganz andere Probleme. Schuld ist ein kleines Sex-Video, wo er und eine andere Frau zu sehen sind, dass zu einem Streit mit seiner Frau führt, da sie ihn dabei erwischt, wie er sich das anguckt und dabei masturbiert. Also zurück in das Elternhaus und seine Tochter darf er auch nicht mehr sehen. Zurück bei seinen Eltern bedeutet auch, dass er mitten im Nachbarschaftsstreit ist und hier werden mittlerweile härtere Geschütze aufgefahren. Kettensägen, Überwachungskameras und dazu wird auch noch die geliebte Katze von Inga vermisst. Natürlich stehen die Nachbarn sofort unter Verdacht…

Am Anfang ein skeptischer Blick über die Hecke…wenn der wüsste. © Netop Films

Auch wenn dieser Film in Island spielt, so kann die Geschichte sich eben nicht umsonst auf internationalen Festivals behaupten. Egal ob Deutschland, Frankreich oder auch in den USA. Ein Streit zwischen Nachbarn wurde schon in sämtlichen Filmen, Serien oder TV-Shows behandelt. Dazu kommt es, dass dieser kleinbürgerliche Vorort auch locker bei uns in Deutschland liegen könnte, mit all seinen Sünden und Leichen in den Kellern. Ruhig ist jedenfalls etwas anderes. Der einzige Hinweis, dass dieser Film eben im Norden von Europa spielt, ist das taubgraue Nordlicht, was sich wie ein Filter über die Breitbildlinse stülpt. Dabei werden dann aber doch die Kontraste deutlich. Während die Eltern von Atli gutbürgerliche Probleme haben, sich mit den Nachbarn um Nichtigkeiten streiten und in einer Welt leben, die sie nicht mehr verstehen, lebt er eher bodenständig. Fast schon herzzerreißend die Szene, als er seine Tochter aus dem Kindergarten abholt und nicht im Garten oder einem Park picknicken geht, sondern neben dem Parkplatz von einem Ikea. Die sehr konservativen Eltern verurteilen ihren Sohn und haben kein Verständnis dafür, dass er so mit seinem Leben umgeht. Das passt gut, denn die Nachbarn sind vielleicht auch gutbürgerlich aber auch deutlich hipper. Die viel jüngere Frau fährt regelmäßig Fahrrad, achtet auf ihr Äußeres und legt viel Wert auf ein jugendliches, gleichzeitig aber auch geordnetes, Leben. Der Mann dagegen sammelt gern Waffen und passt sich seiner Freundin an. Auf Streit ist er am Anfang noch gar nicht aus und wirkt sogar, als würde er sich von allen herumschubsen lassen. Doch relativ schnell zeigt sich, dass er seine Krallen auch ausfahren kann, wenn er will.

Die Autoren schaffen Konflikte, die völlig absurd wirken. In den Dialogen werden sich Argumente ausgetauscht, die nicht nur unlogisch, sondern auch sehr harsch oder roh wirken, teils auch beleidigend. Aus einem eigentlich banalen Grund, schaukeln sich die Protagonisten in ihren Konflikten hoch, bis es zur Tragödie kommt. Die Kommunikation findet statt, aber eben auf einer völlig falschen Art und Weise und an den Stellen, wo eine Aussprache Abhilfe geschaffen hätte, gibt es nur Verurteilungen oder falsche Beschuldigungen. Interessant dabei ist, dass Atli nicht als reif gilt und deswegen nicht so ganz in die Familie passen will, gleichzeitig aber derjenige ist, der verständlich versucht, seine Ehe zu retten. Der Zuschauer hat gerade mit ihm eher Verständnis und das, obwohl seine Fehltritte bekannt sind und auch weiteres Fehlverhalten dazu kommt. Doch Fehler macht jeder und es ist die Kunst, damit umzugehen. Es ist ebenfalls eine Kunst, in diversen Situationen nicht überzureagieren und sich zu beherrschen. Etwas was seine Eltern nur bedingt können. Sein Vater Baldvin mag hier noch etwas besonnen wirken, doch in Wirklichkeit will er sich nicht mit seiner Frau anlegen und seine Ruhe. Seine Mutter Inga dagegen kam immer noch nicht darüber hinweg, dass der zweite Sohn sich selbst umbrachte. Ihren Frust lässt sie nicht nur an die Nachbarn aus, sondern auch an ihrem letzten Sohn und ihrem Mann.

Die Säge für den Baum ist schon vorbereitet. © Netop Films

Der Baum dient in dieser Geschichte auch als Sinnbild für Streitereien. Zwei unterschiedliche Wahrnehmungen und zwei unterschiedliche Ansichten. So behandelt unser älteres Ehepaar den Baum wie ein heiliges Objekt. Ein Objekt, was sie seit Jahrzehnten kennen, pflegen und was für ihre lange gemeinsame Zeit in diesem Haus steht. Dieser Baum hat sie mehrere Jahre über begleitet. Das andere Ehepaar dagegen hat keine emotionale Bindung zu diesem Baum, auch finden sie ihn nicht sonderlich schön. Eher stört er eben! Unter diesem Baum findet also nun ein Streit statt, der Eigentum, Haustiere und auch Personen in Gefahr bringt. Dem Baum ist das selbst alles egal, sie leben, streiten und bekämpfen sich unter ihm. Bis zum bitteren Ende, als die beiden älteren Männer, die für ihre Frauen eben in die Schlacht ziehen, zu spät merken, dass sie für etwas Stumpfes in den Kampf zogen. So lächerlich diese Geschichte sein mag, so spiegelt sie aber in den meisten Fällen doch auch die größeren Konflikte in dieser Welt wieder. Entsteht ein Streit nicht fast immer durch Nichtigkeiten und ist es nicht auch so, dass es erst eskalieren muss, bis die Menschen aus ihren Fehlern lernen? Auch Atli muss das noch lernen, als er mit Ausreden und Übergriffigkeit versucht seine Frau wieder zu bekommen. Doch bei einem Mietertreffen, wo die Mieter des Hauses über ihre Sorgen reden, platzt ihr der Kragen und sie erzählt die peinliche Geschichte, wie sie ihn erwischte. Dabei stellt sie Atli bloß und er begreift, dass er besonders in diesem Haus keine Zukunft mehr hat. Die Scham und das Gefühl bloßgestellt zu werden, hätte gar nicht erst so weit kommen dürfen.

Dabei gibt es auch kluge Beobachtungen von so einer vermeintlichen Idylle. Nichts ist so wie es scheint. Fährt man mit dem Auto durch solche Vororte, wirkt alles sehr friedlich und ordentlich. Blicken wir aber dann hinter die Fassade, sind Lästereien oder Getuschel das Mindeste. Was für Bösartigkeiten sich Menschen aber einfallen lassen können und dass jeder Mensch Leichen im Keller hat. Dabei geben sich die Protagonisten scheinheilig und beschweren sich gern über andere, sind aber selbst nicht besser. Da werden auch einmal gern Autoreifen zerstochen oder mit Gewaltakten gedroht. Der Thrilleraspekt kommt daher, dass nicht immer offengelegt wird, ob es wirklich einer der Bewohner war. So bleibt dem Zuschauer auch nur das Mutmaßen und er oder sie tappt selbst in die Falle, sich zu schnell ein Urteil zu bilden. Am Ende wird der Film ganz dramatisch und zeigt die Folgen davon, wenn sich erwachsene Menschen nicht zusammenreißen können. Die Hauptverantwortlichen müssen aber am Ende nicht die Rechnung tragen, dafür aber das Leid. Aber auch der Zuschauer erfährt in der letzten Szene, dass dieser Konflikt völlig überzogen wurde. Gelächter bleibt in dieser Komödie stumm, erst wenn ihr über das Gesehene nachdenkt, wird es lustig. Die Absurdität dieser Geschichte ist bittersüß.

Die Schauspieler machen dabei alle einen gelungenen Job und spielen ihre Rollen glaubwürdig. Insbesondere Edda Björgvinsdóttir spielt ihre Inga gerade so gut. Denn besonders ihre Rolle hätte ins Übertriebene abdriften können und hätte die Bodenständigkeit zerstört. Die Kamera ist oft verwaschen und fokussiert sich sehr auf die Emotionen der Schauspieler. Dadurch wird klar, dass wir es hier nicht mit einer bunten Familienkomödie zu tun haben. All diese Komponenten und das teils depressive Spiel der Schauspieler ergeben am Ende ein großes Ganzes und wissen zu überzeugen.

Der Hund ist ausgestopft? An dieser Stelle gingen eh alle schon zu weit. © Netop Films

 

Fazit

Ein absurder Film, der aber auch weiß, wie er den Zuschauer packt und durch die klugen Beobachtungen in die Familien lässt. Die dichte Atmosphäre macht es schwer auf dem ersten Blick eine Komödie zu finden. Erst mit dem Ende wird klar, auf was der Regisseur eigentlich hinauswill und dann fängt man an zu lachen, auch wenn das Lachen im Halse stecken bleibt und der Zuschauer sich ertappt fühlt.

Hellboy – Call of Darkness in unserer Filmkritik

Hellboy von Regisseur Guillermo del Toro hat die Messlatte für zukünftige Filme aus dem Franchise richtig hochgelegt, auch wenn er von dem Comic etwas abweicht. Nun kommt ein Reboot von Hellboy mit einem etwas anderen Ansatz, dabei soll der Film sich diesmal näher an den Comics orientieren. Die ersten Trailer ließen das Schlimmste befürchten und die Fans waren noch nicht so begeistert. Doch vorweg kann ich Entwarnung geben! Der Film kommt sicherlich nicht an die Vision von del Toro ran, aber ist auch nicht so schlimm wie befürchtet und gerade Fans von Hellboy kommen an diesem Film nicht vorbei. Für leichte Unterhaltung reicht es definitiv!

 

Der Halbdämon Hellboy muss diesmal gegen eine mächtige Hexe ran. Genau genommen gegen die wohl mächtigste Hexe überhaupt und Hexenkönigin schlechthin: Nimue. Nimue wurde damals von König Arthur besiegt, in mehrere Stücke zerteilt, und auf der ganzen Welt verstreut. Das Böse schien besiegt aber ein Diener des Bösen flickt die Hexe wieder zusammen und somit beginnt die Schreckensherrschaft erneut. Hellboy hat die Möglichkeit mit dem Schwert von Arthur die Hexe zu bannen. Doch das Schwert bringt auch das Böse in Hellboy zum Vorschein und seine eigentliche Bestimmung soll dadurch erfüllt werden. Ein innerer Konflikt, eine Reise in die Vergangenheit und eine Entscheidung könnten das Ende der Menschheit bedeuten…

Eine klassische Waffe tut es oft auch. © 2019 Universum Film Verleih 2019

Laut eigener Aussage und auch den Aussagen von unserem Comicexperten ist dieser Film näher an den Comics dran. So gibt es auch in diesem Film Professor Broom, den Ziehvater von Hellboy. Mit ihm wird in diesem Film eine kleine Origin-Story geschildert, ohne wirklich eine Origin-Story zu haben. In der einen oder anderen Rückblende sehen wir wie Hellboy entstand und warum er nicht nur geschaffen wurde, sondern warum er für die Menschen kämpft. Auch die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, kurz B.U.A.P, wird in diesem Film thematisiert und spielt eine wichtigere Rolle. Bekannte Figuren wie Ben Daimio, der sich in eine Raubkatze verwandeln kann, oder Alice Monaghan, eine Seherin, werden Fanherzen höherschlagen lassen. Doch Regisseur Neil Marshall (Centurion) kopiert nicht einfach einen Comic 1:1 und damit müssen sich die Fans etwas anfreunden können. So wird Ben Daimio unserem Hellboy zugeteilt und arbeitet mit diesem stark zusammen. In den Comics treffen diese beiden Figuren zum Beispiel gar nicht aufeinander. Keine schlechte Idee eigentlich, nur leider spielt die Beziehung von Hellboy zu anderen Figuren kaum eine Rolle. Selbst die Beziehung zu seinem Ziehvater, Professor Broom, wird nur oberflächlich beleuchtet, was dazu führt, dass das Ende ganz stark nach Klischee riecht und der Zuschauer selbst keine Bindung zu den Charakteren hat.

Allgemein ist der Film ganz typisch nach Schema F und der Zuschauer wird nicht überrascht. Alles ist vorhersehbar und alles läuft nach einem ganz bestimmten Muster ab. Dies ist der Grund warum es auch etwas an Spannung fehlt. Dagegen, ohne zu spoilern, wird eine Geschichte aufgemacht, die sich am Ende als Plothole herausstellt. Eigentlich sollte dieser Punkt noch aufgelöst werden, aber schnell merkt der Zuschauer, das war alles nur Mittel zum Zweck. Außerdem wird ja am Ende auch schon eine Fortsetzung angedeutet, die zur Not diese Lücke auch schließen kann. Ohne gleich an die Fortsetzung zu denken, scheint in der heutigen Zeit wohl unmöglich zu sein. Aber davon ab geht es hier auch mehr um die leichte Unterhaltung und die ist zum Glück ganz gelungen. Der Humor will vielleicht nicht immer zünden aber die Oneliner sind wenigstens nicht zu nervig und das Erzähltempo ist oft sehr schnell. Das tut dem Film gut, wird allerdings immer wieder mit merkwürdigen Erklärungen ausgebremst, die der Zuschauer gar nicht nötig hätte. Das Gefühl, dass die Macher einfach nur die zwei Stunden voll bekommen wollen, um mehr Geld durch die Überlänge zu generieren, kann ich nicht von der Hand weisen. Dabei hätte so mancher Lückenfüller dazu genutzt werden können, um eben den Charakteren, außerhalb von Hellboy selbst, mehr Zeit zu geben. An manchen Stellen hätte ich, gerade weil ich die Comics auch nicht kenne, die eine oder andere Erklärung benötigt. Ganz verständlich ist das also nicht.

Auch wenn die Sicherheitsbehörden nicht die größten Fans von ihm sind, Hellboy kommt gern zur Hilfe. © 2019 Universum Film Verleih 2019

Dafür funktioniert eben Hellboy selbst sehr gut und die Action ist gelungen. Der Film ist ein toller Spaß und gute Unterhaltung für ein Kino-Wochenende. Ja, durch die schnelle Erzählung bleibt wie gesagt wenig Raum für die Charaktere und die eigentliche Geschichte, dafür wird es dem Zuschauer nie langweilig und am Ende hatten besonders die Fans wohl eine gute Zeit. Das liegt auch daran, dass der Hauptcharakter einiges an Sympathien gewinnt und Spaß verbreitet. Auch die Actionszenen wissen zu unterhalten, aber auch zu ekeln. Dieser Film ist kein Splatterfilm, keine Sorge, aber wenn Augen herausfliegen, kann das schon für ein unschönes Gefühl sorgen, obwohl der Film nicht nur düster ist, sondern auch knallige Farben liefert.

Die Kulissen und das Design der Kreaturen oder Objekte aus der Fantasy-Welt sind auch gelungen und passen sehr gut zur Vorlage. Gerade das Haus von einer sehr berühmten Hexe, die ich noch nicht erwähnen will, ist ziemlich beeindruckend und kreativ. Auch viele Anleihen von verschiedenen Mythen und der Arthur-Saga werden im Film gut integriert. Gerade im Trailer haben die meisten wohl vermutet, dass dieser Film vielleicht zu bunt wird und sich mehr dem Mainstream anbiedert. Letzteres kann ich nicht abstreiten und er sticht weniger aus dem Einheitsbrei der Comicverfilmungen hervor, hat aber dennoch bleibende Bilder hinterlassen, ohne jeden Trend hinterherzurennen. Das Beste an diesem Film ist, dass der Film sich die meiste Zeit wenigstens ernst nimmt und der Humor gar nicht so stark im Vordergrund steht, wie vermutet. Lockeres Popcorn-Kino mit dem Fokus auf der Action und weniger auf dumme Sprüche, die nach einer halben Stunde nerven. Schön, dass das wenigstens noch möglich ist! Dazu noch gelungene Effekte und Masken, die das Gesamtbild abrunden.

Bei den Schauspielern müssen wir zuerst den noch unbekannten David Harbour erwähnen, der überwiegend in vielen Serien oder Nebenrollen seine Brötchen verdiente. Sein Hellboy kommt natürlich nicht an Ron Perlman ran, schon alleine, weil das markante Gesicht fehlt. Aber ganz große Sprünge braucht sein Hellboy auch nicht, da der Charakter viel weniger ausgearbeitet ist und einfach nur als Sympathieträger funktionieren soll. Auch Ian McShane als Professor Broom reißt keine Bäume raus und erfüllt seinen Job solide. Daniel Dae Kim, der Ben Daimio spielt und Sasha Lane, die Alice Monaghan darstellt, spielen eine untergeordnete Rolle und machen einfach nur ihre Arbeit. Nicht mehr und nicht weniger. Das liegt aber auch am Drehbuch, dass die Charaktere im Grunde keinen Charakter haben und die Schauspieler gar nichts aus den Figuren herausholen können. Die größte Überraschung ist wohl Milla Jovovich, die wohl doch mehr kann als man ihr zutrauen möchte. Nein, ihre Performance ist nicht die Beste und sie bleibt weiterhin eine sehr limitierte Schauspielerin, aber sie war im gesamten Film tatsächlich die Figur, mit der ich am meisten Freude hatte.

Fazit

Dieser Film muss sich natürlich an seinen Vorgängern messen lassen und bei diesem Vergleich hat er schlichtweg keine Chance, Punkt! Aber unabhängig davon und wenn ihr auch nicht mit zu hohen Erwartungen in den Film geht, werdet ihr einen tollen Abend haben. Kauft euch vorher eine Packung Popcorn und Bier, dann habt ihr eine tolle Zeit und überseht auch das eine oder andere Plothole und könnt die Schwächen verzeihen. Dass der Film wieder eine Fortsetzung aufbaut ist ärgerlich und die Gefahr besteht, dass der Film an den Kassen floppt und wir so manches gar nicht mehr fortgesetzt bekommen. Das ist eben das Problem, wenn sich die Studios ihrer Sache zu sicher sind und ein Film nicht für sich stehen kann.

Ein Herz für den deutschen Film: Der Fall Collini

Der Schauspieler Elyas M’Barek, was halten wir eigentlich von ihm? Der nächste Moritz Bleibtreu? Oder doch eher der Nachfolger Von Til Schweiger? So ganz einig sind sich die Filmfans diesbezüglich noch nicht. Immer wieder gibt es gute Projekte und gute Rollen, doch dann sehen wir ihn in Fak ju Göhte oder im furchtbaren Biopic von Bushido mit dem Titel Zeiten ändern dich. Es ist schon nicht einfach mit den Stars aus Deutschland. Aber in diesem Jahr kam ein vielversprechender Trailer zum Film Der Fall Collini und weckte mein Interesse. Ein Juristenthriller mit ihm? Warum nicht, zudem solche Filme in Deutschland eher selten sind. Am Ende konnte der Film die Erwartungen erfüllen und gleichzeitig sogar positiv überraschen. Ich hoffe, der Film wird noch für einige Diskussionen sorgen.

Wir befinden uns im Jahr 2001 und sind in der Hauptstadt Deutschlands, Berlin. Hier begleiten wir den jungen Anwalt Caspar Leinen, der gerade seine Anwaltszulassung erhalten hat, und sein erster Fall soll auch gleichzeitig sein schwierigster werden. Es geht um Mord! Der italienische Gastarbeiter Fabrizio Collini, verteidigt von Caspar, hat den erfolgreichen und sehr beliebten Hans Meyer kaltblütig im Hotel ermordet. Nicht nur die Angehörigen stehen unter Schock, sondern auch viele Mitstreiter oder Menschen, denen er geholfen hat. Doch nicht nur das, Hans Meyer ist der Ersatzvater und Förderer von Caspar! Dies war ihm, als er den Job annahm, noch gar nicht klar und nun ist er gezwungen den Mörder zu verteidigen, der seinen Förderer ermordete. Als er sich dazu entschließt (er wurde auch ein wenig überredet), will er zumindest wissen, warum Fabrizio dies tat. Doch Fabrizio ist stur und nur durch den unbedarften Blick von Caspar kann der Grund ermittelt werden.

Collini, der kaltblütige Mörder. © 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Die Grundprämisse war es, warum ich diesen Film so interessant fand, weil sie für viel Drama sorgen wird. Dachte ich! Doch am Ende zeigte sich, dass der Film mich auf eine ganz andere Art und Weise begeistern konnte. Dabei wurde die erste Hälfte nur von der interessanten Grundgeschichte getragen und der Neugier, wie das ausgeht. Aber wirklich Fahrt wollte nicht aufkommen und es wirkte so, als würde der Film sich in eine Sackgasse manövrieren. Das liegt auch daran, dass viele Handlungen und Situationen viel zu schnell abgehakt werden. Die Tochter von Hans Meyer und der ehemaligen Freundin von Caspar ist auf ihn am Anfang sehr wütend und erschüttert, und schon in der nächsten Szene haben sie wieder was miteinander. Auch wird einfach die Situation, dass Caspar ja eigentlich vorbelastet ist und Fabrizio gar nicht verteidigen darf, ganz fragwürdig abgehakt und einfach mit dem Thema Verantwortung und Berufung abgeschmettert. Auch gibt es das eine oder andere Plothole. So lernt Caspar noch in einem Imbiss eine Frau kennen, die italienisch kann und er beschließt, sie deswegen einzustellen. Laut seiner Aussage braucht er jemanden, der die Sprache kann. Als er mit ihr in Italien ist, stellt sich aber heraus, dass er selbst gar nicht so schlecht italienisch kann und die Person, die er befragen will, kann zudem auch noch Deutsch. Damit wird die neue Frauenfigur absolut überflüssig und trägt nichts zur Handlung bei, eher bremst sie die gesamte Geschichte etwas aus.

Das ist Schade und hört sich nun sehr negativ an. Doch wenn man von diesem Plothole absieht und die ersten Minuten durchsteht, wird man belohnt. Dann nämlich, als Collini sich immer mehr öffnet und dem Zuschauer immer mehr Happen vor die Augen hält und wir neugierig bleiben. Die Auflösung soll dabei keine Enttäuschung sein oder völlig unrealistisch. Nein, die Auflösung stellt gleich mehrere Fragen. Aufgrund von einer großen Spoilergefahr kann ich gar nicht so viel dazu sagen und eigentlich wäre es aber die Stelle, die ich benötige, um meine Begeisterung zu vermitteln. Daher bleibe ich etwas schwammig in meinen Aussagen. Der Film behandelt am Ende viele Themen und stellt mehrere Fragen. Gibt es Gerechtigkeit? Wie gehen wir mit unserer Vergangenheit um und wer sollte der Richter für gewisse Taten sein? Ab wann dürfen wir Verständnis mit einem Täter haben? Aber, dies beeindruckte mich gewaltig, dieser Film startet auch einen Angriff. Ein Angriff auf das Justiz-System allgemein und besonders in Deutschland. Ein Verbrechen wird schlichtweg von dem System definiert und bestimmt. Diese Regeln und Gesetze werden aber auch immer wieder geändert und ein Gericht urteilt nur nach dem Gesetz. Doch wie sieht es mit der Ethik aus? Ein anderes Beispiel, was mit diesem Film nichts zu tun hat, soll besser definieren, was ich meine. Bis in das Jahr 1969 wurden 50.000 Männer inhaftiert. Laut Gesetz waren diese Männer schuldig und begannen ein Verbrechen. Sie waren homosexuell. Heute unvorstellbar, aber damals eben ein Verbrechen. Waren diese Männer Verbrecher oder schlechte Menschen? Laut Gesetz eben schon. Eine ähnliche Frage und ein Gesetz, was eher negativ geändert wurde, behandelt dieser Film und lässt den Zuschauer mit einem mulmigen und teils auch wütenden Gefühl zurück. Grandios!

Kann Caspar seinem Gegenspieler trauen? © 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Elyas M’Barek beweist in diesem Film, dass er wirklich talentiert ist. Sein naives und auch hilfloses Spiel werden absolut glaubwürdig in Szene gesetzt. Hoffentlich wählt er in Zukunft seine Rollen weiterhin so aus und gibt sich selbst mehr Anspruch. Auch Heiner Lauterbach weiß zu überzeugen und seiner Erfahrung sei Dank, driftet sein überheblicher Anwalt nicht ins Overacting ab. Dass Caspar ihm erst vertraut, ist nachvollziehbar. Auch an ihm hätte der Film dann scheitern können, wenn der Zuschauer gerade gegen Ende kein Verständnis hätte, aber die Figur ist keine Karikatur von einem bösen Anwalt und das ist auch gut so. Alexandra Maria Lara ist ebenfalls in ihrer Rolle als traumatisierte Tochter von einem ermordeten Vater gut. Auch den inneren Kampf den Verteidiger des Mörders zu lieben und zu hassen, spielt sie gut. Für die Wechselsprünge am Anfang des Films, dafür kann ja nur das Drehbuch etwas und nicht ihr Spiel. Doch es gibt in diesem Film einen geheimen Star: Jannis Niewöhner! Dieser spielt erst sehr spät in diesem Film mit und hat ganz wenig Szenen. Diese Szenen brennen sich aber in das Gedächtnis ein und es ist nicht auszuschließen, dass diese Neuentdeckung noch größere Rollen annehmen wird. Hoffen wir es!

Fazit

Nach einem schleppenden und merkwürdigen Anfang, der durch einige merkwürdige Entscheidungen auffällt, erleben wir eine sehr kluge, spannende und kritische Mischung aus Drama und Thriller. Dazu wird gut er gespielt und – besonders wichtig – nicht kaputtgespielt von Elyas M’Barek, der mehr kann als wohl die meisten dachten. Mit seiner Starpower bleibt mir nur zu hoffen, dass dieser Film auch erfolgreich wird. Denn ich finde diesen Film am Ende sogar wichtig und der Zuschauer wird für den Anfang sehr gut entschädigt.

Ein Herz für den deutschen Film: Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist Zurück

Alfons Zitterbacke! Moment, wer ist eigentlich Alfons Zitterbacke? Das werden sich viele Fragen, die nicht im Osten der Bundesrepublik aufgewachsen sind oder in der ehemaligen DDR. Denn in dieser war Alfons richtig beliebt und berühmt – und selbstverständlich haben zum Beispiel meine Eltern mich die Hörspiele, Kinderbücher und Filme ebenfalls konsumieren lassen. 1986 kam der letzte Film in der DDR und 1995 das letzte Buch in Lettland und der Ukraine. Es gab von den Hörspielen immer wieder Versuche Alfons Zitterbacke noch am Leben zu erhalten, doch nach dem Ende der DDR verschwanden auch die kleinen Abenteuer von Alfons. Das ist ärgerlich, da diese Marke durchaus auch in der Bundesrepublik das Zeug hätte, ein richtiger Hit zu werden. Nun versucht man wieder mit einem gut produzierten Film die Marke wiederzubeleben. Dabei gibt es dann nicht nur ein neues Hörspiel und ein Kinderbuch, sondern das Ganze wird mit einer richtigen Sammlung an Stars vermarktet. Der Plan könnte aufgehen…

 

Eines ist ganz klar: Alfons Zitterbacke wird einmal ein ganz großer Erfinder und Wissenschaftler. Bis dahin muss er sich aber mit dem alltäglichen Schulalltag herumschlagen. Denn weder die Eltern noch seine Lehrer erkennen das wahre Genie und die meisten Mitschüler an seiner Schule können ihn auch nicht ausstehen. Sein großer Traum ist dabei, einmal Astronaut zu sein und ins Weltall zu reisen. Um seine Zweifler zu überzeugen, kommt ein Schulwettbewerb gerade richtig und am Ende winkt gar ein Treffen mit Alexander Gerst, dem berühmten deutschen Astronauten. Sicherlich werden hier seine Eltern nicht so begeistert sein, besonders der Vater, der es irgendwie nicht dulden kann, dass sein Sohn solche Fantasieträume hat. Doch dabei vergisst er, dass er als Kind nicht viel anders war als sein Sohn…

Alfons Zitterbacke ist auch in seinem Film der Star. © X-Verleih 2019

In Zeiten, in denen der deutsche Kinderfilm boomt, grenzt es fast schon an ein Wunder, dass diese Figur so lange nicht wieder aufgegriffen wurde. Doch der Verleih findet: 30 Jahre nach dem Mauerfall wird es endlich auch mal Zeit! Zwischen den ganzen Pferdefilmen und YouTube-Stars, die ebenfalls irgendwelche Filme machen, sticht dieses Werk tatsächlich etwas heraus und bietet auch mal Stoff für ein junges Publikum, das mit Ostwind oder YouTube nichts anfangen kann. Dabei hat das Produktionsteam keine Kosten und Mühen gescheut. Szenen aus dem All mit Alexander Gerst, Stars aus Funk und Fernsehen, wie auch (welch Ironie) YouTube-Stars sind mit von der Partie. Doch nicht nur Stars für die Kleinen, wie Tobi der Checker (der im Übrigen auch einen eigenen Film hat), sondern auch Stars wie Wolfgang Stumph, die besonders ältere Zuschauer aus dem Osten kennen dürften, wie auch Bürger Lars Dietrich oder Olaf Schubert erfreuen Jung und Alt. Jetzt muss nur die Geschichte überzeugen!

Hier entfaltet sich eine typische Pechvogel-Kindergeschichte, in der unser kleiner Held von Mitschülern geärgert wird, von Lehrern nicht ernst genommen wird und auch von den Eltern kein Verständnis erfährt. Dazu kommt, dass alles was Alfons anfasst, auch irgendwie schief geht. Doch er hat natürlich auch Freunde, die ihm helfen, wie auch seine Träume, bei denen er von zwei Astronauten träumt, die ihn unterstützen. Am Ende, trotz aller Widerstände, soll ihm natürlich doch alles gelingen: Die Eltern lernen ihren Sohn ernster zu nehmen und zu unterstützen und wir erfahren wie wichtig Freundschaft sein kann. Ganz wichtig: Gib deinen Traum nie auf! Ja, das klingt jetzt alles nach Rezept und im Grunde ist es das auch. Dafür ist diese Geschichte aber so schön charmant erzählt und kann besonders für die Kids ein unterhaltsames kleines Abenteuer werden. Dazu sei noch erwähnt, dass der Humor wirklich für die gesamte Familie ist. Auch die Erwachsenen werden sich immer wieder einen Lacher nicht verkneifen können. Manche Gags sind sogar explizit nur an die Erwachsenen gerichtet.

Eine kleine Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen. Es kann ja auch Fortsetzungen geben. © X-Verleih 2019

Dabei soll hier auch gar nicht heruntergespielt werden, dass die einzelnen Weisheiten in diesem Film einfach platt heruntergespielt werden. Gerade wenn die Toleranz der Eltern auf eine harte Probe gestellt wird und Alfons die Unterschrift des Vaters fälscht, sieht es der Vater nicht ein seinem Sohn noch den letzten Stoß zu verpassen und gibt bei der Direktorin an, dass es doch seine Unterschrift sei. Ab diesem Moment schafft es der Film sehr schön, dass Kind und Eltern wieder zueinander finden. Als der Vater später nämlich auch seine alten Spielsachen findet und merkt, dass er früher auch einen DDR-Kosmonauten anhimmelte und auch die gleichen Träume hatte, wird der Film sogar etwas rührselig, ohne dabei es zu übertreiben. Besonders interessant ist dabei auch, dass der Film in der heutigen Zeit, aber im Osten spielt und das Ursprungsland dieser Geschichte nicht vergisst. Schon in den letzten Kinderbüchern wird ein wenig impliziert, dass der Vater der frühere Alfons, aus den ersten beiden Büchern, war und auch der Film greift diese Andeutungen wieder auf. Dies ist dann aber eher was für die Fans des Originals und wird im Film auch nur am Rande immer wieder erwähnt. Die wenigsten Kinder werden mit „Kosmonaut“ oder „DDR“ auch wirklich was anfangen können.

Das Ganze ist auch hochwertig produziert und die Traumsequenzen im Weltall sind für eine deutsche Produktion wirklich sehenswert. Auch der eine oder andere Effekt, wie auch die Kamera passen super. Für den Soundtrack gilt das aber nicht unbedingt. Die Rap-Parts sind eher zum Fremdschämen und funktionieren wohl nur bei Kindern. Richtig schlimm wird es, wenn im Film die Kinder selbst ein paar Rap-Parts auspacken, um Alfons zu mobben. Dann verdreht man als Erwachsener Zuschauer schon etwas die Augen. Ebenfalls wenig begeisternd wird es dann im Abspann, wenn Bürger Lars Dietrich seinen Song zum Film präsentiert, wo es dann auch kein Wunder mehr ist, wenn die Eltern frühzeitig den Kinosaal verlassen wollen.

Auch bei dem Cast selbst sollte man das eine oder andere Auge zudrücken. Bis auf Tilman Döbler sind alle Kinderdarsteller und Darstellerinnen eher schwach. Hier kann man dem Produzententeam aber auch schwer einen Vorwurf machen, da die Ausbildung von jungen Schauspielern in Deutschland kaum vorhanden ist. Sein bester Freund Leopold Ferdinand Schill kann in einigen Szenen noch so manchen trockenen Witz retten, bleibt aber ansonsten auch eher schwach. Bei den Erwachsenen sieht das aber schon anders aus. Devid Striesow als Vater von Alfons kann nicht nur in den witzigen Momenten glänzen, auch wenn er seinen Hape Kerkeling aus Ich bin dann mal weg wohl ganz schwer losbekommen wird. In den wenigen Momenten, die er hat, kann Wolfgang Stumph als reicher Opa von seinem verwöhnten Enkel immer wieder für ein paar Lacher überzeugen und seine Maske passt perfekt zu einem reichen Schnösel mit sächsischem Dialekt. Gastauftritte wie von Tobi der Checker dienen wohl nur dazu, um auch ein bestimmtes Publikum in das Kino zu locken und auch Olaf Schubert ist jetzt nicht die größte Bereicherung für den Cast, tut aber auch niemandem weh.

Wolfgang Stumph hätte ruhig öfter zu sehen sein dürfen. © X-Verleih 2019

Fazit

Für Kinder ist das Ganze ein wirklich sehenswertes kleines Abenteuer, was es heute im Kino gar nicht mehr so oft gibt. Die Eltern werden auch keinen unbequemen Kinobesuch erleben und gar an mancher Stelle unterhalten, besonders wenn man hier und da ein Auge zudrücken kann. Der Film glänzt mit Charme und einer gelungenen Portion Humor. Für einen netten Abend mit den Kindern sehr zu empfehlen!

Ein letzter Job in unserer Filmkritik

Es war das Jahr 2015, als ältere Herren versuchten einen Tresor zu knacken und gleichzeitig den größten Raub in der Geschichte von England für sich zu verbuchen. Dabei ist die Geschichte so interessant, dass eigentlich ein Film nur eine Frage der Zeit war. Inszeniert wird das Ganze von James Marsh (Die Entdeckung der Unendlichkeit), dieser hat sich wohl die größten älteren britischen Schauspieler dazu geholt, die es aktuell gibt. Laut eigenen Aussagen wollte man für diesen Film Michael Caine als Erstes holen, um mit ihm andere Kollegen anzulocken. Zumindest der Plan ging auf, so wie auch der Heist-Job und am Ende soll doch nicht alles glatt gehen. Es ist witzig, dass dieser Film tatsächlich nicht konsequent zu Ende gebracht wird, wie eben die Rentner im echten Leben ihren Plan nicht konsequent durchgeplant haben…

 

Der frühere Meister-Verbrecher Brian Reader hat durch einen tragischen Tod seine Frau verloren und ihr kurz vorher versprochen, dass er sich zur Ruhe setzen wird. Doch es juckt ihm noch immer in den Fingern und so plant er einen „letzten Job“. Das Ziel? Das berühmte Hatton Garden-Quartier, denn dafür braucht es ein erfahrenes Team und deswegen holt er sich noch vier weitere Veteranen aber auch jemanden der sich mit Computern auskennt, einen jüngeren Ganoven. Der Raub selbst wird gut geplant und dennoch zeigt sich immer mehr, dass das Team sich untereinander misstraut und wohl selbst im Wege stehen wird…

Dieser Raub, den wir in Deutschland wohl kaum so richtig mitbekommen haben, liest sich schon wie ein Drehbuch. Ein Wert von 14 Millionen Pfund gestohlen von einer Truppe von Rentnern, dessen Anführer stolze 76 Jahre alt war. Die Gefahr allerdings, dass wir wieder einen respektlosen und langweiligen Film voller Rentner sehen, bestand dennoch. Hier muss sich aber der Regisseur nichts vorwerfen lassen. Die Witze über das Alter sind meistens respektvoll und nicht komplett unter der Gürtellinie. Doch ein anderes Problem dieser Geschichte zeichnet sich ab. Das Ende ist einfach nicht mehr unterhaltsam.

Da guckt jemand und fragt sich, wie man da durchpassen soll. © studiocanal 2018

 

Noch in der ersten Hälfte hat der Film einige komödiantische Elemente und ist tatsächlich spannend inszeniert, besonders wenn man die Originalgeschichte noch nicht kennt. Die Planungs-Sequenzen aber auch der Einbruch selbst sind wirklich gelungen und hier können die Schauspieler auch richtig glänzen. Ebenso wird an der einen oder anderen Stelle der Streit dieser Bande immer deutlicher, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Ist der Einbruch aber vollendet und es beginnt die zweite Hälfte des Films, baut die Geschichte unglaublich stark ab. Der Film verliert dann auch den komödiantischen Anteil und wird mehr zu einem Gangster-Thriller. Doch für einen guten Thriller braucht es etwas Spannung und am Anfang noch ein paar Fragezeichen. Dabei ist aber von Anfang an klar, wer wen hintergehen wird. Dazu kommt, dass der Zuschauer dann viele Szenen sieht, die uns nun die Verfolger, also die Polizei, näherbringen. Es ist absolut offensichtlich, was demnächst passieren wird. Das liegt auch daran, dass die alten Hasen sich absolut unglaubwürdig verhalten. An dieser Stelle ist es unglaublich, dass diese Geschichte auch zum Ende hin wahr ist und doch, nach eigenen Recherchen, es ist genau so abgelaufen. Wie solche Ganoven, mit dieser Erfahrung, es am Ende so verkacken können, bleibt wohl ein Rätsel. Dem Film tut das jedenfalls nicht gut. Oder die Drehbuchautoren hätten sich dafür entscheiden sollen, den komödiantischen Anteil lieber fortzuführen, um sich über diese Dummheit und diese Ironie etwas lustig zu machen.

Das absolute Highlight von diesem Film ist selbstverständlich die Besetzung. Was bedeutet selbstverständlich? Dieser Cast hat es ja eigentlich auch nicht mehr nötig und dennoch haben alle sichtlich viel Spaß, das überträgt sich auch auf den Zuschauer. Michael Caine als Planer ist wohl die Figur, die hin und hergerissen ist. Zum einen hat er seiner Frau etwas versprochen, zum anderen aber will er dennoch diesen einen Job noch beenden. Die anderen älteren Herren sind dagegen eher für den witzigen Teil zuständig. Tom Courtenay als technophober Rentner, der das Internet nicht versteht oder Jim Broadbent der als kranker Psychopath tatsächlich am meisten Spaß macht. Der junge Charlie Cox fällt hier allerdings etwas heraus und bleibt als Computernerd etwas blass. Das kann aber auch an der Vorlage liegen. Denn Basil, den Charlie verkörpert, ist bis heute nicht gefasst und der einzige kluge Ganove in dieser Gruppe, der sich rechtzeitig absetzte und sich heute wohl kaputtlacht. Über ihn ist so gut wie nichts bekannt und die Autoren wollten ihn scheinbar auch so wirken lassen. Die falsche Entscheidung, denn so wirkt seine Figur wie ein Fremdkörper.

Am Ende haben sich die Ganoven nicht wirklich klug angestellt… © studiocanal 2018

 

Fazit

Leider ist nur die erste Hälfte wirklich unterhaltsam und am Ende wirkt der Film etwas unausgegoren. Die etwas lockere und leichtere Atmosphäre der ersten Hälfte hätten die Verantwortlichen ruhig beibehalten sollen, dies hätte weiterhin gut zu dieser Geschichte gepasst. Der alte Cast kann den Film dafür aber noch etwas retten und so macht es wenigstens Spaß, diese alten Hasen vereint zu sehen.