Ein letzter Job in unserer Filmkritik

Ein letzter Job in unserer Filmkritik

Es war das Jahr 2015, als ältere Herren versuchten einen Tresor zu knacken und gleichzeitig den größten Raub in der Geschichte von England für sich zu verbuchen. Dabei ist die Geschichte so interessant, dass eigentlich ein Film nur eine Frage der Zeit war. Inszeniert wird das Ganze von James Marsh (Die Entdeckung der Unendlichkeit), dieser hat sich wohl die größten älteren britischen Schauspieler dazu geholt, die es aktuell gibt. Laut eigenen Aussagen wollte man für diesen Film Michael Caine als Erstes holen, um mit ihm andere Kollegen anzulocken. Zumindest der Plan ging auf, so wie auch der Heist-Job und am Ende soll doch nicht alles glatt gehen. Es ist witzig, dass dieser Film tatsächlich nicht konsequent zu Ende gebracht wird, wie eben die Rentner im echten Leben ihren Plan nicht konsequent durchgeplant haben…

 

Der frühere Meister-Verbrecher Brian Reader hat durch einen tragischen Tod seine Frau verloren und ihr kurz vorher versprochen, dass er sich zur Ruhe setzen wird. Doch es juckt ihm noch immer in den Fingern und so plant er einen „letzten Job“. Das Ziel? Das berühmte Hatton Garden-Quartier, denn dafür braucht es ein erfahrenes Team und deswegen holt er sich noch vier weitere Veteranen aber auch jemanden der sich mit Computern auskennt, einen jüngeren Ganoven. Der Raub selbst wird gut geplant und dennoch zeigt sich immer mehr, dass das Team sich untereinander misstraut und wohl selbst im Wege stehen wird…

Dieser Raub, den wir in Deutschland wohl kaum so richtig mitbekommen haben, liest sich schon wie ein Drehbuch. Ein Wert von 14 Millionen Pfund gestohlen von einer Truppe von Rentnern, dessen Anführer stolze 76 Jahre alt war. Die Gefahr allerdings, dass wir wieder einen respektlosen und langweiligen Film voller Rentner sehen, bestand dennoch. Hier muss sich aber der Regisseur nichts vorwerfen lassen. Die Witze über das Alter sind meistens respektvoll und nicht komplett unter der Gürtellinie. Doch ein anderes Problem dieser Geschichte zeichnet sich ab. Das Ende ist einfach nicht mehr unterhaltsam.

Da guckt jemand und fragt sich, wie man da durchpassen soll. © studiocanal 2018

 

Noch in der ersten Hälfte hat der Film einige komödiantische Elemente und ist tatsächlich spannend inszeniert, besonders wenn man die Originalgeschichte noch nicht kennt. Die Planungs-Sequenzen aber auch der Einbruch selbst sind wirklich gelungen und hier können die Schauspieler auch richtig glänzen. Ebenso wird an der einen oder anderen Stelle der Streit dieser Bande immer deutlicher, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Ist der Einbruch aber vollendet und es beginnt die zweite Hälfte des Films, baut die Geschichte unglaublich stark ab. Der Film verliert dann auch den komödiantischen Anteil und wird mehr zu einem Gangster-Thriller. Doch für einen guten Thriller braucht es etwas Spannung und am Anfang noch ein paar Fragezeichen. Dabei ist aber von Anfang an klar, wer wen hintergehen wird. Dazu kommt, dass der Zuschauer dann viele Szenen sieht, die uns nun die Verfolger, also die Polizei, näherbringen. Es ist absolut offensichtlich, was demnächst passieren wird. Das liegt auch daran, dass die alten Hasen sich absolut unglaubwürdig verhalten. An dieser Stelle ist es unglaublich, dass diese Geschichte auch zum Ende hin wahr ist und doch, nach eigenen Recherchen, es ist genau so abgelaufen. Wie solche Ganoven, mit dieser Erfahrung, es am Ende so verkacken können, bleibt wohl ein Rätsel. Dem Film tut das jedenfalls nicht gut. Oder die Drehbuchautoren hätten sich dafür entscheiden sollen, den komödiantischen Anteil lieber fortzuführen, um sich über diese Dummheit und diese Ironie etwas lustig zu machen.

Das absolute Highlight von diesem Film ist selbstverständlich die Besetzung. Was bedeutet selbstverständlich? Dieser Cast hat es ja eigentlich auch nicht mehr nötig und dennoch haben alle sichtlich viel Spaß, das überträgt sich auch auf den Zuschauer. Michael Caine als Planer ist wohl die Figur, die hin und hergerissen ist. Zum einen hat er seiner Frau etwas versprochen, zum anderen aber will er dennoch diesen einen Job noch beenden. Die anderen älteren Herren sind dagegen eher für den witzigen Teil zuständig. Tom Courtenay als technophober Rentner, der das Internet nicht versteht oder Jim Broadbent der als kranker Psychopath tatsächlich am meisten Spaß macht. Der junge Charlie Cox fällt hier allerdings etwas heraus und bleibt als Computernerd etwas blass. Das kann aber auch an der Vorlage liegen. Denn Basil, den Charlie verkörpert, ist bis heute nicht gefasst und der einzige kluge Ganove in dieser Gruppe, der sich rechtzeitig absetzte und sich heute wohl kaputtlacht. Über ihn ist so gut wie nichts bekannt und die Autoren wollten ihn scheinbar auch so wirken lassen. Die falsche Entscheidung, denn so wirkt seine Figur wie ein Fremdkörper.

Am Ende haben sich die Ganoven nicht wirklich klug angestellt… © studiocanal 2018

 

Fazit

Leider ist nur die erste Hälfte wirklich unterhaltsam und am Ende wirkt der Film etwas unausgegoren. Die etwas lockere und leichtere Atmosphäre der ersten Hälfte hätten die Verantwortlichen ruhig beibehalten sollen, dies hätte weiterhin gut zu dieser Geschichte gepasst. Der alte Cast kann den Film dafür aber noch etwas retten und so macht es wenigstens Spaß, diese alten Hasen vereint zu sehen.

Ein Herz für den deutschen Film: Lampenfieber

Ein Herz für den deutschen Film: Lampenfieber

Der Friedrichstadt-Palast ist die größte Theaterbühne der Welt und eine feste Größe in Berlin. Neben dem berühmten Varité des Hauses gibt es dort auch jedes Jahr ein sehr aufwendiges und gut besuchtes Theaterstück, das nur mit Kindern besetzt ist. Genau diese Kinder, das Casting und die vielen Hürden, nimmt diese Dokumentation genauer unter die Lupe und begleitet dabei fünf Kinder auf ihrem Weg zur großen Bühne. Alice Agneskirchner, die Regisseurin, schafft es gut hinter die Kulissen zu blicken und dem Zuschauer einen Einblick in eine andere Welt zu geben.

Es geht dabei um das Theaterstück “Von Zeit zu Zeit”, wo insgesamt bis zu 2.000 Zuschauer erwartet werden. Nach einem, besonders für Kinder, sehr harten und anstrengenden Casting müssen die ausgewählten Kinder mit dem neuen Druck klarkommen und neben ihrem Schulalltag auch noch Texte, Tänze und Songs auswendig lernen. Das Theater stellt dabei hohe Anforderungen in Sachen Schauspiel, Gesang und Tanz. Dabei haben die Kinder auch schon privat mit Ängsten und Sorgen zu kämpfen: Ein Kind hat eine krebskranke Mutter. Ein anderes Kind ist noch nicht über den Tod der eigenen Mutter hinweggekommen. Selbst ein schon frühreifer YouTube-Star, der bis spät abends seine Videos dreht und schneidet, ist dabei und übernimmt sogar die Hauptrolle. Es ist nicht einfach, alles unter einem Hut zu bekommen und am Ende eine gigantische Show abzuliefern.

Ausgefallene Kostüme gehören ebenfalls zur Show. © gebrueder beetz filmproduktion

Die Doku beschränkt sich dabei auf fünf Kinder und gibt einen groben Einblick in die Theaterwelt. Hier und da taucht auch die Regie auf oder die Maskenbildnerin, da die Tante von einem Schauspielkind eben in diesem Theater arbeitet, aber ansonsten fokussiert sich die Doku auf die Dramen und Geschichten der Kinder. Natürlich wissen die Kinder auch nicht so richtig, was auf sie wirklich zukommt, oder sie können das Arbeitspensum nicht richtig einschätzen. Umso größer ist der Respekt aber, wenn die Show gelingt und mit einem enormen Aufwand auch auf die Bühne gebracht wird. Alice Agneskirchner schafft es auch gekonnt die Schwierigkeiten, die man mit Kinderdarstellern hat, aufzuzeigen, aber uns auch den Stress und den Druck der Kinder nahezubringen.

Oft hält die Kamera auch in den intimen Momenten drauf. Wenn zum Beispiel eine Darstellerin über ihre verstorbene Mutter erzählt, die selbst in diesem Theater war, und mit dem Vater über den Druck spricht, bekommt der Zuschauer einen ungefähren Eindruck, wie hart dieses Geschäft sein kann und dass niemand geschont wird. In manchen Situationen darf sich allerdings schon die Frage gestellt werden, ob an dieser Stelle wirklich draufgehalten werden muss und ob das anderen Menschen etwas angeht. Selbstverständlich: Es dient auch dazu den Kindern ein Gesicht zu geben, aber die Balance wird nicht immer gehalten. Besonders interessant ist der YouTube-Star. Dieser ist schon sehr weit für sein Alter und tatsächlich eine kleine Berühmtheit in gewissen Kreisen. Ich bin ehrlich: Mir war diese Person unbekannt, aber im Film wird deutlich, dass seine Videos sehr viele Klicks generieren und Tanzlehrerinnen beschweren sich zum Teil auch über die Fangruppen, die sich um ihn bilden. Dass er ein bekanntes Gesicht ist und sehr gut weiß, wie er sich zu präsentieren hat, wird dem Zuschauer auch schnell bewusst. Da beschwert er sich zum Beispiel, dass eine Szene ziemlich lächerlich aussieht und will sich bei der Regie beschweren. Schade, dass wir das nicht zu Gesicht bekommen.

Die Direktorin des jungen Ensembles: Christina Tarelkin. © gebrueder beetz filmproduktion

Ebenfalls interessant wird es, wenn wir hinter die Kulissen blicken können. Immerhin reden wir hier von der größten Theaterbühne der Welt. Wie Tanzchoreografien oder Songs eingeprobt werden, ist auch so schon spannend und wenn dies auch noch Kinder am Ende auf die Reihe bekommen müssen, bekommen wir einen komplett neuen Einblick. Die Lehrer sind dabei nicht zimperlich und knallhart. Natürlich gibt es auch nicht selten Gespräche mit den Eltern. Dort suchen die Lehrer das Gespräch mit dem Kind, nennen ehrlich die Defizite und geben Empfehlungen. Auch ein Ausschluss oder eine Degradierung ist dann möglich. Wer jetzt denkt, nun sähen wir Eltern, die denken ihre Kinder seien absolute Naturtalente und die die Lehrer anfauchen, der könnte enttäuscht werden. Denn glücklicherweise zeigt die Regisseurin solche Gespräche nicht und die gezeigten Eltern bleiben ruhig, haben sogar Verständnis und geben der Einschätzung ihr volles Vertrauen.

Wenn die Kinder auf der Bühne schon proben oder Gesangseinlagen geübt werden, wird immer wieder etwas vom fertigen Stück gezeigt. So bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack und Lust auf das fertige Werk. Allerdings, das ist klar, bekommen wir nur zum Finale viel zu sehen, aber nicht alles. Allerdings ist es gar nicht mehr möglich sich noch diese Show anzusehen, da sie bereits im letzten Jahr auslief und eine neue Kindershow in Planung ist. Das ist ärgerlich, auch wenn man der Doku nun nicht mehr vorwerfen kann, dass sie ein Werbefilm sei.

Nick in seiner Rolle als Nöli. © gebrueder beetz filmproduktion

Fazit

Insgesamt handelt es sich um eine interessante Doku über das Theaterleben von Kindern und die Schwierigkeiten, die so ein Ensemble nun einmal mit sich bringt. Hier und da wäre etwas mehr Feingefühl erfreulich gewesen und sicherlich wirkt es doch stark konstruiert, dass man eben auch nur die Kinder zeigt, bei denen man spannende oder schicksalhafte Geschichten zu Gesicht bekommt. Doch der Einblick lohnt sich dennoch, da einem oft gar nicht bewusst wird, dass die Darsteller, die wir auf der Bühne sehen, jede Menge Arbeit reinstecken und auch mit enormem Druck leben müssen. Ein Einblick, den wir nicht so oft zu sehen bekommen.

Der französische Film Vorhang auf für Cyrano in der Kritik

Der französische Film Vorhang auf für Cyrano in der Kritik

Cyrano ist das berühmteste und beliebteste Theaterstück aus Frankreich und selbst heute noch wird Cyrano aufgeführt oder neu verfilmt. Ihr kennt Cyrano nicht? Ich behaupte, dass jeder die Figur kennt oder einmal was davon hörte. Sein größtes Merkmal ist dabei seine lange und krumme Nase. Doch wie entstand das Werk? Eigentlich als pure Komödie geplant, ist dieses Stück mehr Tragik als Komödie, sind wir also bei einer Tragikomödie. Dazu sollte man wissen, dass es sich für die damalige Zeit um ein sehr unkonventionelles Stück handelte und sämtliche Beteiligte ein gewisses Risiko eingingen. Nicht zu vergessen, dass ein neues Medium gerade das Laufen erlernte und eine richtige Konkurrenz zum Theater wurde: Der Film. Nicht wenige dachten, dass der Film das Theater komplett verdrängen würde. Nun kommt ein Film, der die Entstehungsgeschichte beleuchtet und all seine Schwierigkeiten mit etwas Humor präsentiert.

 

Der junge Edmond ist in 1987 ein erfolgloser Autor in Paris. Jedes seiner Werke ließ ein gewisses Potenzial erkennen, doch dabei blieb es meistens. Nicht zu vergessen, dass diese Theaterstücke einfach richtig floppen und niemand seine Stücke sehen will. Nicht nur, dass Edmond dadurch in ein kreatives Loch fällt, er ist schlichtweg pleite und die Familie besitzt kein Geld mehr. Seine Frau hält zu ihm, doch auch sie weiß, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Als ob es nicht noch schlimmer wird, entfremden sich beide zunehmend. Doch durch einen Zufall lernt er den berühmten Schauspieler Constant kennen, der das Genie von Edmond erkennt und ihn inspiriert. In einer Brainstorming-Session haben sie auch schon die Idee für ein Theaterstück und durch die guten Kontakte auch schon die ersten Schauspieler. Problem dabei ist nur, dass das Stück in 3 Wochen aufgeführt werden muss und ein Skript sowie die komplette Planung noch gar nicht vorhanden sind. Zum Glück lernt Edmond auch eine junge Schneiderin kennen, die ihn inspiriert und die er sich zu seiner Muse macht…

Filme über Künstler und besonders über Autoren, egal ob Theater, Film oder Buch, können sehr zäh oder trocken sein. Doch Vorhang auf für Cyrano streut ein wenig Humor mit ein und liefert gewitzte und unterhaltsame Dialoge, die den Zuschauer immer wachhalten. Auch die Figuren wachsen einem sehr schnell ans Herz, sodass der Film schnell das Interesse weckt. Das wird der irren Produktionsgeschichte nicht nur gerecht, es erzeugt auch eine gewisse Spannung. Dadurch, dass die Figuren uns sympathisch sind und wir auch so manchen Fehler verzeihen, wollen wir auch das am Ende alles gelingt und wir eine herausragende Premiere sehen. Natürlich, geschuldet durch die wahre Begebenheit, ist das Ende natürlich schon bekannt. Doch die Geschichte um die Muse von Edmond und seiner Frau oder wie die Entwicklung der einzelnen Figuren endet, ist dabei nicht bekannt. Auch das “wie” macht neugierig und wie heißt es so schön? Der Weg ist das Ziel! Sicherlich, das fertige Theaterstück nimmt am Ende ganz schön viel Zeit in Anspruch und vielleicht hätte hier die eine oder andere Episode gekürzt werden dürfen, um so auch für das Stück selbst Interesse zu wecken, für die Leute, die es noch nie gesehen haben. Dies soll nicht falsch verstanden werden. Als ich aus dem Kino kam, habe ich mir wieder eine von vielen Verfilmungen angeschaut und das komplette Theaterstück wird natürlich nicht gezeigt. Doch weniger ist manchmal mehr.

Edmond ist das verkannte Genie. ©2019-PROKINO-Filmverleih-GmbH.jpg

Ansonsten ist der Film zur keiner Zeit langweilig oder überfordert den Zuschauer mit Details. Hier und da gibt es dann auch noch kleinere Spitzen gegen Kritiker, das Medium Film oder gegen den Beruf des Schauspielers. Die schwermütige Tragik, die eben auch im Theaterstück vorkommt, ist hier kaum vorhanden und der Film ist eher locker, charmant und dennoch informativ. Für so manchen Experten mag das hier zu wenig sein, doch der Film will eben kein langsamer und trockener Schinken sein, sondern die Kunst und den Autor feiern, aber auch neue Fans für das Theater generieren oder begeistern. Die Liebeleien und die Folgen davon stören nicht, eher im Gegenteil. Der Zuschauer versteht die Beweggründe von Edmond und tatsächlich kann er sie sich selbst erklären. Doch ist diese Geschichte nicht nur zusätzlich ein wichtiger Bestandteil für die Entstehung des Stücks, es hebt den Film auch auf eine kleine emotionale Ebene.

Die Schauspieler tragen selbstverständlich ihren Teil dazu bei. Besonders Thomas Solivérés, der Edmund spielt, kann dem gescheiterten aber gleichzeitig auch hoffnungslosen Künstler viel Leben einhauchen und zu jeder Zeit mit seinem Charme glänzen. Der Rest macht einen, wie für französische Filme meistens üblich, soliden bis ganz guten Job. Manche Schauspieler neigen ein wenig zum Overactin, tanzen in manchen Szenen etwas aus der Rolle, doch insgesamt bleibt das Bild stimmig, was für so ein großes Ensemble nicht selbstverständlich ist. So oder so erkennt man den Spaß, den die Beteiligten wohl hatten und auch die Begeisterung für einen großartigen Künstler.

Der Film bleibt auch in den Kamerafahrten sehr flott und ganz ruhige Minuten sind selten. Was ich gern in anderen Filmen kritisiere, ist hier ein Pluspunkt. Der Film nimmt sich keine Zeit oder ist vielleicht keine Auszeit besser formuliert? Kulissen und das Kostümdesign von einem Paris aus dem 19. Jahrhundert können sich sehen lassen und fangen in jeder Szene die damalige Zeit sehr gut ein, auch wenn sich der Film nur auf die Kunstszene beschränkt. Der Soundtrack dagegen bleibt dabei eher im Hintergrund und fällt gar nicht auf. Er unterstreicht keine Szenerie und spielt im Film eine eher untergeordnete Rolle. Ansonsten blendet der Film nicht mit Effekthascherei sondern konzentriert sich auf das Wesentliche, ohne dabei auf eine schöne Bildersprache zu verzichten.

Am Ende gibt es tobenden Applaus für die Vorstellung und mehrere Verbeugungen ©2019-PROKINO-Filmverleih-GmbH.jpg

Fazit

Wenn ich mit nur einem Wort den Film beschreiben würde, dann wäre das: Charmant. Ohne so richtig den Bogen zu überspannen oder die Dramaturgie zu erhöhen, schafft es der Film den Zuschauer zu unterhalten und gleichzeitig für das Theater zu begeistern. Ein toller französischer Film, der uns einen guten und auch schönen Einblick in die Entstehung eines Klassikers gibt und einen genialen Künstler näher beleuchtet.

Film des Jahres 2018: Roma

Film des Jahres 2018: Roma

Der Film beginnt mit einem Boden aus Fliesen, die gerade mit Wasser sauber gemacht werden. Im Wasser spiegelt sich nur ein Flugzeug, eh diese Spiegelung weggewischt wird. Die erste symbolische Szene. Danach kommt der Vater, selbst Arzt, mit seinem Ford Galaxy angefahren, dessen Motorhaube so groß ist, dass einiges an Geschick benötigt wird, um dieses Auto in die enge Garage zu parken. Schon fast ulkig ist diese scheinbar unbedeutende Szene, doch es gelingt ihm. Wenig später, als das Familienbild erste Risse bekommt, wird das Auto von der Frau eingeparkt allerdings nicht mehr so vorsichtig. Schon fast wütend hämmert sie regelrecht das Auto in die Garage und nimmt dabei Schäden an der Häuserwand und am Auto in Kauf. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie dieser Film arbeitet, nämlich immer symbolisch und bildlich. Alfonso nutzt das Medium in seinen vollen Zügen aus und gibt uns einen Einblick in eine andere Welt, die gerade wir in Europa kaum kennen.

 

Das Ganze spielt in Mexico City, genauer gesagt im Stadteil Colonia Roma in den früheren 70ern und ist ein ganz persönliches Filmepos von Alfonso Cuarón. Es geht um eine Familie mit vier Kindern und der Haushälterin Cleo. Dabei verarbeitet Alfonso seine Kindheit aus der Sicht von eben dieser Haushälterin. Gerade in dieser Zeit ist in Mexiko viel los und zum Beispiel sehen wir ein Plakat der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko oder wir bekommen durch Durchsagen einige politische Veränderungen mit, die in dieser Zeit eben aktuell waren. Auch die Unruhen, die sich in dieser Zeit abspielten, kommen im Film vor. Aber all diese Themen spielen in diesem Film keine zentrale Rolle oder werden nur grob thematisiert. Im Mittelpunkt steht das Leben der Familie und Cleo – ein typisches mittelständisches Leben in Mexiko, das jetzt schon leicht chaotisch ist, aber durch weitere Einflüsse nur noch chaotischer wird.

Interessant dabei ist, dass der Regisseur darauf verzichtet, seine eigene Kindheit in den Mittelpunkt zu stellen. Im Gegenteil, er ist nur eine Randfigur. Die meiste Zeit verbringen wir mit Cleo oder seiner Mutter, den zwei wichtigsten und einprägsamsten Frauen in seinem Leben. Dabei ist Cleo fest in die Familie integriert. Immer wieder gibt es Szenen, wo sie zusammen mit den Kindern TV guckt oder gemeinsam am Tisch isst. Doch sie ist weiterhin eine Angestellte und bekommt dies natürlich auch immer wieder zu spüren, gleichzeitig lebt sie in eher ärmlicheren Verhältnissen. Der Film zeigt die Zweiklassengesellschaft, thematisiert aber auch diese nicht. Im Laufe des Films lernt Cleo einen Mann kennen und wird von ihm schwanger. Als sie es ihm erklärt, haut er ab. Sie wird von ihm allein gelassen, doch die Frau der Familie, Sofiá, hält zu ihr. Kein Wunder, denn im Laufe des Films stellt sich heraus, dass der Vater kaum da ist und später ebenfalls Sofiá allein lässt. Dies kristallisiert sich schnell heraus und selbst als er noch zur Familie gehörte, war er selbst kaum im Haus. Das Familienidyll wird nur vorgetäuscht und sobald dieses Bild ein paar Risse bekommt, wird auch der Zuschauer immer skeptischer. Wieder einmal symbolisch dargestellt, entsteht bei dem Fenster in der Haustür ebenfalls ein kleines Loch und Scherben liegen auf dem Boden. Schnell wird klar: Die Frauen sind auf sich alleine gestellt, doch die Frauen halten zusammen. Sie müssen zusammenhalten.

Hier werden die Erinnerungen von Alfonso Cuarón inszeniert.

 

Der Film ist eine Netflix-Produktion und dennoch kam er ins Kino. Das liegt daran, dass die Filmfestivals und Preisverleihungen oft keine Filme zulassen, die keinen Kino-Release haben. Es wäre auch tatsächlich eine Schande, wenn Alfonso Cuarón, der ein Abo für solche Veranstaltungen hat, es nicht mit seinem besten Film schaffen würde, vertreten zu sein. Also kapitulierte Netflix, die eigentlich dem Kino den Kampf ansagten. Roma gibt es auch für die große Leinwand. Für viele ist daher klar: Diesen Film muss der Fan im Kino sehen. Auch die ersten Kommentare und Meinungen der Zuschauer meinten, dieser Film entfalte erst auf großer Leinwand sein wahres Potenzial und es sei eine Schande, diesen freiwillig nicht im Kino anzusehen. Nun, ich habe diesen Film im Kino und auch Zuhause angesehen. Klar glänzt der Film mit umfassenden Bildern und ist gerade zum Ende hin sehr intensiv. Etwas, was im Kino bei den meisten Zuschauern besser rüberkommt. Doch dabei vergessen viele, dass der Film nur in wenigen Kinos laufen würde und für viele es gar nicht möglich wäre, diesen Film zu sehen. Dazu kommt, dass der Film komplett in Schwarz-Weiß gedreht wurde und ohne größere Stars auskommt. Für viele sind das keine Argumente, um 10 Euro oder mehr für eine Kinokarte auszugeben. Der Film wird so viel mehr Menschen erreichen und ich bin mir sicher, dass dadurch der Film auch von deutlich mehr Menschen gesehen wurde und wird. Eigentlich ist das etwas, worüber wir Filmfans uns freuen sollten.

Ansonsten würden viele Menschen keinen Zugang zu den zweifelsohne tollen Kamerafahrten und Szenen haben. Jede Sekunde des Bildes könntet ihr festhalten und ausdrucken, um diese an die Wand zu hängen. Selbst Hundekot war noch nie schöner zu bestaunen. Alfonso wollte seine Kindheitserinnerungen, die sich bei ihm einbrannten, für alle öffentlich machen, und das ist ihm gelungen. Dabei setzt er auf große Panoramabilder, wobei immer eine Figur oder eine Szene im Vordergrund steht, während im Hintergrund aber auch sehr viel passiert. So zum Beispiel die Szene, als Cleo ihrem Freund sagt, dass sie Schwanger ist. Dieser Dialog findet im Kino statt. Während die zwei im Vordergrund zu sehen sind und wir ihnen gespannt zuhören, sieht das Auge den laufenden Film im Kino und beobachtet diesen Moment. Der Film ist dabei sehr ruhig erzählt. Er spielt nicht nur in den 70ern, er könnte auch aus dieser Zeit sein. Je mehr wir von diesem Leben sehen, desto mehr werden wir in das Leben auch hineingezogen. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse und der Film trifft mit einer unglaublichen Intensität den Magen. Dabei entstand auch die wohl die beste Szene des Jahres 2018, die gleichzeitig schrecklich mit anzusehen ist. Das alles geht nur auf, weil Alfonso den Charakteren viel Zeit gibt. Dies wird viele auch abschrecken und Unterhaltung ist dieser Film ganz sicher nicht. Eher ist er teils ungemütlich und Zuschauer müssen ständig die Konzentration oben halten, um wirklich viele Details einzufangen.

Zusammen mit Cleo hält die Familie zusammen, auch in den schwierigsten Zeiten.

 

Was bleibt? Zwei starke Frauen, die zusammenhalten. Getrennt in der Klasse, vereint durch das allein gelassen werden. Dabei wird Cleo von Yalitza Aparicio gespielt und es ist kaum zu glauben, dass das ihr erster Film ist. Ängstlich, unterwürfig und leicht naiv, aber mit viel Wärme und einem großen Herz – so wird sie glaubhaft gespielt und der Zuschauer schließt die Haushälterin schnell in sein Herz. Im Übrigen gibt es weder eine englische, noch eine deutsche Synchronisation. Den Film könnt ihr nur in der Originalsprache, Spanisch, bewundern. Dieser Film ist allen Frauen gewidmet, die es nicht leicht haben und von der Männerwelt im Stich gelassen wurden. Noch mehr ist es ein Dank von Alfonso Cuarón an seine Mutter und seine Haushälterin. Am Ende blickt die Kamera in den Himmel und wieder fliegt ein Flugzeug weg. Diesmal wird es nicht weggespült. Diesmal darf es weiterfliegen, wie die Träume von Cleo.

Christmas Chronicles: Kritik zum erfolgreichsten Netflix-Film

Christmas Chronicles: Kritik zum erfolgreichsten Netflix-Film

Unter dem Begriff Qualitätsoffensive von Netflix erwarten nun einige Kunden auch richtige Meisterwerke. Doch darum geht es nicht. Netflix geht es ausschließlich darum, dass die Filme nicht mehr so billig und schnell verwirklicht werden und dabei nicht einmal eine durchschnittliche Qualität erreichen. Denn herausgekommen sind Filme, die wohl eher zu den schlechteren Filmen im Portfolio von Netflix zählen dürften. Der Weihnachtsfilm Christmas Chronicles fällt ebenfalls unter diese Qualitätsoffensive und, dies schon einmal vorweg, ist zum Beispiel auch kein Meisterwerk. Dennoch hat dieser Film seine Daseinsberechtigung und nicht nur wegen des Erfolges. Das ist aber gleich das nächste Thema. Denn Christmas Chronicles ist der erfolgreichste Film, den Netflix je produzierte und ebenso auch der erfolgreichste Film für den Schauspieler Kurt Russell (Die Klapperschlange, Big Trouble in Little China). Gleichzeitig behauptet Netflix, dass dieser an den Kinokassen so erfolgreich wäre, wie die meisten anderen Blockbuster. Relevant genug, um von uns besprochen zu werden.

 

Die zwei Geschwister Teddy und Kate waren früher unzertrennlich und besonders Weihnachten war dank des Vaters Doug immer etwas ganz Besonderes. Doch der Feuerwehrmann starb bei einer Rettungsaktion und die Geschwisterliebe entzweite sich. Besonders Teddy kommt vom richtigen Weg ab und hängt lieber mit diversen Gangbanden ab. So ist es kein Wunder, dass die Mutter Claire völlig überfordert ist. Auch Weihnachten ist nicht mehr so schön wie früher und eher eine Nebensache. Doch als Kate ihren Bruder überredet auf den Weihnachtsmann zu warten, landen beide, da auch viel zu neugierig, in seinem Schlitten. Doch geschockt von den zwei Kindern verliert der Weihnachtsmann die Kontrolle über den Schlitten. Schlitten, Rentiere, Zaubermütze und Geschenksack sind nun irgendwo in Chicago verstreut. Alle drei müssen sich nun zusammentun, um Weihnachten zu retten…

Sind wir ehrlich. Die Geschichte ist jetzt weder besonders innovativ oder besonders spannend. Auch muss man sich am Anfang fragen, wie leicht können die Kinder den Weihnachtsmann austricksen? Geschenkt! Dieser Film ist eine ganz klassische Actionkomödie und wenn ihr nur eine Minute über den Film nachdenkt, werdet ihr noch mehr Fragen haben. Doch der Film ist eben auch klassisches Popcorn-Kino. Moment? Wie genau nennen wir jetzt solche Filme, die als Stream laufen? Auch egal jetzt. Trotzdem stelle ich fest, dass der Film schon irgendwie tragisch beginnt und für einen Weihnachtsfilm eher schwer anfängt. Allgemein ist der Humor und auch so manche Szene für Kinder ungeeignet. Gerade am Ende wusste ich nicht so wirklich, welche Zielgruppe dieser Film eigentlich hat. Tatsächlich könnte der ganze Weihnachtszirkus mit einem anderen Fantasie-Gebilde ersetzt werden und wir hätten noch immer eine gelungene Actionkomödie.

So harmonisch ist es nur bei dem sehr schönen Intro.

Wäre da nicht der Humor. Der bezieht nämlich seine größten Momente aus dem Weihnachts-Setting. Immer wieder gibt es Anspielungen auf die Vereinnahmung der Werbeindustrie oder allgemein der einen oder anderen Legende über den Weihnachtsmann. Wenn sich unser gar nicht so dicker Weihnachtsmann nämlich ständig über sein viel zu dickes Abbild beschwert, die eine Cola-Werbung verwendet, dann sind schon einige Lacher vorprogrammiert. Auch die fleißigen Elfen sind teils lustig und entsprechen dem typischen Klischee der Elfen. Auf der anderen Seite sind diese gar bösartig und der Zuschauer wird sich wundern, was so in deren Köpfen vorgeht. Chris Columbus, der Regisseur von Kevin – Allein zu Haus, leitete die Produktion und an vielen Stellen ist das zu spüren. Wie kaum ein anderer Filmemacher hat er das richtige Gespür für kleinere emotionale Momente und für das Timing in Sachen Humor. Dass der Film allerdings kaum Kinder erreichen wird und später eben dieses Gespür vermissen lässt, liegt wohl daran, dass die Regie von Clay Kaytis übernommen wurde, der noch nicht so viel Erfahrung besitzt und mit Angry Birds bewies, dass er für das Familienkino kein glückliches Händchen besitzt.

Kurt Russell als Weihnachtsmann ist dafür ein klarer Glücksgriff und rettet den Film über den Durchschnitt. Natürlich war der frühere Action-Held noch nie der beste Schauspieler aller Zeiten und wird es auch nicht mehr. Aber sein Talent für Comedy-Rollen hat er schon sehr oft bewiesen und auch hier stiehlt er allen die Show. Wir sehen keinen warmherzigen und freundlichen Weihnachtsmann, sondern eher einen frechen und teils verärgerten Weihnachtsmann, der sich zudem Sorgen darum macht, dass seine Frau von einem Diebstahl etwas mitbekommt. Glücklicherweise sehen wir aber keinen Trinker oder groben Santa Claus, wie es heute in Hollywood wohl üblich ist. Zudem ist es auch bis zum Schluss lustig, wenn er die Menschen entwaffnet, indem er die Wünsche der vergangenen Jahre entgegen hält. Wer wäre da nicht geschockt? Christmas Chronicles zeigt uns einen frischen und unverbrauchten Weihnachtsmann. Leider hat dies auch zur Folge, dass die Szenen ohne ihn dann auch stark abfallen. Später, wenn die zwei Kinder alleine unterwegs sind und auch die emotionale Komponente eintritt, fühlen sich die Szenen irgendwie wie ein Fremdkörper an. Das liegt auch an den beiden Kinderdarstellern, die nicht wirklich überzeugen können. So hart es klingt, die tragische Geschichte der beiden ließ mich zumindest völlig kalt. Erst bei dem großen Finale schafft es der Film, doch noch große Gefühle zu erzeugen und das, ohne auf die Tränendrüse zu drücken.

Das Highlight in diesem Film ist ganz klar Kurt Russell als Weihnachtsmann.

Die Action selbst ist oft schön inszeniert und spielt natürlich ebenfalls mit einigen Gimmicks von Santa Claus. Besonders die Kulissen und das Design so mancher Gegenstände sehen toll aus. Nichts davon wird ewig im Kopf bleiben, unterhaltsam ist das Ganze dennoch. Allein die CGI-Effekte fallen hier stark ab. Die Elfen sehen nicht wirklich gut aus und gerade wenn sie mit den echten Schauspielern interagieren, ist deutlich zu erkennen, dass der Film noch etwas Feinschliff vertragen könnte. Auch die Rentiere sehen nicht mehr zeitgemäß aus. Die CGI-Effekte werden aber im weiteren Verlauf des Films weniger und so stören sie nicht allzu sehr.

Insgesamt ist Christmas Chronicles ein kurzweiliger und lustiger Film für einen tollen Filmabend kurz vor Weihnachten. Er unterhält und macht wirklich Spaß. Nichts davon ist etwas, was es noch nie so vorher gab und dennoch wirkt er relativ frisch. Das liegt wohl daran, dass der Film in einer Zeit erscheint, wo solche Filme eher eine Ausnahme bleiben. Warum dieser Film ein so gigantischer Erfolg wurde, ist mir aber ein Rätsel. Das liegt nicht an der Qualität, sondern schlichtweg daran, dass der Film die eigentliche Zielgruppe verfehlen könnte. Doch das spielt am Ende auch keine Rolle. Am Ende bekommen wir eine unterhaltsame Actionkomödie mit Kurt Russell, den auch alle Fans von Kurt Russell sehen sollten. Gibt schlimmere Filme, um seine Zeit zu verschwenden.