Film des Jahres 2018: Roma

Film des Jahres 2018: Roma

Der Film beginnt mit einem Boden aus Fliesen, die gerade mit Wasser sauber gemacht werden. Im Wasser spiegelt sich nur ein Flugzeug, eh diese Spiegelung weggewischt wird. Die erste symbolische Szene. Danach kommt der Vater, selbst Arzt, mit seinem Ford Galaxy angefahren, dessen Motorhaube so groß ist, dass einiges an Geschick benötigt wird, um dieses Auto in die enge Garage zu parken. Schon fast ulkig ist diese scheinbar unbedeutende Szene, doch es gelingt ihm. Wenig später, als das Familienbild erste Risse bekommt, wird das Auto von der Frau eingeparkt allerdings nicht mehr so vorsichtig. Schon fast wütend hämmert sie regelrecht das Auto in die Garage und nimmt dabei Schäden an der Häuserwand und am Auto in Kauf. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie dieser Film arbeitet, nämlich immer symbolisch und bildlich. Alfonso nutzt das Medium in seinen vollen Zügen aus und gibt uns einen Einblick in eine andere Welt, die gerade wir in Europa kaum kennen.

 

Das Ganze spielt in Mexico City, genauer gesagt im Stadteil Colonia Roma in den früheren 70ern und ist ein ganz persönliches Filmepos von Alfonso Cuarón. Es geht um eine Familie mit vier Kindern und der Haushälterin Cleo. Dabei verarbeitet Alfonso seine Kindheit aus der Sicht von eben dieser Haushälterin. Gerade in dieser Zeit ist in Mexiko viel los und zum Beispiel sehen wir ein Plakat der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko oder wir bekommen durch Durchsagen einige politische Veränderungen mit, die in dieser Zeit eben aktuell waren. Auch die Unruhen, die sich in dieser Zeit abspielten, kommen im Film vor. Aber all diese Themen spielen in diesem Film keine zentrale Rolle oder werden nur grob thematisiert. Im Mittelpunkt steht das Leben der Familie und Cleo – ein typisches mittelständisches Leben in Mexiko, das jetzt schon leicht chaotisch ist, aber durch weitere Einflüsse nur noch chaotischer wird.

Interessant dabei ist, dass der Regisseur darauf verzichtet, seine eigene Kindheit in den Mittelpunkt zu stellen. Im Gegenteil, er ist nur eine Randfigur. Die meiste Zeit verbringen wir mit Cleo oder seiner Mutter, den zwei wichtigsten und einprägsamsten Frauen in seinem Leben. Dabei ist Cleo fest in die Familie integriert. Immer wieder gibt es Szenen, wo sie zusammen mit den Kindern TV guckt oder gemeinsam am Tisch isst. Doch sie ist weiterhin eine Angestellte und bekommt dies natürlich auch immer wieder zu spüren, gleichzeitig lebt sie in eher ärmlicheren Verhältnissen. Der Film zeigt die Zweiklassengesellschaft, thematisiert aber auch diese nicht. Im Laufe des Films lernt Cleo einen Mann kennen und wird von ihm schwanger. Als sie es ihm erklärt, haut er ab. Sie wird von ihm allein gelassen, doch die Frau der Familie, Sofiá, hält zu ihr. Kein Wunder, denn im Laufe des Films stellt sich heraus, dass der Vater kaum da ist und später ebenfalls Sofiá allein lässt. Dies kristallisiert sich schnell heraus und selbst als er noch zur Familie gehörte, war er selbst kaum im Haus. Das Familienidyll wird nur vorgetäuscht und sobald dieses Bild ein paar Risse bekommt, wird auch der Zuschauer immer skeptischer. Wieder einmal symbolisch dargestellt, entsteht bei dem Fenster in der Haustür ebenfalls ein kleines Loch und Scherben liegen auf dem Boden. Schnell wird klar: Die Frauen sind auf sich alleine gestellt, doch die Frauen halten zusammen. Sie müssen zusammenhalten.

Hier werden die Erinnerungen von Alfonso Cuarón inszeniert.

 

Der Film ist eine Netflix-Produktion und dennoch kam er ins Kino. Das liegt daran, dass die Filmfestivals und Preisverleihungen oft keine Filme zulassen, die keinen Kino-Release haben. Es wäre auch tatsächlich eine Schande, wenn Alfonso Cuarón, der ein Abo für solche Veranstaltungen hat, es nicht mit seinem besten Film schaffen würde, vertreten zu sein. Also kapitulierte Netflix, die eigentlich dem Kino den Kampf ansagten. Roma gibt es auch für die große Leinwand. Für viele ist daher klar: Diesen Film muss der Fan im Kino sehen. Auch die ersten Kommentare und Meinungen der Zuschauer meinten, dieser Film entfalte erst auf großer Leinwand sein wahres Potenzial und es sei eine Schande, diesen freiwillig nicht im Kino anzusehen. Nun, ich habe diesen Film im Kino und auch Zuhause angesehen. Klar glänzt der Film mit umfassenden Bildern und ist gerade zum Ende hin sehr intensiv. Etwas, was im Kino bei den meisten Zuschauern besser rüberkommt. Doch dabei vergessen viele, dass der Film nur in wenigen Kinos laufen würde und für viele es gar nicht möglich wäre, diesen Film zu sehen. Dazu kommt, dass der Film komplett in Schwarz-Weiß gedreht wurde und ohne größere Stars auskommt. Für viele sind das keine Argumente, um 10 Euro oder mehr für eine Kinokarte auszugeben. Der Film wird so viel mehr Menschen erreichen und ich bin mir sicher, dass dadurch der Film auch von deutlich mehr Menschen gesehen wurde und wird. Eigentlich ist das etwas, worüber wir Filmfans uns freuen sollten.

Ansonsten würden viele Menschen keinen Zugang zu den zweifelsohne tollen Kamerafahrten und Szenen haben. Jede Sekunde des Bildes könntet ihr festhalten und ausdrucken, um diese an die Wand zu hängen. Selbst Hundekot war noch nie schöner zu bestaunen. Alfonso wollte seine Kindheitserinnerungen, die sich bei ihm einbrannten, für alle öffentlich machen, und das ist ihm gelungen. Dabei setzt er auf große Panoramabilder, wobei immer eine Figur oder eine Szene im Vordergrund steht, während im Hintergrund aber auch sehr viel passiert. So zum Beispiel die Szene, als Cleo ihrem Freund sagt, dass sie Schwanger ist. Dieser Dialog findet im Kino statt. Während die zwei im Vordergrund zu sehen sind und wir ihnen gespannt zuhören, sieht das Auge den laufenden Film im Kino und beobachtet diesen Moment. Der Film ist dabei sehr ruhig erzählt. Er spielt nicht nur in den 70ern, er könnte auch aus dieser Zeit sein. Je mehr wir von diesem Leben sehen, desto mehr werden wir in das Leben auch hineingezogen. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse und der Film trifft mit einer unglaublichen Intensität den Magen. Dabei entstand auch die wohl die beste Szene des Jahres 2018, die gleichzeitig schrecklich mit anzusehen ist. Das alles geht nur auf, weil Alfonso den Charakteren viel Zeit gibt. Dies wird viele auch abschrecken und Unterhaltung ist dieser Film ganz sicher nicht. Eher ist er teils ungemütlich und Zuschauer müssen ständig die Konzentration oben halten, um wirklich viele Details einzufangen.

Zusammen mit Cleo hält die Familie zusammen, auch in den schwierigsten Zeiten.

 

Was bleibt? Zwei starke Frauen, die zusammenhalten. Getrennt in der Klasse, vereint durch das allein gelassen werden. Dabei wird Cleo von Yalitza Aparicio gespielt und es ist kaum zu glauben, dass das ihr erster Film ist. Ängstlich, unterwürfig und leicht naiv, aber mit viel Wärme und einem großen Herz – so wird sie glaubhaft gespielt und der Zuschauer schließt die Haushälterin schnell in sein Herz. Im Übrigen gibt es weder eine englische, noch eine deutsche Synchronisation. Den Film könnt ihr nur in der Originalsprache, Spanisch, bewundern. Dieser Film ist allen Frauen gewidmet, die es nicht leicht haben und von der Männerwelt im Stich gelassen wurden. Noch mehr ist es ein Dank von Alfonso Cuarón an seine Mutter und seine Haushälterin. Am Ende blickt die Kamera in den Himmel und wieder fliegt ein Flugzeug weg. Diesmal wird es nicht weggespült. Diesmal darf es weiterfliegen, wie die Träume von Cleo.

Christmas Chronicles: Kritik zum erfolgreichsten Netflix-Film

Christmas Chronicles: Kritik zum erfolgreichsten Netflix-Film

Unter dem Begriff Qualitätsoffensive von Netflix erwarten nun einige Kunden auch richtige Meisterwerke. Doch darum geht es nicht. Netflix geht es ausschließlich darum, dass die Filme nicht mehr so billig und schnell verwirklicht werden und dabei nicht einmal eine durchschnittliche Qualität erreichen. Denn herausgekommen sind Filme, die wohl eher zu den schlechteren Filmen im Portfolio von Netflix zählen dürften. Der Weihnachtsfilm Christmas Chronicles fällt ebenfalls unter diese Qualitätsoffensive und, dies schon einmal vorweg, ist zum Beispiel auch kein Meisterwerk. Dennoch hat dieser Film seine Daseinsberechtigung und nicht nur wegen des Erfolges. Das ist aber gleich das nächste Thema. Denn Christmas Chronicles ist der erfolgreichste Film, den Netflix je produzierte und ebenso auch der erfolgreichste Film für den Schauspieler Kurt Russell (Die Klapperschlange, Big Trouble in Little China). Gleichzeitig behauptet Netflix, dass dieser an den Kinokassen so erfolgreich wäre, wie die meisten anderen Blockbuster. Relevant genug, um von uns besprochen zu werden.

 

Die zwei Geschwister Teddy und Kate waren früher unzertrennlich und besonders Weihnachten war dank des Vaters Doug immer etwas ganz Besonderes. Doch der Feuerwehrmann starb bei einer Rettungsaktion und die Geschwisterliebe entzweite sich. Besonders Teddy kommt vom richtigen Weg ab und hängt lieber mit diversen Gangbanden ab. So ist es kein Wunder, dass die Mutter Claire völlig überfordert ist. Auch Weihnachten ist nicht mehr so schön wie früher und eher eine Nebensache. Doch als Kate ihren Bruder überredet auf den Weihnachtsmann zu warten, landen beide, da auch viel zu neugierig, in seinem Schlitten. Doch geschockt von den zwei Kindern verliert der Weihnachtsmann die Kontrolle über den Schlitten. Schlitten, Rentiere, Zaubermütze und Geschenksack sind nun irgendwo in Chicago verstreut. Alle drei müssen sich nun zusammentun, um Weihnachten zu retten…

Sind wir ehrlich. Die Geschichte ist jetzt weder besonders innovativ oder besonders spannend. Auch muss man sich am Anfang fragen, wie leicht können die Kinder den Weihnachtsmann austricksen? Geschenkt! Dieser Film ist eine ganz klassische Actionkomödie und wenn ihr nur eine Minute über den Film nachdenkt, werdet ihr noch mehr Fragen haben. Doch der Film ist eben auch klassisches Popcorn-Kino. Moment? Wie genau nennen wir jetzt solche Filme, die als Stream laufen? Auch egal jetzt. Trotzdem stelle ich fest, dass der Film schon irgendwie tragisch beginnt und für einen Weihnachtsfilm eher schwer anfängt. Allgemein ist der Humor und auch so manche Szene für Kinder ungeeignet. Gerade am Ende wusste ich nicht so wirklich, welche Zielgruppe dieser Film eigentlich hat. Tatsächlich könnte der ganze Weihnachtszirkus mit einem anderen Fantasie-Gebilde ersetzt werden und wir hätten noch immer eine gelungene Actionkomödie.

So harmonisch ist es nur bei dem sehr schönen Intro.

Wäre da nicht der Humor. Der bezieht nämlich seine größten Momente aus dem Weihnachts-Setting. Immer wieder gibt es Anspielungen auf die Vereinnahmung der Werbeindustrie oder allgemein der einen oder anderen Legende über den Weihnachtsmann. Wenn sich unser gar nicht so dicker Weihnachtsmann nämlich ständig über sein viel zu dickes Abbild beschwert, die eine Cola-Werbung verwendet, dann sind schon einige Lacher vorprogrammiert. Auch die fleißigen Elfen sind teils lustig und entsprechen dem typischen Klischee der Elfen. Auf der anderen Seite sind diese gar bösartig und der Zuschauer wird sich wundern, was so in deren Köpfen vorgeht. Chris Columbus, der Regisseur von Kevin – Allein zu Haus, leitete die Produktion und an vielen Stellen ist das zu spüren. Wie kaum ein anderer Filmemacher hat er das richtige Gespür für kleinere emotionale Momente und für das Timing in Sachen Humor. Dass der Film allerdings kaum Kinder erreichen wird und später eben dieses Gespür vermissen lässt, liegt wohl daran, dass die Regie von Clay Kaytis übernommen wurde, der noch nicht so viel Erfahrung besitzt und mit Angry Birds bewies, dass er für das Familienkino kein glückliches Händchen besitzt.

Kurt Russell als Weihnachtsmann ist dafür ein klarer Glücksgriff und rettet den Film über den Durchschnitt. Natürlich war der frühere Action-Held noch nie der beste Schauspieler aller Zeiten und wird es auch nicht mehr. Aber sein Talent für Comedy-Rollen hat er schon sehr oft bewiesen und auch hier stiehlt er allen die Show. Wir sehen keinen warmherzigen und freundlichen Weihnachtsmann, sondern eher einen frechen und teils verärgerten Weihnachtsmann, der sich zudem Sorgen darum macht, dass seine Frau von einem Diebstahl etwas mitbekommt. Glücklicherweise sehen wir aber keinen Trinker oder groben Santa Claus, wie es heute in Hollywood wohl üblich ist. Zudem ist es auch bis zum Schluss lustig, wenn er die Menschen entwaffnet, indem er die Wünsche der vergangenen Jahre entgegen hält. Wer wäre da nicht geschockt? Christmas Chronicles zeigt uns einen frischen und unverbrauchten Weihnachtsmann. Leider hat dies auch zur Folge, dass die Szenen ohne ihn dann auch stark abfallen. Später, wenn die zwei Kinder alleine unterwegs sind und auch die emotionale Komponente eintritt, fühlen sich die Szenen irgendwie wie ein Fremdkörper an. Das liegt auch an den beiden Kinderdarstellern, die nicht wirklich überzeugen können. So hart es klingt, die tragische Geschichte der beiden ließ mich zumindest völlig kalt. Erst bei dem großen Finale schafft es der Film, doch noch große Gefühle zu erzeugen und das, ohne auf die Tränendrüse zu drücken.

Das Highlight in diesem Film ist ganz klar Kurt Russell als Weihnachtsmann.

Die Action selbst ist oft schön inszeniert und spielt natürlich ebenfalls mit einigen Gimmicks von Santa Claus. Besonders die Kulissen und das Design so mancher Gegenstände sehen toll aus. Nichts davon wird ewig im Kopf bleiben, unterhaltsam ist das Ganze dennoch. Allein die CGI-Effekte fallen hier stark ab. Die Elfen sehen nicht wirklich gut aus und gerade wenn sie mit den echten Schauspielern interagieren, ist deutlich zu erkennen, dass der Film noch etwas Feinschliff vertragen könnte. Auch die Rentiere sehen nicht mehr zeitgemäß aus. Die CGI-Effekte werden aber im weiteren Verlauf des Films weniger und so stören sie nicht allzu sehr.

Insgesamt ist Christmas Chronicles ein kurzweiliger und lustiger Film für einen tollen Filmabend kurz vor Weihnachten. Er unterhält und macht wirklich Spaß. Nichts davon ist etwas, was es noch nie so vorher gab und dennoch wirkt er relativ frisch. Das liegt wohl daran, dass der Film in einer Zeit erscheint, wo solche Filme eher eine Ausnahme bleiben. Warum dieser Film ein so gigantischer Erfolg wurde, ist mir aber ein Rätsel. Das liegt nicht an der Qualität, sondern schlichtweg daran, dass der Film die eigentliche Zielgruppe verfehlen könnte. Doch das spielt am Ende auch keine Rolle. Am Ende bekommen wir eine unterhaltsame Actionkomödie mit Kurt Russell, den auch alle Fans von Kurt Russell sehen sollten. Gibt schlimmere Filme, um seine Zeit zu verschwenden.

Spezialisten aufgepasst: Call of Duty: Black Ops 4 in unserem Spieletest

Spezialisten aufgepasst: Call of Duty: Black Ops 4 in unserem Spieletest

Dieser Spieletest basiert auf der PC-Version von Call of Duty: Black Ops 4.

Activision verzichtet dieses Jahr für die Call of Duty: Black Ops-Reihe auf eine Story und setzt stattdessen auf einen Battle Royale-Modus, um Fortnite und Playerunknown’s Battleground Konkurrenz zu bieten. Und genau dieser Weg ist von Activision und Treyarch der richtige gewesen: Statt auf übertriebene, groß-inszenierte Explosionen und einen geskripteten Ablauf hat das Entwickler-Team alles daran gesetzt, einen sehr guten Multiplayer-Modus bieten. Und ja, es ist Ihnen geglückt. Der klassische Mehrspieler-Modus, Zombie-Koop und auch die neue Battle Royale-Erfahrung mit Blackout bieten im Gesamtpaket das wohl umfangreichste Call of Duty im Multiplayer-Segment seit langer Zeit an. Aber erst einmal ganz von vorne.

Call of Duty: Black Ops 4 beinhaltet eine Mini-Story im Tutorial.

Call of Duty: Black Ops 4 hat in gewisser Weise doch eine Story, die aber in ein Tutorial verpackt wurde. Im Specialist HQ werdet ihr in die ersten Schritte des Call of Duty-Multiplayers eingeführt und lernt alle Spezialisten kennen. Nochmal kurz zur Erklärung: Jeder Spezialist besitzt ein sogenanntes Ultimate und eine Ausrüstung, die sich im Laufe des Gefechts aufladen und dann aktiviert werden können. Die Spezialistin namens Battery besitzt als Ausrüstung eine Cluster-Granate. Firebreak ist für seinen Flammenwerfer als Waffe bekannt und besitzt als Ausrüstung einen Reaktorkern, der im Umkreis durch Wände Schaden zufügen kann. Das Tutorial ist wirklich eine gute Erfahrung, um sich mit dem Multiplayer-Part des Spiels vertraut zu machen. Zwar spielt ihr zu Beginn gegen Bots, könnt aber jeden Spezialisten genauer unter die Lupe nehmen. Als netten Zusatz liefert Activision zu jedem Spezialisten eine kleine Hintergrundgeschichte mit einer kurzen Rendersequenz, um mehr über den Menschen zu erfahren. Das ist eine ganz interessante Sichtweise und auch ein leckeres Häppchen, um etwas Kampagnen-Feeling zu erhalten. Angeheuert wurden alle zehn Spezialisten von Billionärin Savannah Mason. Hierbei dreht sich alles um den Tod von Savannahs Schwester Jessica. Allerdings war die Verwirrung umso größer, da man die Frage nicht beantwortet bekam, was die Spezialisten mit der gesamten Story zu tun haben. Die Missionen sind bei jedem Spezialisten nur reine Tutorials und die Geschichte wird nur im Hintergrund erzählt. Nach zirka 2 Stunden seid ihr mit dem Tutorial fertig.

 

Call of Duty trifft auf PUBG und Fortnite

 

Doch kommen wir gleich zu einem spannenderen Teil des Spiels: dem Battle Royale-Modus Blackout, die wohl größte Neuerung in Black Ops 4. Noch nie gab es in Call of Duty eine so große Karte und so viele Spieler gleichzeitig in einem Spiel. Genauer gesagt können bis zu 100 Spieler im Blackout-Modus um das nackte Überleben kämpfen. Wie auch schon in Fortnite oder PUBG starten alle Spieler aus der Luft in einem Helikopter und fliegen über die Map um sich dann einen Ort auszusuchen und das Glück dabei zu haben, relativ viele Waffen und Ausrüstungsgegenstände zu erhalten. Das Überleben ist ein wichtiger Bestandteil, denn sobald ihr sterbt, ist das Match vorbei. Wenn ihr als einziger noch übrig seid, dann herzlichen Glückwunsch! Ihr habt dann gewonnen.

Da ich bereits unzählige Stunden in PUBG oder Fortnite investiert hatte, habe ich mich zu Beginn gefragt, ob Activision mit Blackout überhaupt noch das Rad neuerfinden kann. Dies haben sie zwar nicht getan, aber Blackout ist wohl eines der meist gepolishten Battle Royale-Spiele, die es bislang so auf dem Markt gibt. Call of Duty: Black Ops 4 hat bereits in den ersten Wochen das geschafft, was PUBG nicht mal in einem Jahr konnte, und hier muss man die Entwickler von Treyarch mal richtig groß loben. Sowohl die Steuerung als auch das Gameplay an sich sind sehr gut optimiert und wirken sehr ausgereift. Blackout verwendet die bekannte Waffenbalance aus Black Ops 4, so erhalten wir natürlich bei einem Dauerschuss einen Rückstoß, den wir ausgleichen müssen. Diese Tiefe hat beispielsweise Fortnite nicht. Natürlich benötigen die Spieler auch bei Blackout das Fünkchen Glück. Es gibt Matches, in denen ihr viele oder wenige Waffen bzw. Ausrüstung findet werdet. Besonders interessant sind die Ausrüstungskoffer, die ihr an bestimmten Stellen findet. So habt ihr unter anderem die Möglichkeit kleine Fahrzeuge zu steuern und dabei die Umgebung zu erkunden, ohne euch in Gefahr zu bringen. Blackout macht großen Spaß und auch die Möglichkeit Ränge aufzusteigen gibt euch die Chance nach und nach Gegenstände freizuschalten. Blackout ist der perfekte Ersatz für den Kampagnen-Modus.

Der erste Schritt ist getan, jetzt müssen wir uns noch weitere Waffen suchen…

Der Multiplayer-Modus gibt euch die Auswahl zwischen unzähligen Spielvarianten. Auch befristete Modi sind mit an Bord, wie zum Beispiel das allseits bekannte Waffenspiel. Die Spezialisten sind hier der elementare Punkt des Spiels. So gibt es unter anderem Prophet, der mit dem Sucher Gegner für einen kurzfristigen Zeitraum auffinden und ihnen einen Elektroschock verpassen kann. Crash heilt alle Teammitglieder auf einem Schlag und kann ihnen 50 Bonuslebenspunkte geben. Wie ihr merkt, gibt es mit den 10 Spezialisten unglaublich viel Auswahl und Abwechslung. Auch cool ist Recon, der mit dem Sensorpfeil die Gegner auf der Karte anzeigen lassen kann. Doch es wird noch besser: Er kann Gegner für paar Sekunden durch Wände markieren, damit das gesamte Team die Gegner sieht.

Einer der neuen Modi von Call of Duty: Black Ops 4 ist Kontrolle, welcher Ähnlichkeiten mit dem Rush-Modus von Battlefield 1 hat. Euer Team hat 30 Wiedereinstiege und das Angreiferteam muss zwei Zonen einnehmen. Das Verteidigungsteam muss dies natürlich vermeiden. Bei drei Rundensiegen gewinnt natürlich das bessere Team. Auch hier sind taktische Vorgehensweisen sehr entscheidend und deshalb sollte euer Team eine kluge Auswahl bei den Spezialisten treffen. Gerade dann, wenn ein Team nur noch drei Spieler zur Verfügung hat, welche einstiegen dürfen, wird das Spiel unglaublich spannend.

 

Der neue Modus Kontrolle ist eine gelungene Ergänzung

 

Der neue Modus Überfall ist ein Mix aus Counter Strike: Global Offensive und Battlefield Hardline. Das Spiel endet nach einer Runde und zu Anfang müssen mit liquiden Geldmitteln Waffen und Ausrüstung eingekauft werden. Der Abschuss eines Gegners und das Erfüllen der Aufgabe bringen euch Geld. Das Ziel ist es, jede Runde den Geldkoffer in der Mitte der Karte zu klauen und ihn zu einer Zone zu bringen.  Dies klingt zwar relativ interessant, ist aber für geübte Counter Strike-Spieler eine komische Erfahrung, da der Modus nicht ausgereift wirkt. Neben den beiden Modi erwarten euch noch viele andere Modi, die alle zum größten Teil viel Spaß bereiten. Allerdings muss man erwähnen, dass der Multiplayer-Modus keine großen Innovationen beinhaltet, sondern man Elemente wiederfindet, die es schon in jedem anderen Ego Shooter-Spiel gab. Das Prinzip ist sonst bei allen Modi gleich: Der Kampf findet auf kleinen Maps statt und ihr könnt Gegenstände für eure Klasse freischalten. Dieses System wurde bereits seit mehreren Jahren verfolgt und funktioniert auch in Black Ops 4 wieder. Das Update vom 30. Oktober 2018 hat für den Multiplayer-Modus einiges am Balancing geschraubt und es wird auch nach und nach verbessert. So fand ich die ursprüngliche Version in manchen Punkten unglaublich unfair. Dies wurde aber mit dem obigen Update bereits entschärft und verbessert.

Hier versuchte ich unseren Einnahmepunkt im Modus “Kontrolle” zu verteidigen.

Zombies begleiten die Call of Duty-Fans auch schon eine lange Zeit. Bereits mit Black Ops 3 war der Zombie-Modus mit vielen Features versehen. Das Krasse ist allerdings jetzt, dass Black Ops 4 noch mehr Features für den Zombie-Modus bereithält. Kurz durchatmen ist hier angesagt! Doch keine Panik, mit dem Tutorial werdet ihr sanft und langsam in den Koop-Modus eingeführt. So lernt ihr den Waffenkauf, Zufallsitems, Waffenupgrades und vieles mehr kennen. Spielen könnt ihr gegen die Zombies mit euren Freunden online oder sogar auch mit Bots, die euch dabei helfen die großen Herden zu besiegen. Dies hat in unserem Testprozess sehr gut funktioniert und die Bots wirkten wie menschliche Mitspieler. Bislang gibt es drei unterschiedliche Karten: In IX werdet ihr in eine antike Arena geschickt, Voyage of Despair zeigt euch die Zombie-Apokalypse auf der untergehenden Titanic und Blood of the Dead ist ein Remake mit der Alcatraz-Karte aus Black Ops 2. Bei jeder Map müssen die Spieler unterschiedliche Aufgaben bewältigen und so wurden einzigartige Szenarien für jede Map entwickelt und entworfen, was für große Abwechslung sorgt. Der Rausch-Modus ist ebenfalls mit dabei, falls ihr nicht auf Rätsel und Konsorten steht. Dort zählt nur das Überleben und euren Highscore nach oben zu befördern. Der Zombie-Modus bietet wie auch die zwei anderen Modi viel Umfang und es lohnt sich ihn ausführlich zu spielen.

 

Fazit

Activision und Treyarch liefern mit Call of Duty: Black Ops 4 die wohl beste Multiplayer-Erfahrung in der Geschichte von Call of Duty. Story-Kampagnen-Liebhaber werden vielleicht enttäuscht sein, aber Black Ops 4 ist der beste Beweis dafür, dass Entwickler nicht immer gezwungen werden sollten einen Singeplayer-Modus einzubauen. Die Multiplayer-Bestandteile sind einfach viel umfangreicher und machen alle im Gesamteindruck unglaublich viel Spaß. Auch wichtig zu erwähnen ist noch, dass euch im Multiplayer-Modus 15 Karten erwarten, viele davon sind neu und auch einige Remakes sind dabei. Das ist unter anderem ein Grund, warum wir mit Black Ops 4 eines der wohl besten Call of Duty-Spiele aller Zeiten erhalten haben. Zudem habt ihr mit Blackout die beste Battle Royale-Erfahrung auf allen Plattformen. Da kann selbst Fortnite, welches von Millionen von Spielern gespielt wird, nicht mithalten. Der normale Multiplayer-Part erfindet nicht das Rad neu, wurde aber mit vielen Verfeinerungen ausgestattet, die dem Spielgefühl sehr zugute kommen. Der Zombie-Modus macht ebenfalls Spaß und gehört einfach zur Call of Duty-Reihe mittlerweile dazu. Wer also Call of Duty- oder Ego Shooter-Fan und sich noch unsicher ist: Zugreifen!