Hellboy – Call of Darkness in unserer Filmkritik

Hellboy – Call of Darkness in unserer Filmkritik

Hellboy von Regisseur Guillermo del Toro hat die Messlatte für zukünftige Filme aus dem Franchise richtig hochgelegt, auch wenn er von dem Comic etwas abweicht. Nun kommt ein Reboot von Hellboy mit einem etwas anderen Ansatz, dabei soll der Film sich diesmal näher an den Comics orientieren. Die ersten Trailer ließen das Schlimmste befürchten und die Fans waren noch nicht so begeistert. Doch vorweg kann ich Entwarnung geben! Der Film kommt sicherlich nicht an die Vision von del Toro ran, aber ist auch nicht so schlimm wie befürchtet und gerade Fans von Hellboy kommen an diesem Film nicht vorbei. Für leichte Unterhaltung reicht es definitiv!

 

Der Halbdämon Hellboy muss diesmal gegen eine mächtige Hexe ran. Genau genommen gegen die wohl mächtigste Hexe überhaupt und Hexenkönigin schlechthin: Nimue. Nimue wurde damals von König Arthur besiegt, in mehrere Stücke zerteilt, und auf der ganzen Welt verstreut. Das Böse schien besiegt aber ein Diener des Bösen flickt die Hexe wieder zusammen und somit beginnt die Schreckensherrschaft erneut. Hellboy hat die Möglichkeit mit dem Schwert von Arthur die Hexe zu bannen. Doch das Schwert bringt auch das Böse in Hellboy zum Vorschein und seine eigentliche Bestimmung soll dadurch erfüllt werden. Ein innerer Konflikt, eine Reise in die Vergangenheit und eine Entscheidung könnten das Ende der Menschheit bedeuten…

Eine klassische Waffe tut es oft auch. © 2019 Universum Film Verleih 2019

Laut eigener Aussage und auch den Aussagen von unserem Comicexperten ist dieser Film näher an den Comics dran. So gibt es auch in diesem Film Professor Broom, den Ziehvater von Hellboy. Mit ihm wird in diesem Film eine kleine Origin-Story geschildert, ohne wirklich eine Origin-Story zu haben. In der einen oder anderen Rückblende sehen wir wie Hellboy entstand und warum er nicht nur geschaffen wurde, sondern warum er für die Menschen kämpft. Auch die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, kurz B.U.A.P, wird in diesem Film thematisiert und spielt eine wichtigere Rolle. Bekannte Figuren wie Ben Daimio, der sich in eine Raubkatze verwandeln kann, oder Alice Monaghan, eine Seherin, werden Fanherzen höherschlagen lassen. Doch Regisseur Neil Marshall (Centurion) kopiert nicht einfach einen Comic 1:1 und damit müssen sich die Fans etwas anfreunden können. So wird Ben Daimio unserem Hellboy zugeteilt und arbeitet mit diesem stark zusammen. In den Comics treffen diese beiden Figuren zum Beispiel gar nicht aufeinander. Keine schlechte Idee eigentlich, nur leider spielt die Beziehung von Hellboy zu anderen Figuren kaum eine Rolle. Selbst die Beziehung zu seinem Ziehvater, Professor Broom, wird nur oberflächlich beleuchtet, was dazu führt, dass das Ende ganz stark nach Klischee riecht und der Zuschauer selbst keine Bindung zu den Charakteren hat.

Allgemein ist der Film ganz typisch nach Schema F und der Zuschauer wird nicht überrascht. Alles ist vorhersehbar und alles läuft nach einem ganz bestimmten Muster ab. Dies ist der Grund warum es auch etwas an Spannung fehlt. Dagegen, ohne zu spoilern, wird eine Geschichte aufgemacht, die sich am Ende als Plothole herausstellt. Eigentlich sollte dieser Punkt noch aufgelöst werden, aber schnell merkt der Zuschauer, das war alles nur Mittel zum Zweck. Außerdem wird ja am Ende auch schon eine Fortsetzung angedeutet, die zur Not diese Lücke auch schließen kann. Ohne gleich an die Fortsetzung zu denken, scheint in der heutigen Zeit wohl unmöglich zu sein. Aber davon ab geht es hier auch mehr um die leichte Unterhaltung und die ist zum Glück ganz gelungen. Der Humor will vielleicht nicht immer zünden aber die Oneliner sind wenigstens nicht zu nervig und das Erzähltempo ist oft sehr schnell. Das tut dem Film gut, wird allerdings immer wieder mit merkwürdigen Erklärungen ausgebremst, die der Zuschauer gar nicht nötig hätte. Das Gefühl, dass die Macher einfach nur die zwei Stunden voll bekommen wollen, um mehr Geld durch die Überlänge zu generieren, kann ich nicht von der Hand weisen. Dabei hätte so mancher Lückenfüller dazu genutzt werden können, um eben den Charakteren, außerhalb von Hellboy selbst, mehr Zeit zu geben. An manchen Stellen hätte ich, gerade weil ich die Comics auch nicht kenne, die eine oder andere Erklärung benötigt. Ganz verständlich ist das also nicht.

Auch wenn die Sicherheitsbehörden nicht die größten Fans von ihm sind, Hellboy kommt gern zur Hilfe. © 2019 Universum Film Verleih 2019

Dafür funktioniert eben Hellboy selbst sehr gut und die Action ist gelungen. Der Film ist ein toller Spaß und gute Unterhaltung für ein Kino-Wochenende. Ja, durch die schnelle Erzählung bleibt wie gesagt wenig Raum für die Charaktere und die eigentliche Geschichte, dafür wird es dem Zuschauer nie langweilig und am Ende hatten besonders die Fans wohl eine gute Zeit. Das liegt auch daran, dass der Hauptcharakter einiges an Sympathien gewinnt und Spaß verbreitet. Auch die Actionszenen wissen zu unterhalten, aber auch zu ekeln. Dieser Film ist kein Splatterfilm, keine Sorge, aber wenn Augen herausfliegen, kann das schon für ein unschönes Gefühl sorgen, obwohl der Film nicht nur düster ist, sondern auch knallige Farben liefert.

Die Kulissen und das Design der Kreaturen oder Objekte aus der Fantasy-Welt sind auch gelungen und passen sehr gut zur Vorlage. Gerade das Haus von einer sehr berühmten Hexe, die ich noch nicht erwähnen will, ist ziemlich beeindruckend und kreativ. Auch viele Anleihen von verschiedenen Mythen und der Arthur-Saga werden im Film gut integriert. Gerade im Trailer haben die meisten wohl vermutet, dass dieser Film vielleicht zu bunt wird und sich mehr dem Mainstream anbiedert. Letzteres kann ich nicht abstreiten und er sticht weniger aus dem Einheitsbrei der Comicverfilmungen hervor, hat aber dennoch bleibende Bilder hinterlassen, ohne jeden Trend hinterherzurennen. Das Beste an diesem Film ist, dass der Film sich die meiste Zeit wenigstens ernst nimmt und der Humor gar nicht so stark im Vordergrund steht, wie vermutet. Lockeres Popcorn-Kino mit dem Fokus auf der Action und weniger auf dumme Sprüche, die nach einer halben Stunde nerven. Schön, dass das wenigstens noch möglich ist! Dazu noch gelungene Effekte und Masken, die das Gesamtbild abrunden.

Bei den Schauspielern müssen wir zuerst den noch unbekannten David Harbour erwähnen, der überwiegend in vielen Serien oder Nebenrollen seine Brötchen verdiente. Sein Hellboy kommt natürlich nicht an Ron Perlman ran, schon alleine, weil das markante Gesicht fehlt. Aber ganz große Sprünge braucht sein Hellboy auch nicht, da der Charakter viel weniger ausgearbeitet ist und einfach nur als Sympathieträger funktionieren soll. Auch Ian McShane als Professor Broom reißt keine Bäume raus und erfüllt seinen Job solide. Daniel Dae Kim, der Ben Daimio spielt und Sasha Lane, die Alice Monaghan darstellt, spielen eine untergeordnete Rolle und machen einfach nur ihre Arbeit. Nicht mehr und nicht weniger. Das liegt aber auch am Drehbuch, dass die Charaktere im Grunde keinen Charakter haben und die Schauspieler gar nichts aus den Figuren herausholen können. Die größte Überraschung ist wohl Milla Jovovich, die wohl doch mehr kann als man ihr zutrauen möchte. Nein, ihre Performance ist nicht die Beste und sie bleibt weiterhin eine sehr limitierte Schauspielerin, aber sie war im gesamten Film tatsächlich die Figur, mit der ich am meisten Freude hatte.

Fazit

Dieser Film muss sich natürlich an seinen Vorgängern messen lassen und bei diesem Vergleich hat er schlichtweg keine Chance, Punkt! Aber unabhängig davon und wenn ihr auch nicht mit zu hohen Erwartungen in den Film geht, werdet ihr einen tollen Abend haben. Kauft euch vorher eine Packung Popcorn und Bier, dann habt ihr eine tolle Zeit und überseht auch das eine oder andere Plothole und könnt die Schwächen verzeihen. Dass der Film wieder eine Fortsetzung aufbaut ist ärgerlich und die Gefahr besteht, dass der Film an den Kassen floppt und wir so manches gar nicht mehr fortgesetzt bekommen. Das ist eben das Problem, wenn sich die Studios ihrer Sache zu sicher sind und ein Film nicht für sich stehen kann.

Ein Herz für den deutschen Film: Der Fall Collini

Ein Herz für den deutschen Film: Der Fall Collini

Der Schauspieler Elyas M’Barek, was halten wir eigentlich von ihm? Der nächste Moritz Bleibtreu? Oder doch eher der Nachfolger Von Til Schweiger? So ganz einig sind sich die Filmfans diesbezüglich noch nicht. Immer wieder gibt es gute Projekte und gute Rollen, doch dann sehen wir ihn in Fak ju Göhte oder im furchtbaren Biopic von Bushido mit dem Titel Zeiten ändern dich. Es ist schon nicht einfach mit den Stars aus Deutschland. Aber in diesem Jahr kam ein vielversprechender Trailer zum Film Der Fall Collini und weckte mein Interesse. Ein Juristenthriller mit ihm? Warum nicht, zudem solche Filme in Deutschland eher selten sind. Am Ende konnte der Film die Erwartungen erfüllen und gleichzeitig sogar positiv überraschen. Ich hoffe, der Film wird noch für einige Diskussionen sorgen.

Wir befinden uns im Jahr 2001 und sind in der Hauptstadt Deutschlands, Berlin. Hier begleiten wir den jungen Anwalt Caspar Leinen, der gerade seine Anwaltszulassung erhalten hat, und sein erster Fall soll auch gleichzeitig sein schwierigster werden. Es geht um Mord! Der italienische Gastarbeiter Fabrizio Collini, verteidigt von Caspar, hat den erfolgreichen und sehr beliebten Hans Meyer kaltblütig im Hotel ermordet. Nicht nur die Angehörigen stehen unter Schock, sondern auch viele Mitstreiter oder Menschen, denen er geholfen hat. Doch nicht nur das, Hans Meyer ist der Ersatzvater und Förderer von Caspar! Dies war ihm, als er den Job annahm, noch gar nicht klar und nun ist er gezwungen den Mörder zu verteidigen, der seinen Förderer ermordete. Als er sich dazu entschließt (er wurde auch ein wenig überredet), will er zumindest wissen, warum Fabrizio dies tat. Doch Fabrizio ist stur und nur durch den unbedarften Blick von Caspar kann der Grund ermittelt werden.

Collini, der kaltblütige Mörder. © 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Die Grundprämisse war es, warum ich diesen Film so interessant fand, weil sie für viel Drama sorgen wird. Dachte ich! Doch am Ende zeigte sich, dass der Film mich auf eine ganz andere Art und Weise begeistern konnte. Dabei wurde die erste Hälfte nur von der interessanten Grundgeschichte getragen und der Neugier, wie das ausgeht. Aber wirklich Fahrt wollte nicht aufkommen und es wirkte so, als würde der Film sich in eine Sackgasse manövrieren. Das liegt auch daran, dass viele Handlungen und Situationen viel zu schnell abgehakt werden. Die Tochter von Hans Meyer und der ehemaligen Freundin von Caspar ist auf ihn am Anfang sehr wütend und erschüttert, und schon in der nächsten Szene haben sie wieder was miteinander. Auch wird einfach die Situation, dass Caspar ja eigentlich vorbelastet ist und Fabrizio gar nicht verteidigen darf, ganz fragwürdig abgehakt und einfach mit dem Thema Verantwortung und Berufung abgeschmettert. Auch gibt es das eine oder andere Plothole. So lernt Caspar noch in einem Imbiss eine Frau kennen, die italienisch kann und er beschließt, sie deswegen einzustellen. Laut seiner Aussage braucht er jemanden, der die Sprache kann. Als er mit ihr in Italien ist, stellt sich aber heraus, dass er selbst gar nicht so schlecht italienisch kann und die Person, die er befragen will, kann zudem auch noch Deutsch. Damit wird die neue Frauenfigur absolut überflüssig und trägt nichts zur Handlung bei, eher bremst sie die gesamte Geschichte etwas aus.

Das ist Schade und hört sich nun sehr negativ an. Doch wenn man von diesem Plothole absieht und die ersten Minuten durchsteht, wird man belohnt. Dann nämlich, als Collini sich immer mehr öffnet und dem Zuschauer immer mehr Happen vor die Augen hält und wir neugierig bleiben. Die Auflösung soll dabei keine Enttäuschung sein oder völlig unrealistisch. Nein, die Auflösung stellt gleich mehrere Fragen. Aufgrund von einer großen Spoilergefahr kann ich gar nicht so viel dazu sagen und eigentlich wäre es aber die Stelle, die ich benötige, um meine Begeisterung zu vermitteln. Daher bleibe ich etwas schwammig in meinen Aussagen. Der Film behandelt am Ende viele Themen und stellt mehrere Fragen. Gibt es Gerechtigkeit? Wie gehen wir mit unserer Vergangenheit um und wer sollte der Richter für gewisse Taten sein? Ab wann dürfen wir Verständnis mit einem Täter haben? Aber, dies beeindruckte mich gewaltig, dieser Film startet auch einen Angriff. Ein Angriff auf das Justiz-System allgemein und besonders in Deutschland. Ein Verbrechen wird schlichtweg von dem System definiert und bestimmt. Diese Regeln und Gesetze werden aber auch immer wieder geändert und ein Gericht urteilt nur nach dem Gesetz. Doch wie sieht es mit der Ethik aus? Ein anderes Beispiel, was mit diesem Film nichts zu tun hat, soll besser definieren, was ich meine. Bis in das Jahr 1969 wurden 50.000 Männer inhaftiert. Laut Gesetz waren diese Männer schuldig und begannen ein Verbrechen. Sie waren homosexuell. Heute unvorstellbar, aber damals eben ein Verbrechen. Waren diese Männer Verbrecher oder schlechte Menschen? Laut Gesetz eben schon. Eine ähnliche Frage und ein Gesetz, was eher negativ geändert wurde, behandelt dieser Film und lässt den Zuschauer mit einem mulmigen und teils auch wütenden Gefühl zurück. Grandios!

Kann Caspar seinem Gegenspieler trauen? © 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Elyas M’Barek beweist in diesem Film, dass er wirklich talentiert ist. Sein naives und auch hilfloses Spiel werden absolut glaubwürdig in Szene gesetzt. Hoffentlich wählt er in Zukunft seine Rollen weiterhin so aus und gibt sich selbst mehr Anspruch. Auch Heiner Lauterbach weiß zu überzeugen und seiner Erfahrung sei Dank, driftet sein überheblicher Anwalt nicht ins Overacting ab. Dass Caspar ihm erst vertraut, ist nachvollziehbar. Auch an ihm hätte der Film dann scheitern können, wenn der Zuschauer gerade gegen Ende kein Verständnis hätte, aber die Figur ist keine Karikatur von einem bösen Anwalt und das ist auch gut so. Alexandra Maria Lara ist ebenfalls in ihrer Rolle als traumatisierte Tochter von einem ermordeten Vater gut. Auch den inneren Kampf den Verteidiger des Mörders zu lieben und zu hassen, spielt sie gut. Für die Wechselsprünge am Anfang des Films, dafür kann ja nur das Drehbuch etwas und nicht ihr Spiel. Doch es gibt in diesem Film einen geheimen Star: Jannis Niewöhner! Dieser spielt erst sehr spät in diesem Film mit und hat ganz wenig Szenen. Diese Szenen brennen sich aber in das Gedächtnis ein und es ist nicht auszuschließen, dass diese Neuentdeckung noch größere Rollen annehmen wird. Hoffen wir es!

Fazit

Nach einem schleppenden und merkwürdigen Anfang, der durch einige merkwürdige Entscheidungen auffällt, erleben wir eine sehr kluge, spannende und kritische Mischung aus Drama und Thriller. Dazu wird gut er gespielt und – besonders wichtig – nicht kaputtgespielt von Elyas M’Barek, der mehr kann als wohl die meisten dachten. Mit seiner Starpower bleibt mir nur zu hoffen, dass dieser Film auch erfolgreich wird. Denn ich finde diesen Film am Ende sogar wichtig und der Zuschauer wird für den Anfang sehr gut entschädigt.

Ein Herz für den deutschen Film: Unheimlich perfekte Freunde

Ein Herz für den deutschen Film: Unheimlich perfekte Freunde

Der deutsche Kinderfilm. Ein Thema mit dem ich mich zugegeben erst beschäftige, seit ich für Playto auch die Kritiken schreibe. Nach einer Reihe von Filmen frage ich mich allerdings, warum das Thema so an mir vorbeiging, gerade als jemand, der deutschen Film schätzt. Denn der deutsche Kinderfilm ist ein sehr gutes Argument für den deutschen Film allgemein und sticht zudem besonders hervor. Solche Filme sind nämlich ziemlich einzigartig und sind mit den Kinderproduktionen von anderen Ländern nicht vergleichbar. Das ist in diesem Fall besonders positiv. Nun kommt der Film “Unheimlich perfekte Freunde” ins Kino, in diesem Jahr gab es kaum einen Film, der diese Thesen besser unterstützt. Der Film ist in diesem Jahr der zweite Film von Regisseur Marcus H. Rosenmüller, der mit Trautmann bereits mit einem völlig anderen Film für Furore sorgte.

Denn dieser Film hier ist schlichtweg ein Kinderfilm und dazu auch noch einer, der komplett ohne Vorlage auskommt. Unser kleiner Held nennt sich Frido und sei für sein Alter zu verspielt, dazu auch noch die schlechten Noten. Da bald ein Schulwechsel ansteht und sich entscheidet, ob er an das Gymnasium kommt, wo seine Freunde landen werden, sieht es gerade nicht so gut aus. Dazu auch noch seine getrennt lebenden Eltern, wo die Mutter ganz schön Druck auf den Kleinen ausübt. Sein bester Freund Emil dagegen scheint das komplette Gegenteil zu sein und so etwas, was manche als Streber bezeichnen würden. Frido will lieber jemand anderes sein, jemand der perfekt ist. Eines Tages findet er auf einem Jahrmarkt einen sehr mysteriösen Spiegel, der sein perfektes Ich abbildet und mit ihm reden kann. Dieses Spiegelbild zieht Frido heraus und so führt er ein Doppelleben. Sein Spiegelbild ist nämlich wirklich perfekt und schreibt nur noch gute Noten, während das Original weiter Spaß haben kann. Das führt natürlich zu diversen Problemen und irgendwann fühlt sich Frido auch überflüssig…

Der Star dieses Films! ©SquareOne Entertainment

Interessant an diesem Film ist, dass er zwar eine sehr fantasievolle Prämisse liefert, aber gleichzeitig die ganze Zeit bodenständig wirkt. Dabei wird ein Thema sehr unterschwellig aufgegriffen: Die Schulnoten und der dazugehörige Druck seitens der Eltern und Schulsysteme. Ja, der neue Frido holt sich jetzt eine 1 nach der Anderen, weil er alles ständig auswendig lernt. Doch ist er wirklich klüger als sein Original? Dafür hat nämlich die Kopie weder Fantasie noch Spaß und Freunde bekommt er mit seiner Einstellung auch nicht. Später wird deutlich, dass das Original ihm sogar etwas überlegen ist, da er seine Kopie mit einem Trick, den man eben nicht in Büchern findet, besiegen kann. Besiegen? Ja! Denn auch wenn Frido das Faulenzen und die neue Zufriedenheit seiner Mutter sehr genießt, merkt er später dennoch, dass seine Mutter, Freunde und Schulkameraden ihn mochten, wie er war. Auch wenn er wohl noch nicht auf das Gymnasium gehen kann, so hat er andere Qualitäten, die kaum benotet werden. Der Film schafft es also, auch dank des bodenständigen Ansatzes, eine Kritik an das aktuelle Bildungssystem zu geben, wie auch die Eltern in die Pflicht zu nehmen, ohne dabei mit dem Holzhammer drauf zu schlagen. Gleichzeitig nimmt er nicht nur die älteren Zuschauer absolut ernst. Die Botschaften werden die Kinder schon verstehen! Mehr Vertrauen in unsere Kinder, ebenfalls eine Botschaft, die in diesem Film vorkommt.

Natürlich geht es auch um das Thema Freundschaft, dies wird mit der Geschichte ganz clever verwoben. Als Emil ebenfalls was von diesem Spiegel hört, will er auch sein neues perfektes Gegenbild. Denn auch bei ihm läuft es nicht perfekt. Er ist nicht cool, wird von einem Mädchen kaum erkannt und kann sich seiner Mutter nicht widersetzen. Im Grunde das genaue Gegenteil von Frido. Schon hier ein Zeichen, dass kein Mensch perfekt sein kann. Der Film treibt diese Botschaft weiter, als der neue Emil herauskommt. Bei diesem handelt es sich um einen richtigen Rüpel, der auf Freundschaften und Schule nichts gibt. Dafür ist er jetzt eine Sportskanone und kann sich gegen ältere Schüler oder gar seine Mutter zu Wehr setzen. „Sei wie du bist“ klingt weder neu oder wirklich besonders, wird aber in diesem Film spielerisch erzählt und ohne großes Tamtam eingefangen. Dabei haben auch die Erwachsenen tatsächlich ihre Freude und finden die Geschichte nicht nur interessant, sondern auch lustig. Rosenmüller betonte in einem kurzen Interview, dass die gesamte Crew sehr kindisch war und einfach Spaß hatte. Das merkt der Zuschauer sofort und Rosenmüller liefert hier ein gutes Fingerspitzengefühl für die humorvollen Szenen und fängt alle Altersgruppen ein. Auf Pipi-Kacka-Humor verzichtet er und dafür muss ich mich auch bedanken.

Eine Kuchenschlacht darf in so einem Film nie fehlen! NIE! ©SquareOne Entertainment

Der angesprochene Spaß innerhalb des Filmteams spiegelt sich auch im Cast wieder. Wie oft meckere ich über die Kinderdarsteller aus Deutschland und gerade weil solche Filme aus Deutschland ziemlich beliebt sind, frage ich mich, warum Kinderschauspiel kaum gefördert wird. Dieser Film muss sich diesen Vorwurf nicht gefallen lassen. Luis Vorbach gilt nicht umsonst als deutsches Schauspiel-Wunderkind. Hier kommt eine Herausforderung dazu, nämlich eine Doppelrolle. Die meiste Zeit muss er im Grunde zwei Charaktere spielen, die im Detail stark voneinander abweichen. Luis spielt beide Fridos herausragend und glaubwürdig. Respekt dafür! Auch die anderen Kinderdarsteller, besonders der Debütant Jona Gaensslen, der Emil spielt, machen ihren Job sehr gut. Luis und Jona haben mir verraten, dass sie nur per Zufall zum Film gekommen sind und einfach viel Glück hatten. Gott sei Dank! Dass die Beiden ihre zwei Rollen auch so unterschiedlich spielen können und so einen starken Kontrast erschaffen, sorgt dafür, dass die Botschaften präsenter aber auch glaubwürdiger in Szene gesetzt werden. Der Film kommt bei den erwachsenen Schauspielern ohne die ganz großen Stars oder Promi-Gästen aus. Das ist gut und so fallen ein paar Störgeräusche weg, die eine Geschichte etwas ausbremsen könnten. Die erwachsenen Schauspieler hatten ebenfalls viel Spaß und besonders die Eltern von Luis, gespielt von Serkan Kaya und Marie Leuenberger, können in ihren Rollen glänzen.

Das Ganze ist zudem auch aufwendig produziert und bietet neben einer tollen Kamera und einer sehr guten Lichtausstattung auch tolle Kulissen. Gedreht wurde größtenteils in Leipzig und Wien, der Film selbst verrät nie in welcher Stadt wir uns befinden und so bleibt, wie eben die Geschichte des Spiegels, alles sehr fiktiv. Als Leipziger finde ich es sogar beeindruckend, dass die Drehorte völlig abgekapselt von der eigentlichen Herkunft funktionieren. Für eine deutsche Produktion haben sich die Macher auch sehr viele Gedanken über das Lichtbild gemacht. So ist es im Film die ganze Zeit relativ hell und fröhlich, aber als das Klassenzimmer voller Klone der Schüler sitzt, die sich alle gegenseitig übertrumpfen wollen, ist das Licht leicht angepasst und etwas grauer. Das fällt nur unterschwellig auf, bestärkt aber noch einmal die fortlaufende Erzählung. Ebenfalls gelungen ist der Soundtrack. Sind solche Songs, die besonders für Kinderfilme extra geschrieben werden, eher pures Fremdschämen, sind die Stücke diesmal wirklich gelungen und runden diesen Film ab.

Die getrennten und besorgten Eltern… ©SquareOne Entertainment

Fazit

Perfekt gibt es nicht? Vielleicht nicht bei Kindern. Dieser Kinderfilm dagegen macht aber vieles richtig und ist für das, was er sein will, so ziemlich perfekt. Die tollen Schauspieler, die gelungene Inszenierung und auch die Botschaften, wie auch der Weg dahin, sind einfach nur toll umgesetzt. Nach dem eher fragwürdigen Trautmann sollte Rosenmüller sich überlegen, nicht lieber in so einen Stoff zu investieren. Denn das kann er! Auf weitere Filme mit Luis und Jona freue ich mich nach diesem Film ebenfalls und bin gespannt, wie ihre Karriere nun fortgesetzt wird.

Ein Herz für den deutschen Film: Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist Zurück

Ein Herz für den deutschen Film: Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist Zurück

Alfons Zitterbacke! Moment, wer ist eigentlich Alfons Zitterbacke? Das werden sich viele Fragen, die nicht im Osten der Bundesrepublik aufgewachsen sind oder in der ehemaligen DDR. Denn in dieser war Alfons richtig beliebt und berühmt – und selbstverständlich haben zum Beispiel meine Eltern mich die Hörspiele, Kinderbücher und Filme ebenfalls konsumieren lassen. 1986 kam der letzte Film in der DDR und 1995 das letzte Buch in Lettland und der Ukraine. Es gab von den Hörspielen immer wieder Versuche Alfons Zitterbacke noch am Leben zu erhalten, doch nach dem Ende der DDR verschwanden auch die kleinen Abenteuer von Alfons. Das ist ärgerlich, da diese Marke durchaus auch in der Bundesrepublik das Zeug hätte, ein richtiger Hit zu werden. Nun versucht man wieder mit einem gut produzierten Film die Marke wiederzubeleben. Dabei gibt es dann nicht nur ein neues Hörspiel und ein Kinderbuch, sondern das Ganze wird mit einer richtigen Sammlung an Stars vermarktet. Der Plan könnte aufgehen…

 

Eines ist ganz klar: Alfons Zitterbacke wird einmal ein ganz großer Erfinder und Wissenschaftler. Bis dahin muss er sich aber mit dem alltäglichen Schulalltag herumschlagen. Denn weder die Eltern noch seine Lehrer erkennen das wahre Genie und die meisten Mitschüler an seiner Schule können ihn auch nicht ausstehen. Sein großer Traum ist dabei, einmal Astronaut zu sein und ins Weltall zu reisen. Um seine Zweifler zu überzeugen, kommt ein Schulwettbewerb gerade richtig und am Ende winkt gar ein Treffen mit Alexander Gerst, dem berühmten deutschen Astronauten. Sicherlich werden hier seine Eltern nicht so begeistert sein, besonders der Vater, der es irgendwie nicht dulden kann, dass sein Sohn solche Fantasieträume hat. Doch dabei vergisst er, dass er als Kind nicht viel anders war als sein Sohn…

Alfons Zitterbacke ist auch in seinem Film der Star. © X-Verleih 2019

In Zeiten, in denen der deutsche Kinderfilm boomt, grenzt es fast schon an ein Wunder, dass diese Figur so lange nicht wieder aufgegriffen wurde. Doch der Verleih findet: 30 Jahre nach dem Mauerfall wird es endlich auch mal Zeit! Zwischen den ganzen Pferdefilmen und YouTube-Stars, die ebenfalls irgendwelche Filme machen, sticht dieses Werk tatsächlich etwas heraus und bietet auch mal Stoff für ein junges Publikum, das mit Ostwind oder YouTube nichts anfangen kann. Dabei hat das Produktionsteam keine Kosten und Mühen gescheut. Szenen aus dem All mit Alexander Gerst, Stars aus Funk und Fernsehen, wie auch (welch Ironie) YouTube-Stars sind mit von der Partie. Doch nicht nur Stars für die Kleinen, wie Tobi der Checker (der im Übrigen auch einen eigenen Film hat), sondern auch Stars wie Wolfgang Stumph, die besonders ältere Zuschauer aus dem Osten kennen dürften, wie auch Bürger Lars Dietrich oder Olaf Schubert erfreuen Jung und Alt. Jetzt muss nur die Geschichte überzeugen!

Hier entfaltet sich eine typische Pechvogel-Kindergeschichte, in der unser kleiner Held von Mitschülern geärgert wird, von Lehrern nicht ernst genommen wird und auch von den Eltern kein Verständnis erfährt. Dazu kommt, dass alles was Alfons anfasst, auch irgendwie schief geht. Doch er hat natürlich auch Freunde, die ihm helfen, wie auch seine Träume, bei denen er von zwei Astronauten träumt, die ihn unterstützen. Am Ende, trotz aller Widerstände, soll ihm natürlich doch alles gelingen: Die Eltern lernen ihren Sohn ernster zu nehmen und zu unterstützen und wir erfahren wie wichtig Freundschaft sein kann. Ganz wichtig: Gib deinen Traum nie auf! Ja, das klingt jetzt alles nach Rezept und im Grunde ist es das auch. Dafür ist diese Geschichte aber so schön charmant erzählt und kann besonders für die Kids ein unterhaltsames kleines Abenteuer werden. Dazu sei noch erwähnt, dass der Humor wirklich für die gesamte Familie ist. Auch die Erwachsenen werden sich immer wieder einen Lacher nicht verkneifen können. Manche Gags sind sogar explizit nur an die Erwachsenen gerichtet.

Eine kleine Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen. Es kann ja auch Fortsetzungen geben. © X-Verleih 2019

Dabei soll hier auch gar nicht heruntergespielt werden, dass die einzelnen Weisheiten in diesem Film einfach platt heruntergespielt werden. Gerade wenn die Toleranz der Eltern auf eine harte Probe gestellt wird und Alfons die Unterschrift des Vaters fälscht, sieht es der Vater nicht ein seinem Sohn noch den letzten Stoß zu verpassen und gibt bei der Direktorin an, dass es doch seine Unterschrift sei. Ab diesem Moment schafft es der Film sehr schön, dass Kind und Eltern wieder zueinander finden. Als der Vater später nämlich auch seine alten Spielsachen findet und merkt, dass er früher auch einen DDR-Kosmonauten anhimmelte und auch die gleichen Träume hatte, wird der Film sogar etwas rührselig, ohne dabei es zu übertreiben. Besonders interessant ist dabei auch, dass der Film in der heutigen Zeit, aber im Osten spielt und das Ursprungsland dieser Geschichte nicht vergisst. Schon in den letzten Kinderbüchern wird ein wenig impliziert, dass der Vater der frühere Alfons, aus den ersten beiden Büchern, war und auch der Film greift diese Andeutungen wieder auf. Dies ist dann aber eher was für die Fans des Originals und wird im Film auch nur am Rande immer wieder erwähnt. Die wenigsten Kinder werden mit „Kosmonaut“ oder „DDR“ auch wirklich was anfangen können.

Das Ganze ist auch hochwertig produziert und die Traumsequenzen im Weltall sind für eine deutsche Produktion wirklich sehenswert. Auch der eine oder andere Effekt, wie auch die Kamera passen super. Für den Soundtrack gilt das aber nicht unbedingt. Die Rap-Parts sind eher zum Fremdschämen und funktionieren wohl nur bei Kindern. Richtig schlimm wird es, wenn im Film die Kinder selbst ein paar Rap-Parts auspacken, um Alfons zu mobben. Dann verdreht man als Erwachsener Zuschauer schon etwas die Augen. Ebenfalls wenig begeisternd wird es dann im Abspann, wenn Bürger Lars Dietrich seinen Song zum Film präsentiert, wo es dann auch kein Wunder mehr ist, wenn die Eltern frühzeitig den Kinosaal verlassen wollen.

Auch bei dem Cast selbst sollte man das eine oder andere Auge zudrücken. Bis auf Tilman Döbler sind alle Kinderdarsteller und Darstellerinnen eher schwach. Hier kann man dem Produzententeam aber auch schwer einen Vorwurf machen, da die Ausbildung von jungen Schauspielern in Deutschland kaum vorhanden ist. Sein bester Freund Leopold Ferdinand Schill kann in einigen Szenen noch so manchen trockenen Witz retten, bleibt aber ansonsten auch eher schwach. Bei den Erwachsenen sieht das aber schon anders aus. Devid Striesow als Vater von Alfons kann nicht nur in den witzigen Momenten glänzen, auch wenn er seinen Hape Kerkeling aus Ich bin dann mal weg wohl ganz schwer losbekommen wird. In den wenigen Momenten, die er hat, kann Wolfgang Stumph als reicher Opa von seinem verwöhnten Enkel immer wieder für ein paar Lacher überzeugen und seine Maske passt perfekt zu einem reichen Schnösel mit sächsischem Dialekt. Gastauftritte wie von Tobi der Checker dienen wohl nur dazu, um auch ein bestimmtes Publikum in das Kino zu locken und auch Olaf Schubert ist jetzt nicht die größte Bereicherung für den Cast, tut aber auch niemandem weh.

Wolfgang Stumph hätte ruhig öfter zu sehen sein dürfen. © X-Verleih 2019

Fazit

Für Kinder ist das Ganze ein wirklich sehenswertes kleines Abenteuer, was es heute im Kino gar nicht mehr so oft gibt. Die Eltern werden auch keinen unbequemen Kinobesuch erleben und gar an mancher Stelle unterhalten, besonders wenn man hier und da ein Auge zudrücken kann. Der Film glänzt mit Charme und einer gelungenen Portion Humor. Für einen netten Abend mit den Kindern sehr zu empfehlen!

Ein letzter Job in unserer Filmkritik

Ein letzter Job in unserer Filmkritik

Es war das Jahr 2015, als ältere Herren versuchten einen Tresor zu knacken und gleichzeitig den größten Raub in der Geschichte von England für sich zu verbuchen. Dabei ist die Geschichte so interessant, dass eigentlich ein Film nur eine Frage der Zeit war. Inszeniert wird das Ganze von James Marsh (Die Entdeckung der Unendlichkeit), dieser hat sich wohl die größten älteren britischen Schauspieler dazu geholt, die es aktuell gibt. Laut eigenen Aussagen wollte man für diesen Film Michael Caine als Erstes holen, um mit ihm andere Kollegen anzulocken. Zumindest der Plan ging auf, so wie auch der Heist-Job und am Ende soll doch nicht alles glatt gehen. Es ist witzig, dass dieser Film tatsächlich nicht konsequent zu Ende gebracht wird, wie eben die Rentner im echten Leben ihren Plan nicht konsequent durchgeplant haben…

 

Der frühere Meister-Verbrecher Brian Reader hat durch einen tragischen Tod seine Frau verloren und ihr kurz vorher versprochen, dass er sich zur Ruhe setzen wird. Doch es juckt ihm noch immer in den Fingern und so plant er einen „letzten Job“. Das Ziel? Das berühmte Hatton Garden-Quartier, denn dafür braucht es ein erfahrenes Team und deswegen holt er sich noch vier weitere Veteranen aber auch jemanden der sich mit Computern auskennt, einen jüngeren Ganoven. Der Raub selbst wird gut geplant und dennoch zeigt sich immer mehr, dass das Team sich untereinander misstraut und wohl selbst im Wege stehen wird…

Dieser Raub, den wir in Deutschland wohl kaum so richtig mitbekommen haben, liest sich schon wie ein Drehbuch. Ein Wert von 14 Millionen Pfund gestohlen von einer Truppe von Rentnern, dessen Anführer stolze 76 Jahre alt war. Die Gefahr allerdings, dass wir wieder einen respektlosen und langweiligen Film voller Rentner sehen, bestand dennoch. Hier muss sich aber der Regisseur nichts vorwerfen lassen. Die Witze über das Alter sind meistens respektvoll und nicht komplett unter der Gürtellinie. Doch ein anderes Problem dieser Geschichte zeichnet sich ab. Das Ende ist einfach nicht mehr unterhaltsam.

Da guckt jemand und fragt sich, wie man da durchpassen soll. © studiocanal 2018

 

Noch in der ersten Hälfte hat der Film einige komödiantische Elemente und ist tatsächlich spannend inszeniert, besonders wenn man die Originalgeschichte noch nicht kennt. Die Planungs-Sequenzen aber auch der Einbruch selbst sind wirklich gelungen und hier können die Schauspieler auch richtig glänzen. Ebenso wird an der einen oder anderen Stelle der Streit dieser Bande immer deutlicher, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Ist der Einbruch aber vollendet und es beginnt die zweite Hälfte des Films, baut die Geschichte unglaublich stark ab. Der Film verliert dann auch den komödiantischen Anteil und wird mehr zu einem Gangster-Thriller. Doch für einen guten Thriller braucht es etwas Spannung und am Anfang noch ein paar Fragezeichen. Dabei ist aber von Anfang an klar, wer wen hintergehen wird. Dazu kommt, dass der Zuschauer dann viele Szenen sieht, die uns nun die Verfolger, also die Polizei, näherbringen. Es ist absolut offensichtlich, was demnächst passieren wird. Das liegt auch daran, dass die alten Hasen sich absolut unglaubwürdig verhalten. An dieser Stelle ist es unglaublich, dass diese Geschichte auch zum Ende hin wahr ist und doch, nach eigenen Recherchen, es ist genau so abgelaufen. Wie solche Ganoven, mit dieser Erfahrung, es am Ende so verkacken können, bleibt wohl ein Rätsel. Dem Film tut das jedenfalls nicht gut. Oder die Drehbuchautoren hätten sich dafür entscheiden sollen, den komödiantischen Anteil lieber fortzuführen, um sich über diese Dummheit und diese Ironie etwas lustig zu machen.

Das absolute Highlight von diesem Film ist selbstverständlich die Besetzung. Was bedeutet selbstverständlich? Dieser Cast hat es ja eigentlich auch nicht mehr nötig und dennoch haben alle sichtlich viel Spaß, das überträgt sich auch auf den Zuschauer. Michael Caine als Planer ist wohl die Figur, die hin und hergerissen ist. Zum einen hat er seiner Frau etwas versprochen, zum anderen aber will er dennoch diesen einen Job noch beenden. Die anderen älteren Herren sind dagegen eher für den witzigen Teil zuständig. Tom Courtenay als technophober Rentner, der das Internet nicht versteht oder Jim Broadbent der als kranker Psychopath tatsächlich am meisten Spaß macht. Der junge Charlie Cox fällt hier allerdings etwas heraus und bleibt als Computernerd etwas blass. Das kann aber auch an der Vorlage liegen. Denn Basil, den Charlie verkörpert, ist bis heute nicht gefasst und der einzige kluge Ganove in dieser Gruppe, der sich rechtzeitig absetzte und sich heute wohl kaputtlacht. Über ihn ist so gut wie nichts bekannt und die Autoren wollten ihn scheinbar auch so wirken lassen. Die falsche Entscheidung, denn so wirkt seine Figur wie ein Fremdkörper.

Am Ende haben sich die Ganoven nicht wirklich klug angestellt… © studiocanal 2018

 

Fazit

Leider ist nur die erste Hälfte wirklich unterhaltsam und am Ende wirkt der Film etwas unausgegoren. Die etwas lockere und leichtere Atmosphäre der ersten Hälfte hätten die Verantwortlichen ruhig beibehalten sollen, dies hätte weiterhin gut zu dieser Geschichte gepasst. Der alte Cast kann den Film dafür aber noch etwas retten und so macht es wenigstens Spaß, diese alten Hasen vereint zu sehen.