König Kohle – Unsere Graphic Novel-Rezension

König Kohle – Unsere Graphic Novel-Rezension

“König Kohle, der Alte, war eine fidele Arschfalte
Eine fidele Arschfalte, war König Kohle, der Alte
Er frug nach ´ner Pfeife, er frug nach ´nem Faden
Und zog sich zurück auf sein Klo zum Entladen
Ach, welch fidele Arschfalte war König Kohle, der Alte”

Wenn man diese Zeilen als Einstieg zur „Graphit Novel“ König Kohle liest, gehen im Kopf bereits einige Schubladen auf und die Erwartungshaltung mag sich in eine etwas derbere Richtung verschieben. Steht uns ein Gedichtband bevor? Werden wir Zeuge von infantilen und geschmacklosen Witzen? Mitnichten. Wobei schon der ein oder andere Furz im Buch entweicht, aber das stellt nicht das Thema des Buches dar. Doch was haben wir hier vor uns?

Angelehnt an die Naturalis historia, einer Enzyklopädie verfasst vom römischen Historiker und Schriftsteller Plinius so ungefähr 77 nach Christus, wo von den Ursprüngen der Malerei fabuliert wird, präsentiert sich König Kohle in einfachen Strichen. Wandmalerei an den Höhlenwänden, mit den Überresten des verbrannten Holzes gestaltet, faszinieren uns noch heute. Das dachte sich auch der Künstler Max aus Spanien, der mit König Kohle nun ein Buch vorlegt, das den einfachen Strich quasi zum Thema nimmt. Dabei nimmt er uns in mehreren kurzen Episoden mit auf die Abenteuer des mit einem schwarzen Körper ausgestatteten Protagonisten, der zu Beginn einen Faden aufnimmt.

Das lateinische Wort „filum“ bedeutet sowohl Faden als auch Umriss oder Profil, wie uns der Klappentext wissen lässt (und der Autor dieser Zeilen vor 25 Jahren bestimmt auch mal im Unterricht gelernt hat). Einen solchen Faden nimmt unser Protagonist zu Beginn des Buches auf und wickelt diesen zu einem Knäuel zusammen. Dabei zieht er am anderen Ende des Fadens, wodurch immer mehr eine Landschaft ins Bild gezogen wird, die den Beginn eines neuen Abschnittes im Buch markiert. Von einer klassischen Panelaufteilung muss sich der Leser, oder eher Betrachter, in diesem Buch sowieso verabschieden. Oftmals finden sich bis zu drei neue Bilder auf einer Buchseite, die von oben nach unten betrachtet die Geschichte fortlaufend darstellen. Zwischendurch erinnert diese Aufteilung durchaus auch mal an Zeitungsstrips, wo zwischen den einzelnen Bildern nicht immer allzu viel passiert. An anderer Stelle durchbricht Max dieses Muster und bindet auch Zeichnungen auf Doppelseiten mit in das Geschehen ein.

Inhaltlich bleiben ohne die vielen Worte – lediglich zum Schluss des Buches findet sich eine kurze Geschichte mit Text – natürlich so einige Interpretationsmöglichkeiten. Dadurch, dass sich alles ohne Dialog abspielt, wird der Leser gezwungen sich seine eigenen Gedanken zum Geschehen zu machen. Um nur mal ein paar Stichworte in den Interpretationsraum zu werfen, arbeitet Max meiner Ansicht nach Themen wie soziale Kontakte, Einsamkeit, Depression, Aktionismus, aber auch Kreativität und die Auseinandersetzung mit seinem inneren dunklen Ich in dieser Arbeit ab. Wie gesagt: Alles ist reine Interpretation und je nach Betrachter mitunter auch völlig Gegensätzlich zu verstehen, vielleicht sogar bis hin zu dem Fakt, in welcher Stimmung man sich das Buch zu Gemüte führt.

Schwarz-weiße Szenarien ziehen sich durch das Buch, Schraffuren lockern das Geschehen auf, bis hin zu detailreichen Zeichnungen.

Fazit

Es tut mir fast ein wenig leid, dass ich nicht so konkret auf die inhaltliche Gestaltung des Buches eingehen kann, ich würde dem Leser dieser Zeilen gerne mehr auf dem Weg geben. Das ist eventuell aber auch ein Teil des Ansatzes, den das Buch verfolgt, schließlich wird Kunst immer auf der Grundlage der eigenen Erfahrungen des jeweiligen Lesers betrachtet, interpretiert und konsumiert. Optisch mit Sicherheit ein Alleinstellungsmerkmal durch die scheinbar mit Kohle versetzten Striche, die uns in diesem hochwertig produzierten Buch fesseln, kann ich König Kohle nicht uneingeschränkt weiterempfehlen. Mich hat der Ansatz und die Simplizität (wohlgemerkt im Ansatz, nicht unbedingt in der Ausführung) fasziniert, weswegen ich neugierig auf das „Kohlemännchen“ war. Aus diesem Grund habt ihr König Kohle nach ca. 10 bis 15 Minuten bereits wieder aus der Hand gelegt, weil sich die Bilder so schnell anschauen lassen, doch wirkt das Gesehene im Leser noch nach. Das optimale Geschenk für Menschen, die sich mit Kunst auseinandersetzen und sich nicht scheuen, der graphischen Darstellung von Ideen und Ansätzen in dieser Form eine Chance zu geben. Für den klassischen Comic-Leser ist König Kohle jedoch nichts, aber für diese Leserschaft, zu der ich mich zum großen Teil auch zähle, gibt es ja genug anderweitiges Material. Ein Experiment für mich, was mich bereichert hat, aber nicht vollständig begeistern konnte.

 

König Kohle eine Graphit Novel ist erschienen im avant-verlag – 160 Seiten, schwarzweiß & vierfarbig, Hardcover
ISBN: 978-3-96445-012-8

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Das Goldene Zeitalter – Unsere Comic-Rezension

Das Goldene Zeitalter – Unsere Comic-Rezension

Ich habe lange überlegt, wie ich meine Besprechung zu „Das Goldene Zeitalter“ gestalte, bis mir schließlich eine passende Beschreibung eingefallen ist. Aus diesem Grund fällt diese Rezension auch ein wenig anders aus, denn wie will man so ein tolles Buch auch anders angehen, als über die emotionale Ebene? Das Goldene Zeitalter ist wie ein gutes Jazz-Album, im ersten Moment ob der gewaltigen Impressionen noch einschüchternd, auf den zweiten Blick siegt dann aber die Neugier. Das bedeutet aber auch, sich auf das Buch einzulassen, sich Zeit zu nehmen, die Geschichte und die optischen Reize auf sich wirken zu lassen. Nicht mal eben in der Bahn reinlesen, sondern mit einem guten Getränk entspannt im Sessel oder auf dem Sofa genießen. Eben genau so, wie man sich für ein tolles Musikalbum auch die Zeit nehmen sollte, es von vorne bis hinten durchzuhören, um die Intention des Künstlers zu erfassen.

Vielleicht habt ihr am Gratis Comic Tag 2019 auch schon einen Blick in die Geschichte und vor allem das Artwork erhaschen können? Falls ja, ist euch aufgefallen, dass die Zeichnungen und vor allem die Kolorierung schon sehr speziell sind, was durchaus kontrovers aufgefasst werden kann. Ich wurde direkt davon angezogen, meine Frau konnte sich gar nicht damit anfreunden. Ich bin dem Jazz durchaus gegenüber aufgeschlossen, sie mag überhaupt keinen Jazz – ein weiteres Argument für meinen anfänglichen Vergleich. Die Gestaltung der Protagonisten und Charaktere erinnerte mich direkt an die Gestaltung der Figuren im „Golden Age“ der animierten Disney-Filme in den 50er-Jahren, wie es beispielsweise in Dornröschen umgesetzt wurde. Aber auch bei den 101 Dalmatinern bediente man sich hochgewachsener menschlicher Figuren mit langen, dünnen Gliedmaßen. Weiterhin musste ich auch direkt an die Intro-Sequenz von Monster AG denken, bei der ähnliche Farben wie in „Das Goldene Zeitalter“ eingesetzt wurden. Das alles ist nicht weiter verwunderlich, wenn man sich klarmacht, dass Cyril Pedrosa in den 90er-Jahren auch an Disney-Filmen wie Der Glöckner von Notre Dame und Hercules mitgearbeitet hat.

Tilda wurde ins Exil verbannt. Zum Glück begleiten sie Bertil und Tankred, ohne die sie nicht lang überlebt hätte.

 

Ganz so experimentell wie die optische Gestaltung ist die erzählte Geschichte nicht. Wir befinden uns in einem mittelalterlichen Szenario in einem Reich, das vor kurzem ihren König verloren hat. Schon lange sind die Ländereien nicht mehr wohlhabend und das Volk leidet Hungersnöte. Tilda, die Tochter des verstorbenen Königs, will nach ihrer Krönung endlich die Not des Volkes lindern. Doch ihr Bruder kommt mit einem Komplott an die Macht und verbannt Tilda ins Exil. Doch zum Glück ist sie nicht alleine, zwei Verbündete namens Tankred und Bertil stehen an ihrer Seite. Sie retten Tilda mehr als einmal das Leben auf ihrer Reise durch das Königreich. Gemeinsam halten sie sich im Verborgenen. Auf ihrer Reise wird Tilda schwer verletzt und kommt beinahe ums Leben. Die drei Gefährten kommen schließlich in einer Gemeinschaft von Frauen unter, die sich tief im Wald autark versorgen. Dort macht Bertil Bekanntschaft mit der Lehre aus dem „Goldenen Zeitalter“ und es zeigt sich, dass das Schicksal der Gefährten mit dieser alten Legende verknüpft ist. „Das Goldene Zeitalter“ ist ein lang vergessenes Buch, das die Macht hat, die Welt zu verändern. Es erzählt von einer Utopie, einer Welt ohne Unterdrückung, ohne Krieg und ohne soziale Ungerechtigkeit. Eine Welt, wie sie Tilda in ihrem Königreich etablieren wollte, bevor sie von ihrem Bruder ins Exil verbannt wurde. Doch steckt wirklich ihr Bruder hinter all dem…?

Die Bildkompositionen sind wirklich sehr hübsch anzusehen, der Leser schwelgt förmlich in den Farben.

Fazit

Was Roxanne Moreil und Cyril Pedrosa hier geschaffen haben, ist wirklich außergewöhnlich und wahrscheinlich aufgrund der Optik nicht für jeden Leser gemacht. Ich möchte hier dennoch eine unbedingte Empfehlung aussprechen, sich an das Buch heranzutrauen. Die Geschichte fesselt schnell und der Leser möchte wissen, wie es weitergeht. Inhaltlich werden auch gesellschaftspolitische Themen angesprochen, die zwar im Mittelalter angesiedelt sind, aber selbstverständlich auch auf die Gegenwart angewandt werden können. Nehmt euch ein wenig Zeit für das Buch, gönnt euch ein gutes Glas Wein und genießt die tolle Umsetzung. Der Reprodukt Verlag hat „Das Goldene Zeitalter“ in einem schicken Hardcover-Buch veröffentlicht, was den Artstyle durch das hochwertige Papier noch besser zur Geltung kommen lässt. Auch wenn die Geschichte mit einem kleinen Cliffhanger endet, ich kann es nicht abwarten im nächsten Jahr zu erfahren, wie die Reise von Tilda und ihren Gefährten zu einem Ende geführt wird. Unbedingte Kaufempfehlung.

 

Das Goldene Zeitalter ist erschienen bei Reprodukt – 232 Seiten, farbig, 20,5 × 27 cm, Hardcover
ISBN: 978-3-95640-183-1

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Batmans Geschichte: Von Anfang bis Ende – Graphic Novel Collection

Batmans Geschichte: Von Anfang bis Ende – Graphic Novel Collection

Dieses Jahr feiert Batman seinen 80. Geburtstag. Das erste Mal erblickte die Figur in Detective Comics Nr. 27 im Mai 1939 das Licht der Öffentlichkeit. Bis heute werden noch neue Geschichten rund um den Dunklen Ritter gezeichnet und geschrieben. Dabei durchlebte Bruce Wayne mit seinem Alter Ego so einige Höhen und Tiefen, bis hin zum Bruch des Rückgrates durch Bane. Aber auch der Joker existiert noch heute und macht dem Fledermausmann immer wieder das Leben schwer.

Wer sich mit der Geschichte von Batman auseinandersetzen möchte, entweder als Neueinsteiger oder als alter Fan, hat nun die Möglichkeit mit einer neuen Buchreihe in die Materie einzusteigen. Die Batman Graphic Novel Collection startet nun mit Ausgabe 1 zum Einstiegspreis von 3,99 Euro beim Zeitschriftenhändler eine neue Reihe, die sich ausschließlich um den Rächer aus dem DC-Universum dreht.

Wer bereits ältere Buchreihen aus dem Hause Eaglemoss kennt weiß: Die Bücher erscheinen in einem Rhythmus von 14 Tagen und starten bei den ersten beiden Ausgaben mit einem Vorzugspreis, ab der dritten Ausgabe kosten die Hardcover-Ausgaben dann je 12,99 Euro. Doch nun mal Butter bei die Fische und raus mit den Titeln der Geschichten:

Band 1: Jahr Null – Die dunkle Stadt
Band 2: Jahr Null – Die wilde Stadt
Band 3: Geboren, um zu töten
Band 4: Gesichter des Todes
Band 5: Die Rückkehr des Dunklen Ritters
Band 6: Der Rat der Eulen
Band 7: Die Stadt der Eulen

Der Kenner wird merken, wir bewegen uns hier im Territorium der New 52-Storyline, welche im Jahr 2011 einen Neustart fast aller fortlaufenden Serien im DC-Universum darstellte. Im Jahr 2012 kamen diese Geschichten dann auch nach Deutschland und wurden wie üblich von Panini Comics veröffentlicht, wie sie hier nun auch in der gebundenen Form vorliegen. Niemand braucht sich also darum zu sorgen, die Entstehungsgeschichte oder die Abenteuer von Batman aus den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hier vorzufinden. Wobei dies auch seinen eigenen Reiz hat, glaubt mir.

Neben den bereits angeführten Titeln sollen in der auf 80-100 Bände (es finden sich widersprüchliche Angaben dazu) angelegten Reihe auch einige Klassiker und bedeutende Ereignisse aus dem Leben von Batman aufgegriffen werden. So werden Geschichten wie Niemandsland, Knightfall oder auch The Killing Joke im Lauf der Reihe mitveröffentlicht. Diese wurden von Autoren wie Alan Moore, Scott Snyder, Frank Miller und Grant Morrison sowie Zeichnern wie Greg Capullo, David Mazzucchelli, Tim Sale oder Neal Adams erdacht und zu Papier gebracht.

Die Qualität des ersten Bandes ist wirklich gelungen, die Papierqualität ist toll, wenngleich der Druck im dunklen Bereich noch etwas mehr Schwärze hätte vertragen können. Der Buchrücken ergibt bei vollständiger Sammlung ein Motiv, einige Bücher enthalten noch Bonusmaterial wie Variant-Cover oder Skizzen. Erwerben könnt ihr die Bücher im Zeitschriften- und Bahnhofsbuchhandel oder aber auch direkt ein Abo abschließen und dazu noch einige Prämien erhalten.

Weitere Informationen erhaltet ihr auch unter Batman Graphic Novel Collection