Ein Herz für den deutschen Film: Der Fall Collini

Ein Herz für den deutschen Film: Der Fall Collini

Der Schauspieler Elyas M’Barek, was halten wir eigentlich von ihm? Der nächste Moritz Bleibtreu? Oder doch eher der Nachfolger Von Til Schweiger? So ganz einig sind sich die Filmfans diesbezüglich noch nicht. Immer wieder gibt es gute Projekte und gute Rollen, doch dann sehen wir ihn in Fak ju Göhte oder im furchtbaren Biopic von Bushido mit dem Titel Zeiten ändern dich. Es ist schon nicht einfach mit den Stars aus Deutschland. Aber in diesem Jahr kam ein vielversprechender Trailer zum Film Der Fall Collini und weckte mein Interesse. Ein Juristenthriller mit ihm? Warum nicht, zudem solche Filme in Deutschland eher selten sind. Am Ende konnte der Film die Erwartungen erfüllen und gleichzeitig sogar positiv überraschen. Ich hoffe, der Film wird noch für einige Diskussionen sorgen.

Wir befinden uns im Jahr 2001 und sind in der Hauptstadt Deutschlands, Berlin. Hier begleiten wir den jungen Anwalt Caspar Leinen, der gerade seine Anwaltszulassung erhalten hat, und sein erster Fall soll auch gleichzeitig sein schwierigster werden. Es geht um Mord! Der italienische Gastarbeiter Fabrizio Collini, verteidigt von Caspar, hat den erfolgreichen und sehr beliebten Hans Meyer kaltblütig im Hotel ermordet. Nicht nur die Angehörigen stehen unter Schock, sondern auch viele Mitstreiter oder Menschen, denen er geholfen hat. Doch nicht nur das, Hans Meyer ist der Ersatzvater und Förderer von Caspar! Dies war ihm, als er den Job annahm, noch gar nicht klar und nun ist er gezwungen den Mörder zu verteidigen, der seinen Förderer ermordete. Als er sich dazu entschließt (er wurde auch ein wenig überredet), will er zumindest wissen, warum Fabrizio dies tat. Doch Fabrizio ist stur und nur durch den unbedarften Blick von Caspar kann der Grund ermittelt werden.

Collini, der kaltblütige Mörder. © 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Die Grundprämisse war es, warum ich diesen Film so interessant fand, weil sie für viel Drama sorgen wird. Dachte ich! Doch am Ende zeigte sich, dass der Film mich auf eine ganz andere Art und Weise begeistern konnte. Dabei wurde die erste Hälfte nur von der interessanten Grundgeschichte getragen und der Neugier, wie das ausgeht. Aber wirklich Fahrt wollte nicht aufkommen und es wirkte so, als würde der Film sich in eine Sackgasse manövrieren. Das liegt auch daran, dass viele Handlungen und Situationen viel zu schnell abgehakt werden. Die Tochter von Hans Meyer und der ehemaligen Freundin von Caspar ist auf ihn am Anfang sehr wütend und erschüttert, und schon in der nächsten Szene haben sie wieder was miteinander. Auch wird einfach die Situation, dass Caspar ja eigentlich vorbelastet ist und Fabrizio gar nicht verteidigen darf, ganz fragwürdig abgehakt und einfach mit dem Thema Verantwortung und Berufung abgeschmettert. Auch gibt es das eine oder andere Plothole. So lernt Caspar noch in einem Imbiss eine Frau kennen, die italienisch kann und er beschließt, sie deswegen einzustellen. Laut seiner Aussage braucht er jemanden, der die Sprache kann. Als er mit ihr in Italien ist, stellt sich aber heraus, dass er selbst gar nicht so schlecht italienisch kann und die Person, die er befragen will, kann zudem auch noch Deutsch. Damit wird die neue Frauenfigur absolut überflüssig und trägt nichts zur Handlung bei, eher bremst sie die gesamte Geschichte etwas aus.

Das ist Schade und hört sich nun sehr negativ an. Doch wenn man von diesem Plothole absieht und die ersten Minuten durchsteht, wird man belohnt. Dann nämlich, als Collini sich immer mehr öffnet und dem Zuschauer immer mehr Happen vor die Augen hält und wir neugierig bleiben. Die Auflösung soll dabei keine Enttäuschung sein oder völlig unrealistisch. Nein, die Auflösung stellt gleich mehrere Fragen. Aufgrund von einer großen Spoilergefahr kann ich gar nicht so viel dazu sagen und eigentlich wäre es aber die Stelle, die ich benötige, um meine Begeisterung zu vermitteln. Daher bleibe ich etwas schwammig in meinen Aussagen. Der Film behandelt am Ende viele Themen und stellt mehrere Fragen. Gibt es Gerechtigkeit? Wie gehen wir mit unserer Vergangenheit um und wer sollte der Richter für gewisse Taten sein? Ab wann dürfen wir Verständnis mit einem Täter haben? Aber, dies beeindruckte mich gewaltig, dieser Film startet auch einen Angriff. Ein Angriff auf das Justiz-System allgemein und besonders in Deutschland. Ein Verbrechen wird schlichtweg von dem System definiert und bestimmt. Diese Regeln und Gesetze werden aber auch immer wieder geändert und ein Gericht urteilt nur nach dem Gesetz. Doch wie sieht es mit der Ethik aus? Ein anderes Beispiel, was mit diesem Film nichts zu tun hat, soll besser definieren, was ich meine. Bis in das Jahr 1969 wurden 50.000 Männer inhaftiert. Laut Gesetz waren diese Männer schuldig und begannen ein Verbrechen. Sie waren homosexuell. Heute unvorstellbar, aber damals eben ein Verbrechen. Waren diese Männer Verbrecher oder schlechte Menschen? Laut Gesetz eben schon. Eine ähnliche Frage und ein Gesetz, was eher negativ geändert wurde, behandelt dieser Film und lässt den Zuschauer mit einem mulmigen und teils auch wütenden Gefühl zurück. Grandios!

Kann Caspar seinem Gegenspieler trauen? © 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Elyas M’Barek beweist in diesem Film, dass er wirklich talentiert ist. Sein naives und auch hilfloses Spiel werden absolut glaubwürdig in Szene gesetzt. Hoffentlich wählt er in Zukunft seine Rollen weiterhin so aus und gibt sich selbst mehr Anspruch. Auch Heiner Lauterbach weiß zu überzeugen und seiner Erfahrung sei Dank, driftet sein überheblicher Anwalt nicht ins Overacting ab. Dass Caspar ihm erst vertraut, ist nachvollziehbar. Auch an ihm hätte der Film dann scheitern können, wenn der Zuschauer gerade gegen Ende kein Verständnis hätte, aber die Figur ist keine Karikatur von einem bösen Anwalt und das ist auch gut so. Alexandra Maria Lara ist ebenfalls in ihrer Rolle als traumatisierte Tochter von einem ermordeten Vater gut. Auch den inneren Kampf den Verteidiger des Mörders zu lieben und zu hassen, spielt sie gut. Für die Wechselsprünge am Anfang des Films, dafür kann ja nur das Drehbuch etwas und nicht ihr Spiel. Doch es gibt in diesem Film einen geheimen Star: Jannis Niewöhner! Dieser spielt erst sehr spät in diesem Film mit und hat ganz wenig Szenen. Diese Szenen brennen sich aber in das Gedächtnis ein und es ist nicht auszuschließen, dass diese Neuentdeckung noch größere Rollen annehmen wird. Hoffen wir es!

Fazit

Nach einem schleppenden und merkwürdigen Anfang, der durch einige merkwürdige Entscheidungen auffällt, erleben wir eine sehr kluge, spannende und kritische Mischung aus Drama und Thriller. Dazu wird gut er gespielt und – besonders wichtig – nicht kaputtgespielt von Elyas M’Barek, der mehr kann als wohl die meisten dachten. Mit seiner Starpower bleibt mir nur zu hoffen, dass dieser Film auch erfolgreich wird. Denn ich finde diesen Film am Ende sogar wichtig und der Zuschauer wird für den Anfang sehr gut entschädigt.

Ein Herz für den deutschen Film: Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist Zurück

Ein Herz für den deutschen Film: Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist Zurück

Alfons Zitterbacke! Moment, wer ist eigentlich Alfons Zitterbacke? Das werden sich viele Fragen, die nicht im Osten der Bundesrepublik aufgewachsen sind oder in der ehemaligen DDR. Denn in dieser war Alfons richtig beliebt und berühmt – und selbstverständlich haben zum Beispiel meine Eltern mich die Hörspiele, Kinderbücher und Filme ebenfalls konsumieren lassen. 1986 kam der letzte Film in der DDR und 1995 das letzte Buch in Lettland und der Ukraine. Es gab von den Hörspielen immer wieder Versuche Alfons Zitterbacke noch am Leben zu erhalten, doch nach dem Ende der DDR verschwanden auch die kleinen Abenteuer von Alfons. Das ist ärgerlich, da diese Marke durchaus auch in der Bundesrepublik das Zeug hätte, ein richtiger Hit zu werden. Nun versucht man wieder mit einem gut produzierten Film die Marke wiederzubeleben. Dabei gibt es dann nicht nur ein neues Hörspiel und ein Kinderbuch, sondern das Ganze wird mit einer richtigen Sammlung an Stars vermarktet. Der Plan könnte aufgehen…

 

Eines ist ganz klar: Alfons Zitterbacke wird einmal ein ganz großer Erfinder und Wissenschaftler. Bis dahin muss er sich aber mit dem alltäglichen Schulalltag herumschlagen. Denn weder die Eltern noch seine Lehrer erkennen das wahre Genie und die meisten Mitschüler an seiner Schule können ihn auch nicht ausstehen. Sein großer Traum ist dabei, einmal Astronaut zu sein und ins Weltall zu reisen. Um seine Zweifler zu überzeugen, kommt ein Schulwettbewerb gerade richtig und am Ende winkt gar ein Treffen mit Alexander Gerst, dem berühmten deutschen Astronauten. Sicherlich werden hier seine Eltern nicht so begeistert sein, besonders der Vater, der es irgendwie nicht dulden kann, dass sein Sohn solche Fantasieträume hat. Doch dabei vergisst er, dass er als Kind nicht viel anders war als sein Sohn…

Alfons Zitterbacke ist auch in seinem Film der Star. © X-Verleih 2019

In Zeiten, in denen der deutsche Kinderfilm boomt, grenzt es fast schon an ein Wunder, dass diese Figur so lange nicht wieder aufgegriffen wurde. Doch der Verleih findet: 30 Jahre nach dem Mauerfall wird es endlich auch mal Zeit! Zwischen den ganzen Pferdefilmen und YouTube-Stars, die ebenfalls irgendwelche Filme machen, sticht dieses Werk tatsächlich etwas heraus und bietet auch mal Stoff für ein junges Publikum, das mit Ostwind oder YouTube nichts anfangen kann. Dabei hat das Produktionsteam keine Kosten und Mühen gescheut. Szenen aus dem All mit Alexander Gerst, Stars aus Funk und Fernsehen, wie auch (welch Ironie) YouTube-Stars sind mit von der Partie. Doch nicht nur Stars für die Kleinen, wie Tobi der Checker (der im Übrigen auch einen eigenen Film hat), sondern auch Stars wie Wolfgang Stumph, die besonders ältere Zuschauer aus dem Osten kennen dürften, wie auch Bürger Lars Dietrich oder Olaf Schubert erfreuen Jung und Alt. Jetzt muss nur die Geschichte überzeugen!

Hier entfaltet sich eine typische Pechvogel-Kindergeschichte, in der unser kleiner Held von Mitschülern geärgert wird, von Lehrern nicht ernst genommen wird und auch von den Eltern kein Verständnis erfährt. Dazu kommt, dass alles was Alfons anfasst, auch irgendwie schief geht. Doch er hat natürlich auch Freunde, die ihm helfen, wie auch seine Träume, bei denen er von zwei Astronauten träumt, die ihn unterstützen. Am Ende, trotz aller Widerstände, soll ihm natürlich doch alles gelingen: Die Eltern lernen ihren Sohn ernster zu nehmen und zu unterstützen und wir erfahren wie wichtig Freundschaft sein kann. Ganz wichtig: Gib deinen Traum nie auf! Ja, das klingt jetzt alles nach Rezept und im Grunde ist es das auch. Dafür ist diese Geschichte aber so schön charmant erzählt und kann besonders für die Kids ein unterhaltsames kleines Abenteuer werden. Dazu sei noch erwähnt, dass der Humor wirklich für die gesamte Familie ist. Auch die Erwachsenen werden sich immer wieder einen Lacher nicht verkneifen können. Manche Gags sind sogar explizit nur an die Erwachsenen gerichtet.

Eine kleine Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen. Es kann ja auch Fortsetzungen geben. © X-Verleih 2019

Dabei soll hier auch gar nicht heruntergespielt werden, dass die einzelnen Weisheiten in diesem Film einfach platt heruntergespielt werden. Gerade wenn die Toleranz der Eltern auf eine harte Probe gestellt wird und Alfons die Unterschrift des Vaters fälscht, sieht es der Vater nicht ein seinem Sohn noch den letzten Stoß zu verpassen und gibt bei der Direktorin an, dass es doch seine Unterschrift sei. Ab diesem Moment schafft es der Film sehr schön, dass Kind und Eltern wieder zueinander finden. Als der Vater später nämlich auch seine alten Spielsachen findet und merkt, dass er früher auch einen DDR-Kosmonauten anhimmelte und auch die gleichen Träume hatte, wird der Film sogar etwas rührselig, ohne dabei es zu übertreiben. Besonders interessant ist dabei auch, dass der Film in der heutigen Zeit, aber im Osten spielt und das Ursprungsland dieser Geschichte nicht vergisst. Schon in den letzten Kinderbüchern wird ein wenig impliziert, dass der Vater der frühere Alfons, aus den ersten beiden Büchern, war und auch der Film greift diese Andeutungen wieder auf. Dies ist dann aber eher was für die Fans des Originals und wird im Film auch nur am Rande immer wieder erwähnt. Die wenigsten Kinder werden mit „Kosmonaut“ oder „DDR“ auch wirklich was anfangen können.

Das Ganze ist auch hochwertig produziert und die Traumsequenzen im Weltall sind für eine deutsche Produktion wirklich sehenswert. Auch der eine oder andere Effekt, wie auch die Kamera passen super. Für den Soundtrack gilt das aber nicht unbedingt. Die Rap-Parts sind eher zum Fremdschämen und funktionieren wohl nur bei Kindern. Richtig schlimm wird es, wenn im Film die Kinder selbst ein paar Rap-Parts auspacken, um Alfons zu mobben. Dann verdreht man als Erwachsener Zuschauer schon etwas die Augen. Ebenfalls wenig begeisternd wird es dann im Abspann, wenn Bürger Lars Dietrich seinen Song zum Film präsentiert, wo es dann auch kein Wunder mehr ist, wenn die Eltern frühzeitig den Kinosaal verlassen wollen.

Auch bei dem Cast selbst sollte man das eine oder andere Auge zudrücken. Bis auf Tilman Döbler sind alle Kinderdarsteller und Darstellerinnen eher schwach. Hier kann man dem Produzententeam aber auch schwer einen Vorwurf machen, da die Ausbildung von jungen Schauspielern in Deutschland kaum vorhanden ist. Sein bester Freund Leopold Ferdinand Schill kann in einigen Szenen noch so manchen trockenen Witz retten, bleibt aber ansonsten auch eher schwach. Bei den Erwachsenen sieht das aber schon anders aus. Devid Striesow als Vater von Alfons kann nicht nur in den witzigen Momenten glänzen, auch wenn er seinen Hape Kerkeling aus Ich bin dann mal weg wohl ganz schwer losbekommen wird. In den wenigen Momenten, die er hat, kann Wolfgang Stumph als reicher Opa von seinem verwöhnten Enkel immer wieder für ein paar Lacher überzeugen und seine Maske passt perfekt zu einem reichen Schnösel mit sächsischem Dialekt. Gastauftritte wie von Tobi der Checker dienen wohl nur dazu, um auch ein bestimmtes Publikum in das Kino zu locken und auch Olaf Schubert ist jetzt nicht die größte Bereicherung für den Cast, tut aber auch niemandem weh.

Wolfgang Stumph hätte ruhig öfter zu sehen sein dürfen. © X-Verleih 2019

Fazit

Für Kinder ist das Ganze ein wirklich sehenswertes kleines Abenteuer, was es heute im Kino gar nicht mehr so oft gibt. Die Eltern werden auch keinen unbequemen Kinobesuch erleben und gar an mancher Stelle unterhalten, besonders wenn man hier und da ein Auge zudrücken kann. Der Film glänzt mit Charme und einer gelungenen Portion Humor. Für einen netten Abend mit den Kindern sehr zu empfehlen!

Ein Herz für den deutschen Film – Ostwind 4: Aris Ankunft

Ein Herz für den deutschen Film – Ostwind 4: Aris Ankunft

Die Marke Ostwind ist bei den Kids einfach unfassbar beliebt. Nicht nur eine Buchreihe gibt es davon, sondern eben auch etliche Filme. Aktuell haben wir den vierten Film zu besprechen und die Reihe gilt für einen deutschen Film als sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass wir in unserer Rubrik “Ein Herz für den deutschen Film” gar nicht herumkommen. Nun bin ich ja jemand, der ungern sagt „Männer-Film“ oder „Frauen-Film“ und Filme in Schubladen einordnet. Doch die Ostwind-Filme sind so stark an eine Zielgruppe orientiert, dass es fast unmöglich ist, eine Kritik zu schreiben, wenn man selbst nicht zur Zielgruppe gehört. Nur gut, waren auch Kinder bei der Pressevorführung eingeladen und damit bekam ich einen deutlich besseren Eindruck, wie der Film eben für die Kids wirkt. Ich kann die Faszination hinter der Marke, zu der es auch Videospiele oder andere Merch-Artikel gibt, mittlerweile etwas verstehen. Dennoch gibt es auch ein paar Punkte, die aus cineastischer Sicht nicht so gut funktionieren und auch Kinder unterfordert, obwohl die Fans der ersten Stunde schon etwas älter sein dürften.

 

Das Gut Kaltenbach ist in Gefahr! Die Großmutter von Mika und Sam sowie Herr Kaan, der auf dem Gut eine Laube hat, versuchen alles um den Hof zu retten. Da kommt die scheinbar nette Isabell gerade Recht, die nach ihrem Studium auf dem Hof anfängt und alles wieder zurechtbiegen will. Doch auch das berühmte Pferd Ostwind ist in Gefahr, Mika selbst liegt im Koma und kann Ostwind nicht helfen. Beide verbindet eine Art mystische Verbindung. Geht es Ostwind schlecht, geht es auch Mika schlecht. So isst Ostwind nichts mehr und ist vom letzten Abenteuer verletzt. Niemand schafft es eine Verbindung mit Ostwind aufzubauen und so droht der Tod des Pferdes. Doch die aufgeweckte Pfanni, eine Freundin von Mika, lernt in ihrem Praktikum beim Jugendamt das Mädchen Ari kennen. Ari gilt als schwer erziehbar doch scheinbar kann sie eine Verbindung zu Ostwind aufbauen…

Die Fans von Mika müssen nun ganz hart sein, sie spielt in diesem Film kaum eine Rolle. Ganz am Anfang sehen wir nur, wie es dazu kam, dass sie im Koma liegt und wie Ostwind sich seine Wunde abholte, ansonsten sehen wir sie nur im Krankenhaus liegend und ganz am Ende. Dass ich das persönlich sogar gut fand, werde ich später noch erläutern. Die Hauptprotagonistin ist diesmal aber Ari und das mag den einen oder anderen Fan eher abschrecken, doch sie bringt tatsächlich etwas frischen Wind in die Reihe. Wie schon bei dem Vorgänger, der nicht in Deutschland spielte sondern in Andalusien, schafft es die Regisseurin Katja von Garnier (Ostwind 1-3) neue Impulse zu setzen. Dabei geht es wieder zurück in das vertraute Setting. Kenner und Fans der Serie werden sich aber sofort wohlfühlen und tatsächlich hat das Gut was Charmantes. Wer aber wieder darauf hofft, tolle Reitszenen zu sehen und die Faszination des Reitens und Pferde allgemein zu verstehen, der wird diesmal enttäuscht sein. Von diesen Szenen gibt es verdammt wenige und wenn, dann sind diese auch nicht wirklich beeindruckend. Fast schon ein Kontrastprogramm zum Vorgänger, wo die Reitszenen und auch das Verhalten der Tiere ein richtiges Highlight war.

Ari ist die neue Hauptfigur in Ostwind und nicht Mika. © 2019 Constantin Film Verleih GmbH/SamFilm GmbH/Marc Reimann

Ari gilt als schwer erziehbar und hat sich kaum unter Kontrolle. Wird sie erschrocken oder ahnt sie etwas Böses, schlägt sie sofort zu. Dadurch wird sie immer wieder von den Pflegefamilien abgegeben und ihr droht eine Aufnahme in einem Heim. Doch auf dem Gut lernt sie eben Ostwind kennen und gleichzeitig lernt sie sich zu beruhigen. Die Schläge ins Gesicht oder auch allgemein einige Situationen in die Ari landet, sind oft sehr humoristisch in Szene gesetzt. Natürlich sind die meisten Gags sehr kindgerecht und als Ari mit Pfanni an einem Kinderheim vorbeifährt, wird mit der Angst, die ein Kind vor so einem Heim haben kann, etwas gespielt und dies humorvoll aufgearbeitet. Doch die Figur Pfanni und der etwas trottelige Sam bringen tatsächlich auch lustige Szenen oder Sprüche für ein erwachsenes Publikum. Hier kommen wir aber auch gleich zu einem kleinen Problem. Ich hatte irgendwie ein wenig das Gefühl, dass der Film diesmal seine Zielgruppe nicht so ganz einfangen konnte. Auf der einen Seite fühlt es sich so an, als wäre Ari eben der Neuanfang dieser Serie, zudem die Geschichte um Mika im dritten Teil einen Abschluss fand. Was eben auch bedeutet, dass diese Reihe ihr bisheriges Publikum, was eben nun auch älter geworden ist, verliert. Doch auf der anderen Seite gibt es eben Momente, wo man genau dieses Publikum wieder abholt und am Ende das Gefühl gibt, dass es für sie weiter geht.

Doch die mittlerweile volljährigen Fans dürften über so manche Gags nicht mehr lachen, manche Geschichten als infantil abstempeln und der Schurke ist für viele wohl viel zu überzeichnet. Auch das nicht immer gelungene Schauspiel dürfte der einen oder anderen Person mittlerweile auffallen. Richtig erschrocken habe ich mich da zum Beispiel bei Hannah Binke, die so steif und schlecht spielt, dass es schwer zu glauben ist, dass sie bisher diese Reihe getragen hat. Aufgrund dessen ist Luna Paiano, die Ari spielt, ein richtiger Glücksgriff gewesen. Kinderdarstellerinnen aus Deutschland haben es nicht gerade sehr einfach und sind selten wirklich gut. Doch Luna spielt ihre Ari locker, frei und hat auch ein gutes Timing. Dies ist auch der Grund, warum das Fehlen von Mika kaum auffällt und wenn sie doch ins Bild kommt, eher negativ im Gedächtnis bleibt. Bei den anderen Schauspielkollegen gibt es auch starke Schwankungen. Amber Bongard spielt ihre Pfanni zum Beispiel ganz solide, während andere aus einer Reality-TV-Serie kommen könnten. Die älteren Darsteller sind alle schon geübt und spulen das übliche Programm ab.

Wer hier der Schurke ist und mit den Pferden nicht gut umgeht, wird direkt klar.© 2019 Constantin Film Verleih GmbH/SamFilm GmbH/Marc Reimann

Dafür ist der Film hochwertig produziert, bietet tolle Kulissen und liefert auch hier und da schöne Bilder. Fans werden sich vielleicht ärgern, dass die Reitszenen eher selten sind und auch die Kamerafahrten oder schönen Momente eher nicht vorkommen. Pferdeliebhaber werden allerdings dennoch auf ihre Kosten kommen und Fans von dem Pferd Ostwind leiden wohl auch während des Films. Überhaupt, Schauspiel hier und Kamerafahrten da. Interessiert es die Kids überhaupt? Sicherlich, Kinder und Jugendliche sollte man auch nicht unterfordern, wie es der Film an mancher Stelle macht, aber im Kino waren die Kinder jedenfalls begeistert von diesem Film und haben richtig mitgefiebert. Auch Fans die schon ein höheres Alter haben und zum Beispiel mittlerweile studieren, fühlten sich weiterhin unterhalten. Ich, der mit solchen Filmen insgesamt nichts anfangen kann, sage auch: Es gibt deutlich schlimmere Filme mit Pferden. Ja, am Ende muss ich dann eingestehen, ich fühlte mich sogar etwas unterhalten. Dann macht der Film ja alles richtig!

Fazit

Pferdeliebhaber und Fans der Bücher sowie Filme werden auch diesmal wieder ihren Spaß haben. Tatsächlich sind diese Filme auch nicht der größte Schund, den der deutsche Film jemals hervorgebracht hat. Im Gegenteil: Gerade in Sachen Kinderfilmen zählt diese Reihe wohl eher zu den besseren Filmen aus diesem Land. Wer nicht zur Zielgruppe gehört, geht eh nicht freiwillig ins Kino. Gleichzeitig werden Eltern aber auch keine schlimme Zeit im Kino verbringen. Zumindest nicht, wenn die Eltern nicht mit verschränkten Armen im Kino sitzen. Vielleicht sollten wir uns alle so locker machen, wie Luna Paiano ihre Ari spielt.

Ein Herz für den deutschen Film: Lampenfieber

Ein Herz für den deutschen Film: Lampenfieber

Der Friedrichstadt-Palast ist die größte Theaterbühne der Welt und eine feste Größe in Berlin. Neben dem berühmten Varité des Hauses gibt es dort auch jedes Jahr ein sehr aufwendiges und gut besuchtes Theaterstück, das nur mit Kindern besetzt ist. Genau diese Kinder, das Casting und die vielen Hürden, nimmt diese Dokumentation genauer unter die Lupe und begleitet dabei fünf Kinder auf ihrem Weg zur großen Bühne. Alice Agneskirchner, die Regisseurin, schafft es gut hinter die Kulissen zu blicken und dem Zuschauer einen Einblick in eine andere Welt zu geben.

Es geht dabei um das Theaterstück “Von Zeit zu Zeit”, wo insgesamt bis zu 2.000 Zuschauer erwartet werden. Nach einem, besonders für Kinder, sehr harten und anstrengenden Casting müssen die ausgewählten Kinder mit dem neuen Druck klarkommen und neben ihrem Schulalltag auch noch Texte, Tänze und Songs auswendig lernen. Das Theater stellt dabei hohe Anforderungen in Sachen Schauspiel, Gesang und Tanz. Dabei haben die Kinder auch schon privat mit Ängsten und Sorgen zu kämpfen: Ein Kind hat eine krebskranke Mutter. Ein anderes Kind ist noch nicht über den Tod der eigenen Mutter hinweggekommen. Selbst ein schon frühreifer YouTube-Star, der bis spät abends seine Videos dreht und schneidet, ist dabei und übernimmt sogar die Hauptrolle. Es ist nicht einfach, alles unter einem Hut zu bekommen und am Ende eine gigantische Show abzuliefern.

Ausgefallene Kostüme gehören ebenfalls zur Show. © gebrueder beetz filmproduktion

Die Doku beschränkt sich dabei auf fünf Kinder und gibt einen groben Einblick in die Theaterwelt. Hier und da taucht auch die Regie auf oder die Maskenbildnerin, da die Tante von einem Schauspielkind eben in diesem Theater arbeitet, aber ansonsten fokussiert sich die Doku auf die Dramen und Geschichten der Kinder. Natürlich wissen die Kinder auch nicht so richtig, was auf sie wirklich zukommt, oder sie können das Arbeitspensum nicht richtig einschätzen. Umso größer ist der Respekt aber, wenn die Show gelingt und mit einem enormen Aufwand auch auf die Bühne gebracht wird. Alice Agneskirchner schafft es auch gekonnt die Schwierigkeiten, die man mit Kinderdarstellern hat, aufzuzeigen, aber uns auch den Stress und den Druck der Kinder nahezubringen.

Oft hält die Kamera auch in den intimen Momenten drauf. Wenn zum Beispiel eine Darstellerin über ihre verstorbene Mutter erzählt, die selbst in diesem Theater war, und mit dem Vater über den Druck spricht, bekommt der Zuschauer einen ungefähren Eindruck, wie hart dieses Geschäft sein kann und dass niemand geschont wird. In manchen Situationen darf sich allerdings schon die Frage gestellt werden, ob an dieser Stelle wirklich draufgehalten werden muss und ob das anderen Menschen etwas angeht. Selbstverständlich: Es dient auch dazu den Kindern ein Gesicht zu geben, aber die Balance wird nicht immer gehalten. Besonders interessant ist der YouTube-Star. Dieser ist schon sehr weit für sein Alter und tatsächlich eine kleine Berühmtheit in gewissen Kreisen. Ich bin ehrlich: Mir war diese Person unbekannt, aber im Film wird deutlich, dass seine Videos sehr viele Klicks generieren und Tanzlehrerinnen beschweren sich zum Teil auch über die Fangruppen, die sich um ihn bilden. Dass er ein bekanntes Gesicht ist und sehr gut weiß, wie er sich zu präsentieren hat, wird dem Zuschauer auch schnell bewusst. Da beschwert er sich zum Beispiel, dass eine Szene ziemlich lächerlich aussieht und will sich bei der Regie beschweren. Schade, dass wir das nicht zu Gesicht bekommen.

Die Direktorin des jungen Ensembles: Christina Tarelkin. © gebrueder beetz filmproduktion

Ebenfalls interessant wird es, wenn wir hinter die Kulissen blicken können. Immerhin reden wir hier von der größten Theaterbühne der Welt. Wie Tanzchoreografien oder Songs eingeprobt werden, ist auch so schon spannend und wenn dies auch noch Kinder am Ende auf die Reihe bekommen müssen, bekommen wir einen komplett neuen Einblick. Die Lehrer sind dabei nicht zimperlich und knallhart. Natürlich gibt es auch nicht selten Gespräche mit den Eltern. Dort suchen die Lehrer das Gespräch mit dem Kind, nennen ehrlich die Defizite und geben Empfehlungen. Auch ein Ausschluss oder eine Degradierung ist dann möglich. Wer jetzt denkt, nun sähen wir Eltern, die denken ihre Kinder seien absolute Naturtalente und die die Lehrer anfauchen, der könnte enttäuscht werden. Denn glücklicherweise zeigt die Regisseurin solche Gespräche nicht und die gezeigten Eltern bleiben ruhig, haben sogar Verständnis und geben der Einschätzung ihr volles Vertrauen.

Wenn die Kinder auf der Bühne schon proben oder Gesangseinlagen geübt werden, wird immer wieder etwas vom fertigen Stück gezeigt. So bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack und Lust auf das fertige Werk. Allerdings, das ist klar, bekommen wir nur zum Finale viel zu sehen, aber nicht alles. Allerdings ist es gar nicht mehr möglich sich noch diese Show anzusehen, da sie bereits im letzten Jahr auslief und eine neue Kindershow in Planung ist. Das ist ärgerlich, auch wenn man der Doku nun nicht mehr vorwerfen kann, dass sie ein Werbefilm sei.

Nick in seiner Rolle als Nöli. © gebrueder beetz filmproduktion

Fazit

Insgesamt handelt es sich um eine interessante Doku über das Theaterleben von Kindern und die Schwierigkeiten, die so ein Ensemble nun einmal mit sich bringt. Hier und da wäre etwas mehr Feingefühl erfreulich gewesen und sicherlich wirkt es doch stark konstruiert, dass man eben auch nur die Kinder zeigt, bei denen man spannende oder schicksalhafte Geschichten zu Gesicht bekommt. Doch der Einblick lohnt sich dennoch, da einem oft gar nicht bewusst wird, dass die Darsteller, die wir auf der Bühne sehen, jede Menge Arbeit reinstecken und auch mit enormem Druck leben müssen. Ein Einblick, den wir nicht so oft zu sehen bekommen.