Ein Herz für den deutschen Film: Unheimlich perfekte Freunde

Ein Herz für den deutschen Film: Unheimlich perfekte Freunde

Der deutsche Kinderfilm. Ein Thema mit dem ich mich zugegeben erst beschäftige, seit ich für Playto auch die Kritiken schreibe. Nach einer Reihe von Filmen frage ich mich allerdings, warum das Thema so an mir vorbeiging, gerade als jemand, der deutschen Film schätzt. Denn der deutsche Kinderfilm ist ein sehr gutes Argument für den deutschen Film allgemein und sticht zudem besonders hervor. Solche Filme sind nämlich ziemlich einzigartig und sind mit den Kinderproduktionen von anderen Ländern nicht vergleichbar. Das ist in diesem Fall besonders positiv. Nun kommt der Film “Unheimlich perfekte Freunde” ins Kino, in diesem Jahr gab es kaum einen Film, der diese Thesen besser unterstützt. Der Film ist in diesem Jahr der zweite Film von Regisseur Marcus H. Rosenmüller, der mit Trautmann bereits mit einem völlig anderen Film für Furore sorgte.

Denn dieser Film hier ist schlichtweg ein Kinderfilm und dazu auch noch einer, der komplett ohne Vorlage auskommt. Unser kleiner Held nennt sich Frido und sei für sein Alter zu verspielt, dazu auch noch die schlechten Noten. Da bald ein Schulwechsel ansteht und sich entscheidet, ob er an das Gymnasium kommt, wo seine Freunde landen werden, sieht es gerade nicht so gut aus. Dazu auch noch seine getrennt lebenden Eltern, wo die Mutter ganz schön Druck auf den Kleinen ausübt. Sein bester Freund Emil dagegen scheint das komplette Gegenteil zu sein und so etwas, was manche als Streber bezeichnen würden. Frido will lieber jemand anderes sein, jemand der perfekt ist. Eines Tages findet er auf einem Jahrmarkt einen sehr mysteriösen Spiegel, der sein perfektes Ich abbildet und mit ihm reden kann. Dieses Spiegelbild zieht Frido heraus und so führt er ein Doppelleben. Sein Spiegelbild ist nämlich wirklich perfekt und schreibt nur noch gute Noten, während das Original weiter Spaß haben kann. Das führt natürlich zu diversen Problemen und irgendwann fühlt sich Frido auch überflüssig…

Der Star dieses Films! ©SquareOne Entertainment

Interessant an diesem Film ist, dass er zwar eine sehr fantasievolle Prämisse liefert, aber gleichzeitig die ganze Zeit bodenständig wirkt. Dabei wird ein Thema sehr unterschwellig aufgegriffen: Die Schulnoten und der dazugehörige Druck seitens der Eltern und Schulsysteme. Ja, der neue Frido holt sich jetzt eine 1 nach der Anderen, weil er alles ständig auswendig lernt. Doch ist er wirklich klüger als sein Original? Dafür hat nämlich die Kopie weder Fantasie noch Spaß und Freunde bekommt er mit seiner Einstellung auch nicht. Später wird deutlich, dass das Original ihm sogar etwas überlegen ist, da er seine Kopie mit einem Trick, den man eben nicht in Büchern findet, besiegen kann. Besiegen? Ja! Denn auch wenn Frido das Faulenzen und die neue Zufriedenheit seiner Mutter sehr genießt, merkt er später dennoch, dass seine Mutter, Freunde und Schulkameraden ihn mochten, wie er war. Auch wenn er wohl noch nicht auf das Gymnasium gehen kann, so hat er andere Qualitäten, die kaum benotet werden. Der Film schafft es also, auch dank des bodenständigen Ansatzes, eine Kritik an das aktuelle Bildungssystem zu geben, wie auch die Eltern in die Pflicht zu nehmen, ohne dabei mit dem Holzhammer drauf zu schlagen. Gleichzeitig nimmt er nicht nur die älteren Zuschauer absolut ernst. Die Botschaften werden die Kinder schon verstehen! Mehr Vertrauen in unsere Kinder, ebenfalls eine Botschaft, die in diesem Film vorkommt.

Natürlich geht es auch um das Thema Freundschaft, dies wird mit der Geschichte ganz clever verwoben. Als Emil ebenfalls was von diesem Spiegel hört, will er auch sein neues perfektes Gegenbild. Denn auch bei ihm läuft es nicht perfekt. Er ist nicht cool, wird von einem Mädchen kaum erkannt und kann sich seiner Mutter nicht widersetzen. Im Grunde das genaue Gegenteil von Frido. Schon hier ein Zeichen, dass kein Mensch perfekt sein kann. Der Film treibt diese Botschaft weiter, als der neue Emil herauskommt. Bei diesem handelt es sich um einen richtigen Rüpel, der auf Freundschaften und Schule nichts gibt. Dafür ist er jetzt eine Sportskanone und kann sich gegen ältere Schüler oder gar seine Mutter zu Wehr setzen. „Sei wie du bist“ klingt weder neu oder wirklich besonders, wird aber in diesem Film spielerisch erzählt und ohne großes Tamtam eingefangen. Dabei haben auch die Erwachsenen tatsächlich ihre Freude und finden die Geschichte nicht nur interessant, sondern auch lustig. Rosenmüller betonte in einem kurzen Interview, dass die gesamte Crew sehr kindisch war und einfach Spaß hatte. Das merkt der Zuschauer sofort und Rosenmüller liefert hier ein gutes Fingerspitzengefühl für die humorvollen Szenen und fängt alle Altersgruppen ein. Auf Pipi-Kacka-Humor verzichtet er und dafür muss ich mich auch bedanken.

Eine Kuchenschlacht darf in so einem Film nie fehlen! NIE! ©SquareOne Entertainment

Der angesprochene Spaß innerhalb des Filmteams spiegelt sich auch im Cast wieder. Wie oft meckere ich über die Kinderdarsteller aus Deutschland und gerade weil solche Filme aus Deutschland ziemlich beliebt sind, frage ich mich, warum Kinderschauspiel kaum gefördert wird. Dieser Film muss sich diesen Vorwurf nicht gefallen lassen. Luis Vorbach gilt nicht umsonst als deutsches Schauspiel-Wunderkind. Hier kommt eine Herausforderung dazu, nämlich eine Doppelrolle. Die meiste Zeit muss er im Grunde zwei Charaktere spielen, die im Detail stark voneinander abweichen. Luis spielt beide Fridos herausragend und glaubwürdig. Respekt dafür! Auch die anderen Kinderdarsteller, besonders der Debütant Jona Gaensslen, der Emil spielt, machen ihren Job sehr gut. Luis und Jona haben mir verraten, dass sie nur per Zufall zum Film gekommen sind und einfach viel Glück hatten. Gott sei Dank! Dass die Beiden ihre zwei Rollen auch so unterschiedlich spielen können und so einen starken Kontrast erschaffen, sorgt dafür, dass die Botschaften präsenter aber auch glaubwürdiger in Szene gesetzt werden. Der Film kommt bei den erwachsenen Schauspielern ohne die ganz großen Stars oder Promi-Gästen aus. Das ist gut und so fallen ein paar Störgeräusche weg, die eine Geschichte etwas ausbremsen könnten. Die erwachsenen Schauspieler hatten ebenfalls viel Spaß und besonders die Eltern von Luis, gespielt von Serkan Kaya und Marie Leuenberger, können in ihren Rollen glänzen.

Das Ganze ist zudem auch aufwendig produziert und bietet neben einer tollen Kamera und einer sehr guten Lichtausstattung auch tolle Kulissen. Gedreht wurde größtenteils in Leipzig und Wien, der Film selbst verrät nie in welcher Stadt wir uns befinden und so bleibt, wie eben die Geschichte des Spiegels, alles sehr fiktiv. Als Leipziger finde ich es sogar beeindruckend, dass die Drehorte völlig abgekapselt von der eigentlichen Herkunft funktionieren. Für eine deutsche Produktion haben sich die Macher auch sehr viele Gedanken über das Lichtbild gemacht. So ist es im Film die ganze Zeit relativ hell und fröhlich, aber als das Klassenzimmer voller Klone der Schüler sitzt, die sich alle gegenseitig übertrumpfen wollen, ist das Licht leicht angepasst und etwas grauer. Das fällt nur unterschwellig auf, bestärkt aber noch einmal die fortlaufende Erzählung. Ebenfalls gelungen ist der Soundtrack. Sind solche Songs, die besonders für Kinderfilme extra geschrieben werden, eher pures Fremdschämen, sind die Stücke diesmal wirklich gelungen und runden diesen Film ab.

Die getrennten und besorgten Eltern… ©SquareOne Entertainment

Fazit

Perfekt gibt es nicht? Vielleicht nicht bei Kindern. Dieser Kinderfilm dagegen macht aber vieles richtig und ist für das, was er sein will, so ziemlich perfekt. Die tollen Schauspieler, die gelungene Inszenierung und auch die Botschaften, wie auch der Weg dahin, sind einfach nur toll umgesetzt. Nach dem eher fragwürdigen Trautmann sollte Rosenmüller sich überlegen, nicht lieber in so einen Stoff zu investieren. Denn das kann er! Auf weitere Filme mit Luis und Jona freue ich mich nach diesem Film ebenfalls und bin gespannt, wie ihre Karriere nun fortgesetzt wird.

Die Trailer der Woche (KW11/2019)

Die Trailer der Woche (KW11/2019)

Es ist Sonntag und das bedeutet was? Na klar! Trailer der Woche! Mal sehen was wir in dieser Woche haben. Heute haben wir dazu einen Disney-Film, etwas mit Herr der Ringe und mehr? Wir werden sehen! Diese Woche kam jedenfalls einiges an Trailern heraus. Was ihr vermissen werdet? Vielleicht der eine oder andere Trailer von Marvel oder DC? Keine Sorge! Mindestens einen Trailer von diesem Studio haben wir ganz bestimmt dabei und damit könnt ihr euch auch auf einen Superhelden-Trailer freuen! Mit dem fangen wir auch direkt mal an!

Shazam

DC macht einen auf Marvel? Jap! DC plant schon länger zwei Sparten aufzubauen. Ein eher raueres Universum und eines, was sich Marvel etwas ähnelt. Letzteres dürfte wohl auf Shazam zutreffen und tatsächlich wirkt der Trailer auch sehr lustig. Ob dann auch etwas Diversität verlorengeht, sei aber auch einmal dahingestellt. Deswegen abwarten. Die perfekten Schauspieler sind jedenfalls bereits da!

 

Good Boys

Ein Trailer, den die Hauptdarsteller gar nicht sehen dürfen., Völliger Irrsinn? Ja und damit fängt der Trailer auch schon an. Aber was dann folgt ist ebenfalls sehr lustig. Nach längerer Zeit könnte damit eine bessere Komödie mit härterer Sprache auf uns zukommen. Wir sind gespannt und hoffen, dass die Hauptdarsteller sich auch an den Jugendschutz halten…

 

Aladdin

Beim letzten Trailer gab es ganz schön viel Kritik, besonders wegen Will Smith. Doch die Gemüter scheinen wieder beruhigt, als der nächste Trailer erschien und die CGI-Effekte ausgereifter sind und auch viel zu sehen ist, dass Will Smith seinen Flaschengeist doch etwas anders interpretiert. Ich persönlich habe noch etwas Bauchschmerzen bei den restlichen Szenen aber nun fürs Erste den Film abwarten!

 

Tolkien

Wer ist die Person, die Herr der Ringe geschrieben hat? Was hat ihn inspiriert oder beeinflusst? Diese Frage stellt der Film Tolkien, ist schon einmal gut besetzt und der Trailer verspricht tolle Bilder. Wir werden sehen, ob dieses Biopic dem Autor auch gerecht wird.

 

Kursk

Komm wir hauen noch einen raus! Wie wäre es mit einem Drama nach einer wahren Begebenheit und ebenfalls tollen Schauspielern? Ein U-Boot-Katastrophenfilm auf engsten Raum? Dann ist Kursk etwas für euch und hoffentlich kann er die Spannung bis zum Schluss halten!

 

Das schönste Paar

Und zum Abschluss noch einen deutschen Film! Das schönste Paar überzeugte bereits auf einigen Festivals und behandelt die Geschichte von einem Pärchen, wo die Frau vergewaltigt wird und der Mann den Täter einige Jahre später wieder sieht. Ein emotionales und sensibles Drama beginnt! Für viele Festival-Besucher gilt dieser Film als der beste deutsche Film in diesem Jahr. Am 2. Mai können wir uns selbst davon überzeugen.

 

Quelle: Warner Bros., Good Boys, Universal Pictures, Moviepilot, Disney, Kinocheck

Neuer Trailer zu Ostwind – Aris Ankunft veröffentlicht

Neuer Trailer zu Ostwind – Aris Ankunft veröffentlicht

Ostwind ist in Deutschland ziemlich populär. Nicht nur die Buchreihe, sondern auch die Filme zählen zu den erfolgreichsten deutschen Filmen in diesem Jahr. Auch im nächsten Jahr erscheint ein neuer Film am 28. Februar 2019.  In Aris Ankunft, dem mittlerweile vierten Teil der Reihe, werden Mika und ihr Pferd Ostwind auf eine harte Probe gestellt. Das Pferd muss wahrscheinlich verkauft werden und kommt in fremde Hände. Doch dann kommt das Pferd Ari auf den Hof und deren Besitzer scheint auch Interesse an Ostwind zu haben. Schaffen es die Pferdebesitzer den skrupellosen Pferdetrainer zu überbieten? Wir haben für euch den langen Trailer von Ostwind – Aris Ankunft und sind gespannt, was ihr davon haltet.

 

Quelle: Constantin Film

Seht euch den ersten Trailer zu Kalte Füße an

Seht euch den ersten Trailer zu Kalte Füße an

Der Winter kommt und einige Menschen freuen sich schon auf den ersten Schnee. Andere wieder sind besorgt, besonders wenn es um die Wärme ihrer Füße geht. Sorgen müssen sich diesbezüglich auch die Protagonisten von Kalte Füße machen, die aber gleich noch mehr Probleme haben.

Eigentlich wollte der Dieb Denis, gespielt von Emilio Sakraya (Bibi und Tina: Voll verhext!), bei dem alten Hausbesitzer Raimund, gespielt von Heiner Lauterbach (Wir sind die Neuen) einbrechen. Nur leider kommt es bei dem Einbruch zu einer Verwechslung und so wird Denis der Pfleger von Raimund. Als dann die von Sonja Gerhardt (Türkisch für Anfänger) gespielte Charlotte dazukommt, um als Enkeltochter von Raimund nach dem Rechten zu sehen, gibt Denis eigentlich auf. Doch wie es der Zufall so will, wird das Anwesen komplett eingeschneit und es gibt keine Möglichkeit aus dem Anwesen zu fliehen…

Die Regie führt dabei Wolfgang Groos, der bereits Hexe Lilli rettet Weihnachten drehte. Am 10. Januar 2019 erscheint dann auch passend zur Jahreszeit der Film.

 

Quelle: Sony Pictures

Ein Herz für den deutschen Film: 25 km/h

Ein Herz für den deutschen Film: 25 km/h

Deutsche Buddy-Filme sind seit den 2000ern schon fast Tradition. Richtig beliebt war der Film Friendship! vom Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg, der nun auch das Drehbuch zu 25 km/h schrieb und für den Film auch im Cinestar Leipzig zu einer Vorführung anwesend war. Zusammen mit der Schauspielerin Sandra Hüller (Toni Erdmann, In den Gängen) stellte er sich kurz nach dem Film einigen Fragen von mir und den Zuschauern im Kinosaal. Dadurch können wir euch nicht nur einen guten Eindruck von diesem Film vermitteln, sondern auch einige Intentionen erklären. Legt eure Skepsis schon einmal ab, denn tatsächlich kann 25 km/h richtig überraschen und das ohne wirklich das Rad neu zu erfinden.

 

Die Brüder Christian und Georg Schneider haben sich schon seit 30 Jahren nicht mehr gesehen. Erst zur Beerdigung ihres Vaters treffen beide aufeinander. Doch Christian, der lieber seine Karriere vorantrieb und für ein Jahr in Singapur lebt, kommt durch diverse Umstände natürlich zu spät und Georg, der sich lieber um den Vater kümmerte und hoffte, dass der Bruder ihm dabei auch ein wenig hilft, war natürlich sehr sauer. Kein guter Start für die beiden Brüder. Doch Blut ist dicker als Wasser und durch ein Tischtennis-Match und eine Reise in die Vergangenheit, raufen sich die beiden wieder zusammen. Dabei finden sie eine Karte mit einer Route, die durch ganz Deutschland führt. Diese Karte haben beide Jungs mit 15 gezeichnet und mit Regeln versehen. Eine Regel war, dass dieser Roadtrip nur mit dem Mofa stattfinden darf und das Ziel die Ostsee ist, wo beide in das Meer pinkeln wollen. Was eben so Jungs mit 15 Jahren sich ausdenken. Also haben beide, auch leicht angetrunken, die Idee sich diese alten Mofas zu packen und diesen Roadtrip endlich anzutreten. Natürlich kommen sich beide wieder näher und lernen ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen oder Vergangenes wieder gut zu machen.

Klingt jetzt wie ein typischer deutscher Buddy-Film und einen Roadmovie mit Mofas als rasant zu bezeichnen ist ziemlich schwierig. Immerhin nennt sich der Film nicht umsonst 25 km/h. Allerdings schafft es der Regisseur Markus Goller ziemlich gut diese Momente perfekt einzufangen, ohne dabei das Tempo zu verlieren. Wie uns Oliver Ziegenbalg verriet, wurde diese Route auch als Drehort verwendet und so tourten die Schauspieler und das Produktionsteam ebenfalls durch Deutschland. Die Mühe kann sich sehen lassen! Denn neben den tollen Fahrten sind auch wirklich tolle Landschaftsaufnahmen zu sehen. Der Trip geht in einer Provinz im Schwarzwald los, führt am Rhein vorbei und die Brüder halten noch einen Zwischenstopp in Berlin ab. Wie Oliver Ziegenbalg verriet, war seine Intention, das Land zu zeigen, wie es wirklich ist. Immerhin liest man über Deutschland so viele negative Kommentare, dass der Eindruck entsteht, dass dieses Land vor dem Verfall steht. Das ist dem Autor und auch der Regie wirklich gelungen. Besonders die Aufnahmen aus der Vogelperspektive zeigen schöne Orte aus Deutschland.

Der Film ist leicht, charmant und schlichtweg sympathisch und die Sympathie wird auch durch die tollen Bilder auf die Zuschauer übertragen. Ein Wohlfühl-Film ohne das negativ zu meinen. Von den Zuschauern kam die Frage, ob dieser Film nicht eine neue Art des Heimatfilms sei, wie bereits ein anderer Kritiker diesen Film betitelte. Das Wort Heimat wollte aber der Drehbuchautor nicht verwenden und es kommt auch im Film nicht vor. Dabei braucht der Film sich gar nicht für diesen Begriff zu schämen, da er völlig locker und politisch unbefangen an die Sache herangeht. Auch das gutbürgerliche Leben wird nicht dumm oder lächerlich dargestellt, sondern nur leicht ironisch aber nie respektlos. Einen Mittelfinger an die Spießer konnte sich Oliver Ziegenbalg dann aber wohl doch nicht verkneifen und dieser führt mit zu den größten Lachern im Film.

© 2018 Gordon Timpen/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Sunny Side Up GmbH

Obwohl der Film das Genre nicht revolutioniert, kann er doch überraschen und bricht sogar mit dem einen oder anderen Klischee. Wenn Christian, gespielt von Lars Eidinger (Alle Anderen), im Film als typischer Business-Mensch eingeführt wird, dann rollt der Deutschfilm-Kenner gern mit dem Auge. Schon zu oft wurde dieses Abziehbild benutzt und natürlich besinnt er sich am Ende wieder zurück zu den Wurzeln und lernt die wichtigen Dinge im Leben kennen. Doch es dauert nicht lange und es findet mit dem Charakter ein kleiner Bruch statt. Denn tatsächlich ist er es, der die Schnapsidee mit dem Roadtrip hatte und seinen Bruder Georg, gespielt von Bjarne Mädel (Gundermann), motiviert und die Angst nimmt. Dieser ist nämlich regelrecht in seiner Provinz gefangen und hat nie wirklich sein Leben gelebt. Beide Charaktere können sich im Grunde ähnliche Fehler im Leben vorwerfen und so bleiben auch sentimentale Stellen nicht aus. Doch der Film trägt nie zu dick auf und es sind eher die kleinen Szenen die Gefühle transportieren. Beide Schauspieler waren so oder so ein Glücksgriff und am Set soll die Chemie auch gestimmt haben. Dies ist im Film auch deutlich in diesen kleinen Szenen zu erkennen, auch der Humor kommt nicht zu kurz. Beide spielen sich perfekt die Bälle zu und harmonieren super. Ebenfalls eine Überraschung, dass der Film immer authentisch bleibt und seine lockere Stimmung dabei nicht aus dem Auge verliert.

Dies verdanken wir auch dem restlichen tollen Cast. Dieser liefert auch noch einige andere Stars, die nur in kleinen Nebenrollen den Brüdern über den Weg laufen. Hängen geblieben ist dabei Wotan Wilke-Möhring (Tatort) als Schrebergarten-Proll, der mit Pfeil und Bogen die Brüder jagd und wohl die deutsche Antwort auf Rambo abliefern soll. Auch Fack Ju Göhte-Star Jella Haase kann als Hippie-Mädchen, über die sich auch nicht lustig gemacht wird, für einige Lacher sorgen und ist gleichzeitig eine Art Schlüsselfigur für den Film. Denn sie ist es, die beide darauf aufmerksam macht, dass sie diesen Trip nicht umsonst machen und beide hoffen etwas zu finden oder über sich zu erfahren. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Wahl-Leipzigerin Sandra Hüller (Toni Erdmann, In den Gängen). Die ursprüngliche Thüringerin überrascht mit einem so guten schwäbischen Akzent, dass der Zuschauer denken könnte, sie käme auch aus Baden-Württemberg. Wie sie im Interview verriet, dachten dies wohl auch einige Schwaben. Der Cast trägt also ebenfalls gut zur Stimmung bei, selbst Franka Potente ist sich für ihre Rolle nicht zu schade und liefert eine witzige Sex-Szene ab, ohne wirklich Sex dabei zu haben. Die Stargäste wollten scheinbar sogar so sehr in diesem Film mitspielen und mit den zwei Brüdern agieren, dass sie einfach dazugestoßen sind, als die Film-Crew am jeweiligen Ort war. Bei diesem authentischen Spiel ist die Vermutung natürlich groß, dass die Schauspieler auch viel improvisierten. Doch Oliver Ziegenbalg verriet mir, dass die Dialoge aus dem Drehbuch zu 90 % übernommen wurden, er aber diese Bemerkung als Lob ansieht, immerhin sagt das viel über die Glaubwürdigkeit der einzelnen Szenen aus. Es stimmt auch, dass sich dieser Film durch die glaubwürdigen Dialoge von vielen Genre-Vertretern absetzt und dies positiv auffällt.

© 2018 Gordon Timpen/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Sunny Side Up GmbH

Ebenfalls verriet Oliver Ziegenbalg, dass die Musik eine wichtige Rolle spielt und dafür das Budget sogar erhöht wurde. Hier gibt es neben T-Rex oder The Cure auch Musik von der Band Bilderbuch oder Camouflage. Liest man das, wirkt die Tracklist teils sehr zusammengewürfelt, aber es passt perfekt, auch zur wechselnden Stimmung des Films. Die Musik drängt sich in manchen Szenen sogar in den Vordergrund und trägt zur Erzählung der Geschichte bei. Besonders Boys Don’t Cry von The Cure zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und fasst den Film gut zusammen. Bei aller Melancholie kommt auch im Soundtrack die gute Laune nicht zu kurz. Den Soundtrack könnt ihr im Übrigen auch über die bekannten Plattformen erwerben oder ganz klassisch als Vinyl bestellen. Der Film läuft seit dem 1. November in den deutschen Kinos und ein Erfolg wäre ihm zu wünschen. Denn dieser Film beweist, Deutschland kann Wohlfühl-Kino ohne dabei peinlich zu wirken.

Fazit

Dieser Film wirkt wie ein typischer deutscher Road-Movie oder eine Buddy-Komödie, wie wir sie jetzt schon tausend Mal gesehen haben. Doch ihr solltet euch dabei nicht blenden lassen und diesem Film eine Chance geben, gerade wenn ihr mit einem guten Gefühl aus dem Kino gehen wollt. Dabei verzichtet er, im Gegensatz zur Konkurrenz, auf homophobe, sexistische oder respektlose Witze und Erzählungen. Oliver Ziegenbalg wollte ein positiveres Bild von Deutschland zeigen und dies ist ihm charmant gelungen.