Belzebubs – Unsere Comic-Rezension

Belzebubs – Unsere Comic-Rezension

Ich mache das in der Regel nur ganz selten. Wenn ich ein Buch oder einen Comic lese, dann mache ich das ohne musikalische Untermalung. Selten schalte ich mal das Radio ein oder lasse etwas Musik auf Spotify im Hintergrund laufen. Meist lenkt mich die Akustik zu sehr ab, wenn dann noch ein bekanntes Lied kommt, wo ich den Text gut kenne, dann bin ich gedanklich eher bei der Musik als bei der Lektüre. Es gibt aber viele Menschen, die beim Lesen auch Musik laufen lassen, die Auswahl ist heutzutage ja gigantisch. Weswegen ich euch damit gleich zu Beginn belästige? Weil ich erst nach Beendigung der Lektüre von Belzebubs bei den Recherchen festgestellt habe, dass die Band aus dem Comic in der Realität existiert und auch Musik veröffentlicht hat…na, oder so in der Art.

Aber mal von Vorne und auch mal in aller Ruhe für mich und die Leser aufgedröselt: Die Geschichten der Belzebubs, die hier nun gesammelt erstmals auf Deutsch im Cross Cult Verlag vorliegen, waren ursprünglich im Internet beheimatet, also ein Webcomic. Dieser wurde in der Metal-Szene (und wahrscheinlich auch nicht nur da, sonst gäbe es jetzt kein Buch) positiv aufgenommen und erfreute über Jahre die Fans mit immer neuen Kurzgeschichten und Comic-Strips. Generell arbeitete der Finne JP Ahonen an den Strips und veröffentlichte diese regelmäßig auf seiner Website, für alle kostenfrei auf Englisch zur Verfügung.

 

Der Ausdruck muss stimmen, sonst wird das nix mit Metal… © Cross Cult

 

Die Belzebubs handelt von einer Black-Metal-Band und deren Problemen zum einen als Band, aber auch als Familie. Die Band besteht dabei aus Sänger und Gitarrist Sløth, der mit seiner Frau Lucyfer auch zwei Kinder hat. Deren Namen sind Lilith und Leviathan, wobei Lilith im Teenageralter ist und Leviathan irgendwo zwischen 8 und 10 Jahren. Die Familie ist dabei vollends im Black-Metal aufgegangen und lebt diese Musikrichtung auch das ganze Jahr durch und durch aus. Weitere Mitglieder der Band sind Hubbath am Bass und Obesyx an der Lead Guitar und es gibt auch einen Drummer, jedoch wird dieser konstant ausgewechselt und keiner der Anwärter kann sich lange in dieser Position halten. Zeitweise wird sogar überlegt, ob das Schlagzeug nicht vom Band eingespielt wird und einfach eine maskierte Sexpuppe im Hintergrund an den Drums sitzen sollte. Als Familienvater und Lead-Singer einer Band hat man es nicht einfach. Weitere Figuren sind die Oma der Kinder, die ihren verstorbenen Ehemann immer wieder ausgräbt und mit an den Essenstisch setzt, sehr zum Widerwillen der Enkelkinder. Und dann wäre da noch Sam, der Schwarm von Tochter Lilith, der nun so gar nichts mit Black-Metal am Hut hat und nur langsam zur zunächst eigenartigen wirkenden Lilith findet.

Das Besondere an Belzebubs ist, dass mittlerweile nicht nur die Comic-Strips existieren, sondern es die Band auch in unserer Wirklichkeit gibt, zumindest theoretisch. Ich hab bei meinen Recherchen nicht herausfinden können, wer genau hinter der Band in der Realität steckt, aber die Hintergründe sind schon faszinierend. Auf der Homepage der Band könnt ihr noch mehr in das Universum einsteigen. Die Band hat mittlerweile auch ein komplettes Album namens „Pantheon of the Nightside Gods“ aufgenommen, welches unter anderem auch auf Spotify zu finden ist. Parallel dazu existieren auch animierte Musikvideos zu einigen der Stücke vom Album, die ihr auf der Website oder auch auf YouTube finden könnt.

 

Sløth weiß, wie er seine Frau mit Romantik begeistert. © Cross Cult

 

Ich habe bei der Lektüre die Chance verpasst, das Album im Hintergrund laufen zu lassen, erst beim Schreiben dieses Artikels habe ich dort mal reingehört. Ich musste feststellen, dass dies nach wie vor nicht meine Musik ist, was im völligen Kontrast zu dem steht, was ich vom vorliegenden Buch halte. Das Artwork ist dabei ein wenig cartoonartig gehalten und die Hintergründe auf das Nötigste beschränkt. Das Ganze ist dann passenderweise auch sehr in schwarz gehüllt. Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt, im Gegenteil, das Hauptaugenmerk sind die Charaktere und deren Eigenheiten sowie Fehler, die hier vom Künstler hier liebevoll porträtiert werden. Ich könnte mir vorstellen, dass einige der Episoden durchaus auch autobiographisch sind, was es nur umso authentischer erscheinen lässt. Auch wenn ich der Musik nichts abgewinnen kann, die Band und die Familie dahinter haben mich direkt auf den ersten Seiten eingefangen und für sich gewonnen.

 

Mehr. © Cross Cult

Fazit

Ich habe die Belzebubs lieben gelernt, auch wenn ich nicht so tief in der Szene verankert bin, wie manch anderer Fan. Die Strips und kurzen Geschichten funktionieren aufgrund der liebevollen Ausarbeitung von JP Ahonen auch ohne fundierte Kenntnisse der Black-Metal-Bewegung. Oftmals findet ihr nur einen kurzen Strip auf einer Seite und auf der nächsten Seite ist wieder eine komplett andere Szene dargestellt, es gibt aber so etwas wie einen roten Faden durch das Buch, der mich köstlich amüsiert hat und mich immer wieder zum Schmunzeln brachte. Dass dahinter nun bereits ein Cross-Media-Konzept samt richtiger Band, Musikvideos und einem kompletten Album steckt, macht es umso spannender, all das braucht ihr aber für die Lektüre des Buches nicht. Die Strips können für sich allein stehen und begeistern. Euch sollte allerdings klar sein, dass hier drin schon mal Dämonen beschworen werden oder andere Ausdrücke verwendet werden, die euren christlichen Glauben in Frage stellen könnten. Wer damit verdammt nochmal kein Problem hat, dem empfehle ich die Lektüre der Belzebubs sehr nachdrücklich.


Belzebubs ist erschienen bei Cross Cult
ISBN: 978-3-959810-26-5; 21×28, HC, 4c, 120 Seiten, 20,- Euro

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Hazel & Cha Cha retten Weihnachten – Unsere Rezension zum Weihnachts-Sonderheft der Umbrella Academy

Hazel & Cha Cha retten Weihnachten – Unsere Rezension zum Weihnachts-Sonderheft der Umbrella Academy

Letztes Jahr vor Weihnachten veröffentlichte der Ludwigsburger Verlag Cross Cult mit dem Heft namens Krampusnacht ein kurzes Abenteuer im Hellboy-Universum. Dieses Jahr war die Umbrella Academy ein großes Thema im Portfolio der Veröffentlichungen von Cross Cult. Passend zur Netflix-Serie veröffentlichte man die ersten beiden Bücher nochmals in einer neuen Edition und brachte nun vor kurzem auch den dritten aktuellen Band namens Hotel Oblivion (unsere Besprechung dazu findet ihr hier) nach Deutschland. Sowohl im zweiten Band der Comics als auch in der Netflix-Serie erfreuten sich die beiden Nebencharaktere Hazel & Cha Cha großer Beliebtheit unter den Fans. Obwohl die beiden Kerle (in der Serie ist Cha Cha eine Frau) als Attentäter wahrlich keine sympathische Berufsbezeichnung bekleiden, sympathisierten die Fans mit den beiden Charakteren. Wahrscheinlich, weil sie ebenso wie viele andere Menschen ihren Beruf Leid sind und sich gerne auch in anderen Tätigkeiten sehen und aus dem System ausbrechen wollen.

Diesen beiden maskentragenden Menschen haben in der Zeitagentur Temps Aeternalis einen schlechten Ruf. Gemeinsam erledigen die beiden Kopfgeldjäger durch Zeitreisen in der Vergangenheit Zielpersonen. Dies klappt natürlich nicht immer wie gewollt und führt hin und wieder schon mal zu Chaos. Damit werden die beiden Attentäter gerne mal von den Kollegen aufgezogen, hinterlassen sie doch gerne mal größere Kollateralschäden. Ihr neuester Auftrag bringt sie abermals in die Vergangenheit, wo wir Leser auf den jugendlichen Pete treffen, der mit seinem jüngeren Bruder und seiner Mutter zusammenwohnt. Er besucht die Klasse von Mister McLaughlin, der nichts unversucht lässt, Pete als Versager hinzustellen. Pete ist dem bevorstehenden Weihnachtsfest gegenüber aber kritisch eingestellt und möchte gerne wissen, um was es sich bei dem Deal zwischen dem Weihnachtsmann und den Eltern handelt. Schließlich erzählen die Eltern den Kindern jahrelang, dass es den Weihnachtsmann gibt, schwenken dann aber um und behaupten das Gegenteil. Pete wird die Wahrheit dahinter herausfinden und für seinen jüngeren Bruder wird die Geschichte auch gut enden, schließlich kümmern sich Hazel & Cha Cha noch um Mister McLaughlin, weswegen sie die Zeitreise überhaupt angetreten hatten. Am Ende bekommen die beiden Kopfgeldjäger noch Unterstützung vom Weihnachtsmann, der sie mit einer etwas stärkeren Waffe ausstattet, nur damit sie erneut einen größeren Schaden anrichten können. So ist man es halt von ihnen gewohnt.

 

Es weihnachtet sehr… © Cross Cult

Fazit

Diese Kurzgeschichte kann auch losgelöst von den restlichen Erzählungen rund um die Umbrella Academy genossen und gelesen werden, es macht aber mehr Spaß, wenn man die Figuren und ihre Hintergründe kennt. Dazu sollte man den zweiten Band namens „Dallas“ gelesen und/oder die TV-Serie gesehen haben, um das volle Potenzial zu bekommen. Aber auch sonst macht man mit dem Sonderheft für 5,- Euro nichts falsch, die Geschichte ist rund und kann allen Fans der Academy empfohlen werden. Wer noch eine Kleinigkeit für einen Comic-Fan zu Weihnachten oder fürs Wichteln braucht, schlägt hier zu. Ein toller Abschluss für das Jahr 2019, in dem die Umbrella Academy bei Cross Cult eine zweite Chance erhalten hat!

 

The Umbrella Academy Weihnachts-Sonderheft: Hazel & Cha Cha retten Weihnachten ist erschienen bei Cross Cult
ISBN: 978-3-966580-43-4; 17×26, SC, 4c, 32 Seiten, 5,- Euro

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The Umbrella Academy Band 3: Hotel Oblivion – Unsere Comic-Rezension

The Umbrella Academy Band 3: Hotel Oblivion – Unsere Comic-Rezension

Wer in einer anderen Stadt übernachten möchte und dort keine Person kennt, schläft in der Regel in einer Herberge oder in einem Hotel. Ich bin gerne in Hotels und brauche dort in der Regel keinen großen Komfort, ein sauberes Zimmer und ein gemütliches Bett reichen mir in der Regel, oftmals ist man ja nicht des Hotels wegen in der anderen Stadt. Meine Ansprüche sind also genügsam, die Ansprüche von anderen Menschen können diesbezüglich aber abweichen, manch ein Musiker findet in einem Hotel auch sein Zuhause. In anderen Medien abseits von Comics spielen Hotels ebenfalls eine mehr oder minder wichtige Rolle. Seien es das Grandhotel Budapest, das Hotel in Shining oder das Hotel California…

Nun befassen wir uns in dieser Rezension aber mit dem Hotel Oblivion. Was es damit auf sich hat? Dazu muss ich ein wenig weiter ausholen, denn so einfach sind die Begebenheiten in diesem Fall nicht. Warum, fragt ihr? Nun ja, das Hotel Oblivion ist Teil und Titel der Umbrella Academy-Comicreihe, in diesem Fall auch auf dem Cover vom dritten Band der obskuren Erzählung. Nach knapp 10 Jahren haben Gerard Way und Gabriel Ba endlich die Geschichte um die Academy fortgesetzt. Wer erst dieses Jahr durch die Netflix-Serie zur Comic-Reihe gelangt ist, wird davon nichts bemerkt haben, jedoch hatte der Verlag Cross Cult die ersten beiden Bände der Umbrella Academy bereits vor ca. einer Dekade schon einmal veröffentlicht. Dieses Jahr dann erschienen die beiden ersten Bände in tollen Neuauflagen, in die sich nun der dritte ganz aktuelle Band chronologisch und optisch einreiht.

 

Wenn man so nett in ein Hotel eingeladen wird… © Cross Cult

 

Nach den Ereignissen von Dallas im gleichnamigen Band finden wir die Mitglieder der Umbrella Academy weit verstreut über die Welt vor. Aus diesem Grund verfolgen wir alle paar Seiten dann einen anderen Handlungsstrang, bevor wir gegen Ende dann zumindest einige Mitglieder der Familie versammelt vorfinden. Damit kommen wir auch gleich zu meinem größten Kritikpunkt, bevor ich überhaupt auf die Inhalte eingehen kann. Es vergehen keine 4 Seiten, da springen Way und Ba schon wieder zu einer anderen Location. Das macht es echt anstrengend, den jeweiligen Geschichten zu folgen, weil wir als Leser halt auch nicht wissen, worauf die Geschichte hinausläuft. Das mag der geneigte Fan vielleicht als „cool“ ansehen, dass sich Way und Ba den Konventionen von Erzählungen widersetzen, es gelingt ihnen in meinen Augen aber nicht die einzelnen Stränge gekonnt zusammenzuführen.

Gleich zu Beginn sehen wir wie Reginald Hargreeves, wie er einen Superschurken in das Hotel Oblivion teleportiert. Das Hotel befindet sich im sogenannten Nachraum, einer Dimension, die nur über sogenannte Televator zu erreichen ist. Das Hotel Oblibion stellt sich dabei als ein Weltraumgefängnis für die die Superschurken heraus, was nun für die übriggebliebenen Mitglieder der Familie der Umbrella Academy zu einem Problem wird. Es gelingt den Insassen nämlich, sich aus diesem Gefängnis zu befreien und sie sind daraufhin drauf und dran an den übriggebliebenen Mitgliedern der Academy Rache zu üben.

 

Spaceboy hat sich einen Bart wachsen lassen! © Cross Cult

 

Wir sehen in diesem Band weniger von Nummer 5, der noch im zweiten Band die Hauptrolle spielte. Vanya kommt hier wieder langsam zu Kräften und kann doch schon wieder mehr mit ihrem Körper anstellen, als es der Leser erwartet. Ihr Handlungsstrang ist eigentlich der wichtigste, weil er unmittelbar zum großen Cliffhanger führt, den ich so nicht erwartet hatte und der einen potenziellen 4. Band wieder interessanter werden lässt. Auch Allison und Klaus haben noch mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen, sie trauert ihrer Ehe nach und versucht Kontakt zu ihrem Kind aufzunehmen, er betäubt sich weiterhin auf alle möglichen Weisen mit Drogen. Luther (Spaceboy) und Diego (Kraken) müssen in diesem Band unfreiwillig zusammenarbeiten und kommen dem Geheimnis rund um das Hotel auf die Schliche. Natürlich ist es dann schon zu spät und alles kulminiert in einem großen Showdown, wo es wie oben angedeutet noch eine große Überraschung gibt.

Gerard Way und Gabriel Ba machen wie gehabt mit ihrer Reihe was sie wollen. Das ist oftmals so abgefahren und unlogisch, dass es eine Freude ist zu entdecken. Auf der anderen Seite hätte ich mir persönlich ein wenig mehr Struktur in der Art und Weise, wie sie ihre Geschichte erzählen, gewünscht. Was hab ich als Kreativteam davon, wenn ich den Leser alle paar Seiten quer durch die Welten (Galaxien, Dimensionen?) springen lasse? Der rote Faden ist selbst für Leser der Vorgängerbände nicht immer sichtbar, Neueinsteiger brauchen sich gar nicht erst auf den Band einzulassen, wenn sie einer stringenten Erzählung folgen wollen. Zu sehr wird sich bemüht den Leser ratlos zurückzulassen, manches Mal durch die sprunghafte Erzählung, manches Mal allerdings auch durch die obskure Optik der Zeichnungen von Bá, wenn ich als Leser Schwierigkeiten habe zu sehen, was auf dem Panel dargestellt werden soll.

 

Ein neuer Superheld am Horizont? Oder doch ein Schurke? © Cross Cult

 

Fazit

Nur um das klarzustellen, ich mag den phantasievollen Stil von Bá sehr gern (nicht zuletzt bei seinen Arbeiten im Hellboy-Universum) und bei der Umbrella Academy können er und Gerard Way sich vollends austoben, schließlich ist das ihr „Baby“. Ich hätte mir im mittlerweile dritten Band aber eine klarere Linie gewünscht, was die Entwicklung der Charaktere und auch der Ereignisse angeht. Wenn ihr einfach nur bunte Panels und krasse Figuren entdecken wollt, bei denen nicht erklärt wird, was sie für Fähigkeiten besitzen, dann sind die Umbrella Academy-Comics genau euer Ding. Manches Mal hab ich das Gefühl, die Nebenfiguren und deren Eigenschaften oder Motive werden so im Vorbeigehen entwickelt und dann nicht wieder groß darüber nachgedacht. Ich hab bei vielen Figuren erst durch die Fernsehserie verstanden, was die Motivation und ihre Gefühle untereinander angeht. Diese weicht aber in einigen Details von den Comics ab, weswegen das auch nicht eins zu eins übertragen werden kann. Jeff Lemire, der hier im dritten Band im Vorwort äußerst lobende Worte findet, ist es mit der Einführung seiner Charaktere in Black Hammer viel besser gelungen, den Leser an die Hand zu nehmen. Insgesamt hat man sich bei der Academy nicht die Zeit genommen alle Figuren zu erklären, mir fällt es dann schwer, mich mit ihren Bedürfnissen und Ängsten zu identifizieren. Das Spektakel in den ersten drei Büchern überlagert die Charakterentwicklung in meinen Augen leider. Wollt ihr immer Action und viele skurrile Charaktere ohne groß nachzudenken, dann empfehle ich euch die Bücher aus dem Cross Cult-Verlag uneingeschränkt. Wollt ihr trotz dysfunktionaler Familie hier in der Umbrella Academy auch mit den Charakteren mitfiebern, dann fühlt ihr euch vielleicht wie ich verlassen und vom Kreativteam links liegengelassen. Die Optik ist geil, aber die Geschichte ist fast durchgängig wirr und erst gegen Ende ein wenig klarer strukturiert. Schade, da hatte ich nach 10 Jahren Pause mehr erwartet.

The Umbrella Academy Band 3: Hotel Oblivion ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-959811-64-4
16×24, Hardcover, 4c, 192 Seiten, 22,- Euro

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Moonshine Band 1: Familiengeheimnisse – Unsere Comic-Rezension

Moonshine Band 1: Familiengeheimnisse – Unsere Comic-Rezension

Wenn man sagt, du kannst mich mal im Mondschein besuchen, dann klingt das doch auf das erste Gehör fast schon romantisch, oder? Ich mein, wer möchte nicht in einer lauen Sommernacht mit seinem liebsten Menschen bei Mondschein und einem leckeren Glas Wein zusammensitzen? Gemeint ist bei der Redewendung allerdings eher das Gegenteil, weitere Bedeutungen des Wortes „Moonshine“ wollen wir uns im Zusammenhang mit dem bei Cross Cult erschienenen Hardcover-Buch von Brian Azzarello und Eduardo Risso im Detail ansehen.

Mit 100 Bullets haben sich Azzarello und Risso in der Szene bereits einen Namen gemacht, ähnlich zimperlich geht es auch in Moonshine nicht zu. Das verkünden bereits die 3 Silhouetten auf dem Cover, die 3 Männer zeigen, sowohl mit einem Gewehr, als auch mit Äxten bewaffnet. Auf der Rückseite des Buches zeichnet sich eine Werwolf-Silhouette vor dem weißen Mond ab, ob das auch etwas mit der Geschichte zu tun hat? Und ob, doch der Reihe nach.

 

Die Atmosphäre von Moonshine wird direkt zu Beginn hervorragend eingefangen und stimmt den Leser gut ein. © Cross Cult

 

Wir befinden uns im Jahr 1929, noch dazu in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn unsereins an diese Epoche denkt, kommt einem da fast automatisch die Zeit der Prohibition in den Kopf. Dieses Thema ist auch das Kernstück der Geschichte, natürlich geht es um Alkohol. Damals stand es unter Strafe Alkohol herzustellen und zu verkaufen. Aus der Pädagogik wissen wir jedoch, wenn etwas unter Strafe oder Verbot steht, ist es umso reizvoller sich diesem Verbot zu entziehen. Also wurde der Alkohol illegal gebrannt und hergestellt und selbstverständlich auch konsumiert. Da konnte eine Menge Geld mit verdient werden, was sich in der Unterwelt niemand zweimal sagen ließ. Doch der Nachschub war nicht immer gegeben, weswegen es wichtig und entscheidend war, die Zulieferkette nicht abreißen zu lassen. Neue Zulieferer waren daher immer gerne gesehen, insbesondere in den Städten floss der Alkohol in Strömen. Doch auch auf dem Land war man sich der Wichtigkeit des „Fusels“ bewusst und brannte auch dort was das Zeug hielt.

Die Unterweltbosse in den Städten waren also auch gezwungen, sich immer wieder nach neuen Quellen umzusehen. Von daher wurden auch immer wieder Laufburschen ausgesandt, um neue Zulieferer und Brenner ausfindig zu machen. Ein solcher Laufbursche ist unser Protagonist Lou Pirlo, der für seinen Boss Joe Masseria in die Umgebungen aufbricht, um dort neue Verträge zu schließen. Es sollte klar sein, dass die Verträge zugunsten von Masseria geschlossen werden sollen, das klappt jedoch nicht immer. Da muss Lou dann einfach nachhelfen und Überzeugungsarbeit leisten. Nun wird es von seinem Boss nach Virginia geschickt, genauer gesagt oben in den „verfickten Bergen“, um dort mit Hilram Holt einen Vertrag abzuschließen. Sein Alkohol soll der beste Stoff sein, den Boss Masseria auf jeden Fall für seine Kunden anbieten möchte. Dabei wird Pirlo freie Hand gelassen, wie er an den Vertrag herankommt.

 

Lou Pirlo erhält einen neuen Auftrag, sollte doch ein Kindespiel werden, oder? © Cross Cult

 

Vor Ort in den Wäldern und Bergen von Virginia stellt der Hinterwäldler Hiram Holt für Pirlo doch eine größere Hürde dar als gedacht. Auch wenn es Pirlo die Tochter von Holt angetan hat, stehen sowohl Holt als auch seine Handlanger dem Vorhaben von Pirlo im Weg. Holt denkt nicht im Traum daran seinen Schnaps an andere Leute zu verkaufen und geht auch ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen, um sein Geschäft zu schützen. Zur selben Zeit befinden sich auch FBI-Agenten in den Wäldern, die die Machenschaften von Holt und seinen Handlangern stoppen wollen, dies aber schnell mit ihrem Leben bezahlen. Warum diese Agenten jedoch so zerstückelt aufgefunden werden und was sie so zerfleischt hat, ahnt Pirlo zu Beginn noch nicht. Erst nach und nach wird ihm klarer, dass Hiram Holt eventuell auch seine menschliche Gestalt eintauschen kann und dann zum Tier wird.

 

Wenn das Auto den Mann nicht umbringt, wird er dennoch nicht mehr lange zu leben haben. © Cross Cult

Fazit

Die Atmosphäre von Moonshine ist das Kernmerkmal des Comics. Unterstützt wird dies durch die Farbgebung, das unheimliche und durchaus blutige Artwork und die Bedrohlichkeit, die sich in der Geschichte andeutet. Ab der ersten Seite fühlt man sich in die Welt versetzt und spürt beim Lesen ein Unbehagen, was sich im Lauf der Geschichte des ersten Bandes auch nicht mehr ablegt. Jedoch wird vieles im ersten Band nur angedeutet, mit Traumsequenzen untermalt, als von Alkohol getränkte Wahrnehmung von Lou Pirlo dargestellt. Ich konnte als Leser nicht immer genau sagen, was nun eine Halluzination oder was Realität sein soll. Auch die Motivationen der agierenden Figuren sind nicht immer eindeutig nachvollziehbar. Lou Pirlo reitet sich von einer beschissenen Situation in die nächste, was es als Leser schwer macht, sich mit ihm als Protagonisten zu identifizieren. Hilram Holt hat auch mehr als einmal die Möglichkeit sich Lou Pirlos zu entledigen, macht dies aber nicht, sehr wahrscheinlich, weil der Protagonist noch im zweiten Band gebraucht wird.

Überhaupt mischt Autor Brian Azzarello hier viele Figuren in die Geschichte, die nur einen kurzen Auftritt haben, dann aber schnell das Zeitliche segnen. Was gut funktioniert und das Buch ein wenig über das Mittelmaß hinaushebt, ist die Darstellung der ländlichen Gegend, mit all ihren Facetten. Die Hinterwäldler benehmen sich so, wie man es erwartet, die Landschaft ist dreckig und die Hitze spürbar. Voodoo oder andere Rituale finden Anwendung und über allem steht der Alkohol, der für viele blutige Situationen und Ableben sorgt. Atmosphärisch und optisch ein gelungenes Buch, die Geschichte droht bisher noch sich zu verrennen, man darf gespannt sein, ob und wie Azzarello im zweiten Band die Kurve noch bekommt.

 

Newsbild: © Cross Cult

Moonshine: Band Eins ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-959815-69-7

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Isola: Band Eins – Unsere Comic-Rezension

Isola: Band Eins – Unsere Comic-Rezension

Wir starten unsere Reise mitten in einem Regenschauer. Inmitten des Regens sehen wir eine Kriegerin neben einem sporadisch aufgestellten Zelt sitzen. In sich gekehrt und dennoch aufmerksam beobachtet diese Kriegerin das Lebewesen, das sich innerhalb des Zeltes befindet. Dort erkennen wir, dass es sich um keine menschliche Person handelt, sondern um einen Tiger, der dort in Ruhe schläft. Die Kriegerin, ihr Name ist Rook, wie wir später lernen werden, scheint aber eine besondere Beziehung zu dem Tier zu haben, schließlich deckt sie den Tiger mit einer Decke zu, damit dieser nicht friert. Plötzlich verlangt ein unbekanntes Geräusch ihre Aufmerksamkeit, dem sie zum Schutze des Tigers nachgeht, woraufhin sie auf einen mysteriösen Fuchs trifft. Die ganze Szenerie ist in bläulichem und grünlichem Dunkel gehalten, überhaupt trägt die Farbgebung der Hintergründe und Tageszeiten viel zur Atmosphäre und der Geschichte bei. Rook folgt dem Fuchs auf eine Lichtung, auf der sie mit Schrecken auf den von Pfeilen durchbohrten Tiger trifft, der soeben noch im Zelt schlief. Nachdem sich herausgestellt hat, dass es sich nur um eine Halluzination gehandelt hat, folgen wir dem ungleichen Duo am nächsten Morgen weiter auf ihrem Abenteuer.

 

Schnell wird bei Isola auf den ersten Seiten klar, dass die Farbgebung eine große Rolle spielt. © Cross Cult

 

Isola erzählt eine Abenteuerreise, wir begleiten Captain Rook und den Tiger Olwyn auf der Reise zur Insel Isola. Der Tiger ist jedoch nicht bloß ein Tier, bei ihm handelt es sich um die Königin von Maar, einem der Königreiche des Landes. Damit die Königin wieder von einem stummen Tiger zu einem Menschen werden kann, muss Captain Rook, Anführerin der königlichen Leibgarde, Königin Olwyn zur sagenumwobenen Insel Isola bringen. Auf dem Weg dorthin lauern allerdings viele Gefahren, zum einen haben sich einige diebische Jäger der Clans an ihre Fersen geheftet, zum anderen stoßen die beiden ungleichen Gefährten auf ihrer Reise auch auf mysteriöse Wesen. Diese Wesen haben auch nicht nur Gutes im Sinn, des Öfteren trachten sie nach dem Leben von Königin Olwyn. Aber es gibt auch Unterstützung auf ihrem Weg nach Isola, wenn auch für den Leser eher kryptischer Natur, da nicht immer klar wird, ob es sich bei den Helfern nicht doch auch um Lebewesen handelt, die ihre eigenen Absichten verfolgen.

 

Die Tierwelt und auch die einige mythische Kreaturen sind essenzieller Bestandteil der Geschichte. © Cross Cult

 

Wir lernen auch, dass es zwischen Olwyn und Rook eine etwas innigere Beziehung geben muss, wie innig wird nicht vollständig klar. Fest steht, Rook verteidigte ihre Königin mit ihrem Leben, wenn es darauf ankäme. Weiterhin sehen wir die Hintergründe, wie es zur Verwandlung der Königin in einen Tiger kam und welche Rolle der Bruder der Königin dabei spielt. In einer Auseinandersetzung tötet Captain Rook den Bruder der Königin, kann aber die Verwandlung nicht stoppen, geschweige denn rückgängig machen. Im Hintergrund spielt auch die Politik noch eine Rolle in der Geschichte, auch wenn die genauen Beziehungen der einzelnen Königreiche nicht offengelegt werden. Wir erfahren nur, dass ein Krieg auszubrechen droht, sollten Rook und Olwyn ihren Weg nach Isola nicht vollziehen können. Im ersten Band ist der Weg das Ziel, um uns Leser in die Welt von Isola einzuführen. Es werden eine Menge Beziehungen und Situationen aus der Gegenwart der Reise, aber auch der Vergangenheit gezeigt, ganz durchschauen tun wir das als Leser aber noch nicht. Einiges bleibt davon gewollt im diffusen Bereich und wird in den kommenden Bänden hoffentlich aufgelöst und erklärt. So bleibt uns bisher nur eine simpel gestaltete Geschichte, die keine Preise gewinnen wird, aber umso mehr in den Punkten Zeichnungen und vor allem Kolorierung punkten kann.

Isola kam mit großen Vorschusslorbeeren nach Deutschland und ich sehe auch warum. Was hier optisch abgeliefert wird, ist schon ein starkes Stück Comic und könnte auch locker in ein anderes Medium transportiert werden. Eine Animationsserie von Isola würde ich mir nicht nur gerne anschauen, sondern sehe sie praktisch schon vor mir, wenn ich allein nur das Artwork und die Kolorierung des Buches betrachte. Brenden Fletcher (Assassin´s Creed, Gotham Academy) und Karl Kerschl (Teen Titans: Year One, Gotham Academy) kamen mit der Idee zu Isola in Amerika bei Image Comics unter, dem Verlag also, der die Unabhängigkeit seiner Autoren und Künstler an vorderster Stelle stellt. In der visuellen Ausarbeitung wurden sie von der Koloristin Michele Assarasakorn unterstützt, die auch als M.Sassy.K bekannt ist. Unter anderem hat sie vorher auch an Gotham Academy aber auch an Critical Role Vox Machina Origins gearbeitet. Fassen wir es kurz, optisch ist Isola eine Wucht und kommt in seiner Gestaltung wirklich atemberaubend daher, die inszenatorische Gestaltung hebt das Buch auch über das Mittelmaß hinaus, was der Geschichte in meinen Augen (bisher) noch fehlt.

 

Bereits das Cover zieht einen in die Welt hinein! © Cross Cult

Fazit

Isola wurde von Cross Cult nun nach Deutschland geholt und mit dem ersten Band in einem Softcover-Einband veröffentlicht. Neben den ersten 5 Heften findet ihr auch den Prolog am Schluss des Bandes vor, der in den Vereinigten Staaten in einer separaten Heftreihe veröffentlicht wurde. Ergänzend dazu hat Cross Cult auch noch weiteres Bonusmaterial auf 15 Seiten mit reingepackt, bei dem ihr die verschiedenen Cover der Einzelhefte findet, oder einen kurzen Blick hinter die Kulissen. Ihr erhaltet also einen schönen, runden Band mit einem tollen Einstieg in die Welt von Isola. Wie ich bereits oben angemerkt habe, die visuelle Gestaltung von Isola ist teilweise wirklich atemberaubend, detailreich gestaltet und somit auf jeden Fall einen Kauf wert. Die Geschichte hat mich noch nicht richtig gepackt, es sind noch ein paar Inhalte unklar und nicht abzusehen, wohin uns die Erzählung führen wird. Mich hat es nicht gestört, es lässt auch noch einige tiefergehende Entwicklungen in den kommenden Bänden zu. Denn eines ist klar, ich möchte wissen, wie es weitergeht und welche wahnsinnigen Farben und Zeichnungen mich in den kommenden Abenteuern von Rook und Olwyn erwarten.

Newsbild: © Cross Cult

Isola: Band Eins ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-959813-58-7

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