Under the Tree in unserer Filmkritik

Under the Tree in unserer Filmkritik

Island ist nicht gerade als Filmland bekannt. Bei der Einwohnerzahl auch kein Wunder und dennoch kommen hin und wieder kleinere Perlen hervor oder großartige Regisseure, die dank der isländischen Förderung eine Chance bekommen. So auch der Regisseur Hafsteinn Gunnar, der 2013 mit dem Film Prince Avalance auf sich aufmerksam machte. Nun kommt er mit einer bitterschwarzen Komödie, die in vielen Punkten eher wie ein Thriller wirkt. Ein einfacher Nachbarschaftsstreit eskaliert wegen Belanglosigkeiten. Am Ende gibt es weniger zu lachen, doch der Grund dieser Eskalation ist schlichtweg ein Witz. Doch hinter jedem Witz verbirgt sich vielleicht ein Fünkchen Wahrheit und so lässt sich dieser Nachbarschaftsstreit gar auf die größeren Konflikte in dieser Welt übertragen.

 

Die Geschichte dieses Filmes spielt natürlich in Island. Das Ehepaar Inga und Baldvin lieben ihren Garten und noch mehr lieben sie ihren Baum! Doch ihre Nachbarn teilen nicht unbedingt die Liebe zu diesem Baum, da er einen viel zu großen Schatten auf die Terrasse der wohlsituierten Nachbarschaft wirft. Also keine Sonne und ohne Sonne kann niemand den Sommer richtig genießen. Also werden Inga und Baldvin gebeten, den Baum doch zu stutzen oder gar zu fällen. Doch nichts da! Der Sohn von Inga und Baldvin, Atli, hat währenddessen ganz andere Probleme. Schuld ist ein kleines Sex-Video, wo er und eine andere Frau zu sehen sind, dass zu einem Streit mit seiner Frau führt, da sie ihn dabei erwischt, wie er sich das anguckt und dabei masturbiert. Also zurück in das Elternhaus und seine Tochter darf er auch nicht mehr sehen. Zurück bei seinen Eltern bedeutet auch, dass er mitten im Nachbarschaftsstreit ist und hier werden mittlerweile härtere Geschütze aufgefahren. Kettensägen, Überwachungskameras und dazu wird auch noch die geliebte Katze von Inga vermisst. Natürlich stehen die Nachbarn sofort unter Verdacht…

Am Anfang ein skeptischer Blick über die Hecke…wenn der wüsste. © Netop Films

Auch wenn dieser Film in Island spielt, so kann die Geschichte sich eben nicht umsonst auf internationalen Festivals behaupten. Egal ob Deutschland, Frankreich oder auch in den USA. Ein Streit zwischen Nachbarn wurde schon in sämtlichen Filmen, Serien oder TV-Shows behandelt. Dazu kommt es, dass dieser kleinbürgerliche Vorort auch locker bei uns in Deutschland liegen könnte, mit all seinen Sünden und Leichen in den Kellern. Ruhig ist jedenfalls etwas anderes. Der einzige Hinweis, dass dieser Film eben im Norden von Europa spielt, ist das taubgraue Nordlicht, was sich wie ein Filter über die Breitbildlinse stülpt. Dabei werden dann aber doch die Kontraste deutlich. Während die Eltern von Atli gutbürgerliche Probleme haben, sich mit den Nachbarn um Nichtigkeiten streiten und in einer Welt leben, die sie nicht mehr verstehen, lebt er eher bodenständig. Fast schon herzzerreißend die Szene, als er seine Tochter aus dem Kindergarten abholt und nicht im Garten oder einem Park picknicken geht, sondern neben dem Parkplatz von einem Ikea. Die sehr konservativen Eltern verurteilen ihren Sohn und haben kein Verständnis dafür, dass er so mit seinem Leben umgeht. Das passt gut, denn die Nachbarn sind vielleicht auch gutbürgerlich aber auch deutlich hipper. Die viel jüngere Frau fährt regelmäßig Fahrrad, achtet auf ihr Äußeres und legt viel Wert auf ein jugendliches, gleichzeitig aber auch geordnetes, Leben. Der Mann dagegen sammelt gern Waffen und passt sich seiner Freundin an. Auf Streit ist er am Anfang noch gar nicht aus und wirkt sogar, als würde er sich von allen herumschubsen lassen. Doch relativ schnell zeigt sich, dass er seine Krallen auch ausfahren kann, wenn er will.

Die Autoren schaffen Konflikte, die völlig absurd wirken. In den Dialogen werden sich Argumente ausgetauscht, die nicht nur unlogisch, sondern auch sehr harsch oder roh wirken, teils auch beleidigend. Aus einem eigentlich banalen Grund, schaukeln sich die Protagonisten in ihren Konflikten hoch, bis es zur Tragödie kommt. Die Kommunikation findet statt, aber eben auf einer völlig falschen Art und Weise und an den Stellen, wo eine Aussprache Abhilfe geschaffen hätte, gibt es nur Verurteilungen oder falsche Beschuldigungen. Interessant dabei ist, dass Atli nicht als reif gilt und deswegen nicht so ganz in die Familie passen will, gleichzeitig aber derjenige ist, der verständlich versucht, seine Ehe zu retten. Der Zuschauer hat gerade mit ihm eher Verständnis und das, obwohl seine Fehltritte bekannt sind und auch weiteres Fehlverhalten dazu kommt. Doch Fehler macht jeder und es ist die Kunst, damit umzugehen. Es ist ebenfalls eine Kunst, in diversen Situationen nicht überzureagieren und sich zu beherrschen. Etwas was seine Eltern nur bedingt können. Sein Vater Baldvin mag hier noch etwas besonnen wirken, doch in Wirklichkeit will er sich nicht mit seiner Frau anlegen und seine Ruhe. Seine Mutter Inga dagegen kam immer noch nicht darüber hinweg, dass der zweite Sohn sich selbst umbrachte. Ihren Frust lässt sie nicht nur an die Nachbarn aus, sondern auch an ihrem letzten Sohn und ihrem Mann.

Die Säge für den Baum ist schon vorbereitet. © Netop Films

Der Baum dient in dieser Geschichte auch als Sinnbild für Streitereien. Zwei unterschiedliche Wahrnehmungen und zwei unterschiedliche Ansichten. So behandelt unser älteres Ehepaar den Baum wie ein heiliges Objekt. Ein Objekt, was sie seit Jahrzehnten kennen, pflegen und was für ihre lange gemeinsame Zeit in diesem Haus steht. Dieser Baum hat sie mehrere Jahre über begleitet. Das andere Ehepaar dagegen hat keine emotionale Bindung zu diesem Baum, auch finden sie ihn nicht sonderlich schön. Eher stört er eben! Unter diesem Baum findet also nun ein Streit statt, der Eigentum, Haustiere und auch Personen in Gefahr bringt. Dem Baum ist das selbst alles egal, sie leben, streiten und bekämpfen sich unter ihm. Bis zum bitteren Ende, als die beiden älteren Männer, die für ihre Frauen eben in die Schlacht ziehen, zu spät merken, dass sie für etwas Stumpfes in den Kampf zogen. So lächerlich diese Geschichte sein mag, so spiegelt sie aber in den meisten Fällen doch auch die größeren Konflikte in dieser Welt wieder. Entsteht ein Streit nicht fast immer durch Nichtigkeiten und ist es nicht auch so, dass es erst eskalieren muss, bis die Menschen aus ihren Fehlern lernen? Auch Atli muss das noch lernen, als er mit Ausreden und Übergriffigkeit versucht seine Frau wieder zu bekommen. Doch bei einem Mietertreffen, wo die Mieter des Hauses über ihre Sorgen reden, platzt ihr der Kragen und sie erzählt die peinliche Geschichte, wie sie ihn erwischte. Dabei stellt sie Atli bloß und er begreift, dass er besonders in diesem Haus keine Zukunft mehr hat. Die Scham und das Gefühl bloßgestellt zu werden, hätte gar nicht erst so weit kommen dürfen.

Dabei gibt es auch kluge Beobachtungen von so einer vermeintlichen Idylle. Nichts ist so wie es scheint. Fährt man mit dem Auto durch solche Vororte, wirkt alles sehr friedlich und ordentlich. Blicken wir aber dann hinter die Fassade, sind Lästereien oder Getuschel das Mindeste. Was für Bösartigkeiten sich Menschen aber einfallen lassen können und dass jeder Mensch Leichen im Keller hat. Dabei geben sich die Protagonisten scheinheilig und beschweren sich gern über andere, sind aber selbst nicht besser. Da werden auch einmal gern Autoreifen zerstochen oder mit Gewaltakten gedroht. Der Thrilleraspekt kommt daher, dass nicht immer offengelegt wird, ob es wirklich einer der Bewohner war. So bleibt dem Zuschauer auch nur das Mutmaßen und er oder sie tappt selbst in die Falle, sich zu schnell ein Urteil zu bilden. Am Ende wird der Film ganz dramatisch und zeigt die Folgen davon, wenn sich erwachsene Menschen nicht zusammenreißen können. Die Hauptverantwortlichen müssen aber am Ende nicht die Rechnung tragen, dafür aber das Leid. Aber auch der Zuschauer erfährt in der letzten Szene, dass dieser Konflikt völlig überzogen wurde. Gelächter bleibt in dieser Komödie stumm, erst wenn ihr über das Gesehene nachdenkt, wird es lustig. Die Absurdität dieser Geschichte ist bittersüß.

Die Schauspieler machen dabei alle einen gelungenen Job und spielen ihre Rollen glaubwürdig. Insbesondere Edda Björgvinsdóttir spielt ihre Inga gerade so gut. Denn besonders ihre Rolle hätte ins Übertriebene abdriften können und hätte die Bodenständigkeit zerstört. Die Kamera ist oft verwaschen und fokussiert sich sehr auf die Emotionen der Schauspieler. Dadurch wird klar, dass wir es hier nicht mit einer bunten Familienkomödie zu tun haben. All diese Komponenten und das teils depressive Spiel der Schauspieler ergeben am Ende ein großes Ganzes und wissen zu überzeugen.

Der Hund ist ausgestopft? An dieser Stelle gingen eh alle schon zu weit. © Netop Films

 

Fazit

Ein absurder Film, der aber auch weiß, wie er den Zuschauer packt und durch die klugen Beobachtungen in die Familien lässt. Die dichte Atmosphäre macht es schwer auf dem ersten Blick eine Komödie zu finden. Erst mit dem Ende wird klar, auf was der Regisseur eigentlich hinauswill und dann fängt man an zu lachen, auch wenn das Lachen im Halse stecken bleibt und der Zuschauer sich ertappt fühlt.

Die Trailer der Woche (KW16/2019)

Die Trailer der Woche (KW16/2019)

Herzlich Willkommen bei unserer neuen Trailer-Show! Auch in dieser Woche haben wir spannende und interessante Trailer für euch und das ohne Star Wars! Dafür aber mit einem berühmten Pärchen und einem Film aus Deutschland. Bleibt gespannt!

Zwischen den Zeilen

Fangen wir heute mit einem französischen Film an! Zwischen den Zeilen zu lesen, kann oft sehr schwer sein. In dieser gut besetzten Komödie sehen wir einen Autor der verzweifelt ist, da er seinen Text digitalisieren muss und sich zu leicht von den jungen Frauen im Büro ablenken lässt, einer Dame die in seinem Text eine Affäre mit ihr lesen will und das Thema Ehrlichkeit hat hier scheinbar auch keine Bedeutung. Wir freuen uns schon auf einen tollen Sommer-Film, im Freiluftkino!

 

DEUTSCHSTUNDE

Nach einem französischen Film, kommen wir nun zu einem deutschen Film. Hier geht es um einen Maler, lebend in Nazideutschland, dem das Malen verboten wird. Dabei wird ein kleines Kind installiert, was ihn bewachen soll. Diese Neuverfilmung sieht tatsächlich vielversprechend aus und das Original, mit dem gleichen Titel, war schon gelungen und gilt als deutscher Klassiker.

 

Gut gegen Nordwind

Noch ein Film aus Deutschland! Diesmal von dem Regisseur von Toni Erdmann. Hier lernen sich beite im Grunde nur in der digitalen Welt kennen und verlieben sich, obwohl sie in der Realität vielleicht gar verheiartet sind. Die Frage, ist diese Form der Unterhaltung vielleicht sogar am Ende die ehrliichste? Diese Frage wird hier aufgeworfen und gute deutsche Filme, kann es nie genug geben!

 

Stan und Ollie

Stan und Ollie, bei uns besser bekannt als Dick und Doof, sind wohl das berühmteste Comedy-Duo der Welt. Nun erscheint ein Biopic über die Beiden, was besonders ihr Comeback behandeln soll. Dabei ist der Cast und die Austattung sehr beachtlich und in den USA kam der Film ebenfalls sehr gut an. Wir freuen uns schon auf ein Stück Film-Geschichte!

 

Quelle: KinoCheck, Wild Brunch, Sony Pictures,

Die Trailer der Woche (KW15/2019)

Die Trailer der Woche (KW15/2019)

Eine neue Woche und ein neuer Star Wars Trailer! Doch das ist noch längst nicht alles. In dieser Woche kamen natürlich einige andere neue Trailer, die sehenswert sind und die ihr euch unbedingt angucken solltet. Fangen wir doch aber mit einem weiteren Trailer aus dem Hause Disney an!

Der König der Löwen

Der zweite Trailer lässt leider erahnen, dass die Geschichte wirklich ohne Änderungen auskommt. Dafür sieht er sehr beeindruckend aus und die Originalgeschichte ist ja auch der Grund, warum dieser Film als Klassiker gilt. Warten wir einfach mal ab!

 

Mister Link

Mister Link haben wir euch bereits zweimal in dieser Rubrik vorgestellt und auch der neueste Trailer verspricht weiterhin gute Unterhaltung und einfach einmal einen anderen Animationsfilm. Auch diesmal fallen besonders die Farben und das ungewöhnliche Design auf. Hoffen wir, dass die Geschichte auch etwas Besonderes wird und wir einen kleinen Geheimtipp bekommen!

 

Joker

Wie ist eigentlich der Joker aus den Batman-Comics so geworden, wie er ist? Diese Frage stellt sich der Film Joker und der Trailer verspricht Großartiges! Schön düster und bodenständig, fast schon wie die Dark Knight-Trilogie von Christopher Nolan. Dazu einen der besten Schauspieler unserer Zeit, Joaquin Phoenix, ebenfalls dabei. Eigentlich kann da nichts mehr schief gehen!

 

Liebesfilm

Einen deutschen Film haben wir auch noch! Liebesfilm erzählt die Liebesgeschichte zweier Berliner, die scheinbar deutlich anders verläuft, als in so manch anderen Filmen. Besonders als das Thema Kinder aufkommt, gerät die Beziehung etwas ins Wanken. Charmant und relativ lustig wirkt der Trailer und wir freuen uns schon drauf!

 

Star Wars: The Rise of Skywalker

Zum Abschluss der lang erwartete Trailer zum Abschluss der neuen Star Wars-Trilogie. Auch wenn die Gänsehaut-Momente fehlen und bei mir zumindest ganz schön viel Skepsis auftaucht, möchte ich diesen Trailer euch nicht vorenthalten und selbstverständlich fiebere ich dennoch dem Abschluss dieser Reihe entgegen.

 

Quelle: Disney, KinoCheck, Warner Bros., Moviepilot, Star Wars

Hellboy – Call of Darkness in unserer Filmkritik

Hellboy – Call of Darkness in unserer Filmkritik

Hellboy von Regisseur Guillermo del Toro hat die Messlatte für zukünftige Filme aus dem Franchise richtig hochgelegt, auch wenn er von dem Comic etwas abweicht. Nun kommt ein Reboot von Hellboy mit einem etwas anderen Ansatz, dabei soll der Film sich diesmal näher an den Comics orientieren. Die ersten Trailer ließen das Schlimmste befürchten und die Fans waren noch nicht so begeistert. Doch vorweg kann ich Entwarnung geben! Der Film kommt sicherlich nicht an die Vision von del Toro ran, aber ist auch nicht so schlimm wie befürchtet und gerade Fans von Hellboy kommen an diesem Film nicht vorbei. Für leichte Unterhaltung reicht es definitiv!

 

Der Halbdämon Hellboy muss diesmal gegen eine mächtige Hexe ran. Genau genommen gegen die wohl mächtigste Hexe überhaupt und Hexenkönigin schlechthin: Nimue. Nimue wurde damals von König Arthur besiegt, in mehrere Stücke zerteilt, und auf der ganzen Welt verstreut. Das Böse schien besiegt aber ein Diener des Bösen flickt die Hexe wieder zusammen und somit beginnt die Schreckensherrschaft erneut. Hellboy hat die Möglichkeit mit dem Schwert von Arthur die Hexe zu bannen. Doch das Schwert bringt auch das Böse in Hellboy zum Vorschein und seine eigentliche Bestimmung soll dadurch erfüllt werden. Ein innerer Konflikt, eine Reise in die Vergangenheit und eine Entscheidung könnten das Ende der Menschheit bedeuten…

Eine klassische Waffe tut es oft auch. © 2019 Universum Film Verleih 2019

Laut eigener Aussage und auch den Aussagen von unserem Comicexperten ist dieser Film näher an den Comics dran. So gibt es auch in diesem Film Professor Broom, den Ziehvater von Hellboy. Mit ihm wird in diesem Film eine kleine Origin-Story geschildert, ohne wirklich eine Origin-Story zu haben. In der einen oder anderen Rückblende sehen wir wie Hellboy entstand und warum er nicht nur geschaffen wurde, sondern warum er für die Menschen kämpft. Auch die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, kurz B.U.A.P, wird in diesem Film thematisiert und spielt eine wichtigere Rolle. Bekannte Figuren wie Ben Daimio, der sich in eine Raubkatze verwandeln kann, oder Alice Monaghan, eine Seherin, werden Fanherzen höherschlagen lassen. Doch Regisseur Neil Marshall (Centurion) kopiert nicht einfach einen Comic 1:1 und damit müssen sich die Fans etwas anfreunden können. So wird Ben Daimio unserem Hellboy zugeteilt und arbeitet mit diesem stark zusammen. In den Comics treffen diese beiden Figuren zum Beispiel gar nicht aufeinander. Keine schlechte Idee eigentlich, nur leider spielt die Beziehung von Hellboy zu anderen Figuren kaum eine Rolle. Selbst die Beziehung zu seinem Ziehvater, Professor Broom, wird nur oberflächlich beleuchtet, was dazu führt, dass das Ende ganz stark nach Klischee riecht und der Zuschauer selbst keine Bindung zu den Charakteren hat.

Allgemein ist der Film ganz typisch nach Schema F und der Zuschauer wird nicht überrascht. Alles ist vorhersehbar und alles läuft nach einem ganz bestimmten Muster ab. Dies ist der Grund warum es auch etwas an Spannung fehlt. Dagegen, ohne zu spoilern, wird eine Geschichte aufgemacht, die sich am Ende als Plothole herausstellt. Eigentlich sollte dieser Punkt noch aufgelöst werden, aber schnell merkt der Zuschauer, das war alles nur Mittel zum Zweck. Außerdem wird ja am Ende auch schon eine Fortsetzung angedeutet, die zur Not diese Lücke auch schließen kann. Ohne gleich an die Fortsetzung zu denken, scheint in der heutigen Zeit wohl unmöglich zu sein. Aber davon ab geht es hier auch mehr um die leichte Unterhaltung und die ist zum Glück ganz gelungen. Der Humor will vielleicht nicht immer zünden aber die Oneliner sind wenigstens nicht zu nervig und das Erzähltempo ist oft sehr schnell. Das tut dem Film gut, wird allerdings immer wieder mit merkwürdigen Erklärungen ausgebremst, die der Zuschauer gar nicht nötig hätte. Das Gefühl, dass die Macher einfach nur die zwei Stunden voll bekommen wollen, um mehr Geld durch die Überlänge zu generieren, kann ich nicht von der Hand weisen. Dabei hätte so mancher Lückenfüller dazu genutzt werden können, um eben den Charakteren, außerhalb von Hellboy selbst, mehr Zeit zu geben. An manchen Stellen hätte ich, gerade weil ich die Comics auch nicht kenne, die eine oder andere Erklärung benötigt. Ganz verständlich ist das also nicht.

Auch wenn die Sicherheitsbehörden nicht die größten Fans von ihm sind, Hellboy kommt gern zur Hilfe. © 2019 Universum Film Verleih 2019

Dafür funktioniert eben Hellboy selbst sehr gut und die Action ist gelungen. Der Film ist ein toller Spaß und gute Unterhaltung für ein Kino-Wochenende. Ja, durch die schnelle Erzählung bleibt wie gesagt wenig Raum für die Charaktere und die eigentliche Geschichte, dafür wird es dem Zuschauer nie langweilig und am Ende hatten besonders die Fans wohl eine gute Zeit. Das liegt auch daran, dass der Hauptcharakter einiges an Sympathien gewinnt und Spaß verbreitet. Auch die Actionszenen wissen zu unterhalten, aber auch zu ekeln. Dieser Film ist kein Splatterfilm, keine Sorge, aber wenn Augen herausfliegen, kann das schon für ein unschönes Gefühl sorgen, obwohl der Film nicht nur düster ist, sondern auch knallige Farben liefert.

Die Kulissen und das Design der Kreaturen oder Objekte aus der Fantasy-Welt sind auch gelungen und passen sehr gut zur Vorlage. Gerade das Haus von einer sehr berühmten Hexe, die ich noch nicht erwähnen will, ist ziemlich beeindruckend und kreativ. Auch viele Anleihen von verschiedenen Mythen und der Arthur-Saga werden im Film gut integriert. Gerade im Trailer haben die meisten wohl vermutet, dass dieser Film vielleicht zu bunt wird und sich mehr dem Mainstream anbiedert. Letzteres kann ich nicht abstreiten und er sticht weniger aus dem Einheitsbrei der Comicverfilmungen hervor, hat aber dennoch bleibende Bilder hinterlassen, ohne jeden Trend hinterherzurennen. Das Beste an diesem Film ist, dass der Film sich die meiste Zeit wenigstens ernst nimmt und der Humor gar nicht so stark im Vordergrund steht, wie vermutet. Lockeres Popcorn-Kino mit dem Fokus auf der Action und weniger auf dumme Sprüche, die nach einer halben Stunde nerven. Schön, dass das wenigstens noch möglich ist! Dazu noch gelungene Effekte und Masken, die das Gesamtbild abrunden.

Bei den Schauspielern müssen wir zuerst den noch unbekannten David Harbour erwähnen, der überwiegend in vielen Serien oder Nebenrollen seine Brötchen verdiente. Sein Hellboy kommt natürlich nicht an Ron Perlman ran, schon alleine, weil das markante Gesicht fehlt. Aber ganz große Sprünge braucht sein Hellboy auch nicht, da der Charakter viel weniger ausgearbeitet ist und einfach nur als Sympathieträger funktionieren soll. Auch Ian McShane als Professor Broom reißt keine Bäume raus und erfüllt seinen Job solide. Daniel Dae Kim, der Ben Daimio spielt und Sasha Lane, die Alice Monaghan darstellt, spielen eine untergeordnete Rolle und machen einfach nur ihre Arbeit. Nicht mehr und nicht weniger. Das liegt aber auch am Drehbuch, dass die Charaktere im Grunde keinen Charakter haben und die Schauspieler gar nichts aus den Figuren herausholen können. Die größte Überraschung ist wohl Milla Jovovich, die wohl doch mehr kann als man ihr zutrauen möchte. Nein, ihre Performance ist nicht die Beste und sie bleibt weiterhin eine sehr limitierte Schauspielerin, aber sie war im gesamten Film tatsächlich die Figur, mit der ich am meisten Freude hatte.

Fazit

Dieser Film muss sich natürlich an seinen Vorgängern messen lassen und bei diesem Vergleich hat er schlichtweg keine Chance, Punkt! Aber unabhängig davon und wenn ihr auch nicht mit zu hohen Erwartungen in den Film geht, werdet ihr einen tollen Abend haben. Kauft euch vorher eine Packung Popcorn und Bier, dann habt ihr eine tolle Zeit und überseht auch das eine oder andere Plothole und könnt die Schwächen verzeihen. Dass der Film wieder eine Fortsetzung aufbaut ist ärgerlich und die Gefahr besteht, dass der Film an den Kassen floppt und wir so manches gar nicht mehr fortgesetzt bekommen. Das ist eben das Problem, wenn sich die Studios ihrer Sache zu sicher sind und ein Film nicht für sich stehen kann.

Die Trailer der Woche (KW14/2019)

Die Trailer der Woche (KW14/2019)

Herzlich Willkommen zurück, zu den Trailern der Woche, in dieser Woche wieder mit einem Animationsfilm! Aber auch eine Netflix-Produktion hat sich bei uns wieder eingeschlichen. Ansonsten war es eher eine Trailer-arme Woche, was uns aber nicht davon abhält, die besten Trailer der Woche für euch herauszusuchen. Fangen wir da wieder mit einer Serie an!

The Society

Wieder einmal bringt Netflix also eine neue Serie an den Start. Jugendliche sind abgeschnitten von der Außenwelt. Klingt toll, aber auf Dauer wird das natürlich nicht gutgehen. So auch in dieser Serie, die mit einer sehr interessanten Prämisse daherkommt. Ob diese Prämisse auch eine ganze Serie tragen kann, werden wir am 10. Mai auf Netflix sehen.

 

Der Unbarmherzige

Machen wir mit einer Netflix-Produktion auch gleich weiter. Es geht um Santo Russo, der in den 80ern in Mailand zu einer wichtigen und berühmten Persönlichkeit wurde, allerdings dank unsauberer Geschäfte. Dieser Trailer verspricht ein solides Gangster-Drama, das auf wahren Begebenheiten beruht. Tolle Filme aus Italien sind zudem in den letzten Jahren keine Seltenheit mehr!

 

Shaun das Schaf – Der Film: UFO-Alarm

Der erste Teil war eine kleine Überraschung und konnte mit viel Witz und einer tollen Geschichte die ganze Familie überzeugen. Dank des Erfolges kommt nun der zweite Film und dieser scheint da anzuknüpfen, wo der erste Teil aufhörte. Eine lockere, leichte und witzige Geschichte, mit viel Situationskomik. Im Grunde kann da ja nichts schiefgehen, oder?

 

Quelle: Netflix,StudioCanal

 

Ein Herz für den deutschen Film: Der Fall Collini

Ein Herz für den deutschen Film: Der Fall Collini

Der Schauspieler Elyas M’Barek, was halten wir eigentlich von ihm? Der nächste Moritz Bleibtreu? Oder doch eher der Nachfolger Von Til Schweiger? So ganz einig sind sich die Filmfans diesbezüglich noch nicht. Immer wieder gibt es gute Projekte und gute Rollen, doch dann sehen wir ihn in Fak ju Göhte oder im furchtbaren Biopic von Bushido mit dem Titel Zeiten ändern dich. Es ist schon nicht einfach mit den Stars aus Deutschland. Aber in diesem Jahr kam ein vielversprechender Trailer zum Film Der Fall Collini und weckte mein Interesse. Ein Juristenthriller mit ihm? Warum nicht, zudem solche Filme in Deutschland eher selten sind. Am Ende konnte der Film die Erwartungen erfüllen und gleichzeitig sogar positiv überraschen. Ich hoffe, der Film wird noch für einige Diskussionen sorgen.

Wir befinden uns im Jahr 2001 und sind in der Hauptstadt Deutschlands, Berlin. Hier begleiten wir den jungen Anwalt Caspar Leinen, der gerade seine Anwaltszulassung erhalten hat, und sein erster Fall soll auch gleichzeitig sein schwierigster werden. Es geht um Mord! Der italienische Gastarbeiter Fabrizio Collini, verteidigt von Caspar, hat den erfolgreichen und sehr beliebten Hans Meyer kaltblütig im Hotel ermordet. Nicht nur die Angehörigen stehen unter Schock, sondern auch viele Mitstreiter oder Menschen, denen er geholfen hat. Doch nicht nur das, Hans Meyer ist der Ersatzvater und Förderer von Caspar! Dies war ihm, als er den Job annahm, noch gar nicht klar und nun ist er gezwungen den Mörder zu verteidigen, der seinen Förderer ermordete. Als er sich dazu entschließt (er wurde auch ein wenig überredet), will er zumindest wissen, warum Fabrizio dies tat. Doch Fabrizio ist stur und nur durch den unbedarften Blick von Caspar kann der Grund ermittelt werden.

Collini, der kaltblütige Mörder. © 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Die Grundprämisse war es, warum ich diesen Film so interessant fand, weil sie für viel Drama sorgen wird. Dachte ich! Doch am Ende zeigte sich, dass der Film mich auf eine ganz andere Art und Weise begeistern konnte. Dabei wurde die erste Hälfte nur von der interessanten Grundgeschichte getragen und der Neugier, wie das ausgeht. Aber wirklich Fahrt wollte nicht aufkommen und es wirkte so, als würde der Film sich in eine Sackgasse manövrieren. Das liegt auch daran, dass viele Handlungen und Situationen viel zu schnell abgehakt werden. Die Tochter von Hans Meyer und der ehemaligen Freundin von Caspar ist auf ihn am Anfang sehr wütend und erschüttert, und schon in der nächsten Szene haben sie wieder was miteinander. Auch wird einfach die Situation, dass Caspar ja eigentlich vorbelastet ist und Fabrizio gar nicht verteidigen darf, ganz fragwürdig abgehakt und einfach mit dem Thema Verantwortung und Berufung abgeschmettert. Auch gibt es das eine oder andere Plothole. So lernt Caspar noch in einem Imbiss eine Frau kennen, die italienisch kann und er beschließt, sie deswegen einzustellen. Laut seiner Aussage braucht er jemanden, der die Sprache kann. Als er mit ihr in Italien ist, stellt sich aber heraus, dass er selbst gar nicht so schlecht italienisch kann und die Person, die er befragen will, kann zudem auch noch Deutsch. Damit wird die neue Frauenfigur absolut überflüssig und trägt nichts zur Handlung bei, eher bremst sie die gesamte Geschichte etwas aus.

Das ist Schade und hört sich nun sehr negativ an. Doch wenn man von diesem Plothole absieht und die ersten Minuten durchsteht, wird man belohnt. Dann nämlich, als Collini sich immer mehr öffnet und dem Zuschauer immer mehr Happen vor die Augen hält und wir neugierig bleiben. Die Auflösung soll dabei keine Enttäuschung sein oder völlig unrealistisch. Nein, die Auflösung stellt gleich mehrere Fragen. Aufgrund von einer großen Spoilergefahr kann ich gar nicht so viel dazu sagen und eigentlich wäre es aber die Stelle, die ich benötige, um meine Begeisterung zu vermitteln. Daher bleibe ich etwas schwammig in meinen Aussagen. Der Film behandelt am Ende viele Themen und stellt mehrere Fragen. Gibt es Gerechtigkeit? Wie gehen wir mit unserer Vergangenheit um und wer sollte der Richter für gewisse Taten sein? Ab wann dürfen wir Verständnis mit einem Täter haben? Aber, dies beeindruckte mich gewaltig, dieser Film startet auch einen Angriff. Ein Angriff auf das Justiz-System allgemein und besonders in Deutschland. Ein Verbrechen wird schlichtweg von dem System definiert und bestimmt. Diese Regeln und Gesetze werden aber auch immer wieder geändert und ein Gericht urteilt nur nach dem Gesetz. Doch wie sieht es mit der Ethik aus? Ein anderes Beispiel, was mit diesem Film nichts zu tun hat, soll besser definieren, was ich meine. Bis in das Jahr 1969 wurden 50.000 Männer inhaftiert. Laut Gesetz waren diese Männer schuldig und begannen ein Verbrechen. Sie waren homosexuell. Heute unvorstellbar, aber damals eben ein Verbrechen. Waren diese Männer Verbrecher oder schlechte Menschen? Laut Gesetz eben schon. Eine ähnliche Frage und ein Gesetz, was eher negativ geändert wurde, behandelt dieser Film und lässt den Zuschauer mit einem mulmigen und teils auch wütenden Gefühl zurück. Grandios!

Kann Caspar seinem Gegenspieler trauen? © 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Elyas M’Barek beweist in diesem Film, dass er wirklich talentiert ist. Sein naives und auch hilfloses Spiel werden absolut glaubwürdig in Szene gesetzt. Hoffentlich wählt er in Zukunft seine Rollen weiterhin so aus und gibt sich selbst mehr Anspruch. Auch Heiner Lauterbach weiß zu überzeugen und seiner Erfahrung sei Dank, driftet sein überheblicher Anwalt nicht ins Overacting ab. Dass Caspar ihm erst vertraut, ist nachvollziehbar. Auch an ihm hätte der Film dann scheitern können, wenn der Zuschauer gerade gegen Ende kein Verständnis hätte, aber die Figur ist keine Karikatur von einem bösen Anwalt und das ist auch gut so. Alexandra Maria Lara ist ebenfalls in ihrer Rolle als traumatisierte Tochter von einem ermordeten Vater gut. Auch den inneren Kampf den Verteidiger des Mörders zu lieben und zu hassen, spielt sie gut. Für die Wechselsprünge am Anfang des Films, dafür kann ja nur das Drehbuch etwas und nicht ihr Spiel. Doch es gibt in diesem Film einen geheimen Star: Jannis Niewöhner! Dieser spielt erst sehr spät in diesem Film mit und hat ganz wenig Szenen. Diese Szenen brennen sich aber in das Gedächtnis ein und es ist nicht auszuschließen, dass diese Neuentdeckung noch größere Rollen annehmen wird. Hoffen wir es!

Fazit

Nach einem schleppenden und merkwürdigen Anfang, der durch einige merkwürdige Entscheidungen auffällt, erleben wir eine sehr kluge, spannende und kritische Mischung aus Drama und Thriller. Dazu wird gut er gespielt und – besonders wichtig – nicht kaputtgespielt von Elyas M’Barek, der mehr kann als wohl die meisten dachten. Mit seiner Starpower bleibt mir nur zu hoffen, dass dieser Film auch erfolgreich wird. Denn ich finde diesen Film am Ende sogar wichtig und der Zuschauer wird für den Anfang sehr gut entschädigt.