Mit Sherlock Holmes und Dr. Watson in die Welt des Hörspiels – Eine Verneigung vor Christian Rode und Peter Groeger

Mit Sherlock Holmes und Dr. Watson in die Welt des Hörspiels – Eine Verneigung vor Christian Rode und Peter Groeger

Schon immer war ich ein großer Freund elektronischer Medien. Vor dem Fernseher verbringe ich viel Zeit. Während früher fast ausschließlich die klassischen Fernsehsender konsumiert wurden, sind es heute vermehrt Streaming-Dienste wie Netflix oder gerne auch qualitativ hochwertige Ultra HD Blu-rays auf der Leinwand in meinem Heimkino. Faszinierende Bilder ziehen mich in ihren Bann. Es geht aber auch ohne optische Eindrücke – wenn Musik nach meinem Geschmack läuft, schlägt mein Herz höher. Und dennoch gibt es eine Unterhaltungsform, die ich für viele Jahre fast vollständig vergessen hatte: Hörspiele! Lasst mich euch jetzt berichten, wie der legendäre „Consulting Detective“ aus London und zwei außergewöhnliche Sprecher meine Leidenschaft für diese Form des Geschichtenerzählens neu entfacht haben.

Als Kind war es für mich das Normalste der Welt, mit den Geschichten von Benjamin Blümchen oder anderen typischen Kinder-Hörspielen ins Bett geschickt zu werden – natürlich abgespielt auf dem Kassettenrekorder. Später kamen auch spannendere Abenteuer wie „Die drei ???“ hinzu. Irgendwann verlor ich das Interesse daran und es schien für mich einfach unterbewusst eine Tatsache zu sein, dass Hörspiele etwas für Kinder seien. Für viele Jahre, sogar fast Jahrzehnte, verschwendete ich keine großen Gedanken an Hörspiele, bis zwei Dinge mich wieder daran erinnerten: Zum einen erhielt der Fortschritt auch in meiner Wohnung Einzug. Nach und nach stattete ich immer mehr Zimmer mit Multiroom-Lautsprechern der Marke HEOS aus. Gefüttert von Streaming-Diensten wie Spotify waren nicht nur Musik, sondern auch einige Hörspiel-Serien immer und überall verfügbar. Zum anderen entfachte die britische Fernsehserie „Sherlock“ eine neue Begeisterung für die von Sir Arthur Conan Doyle erschaffene Romanfigur Sherlock Holmes.

 

Der komplette Holmes-Kanon als Hörbuch

Da die Serie mit Sherlock-Darsteller Benedict Cumberbatch allerdings nicht mit wahnsinnig vielen Folgen dienen kann, suchte ich nach weiteren Möglichkeiten meinen Hype zu bedienen. Und so stieß ich schließlich auf die Hörspiele, die mich sofort in ihren Bann ziehen konnten. Es gibt nicht wenige Fans von Sherlock Holmes und entsprechend finden sich nicht nur in Film und Fernsehen, sondern auch im Bereich Hörbuch und Hörspiel zahlreiche Umsetzungen des Stoffs. Herausstechend ist allerdings die Hörspiel-Serie „Sherlock Holmes – Die Originale“, die unter dem Namen „Sherlock Holmes – Die alten Fälle (Reloaded)“ mit überarbeitetem Sound und neuer Musikuntermalung erneut veröffentlicht wurde. Dieses ambitionierte Projekt schaffte es erstmals, den gesamten Kanon der Original-Werke von Sir Arthur Conan Doyle zu vertonen. Die von Maritim in den Jahren 2003-2011 produzierte Serie beinhaltet also Umsetzungen der vier Romane „Eine Studie in Scharlachrot“, „Das Zeichen der Vier“, „Der Hund von Baskerville“ und „Das Tal der Angst“ sowie 56 weiterer Kurzgeschichten mit Holmes und Watson.

Die Idee, das komplette Holmes-Werk wie in Kindheitstagen vor dem Einschlafen zu hören, faszinierte mich und hat dafür gesorgt, dass ich bis heute fast täglich verschiedene Hörspiele an meine Ohren lasse, auch wenn ich die Holmes-Serie schon längst durchgehört habe. Doch ich wäre wohl nicht bei diesem Hobby hängengeblieben, wenn mich „Die Originale“ nicht so nachhaltig begeistert hätten. Das lag aber nicht nur an den Geschichten selbst. Sicher sind viele von ihnen sehr unterhaltsam, aber nicht jeder Fall ist wirklich genial. Zur Begeisterung trugen in erster Linie die beiden Sprecher bei, die Holmes und Watson hier zum Leben erweckten: Christian Rode und Peter Groeger!

Alle Romane und Kurzgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle wurden in “Die Originale” bzw. “Die alten Fälle (Reloaded)” vertont.

Wie so viele Sprecher waren auch diese beiden Schauspieler. Ihre Stimmen sind uns schon an verschiedenen Stellen begegnet. Christian Rode, der dem Meisterdetektiv Sherlock Holmes seine Stimme verlieh, spielte in diversen Theater-, Film- und Fernsehprojekten mit, unter anderem war er auch im Tatort zu sehen. Zudem war er in über 600 Filmen als Synchronsprecher zu hören, beispielsweise als deutsche Stimme von Michael Caine, Christopher Lee oder Bert aus der Sesamstraße. Einen Kult-Status erlangte er auch unter He-Man-Fans durch seine Rolle als Beast Man im Hörspiel „Masters of the Universe“. Unter den unzähligen Projekten, mit denen Christian Rode uns beglückte, wirkt sein Auftreten als Sherlock Holmes fast wie eine kleine Randnotiz. Trotzdem konnte es mich – und da bin ich bei Weitem nicht der Einzige – voll überzeugen. Neben Basil Rathbone und seinen fast schon historischen Darstellungen sowie Benedict Cumberbatch mit seiner entstaubten Variante, ist auch Christian Rode dank seiner einzigartigen Stimme für mich untrennbar mit Doyles Meisterdetektiv verbunden.

Zuletzt gibt es noch den dritten Pfeiler, der neben den Holmes-Geschichten und Rodes Interpretation von Holmes dafür sorgt, dass die Hörspiel-Serie von Maritim aus der Masse heraussticht: Peter Groeger als Dr. John Watson! Wie Rode hat auch er sich direkt in das Herz der Fans gesprochen, und auch ich kann mir Rode ohne Groeger ebenso wenig vorstellen wie Holmes ohne Watson. Ähnlich wie Rode war er als Schauspieler in Theater- und Fernsehproduktionen sowie als Synchronsprecher bekannt. Er war in mehreren Folgen von Polizeiruf 110 zu sehen und synchronisierte den Barkeeper Quark in der TV-Serie Star Trek: Deep Space Nine, um nur wenige Beispiele seiner langen Karriere herauszugreifen. Seine angenehme, freundliche Stimme steht dem Charakter des Assistenten und Freundes von Holmes sehr gut und ergänzt den sehr intelligenten, geradezu allwissenden Klang von Rodes Holmes in nahezu perfekter Harmonie.

 

Groeger und Rode – ein begeisterndes Duo

Dieses Duo hat sich gefunden und schnell eine große Anhängerschaft gewonnen, sodass ihre Holmes-Serie zu einer der beliebtesten in der deutschsprachigen Hörspiel-Szene geworden ist. Auch sie selbst hatten offensichtlich viel Spaß an den Rollen und ihrer Zusammenarbeit. Das ist nicht nur aus Interviews herauszulesen, die sie während ihrer Holmes-Jahre gegeben haben, man kann es auch regelrecht hören, dass diese Hörspiele nicht nur ein unbedeutender Job für sie waren. Beide sprachen ihre Parts auch grundsätzlich zusammen ein, obwohl das in modernen Hörspiel-Produktionen aus der Mode gekommen ist. Heutzutage werden viele Parts individuell eingesprochen und dann am Computer zusammengeschnitten. Doch Groeger und Rode gab es immer im Team.

Den ultimativen Beweis, dass Holmes und Watson auch ihnen ans Herz gewachsen waren, durften wir erleben, nachdem alle Original-Fälle fertiggestellt waren. An dieser Stelle sollte nämlich noch lange nicht Schluss sein und man beschloss, die Serie durch Pastiche-Produktionen zu verlängern. Das bedeutet, dass man nun nicht mehr auf die Werke von Doyle zurückgreifen konnte, sondern stattdessen andere Autoren damit beauftragte, weitere Holmes-Geschichten zu schreiben. So wurden in den Jahren 2013 und 2014 fünf weitere Fälle veröffentlicht, die mit dem alten Team produziert wurden und sich recht nahtlos an die Doyle-Geschichten anschlossen.

In “Die neuen Fälle” liefern uns Rode und Groeger als Holmes und Watson neue Geschichten von verschiedenen Autoren.

Obwohl die Holmes-Serie aus dem Hause Maritim damit ihr Ende erreicht hatte, ging es für die Fans nahezu unverändert weiter. Produziert von Romantruhe Audio & All Score Media wurde eine neue Serie ins Leben gerufen, die in vielerlei Hinsicht mit den alten Werken vergleichbar ist. Sie beinhaltet ausschließlich neue Geschichten, was sich auch in ihrem Namen wiederspiegelt: „Sherlock Holmes – Die neuen Fälle“. Das Wichtigste daran war, dass auch das Erfolgs-Duo Groeger & Rode verpflichtet werden konnte. Wie schon bei den alten Fällen gibt es einige Highlights und auch mal durchschnittlichere Folgen zu hören, aber insgesamt werden die Fans – besonders dank der charismatischen Sprecher – immer wieder auf hohem Niveau unterhalten. Obwohl ich seit der neuen Entdeckung der Hörspielwelt schon unzählige Abende mit den beiden verschönert habe, hat sich das Ganze für mich nie abgenutzt und immer wieder blickte ich mit großer Vorfreude auf den nächsten Fall.

Leider gibt es einen Gegner, den nicht einmal Sherlock Holmes mit seinen brillanten Deduktionen besiegen kann: den Tod. Im Januar 2018 verstarb Peter Groeger im Alter von 84 Jahren. Nur kurze Zeit später folgte ihm Christian Rode. Im Februar 2018 starb der 81-Jährige in Berlin. Die Welt verlor damit zwei herausragende Schauspieler, die mit ihren Stimmen auch ganz großartige Hörspiele geschaffen haben. Ein kleines Trostpflaster gab es aber für die Fans: Die beiden hatten vor ihrem Tod noch einige weitere Holmes-Hörspiele eingesprochen. Bis heute sind 39 Ausgaben der neuen Fälle veröffentlicht worden. Weitere werden im Jahr 2019 folgen und wahrscheinlich noch darüber hinaus. Wie viele Fälle genau Romantruhe noch in der Hinterhand hat, ist aktuell nicht bekannt, aber zumindest bis zum Fall Nummer 47 sind bereits konkrete Ankündigungen zu finden. So werde ich zukünftig auch weiterhin verschiedenen Hörspiel-Produktionen lauschen, die mich auf Reisen oder zum Einschlafen unterhalten, aber jeder neue Holmes-Fall mit Christian Rode und Peter Groeger wird für mich persönlich ein besonderes Highlight sein.