Drifter Band 2: Die Wache – Unsere Comic-Rezension

Drifter Band 2: Die Wache – Unsere Comic-Rezension

Die Menschheit scheint sich in Drifter von Autor Ivan Brandon und Zeichner Nic Klein im gesamten Universum ausgebreitet zu haben, zumindest findet sich auch auf dem Planeten Ouro menschliches Leben. Ouro ist durch eine karge Wüstenlandschaft gekennzeichnet und eher eine Bleibe für gestrandete Existenzen und Überbleibsel der Zivilisation. Auf diesen Planeten stürzt der Pilot Abram Pollux mit einer Bruchlandung ab. Kurz nach der Bruchlandung verliert er das Bewusstsein. Nach drei Tagen wacht er wieder auf, versorgt wurde er von der Ärztin Lee Carter, die ihm auch ein wenig mehr über den Planeten und dessen Bewohner verrät. Doch sind wirklich nur 3 Tage vergangen? Warum sieht das Raumschiff von Pollux dann aus, als läge es schon seit Jahren an der Absturzstelle? Was hat es mit den anderen Bewohnern auf Ouro, den Wheelern, auf sich?

Im Verlauf des ersten Bandes lernen wir noch weitere gestrandete menschliche Persönlichkeiten kennen, aber auch eine ominöse Schattengestalt im Dunkeln, die immer mal wieder zu den menschlichen Wesen auf Ouro Kontakt aufnimmt und mit den Wheelern in Zusammenhang zu stehen scheint. Vielleicht einer ihrer Anführer? Fakt ist, dass sich tief unter der Planetenoberfläche eine Energiequelle befindet, die für die Bewohner und die hier gestrandeten Seelen eine enorme Anziehungskraft besitzt. Für die menschliche Seite bedeutet diese Energiequelle auch das Überleben, speist diese auch das kleine Dorf, in dem sich die menschlichen Bewohner irgendwie am Leben halten. Dabei sind Konflikte natürlich vorprogrammiert, scheinen doch nicht alle Bewohner nur Gutes im Schilde zu führen.

Welche Absichten verfolgt die Gestalt im Dunkeln? © Cross Cult

 

In Band 1 kommt es auch zu einem solchen Zwischenfall zwischen Wheelern und Menschen, der nicht ohne Verluste bleibt. Weiterhin treibt ein zwielichtiger Prediger sein Unwesen in der Siedlung, der anscheinend auch über Leichen geht. Was dahinter steckt, erfahren wir zunächst ebenfalls nicht. Dann wäre da noch der Mann, der unseren Protagonisten Abram Pollux direkt nach seiner Ankunft in den Rücken geschossen hat. Es wird nicht ganz klar, was dieser Emmerich genannte Mann für eine Rolle spielt, hält er sich doch meist außerhalb der Siedlung auf und führt ein Einsiedlerdasein.

Der zweite Band von Drifter erzählt die Geschichte nahtlos weiter, der Priester ist tot und wird von den Wheelern abgeholt und weggebracht. Zuvor hatte der „Vater“ den Hilfssheriff der Siedlung getötet und erfuhr nun dafür Vergeltung. Doch ein neuer Hilfssheriff wurde bereits von dem „Mann im Dunkeln“ eingesetzt, was nicht bei allen auf Zustimmung trifft. Doch die Ressourcen werden knapp und es werden Ersatzteile benötigt, um die Siedlung am Laufen zu halten. Diese Ersatzteile glauben die Menschen an einem weit entfernten Ort zu finden, jenseits dessen, was sie als sichere Umgebung kennengelernt haben. Also macht sich eine Expedition auf, diese „andere Seite“ zu erkunden und dort nach Ersatzteilen zu suchen. Dabei spielen die unterschiedlichen Charaktere innerhalb der Expeditionsgruppe natürlich auch eine Rolle, schließlich sind nicht alle Absichten immer offensichtlich und jeder ist auf sich allein gestellt.

 

Eine Reise ins Ungewisse? © Cross Cult

 

Drifter nimmt sich auch im zweiten Band gesellschaftliche Entwicklungen und Gruppendynamiken vor. Es ist nicht leicht die Geschehnisse in Drifter zu beschreiben, weswegen ich die Ereignisse zum einen nur angerissen habe und zum anderen sehr oberflächlich dabei geblieben bin. Das ist nicht unbedingt als negativ zu werten, jedoch wirft Drifter in den ersten beiden Büchern oftmals mehr Fragen auf, als beantwortet werden. Dies zieht sich auch im 3. Band größtenteils weiter durch, den ich privat schon gelesen habe, und wird anscheinend erst im Abschlussband aufgelöst. Das macht es für den Rezensenten schwierig zu beurteilen, wohin die Geschichte sich entwickelt, oder worauf bereits jetzt ein Augenmerk der Macher gelegt wurde, wenn man die Auflösung nicht kennt (Band 4 habe ich bisher nicht gelesen). Das eröffnet dabei allerdings auch die Frage nach Sinn und Zweck der Rezension eines Einzelbandes auf, schließlich kenne ich den Gesamtkontext noch nicht. Ich kann also nicht wirklich beurteilen, ob sich die Lektüre des Drifter-Gesamtwerkes insgesamt lohnt, Band 4 kann das Kartenhaus zum Einfallen bringen, oder auch die bisherigen Geschehnisse in ein völlig neues Licht stellen.

Dennoch kann ich versuchen zu beschreiben, was den geneigten Leser dieser Rezension erwartet und klarmachen, dass die Geschichte in der vorliegenden Form keinesfalls abgeschlossen ist, aber dennoch die beiden kommenden Bände schmackhaft macht. Ich bin generell ein optimistischer Mensch und glaube einfach mal dem Hörensagen, dass Drifter im Abschlussband erst in Gänze zur Geltung kommt. Aus diesem Grund möchte ich hier noch eine These meinerseits in den Raum stellen, die Leser des vollständigen Werkes vielleicht amüsieren wird (weil sie die Antwort kennen) und für Leser, die auf dem aktuellen Stand wie ich sind, eine Denkanregung darstellt, denn: Ich weiß es auch nicht besser.

Meine Vermutung ist, dass Emmerich und Pollux ein und dieselbe Person sind, lediglich in einer anderen Zeitebene oder Dimension.

 

Zwei Seiten einer Medaille? © Cross Cult

Fazit

Auch nach Abschluss des zweiten Bandes fühle ich mich als Leser weiter in die Welt von Drifter hineingezogen, kann aber nicht behaupten, den Kern der Geschichte bereits erfassen zu können. Von daher gilt mein Fazit zu Band 1 nahezu unverändert auch für Band 2. Der Leser wird zu einem großen Teil im Dunkeln gelassen, was es mit der Vergangenheit von Abram Pollux auf sich hat. Aber auch die Gegenwart auf Ouro lässt sich nicht immer präzise definieren, was wiederum an der gewählten Erzählweise von Drifter liegt. Autor Ivan Brandon erzählt die Ereignisse nicht chronologisch, sondern springt mittendrin immer mal in verschiedenen Zeitebenen umher. Hinzu kommen die gesellschaftlichen Abbildungen innerhalb der unterschiedlichen Gruppierungen, die eine gewisse Eigendynamik erhalten, aber ohne großen Kontext wiederum schwer zu fassen sind. Auf gut Deutsch, Band 2 von Drifter lässt mich weiter zappeln, gibt mir aber zu wenig an die Hand, als dass ich auf jeden Fall dranbleiben müsste. Vielleicht wurde hier auch schon etwas angedeutet, was sich dann im Abschlussband als großer Aha-Moment herauskristallisiert, dann hab ich das bisher nicht mitbekommen. Das gilt es dann aber auch zu kritisieren, denn ein Leser bleibt nicht immer so lange bei der Stange und besitzt nicht unbedingt den Willen wie ich, der sich mit dem Medium intensiver auseinandersetzen möchte. Gelegenheitslesern, die von der tollen visuellen Präsentation von Nic Klein angezogen wurden, kann ich beim besten Willen bis zum Ende des zweiten Bandes keine Empfehlung aussprechen. Leser, die der neunten Kunst so oder so verfallen sind, sollten sich Drifter dennoch ansehen und reinlesen, sie wissen ja nun was sie erwartet, wobei ich vom tatsächlichen Geschehen so gut wie gar nichts verraten habe.

Newsbild: © Cross Cult

 

Drifter Band 2: Die Wache ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-864256-88-2

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Deadly Class Band 2: Kinder ohne Heimat – Unsere Comic-Rezension

Deadly Class Band 2: Kinder ohne Heimat – Unsere Comic-Rezension

Deadly Class von Rick Remender ist in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angesiedelt und spielt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Im ersten Buch wird die Prämisse der Geschichte vorgestellt, die ich in meiner Rezension zum ersten Buch angerissen habe. Wer diese nicht lesen möchte – nur kurz: In Deadly Class werden Kinder und Jugendliche zu gefährlichen Assassinen ausgebildet. Marcus Lopez ist ein solcher Anwärter, er hat seine Eltern verloren und macht den amtierenden Präsidenten Ronald Reagan für seinen Verlust verantwortlich. Weil Reagan den psychiatrischen Heilanstalten der USA den Geldfluss abdrehte, wurden Hunderte psychisch kranke Menschen auf die Straßen entlassen, unter anderem die Frau, die aufgrund ihrer Schizophrenie stark selbstmordgefährdet war und sich von einer Brücke stürzte. Sie fiel auf die Eltern von Marcus, die beide sofort tot waren und ihn als Waisen zurückließen.

Das Leben meint es nicht gut mit Marcus und er flieht des Öfteren aus dem Waisenhaus. Die genauen Hintergründe werden im ersten Buch noch nicht erläutert. Er schlägt sich so durch, wird aber auch von der Polizei gesucht, einige Mitglieder der Akademie der tödlichen Künste kommen den Gesetzeshütern aber zuvor und schnappen sich Marcus. Zunächst findet sich Marcus in der Akademie nicht zurecht, merkt allerdings schnell, dass die anderen Mitglieder ähnliche Schicksale wie er mitbringen. Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass das nicht gut ausgehen kann und so kommt es gegen Ende des ersten Bandes zu einem ersten tödlichen Konflikt innerhalb der Gruppe.

 

Eine kurze Szene aus dem Alltagsleben in der Akademie. © Cross Cult

 

Deadly Class macht im zweiten Buch dort weiter, wo der erste Band aufhörte. Ein paar Monate sind seit den Ereignissen, die zum Tod eines Mitglieds der Gruppe führten, vergangen und wir werden in ein paar Panels auf den neuesten Stand gebracht. Marcus und Maria sind immer noch ein Paar, irgendwie. Maria scheint unter Depressionen zu leiden und nimmt sich den Verlust sehr zu Herzen. Marcus hat einen Job in einem lokalen Comic-Laden angenommen und verdient sich ein wenig Geld dazu. Ein anderes Mädchen namens Saya findet ebenfalls Gefallen an Marcus und verkompliziert die Beziehung zwischen ihm und Maria, erst recht als diese die Annäherungen von Saya bemerkt. Doch Marcus offenbart sich und seine Vergangenheit an Saya (und den Leser), indem er ihr sein Tagebuch gibt und sie die entsprechenden Eintragungen lesen lässt. Dadurch erfährt der Leser auch mehr über die letzten Tage von Marcus im Waisenhaus und dass er für den Niedergang dieses Waisenhauses verantwortlich ist. Dies erklärt auch die polizeiliche Suche im ersten Band und warum sich Marcus vor ihnen verstecken muss.

Die Konflikte innerhalb der Gruppe nehmen zu, aber auch außerhalb dieser Konflikte suchen sich die Mitglieder neue Herausforderungen und haben es auf eine andere Gruppe abgesehen, die sie für den Verlust von Chico verantwortlich machen. Es kommt zum Showdown beim Sturm auf das Hauptquartier der anderen Gruppierung und letztendlich zu der einen oder anderen Offenbarung, mit der weder die Protagonisten noch der Leser gerechnet haben.

 

Drogen spielen in Deadly Class immer eine Rolle. © Cross Cult

 

Bereits im ersten Band machten Autor Rick Remender und Zeichner Wes Craig klar, dass es sich hierbei um einen Comic für erwachsene Leser handelt, wurden doch gnadenlos Drogen konsumiert und explizite Gewaltdarstellungen eingebaut. Dies wird im vorliegenden Band mit dem Untertitel „Kinder ohne Heimat“ ungebrochen weitergeführt und ist in manchen Szenen schon starker Tobak. Allzu oft hatte ich den Eindruck, die Inszenierung legt es auf diese expliziten Darstellungen an und alle paar Seiten muss der Leser entweder mit einem Gewaltausbruch oder einer Drogenerfahrung daran erinnert werden, dass wir es hier mit einem Comic zu tun haben, der „edgy“ rüberkommt. Wer den Film Trainspotting gesehen hat, wird wissen, welche Szene ich im Speziellen meine.

Um das mal in ein Bild zu rücken, mir sind die expliziten Darstellungen innerhalb der bisherigen beiden Bücher zu viel. Nicht dass ich da zimperlich wäre, im Gegenteil, ich hab schon immer ein Faible für absurde Entwicklungen und schrecke auch vor expliziten Darstellungen in Comics oder Filmen nicht zurück. Mit meinen über 40 Lenzen ist mir ein explizit dargestellter Gewaltausbruch oder die Darstellung von Drogenkonsum und deren Auswirkung aber mittlerweile der Kontext wichtiger als noch vor 10 bis 20 Jahren. Hatte ich damals auch Spaß an Splatterfilmen, deren Prämisse es ist, den Zuschauern möglichst viel Blut und Gedärme zu präsentieren, sehe ich dies heute ein wenig anders. Es reicht mir nicht mehr nur die Splatterszenen zu schauen, wenn es im Kontext der Geschichte keinen Sinn ergibt. Ich liebe zum Beispiel aber „The Goon“ von Eric Powell, der auch nicht vor expliziten Geschehnissen Halt macht, das Ganze allerdings eher in ein fantastisches Setting packt.

 

Erste Beziehungen werden auf die Probe gestellt. © Cross Cult

 

Deadly Class ist dabei immer hart an der Grenze. Die Darstellungen passen natürlich zum Setting und auch innerhalb der Geschichte finden sie ihre Berechtigung, ich kann mich des Eindrucks aber nicht verwehren, dass sie nur zum Schock eingebaut wurden.

Meines Erachtens hat es Deadly Class nämlich eigentlich gar nicht nötig, da die Charaktere spannend genug sind und die Hintergrundgeschichte auch so fesseln kann. Auch wenn die ursprüngliche Prämisse mit der Akademie der tödlichen Künste im zweiten Band noch mehr in den Hintergrund rückt, sind abermals die Charaktere und das Setting gepaart mit der visuellen Gestaltung die Kernelemente der Erzählung. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir in den Folgebänden mal endlich tatsächlich auf eine Mission mitgenommen werden, so wie ich es mir vor der Lektüre des ersten Bandes vorgestellt hatte. Aber vielleicht war das auch nur meine Fantasie, die sich dort ausgemalt hatte, wovon ein Comic mit jungen ausgebildeten Assassinen handeln könnte.

 

Die Cover der Reihe sind in einem ähnlichem Schema gehalten und sind ansprechend gestaltet. © Cross Cult

Fazit

Remender und Craig nehmen auch im zweiten Band von Deadly Class kein Blatt vor den Mund. Die Atmosphäre aus dem ersten Band findet hier eine nahtlose Fortsetzung, optisch und erzählerisch ist das kohärent. Das Augenmerk liegt bei Remender aber mehr auf der charakterlichen Weiterentwicklung, als auf den Abenteuern der Jungassassinen innerhalb ihrer Ausbildung. Das sollte man sich klarmachen, ich als Leser hätte es aber durchaus interessant gefunden, die 80er Jahre zu erkunden, in denen ein Präsident der USA durch einen jugendlichen Assassinen ermordet wurde. Aber das liegt wohl eher an meiner Vorliebe für alternative Realitäten, die für das Medium Comic meines Erachtens wie geschaffen sind. Stattdessen werden wir Leser mehr in die „Coming of Age-Storyline“ von Marcus und seinen Mitstreitern gezogen, mit der ich mich aufgrund meines Alters weniger identifizieren kann, insbesondere wenn es Autor und Zeichner darauf anlegen, mich ja nicht vergessen zu lassen, dass Sex und Drogen in dem Alter eine gewichtige Rolle spielen. Ja, das tun sie durchaus, aber die Gefahr ist in meinen Augen auch gegeben, dass Deadly Class in die Oberflächlichkeit abrutscht und sich auf der Darstellung von Drogen- und Gewaltexzessen ausruht. Das wäre mir dann zu wenig und nach dem derzeitigen Stand würde ich die Reihe nicht weiterlesen. Wer sich von den oben beschriebenen Szenen nicht abschrecken lassen möchte, kann trotzdem gerne zu Deadly Class greifen, handwerklich ist der Comic ohne Wenn und Aber gut gemacht. Die Charakterentwicklung wird von Remender gut ausgearbeitet und das Artwork passt wie die Faust aufs 80er Jahre-Auge.

 

Deadly Class Band 2: Kinder ohne Heimat ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-959812-08-5

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Message Buch 1: Loading – Unsere Comic-Rezension

Message Buch 1: Loading – Unsere Comic-Rezension

Meine Sozialisation mit dem Genre der Science-Fiction erfolgte in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Verantwortlich dafür waren in der Regel englischsprachige Serien und Filme, die mein Verständnis von Science-Fiction prägten und auch bis heute immer wieder festigen dürfen. Dabei gibt es beispielsweise seit Jahrzehnten auch Science-Fiction in der Literatur von deutschen Autoren. Seit über 50 Jahren findet Perry Rhodan sowohl Leser als auch Autoren, die seine Abenteuer gebannt verfolgen. Es kann also kein Qualitätsmerkmal sein, wer sich die Geschichten ausdenkt bzw. wo diese Person herkommt. Gute und spannende Geschichten können überall entstehen und haben in unserer heutigen Zeit einfach schneller die Aufmerksamkeit, die ihnen auch zusteht. Damals konnte mich Science-Fiction aus Deutschland nicht begeistern, heute sehe ich dies viel gelassener und bin in diesem Bereich viel aufgeschlossener, aber warum auch nicht?

Dabei braucht es nicht viel, um ein Zukunftssetting zu inszenieren, zumindest im literarischen Bereich. Die Fantasie ist dort die Grenze. Sobald es jedoch visuell wird, gestaltet sich die Zukunft schon ein wenig schwieriger, kommen hier doch Mehrere Menschengruppen zusammen, um eine Vision auf die Leinwand, den TV-Bildschirm oder aber auch auf die Comicseiten zu bringen. Im Comic ist der Bereich der Science-Fiction schon seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in Bearbeitung, würde ich doch vom Grundsatz her auch Charaktere wie Superman in den Bereich von Science-Fiction Einordnen, tut er doch Dinge, die weder heute noch damals mit wissenschaftlicher Erkenntnis möglich sind.

 

Avarus bei der Verteidigung eines Generators.

 

Zur Sci-Fi gehörte mitunter aber auch immer ein wenig das Gefühl von „Pulp“, der niedere Bereich der Literatur, der Sich nur durch bahnbrechende Klassiker und Utopien sowie Dystopien im Lauf der Zeit halten konnte. Somit hatte ich wohl Glück, dass ich in einer aufregenden Zeit groß geworden bin, in der die Science-Fiction immer mehr an Bedeutung gewann, sicherlich sowohl in der Literatur als auch in Film und Fernsehen. Insgesamt ist das Genre aber sehr vielfältig und spricht immer wieder aktuelle Themen und Probleme an, die sich auch über Jahrzehnte immer wieder ihren Weg an die Öffentlichkeit bahnen. Das Thema der künstlichen Intelligenz ist ein solches Gebiet, mit dem sich bereits etliche Autoren und Künstler beschäftigt haben und was auch die kommenden Jahre und Jahrzehnte noch aktuell bleiben wird.

Künstliche Intelligenzen werden bereits heute in vielen Bereichen eingesetzt, warum nicht auch im Bereich zur Prävention der globalen Erwärmung? Genau dies machen sich Christin Wendt und Ronja Büscher in ihrem Debüt (Sic!) zur Grundlage ihrer Geschichte, die ca. 150 Jahre in der Zukunft, genauer gesagt im Jahr 2167 spielt. Es kam wie es kommen musste, die künstliche Intelligenz namens KIEM machte sich selbständig und sperrte die Menschen immer mehr aus ihrem System aus. Erst nach jahrelangen Bemühungen gelang es den Menschen mit vereinten Kräften KIEM zu deaktivieren, zumindest dachte das die Menschheit. Nun macht sie mit sogenannten Exekutoren (unterschiedlich große Maschinen) Jagd auf die Menschheit, um diese endgültig auszulöschen. Soweit die Vorgeschichte von Message auf den ersten beiden Seiten. Gleich zu Beginn sollte euch auch klar sein, dass die Geschichte innerhalb des ersten Bandes keine Auflösung erhalten wird, schließlich ist Message auf fünf Bücher ausgelegt, wobei der 2. Band im Frühjahr 2020 erscheinen soll.

Wir lernen den Soldat Avarus kennen, dessen Aufgabe es ist Generatoren vor dem Zugriff der Exekutoren zu schützen. Diese Generatoren sind in einem Verteidigungsnetz miteinander verbunden, werden Allerdings immer wieder von außen angegriffen. Diese Angriffe gehen von den Maschinen aus, die sich ebenfalls untereinander zu vernetzen scheinen und dadurch eine größere Gefahr darstellen. Die Hauptaufgabe von Avarus ist es daher das wichtige Verteidigungsnetz zu sichern. Würde dieses Netz zusammenbrechen, könnte KIEM ungehindert in die Systeme der letzten Zufluchtsorte der Menschheit eindringen. Jedoch verfolgt Avarus einen weiteren Plan, der mitunter im Kontrast zu den Befehlen steht, die er von der Homeland-Zentrale erhält. Der Leser erfährt von seinem Bruder Victor, der bei einem Angriff scheinbar ums Leben kam. Avarus erhält jedoch Hinweise darauf, dass sein Bruder noch leben könnte, und macht sich auf die Suche nach ihm.

 

In der Homeland Basis wird versucht Avarus aus der Ferne zu unterstützen. Doch Avarus ist geschickt darin, die Sensoren von Homeland zu umgehen.

Fazit

Message erschien bereits 2018 im Eigenverlag durch die beiden Künstlerinnen Cristin Wendt und Ronja Büscher. Bei Cross-Cult finden wir die Reihe nun in einem großformatigen Hardcover-Buch vor (Gung Ho wurde in derselben Form veröffentlicht), was der Optik sehr zugute kommt. Visuell könnte es daher gar nicht besser kommen, eine Umsetzung von Message kann ich mich persönlich nicht in einem kleineren Format vorstellen. Was Cristin Wendt hier präsentiert, ist schon atemberaubend und kommt auf den Großen Seiten so richtig gut rüber. Weiterhin löst sie sich von starren Panels und gestaltet die erzählte Geschichte insbesondere in den actionreichen Sequenzen, von denen es einige gibt, sehr dynamisch und übergreifend. Einfach toll zu verfolgen. Gepaart wird das Ganze mit einem modernen Look und detailreichen Bildern, die gelegentlich mit einigen Unschärfeeffekten digital nachbearbeitet wurden. Inhaltlich bringt der Auftaktband positioniert zunächst nur die wichtigsten Figuren in Stellung und liefert wesentliche Elemente der Grundhandlung. Das Science Fiction-Setting Entwickelt sich im Verlauf des ersten Bandes auch immer weiter in ein blutiges Szenario mit wenigen Horror-Elementen, weshalb der Leser gespannt sein darf, in welche Richtung sich die Geschichte noch entwickelt. Ich denke wir werden den Bruder von Avarus noch wiedersehen, aber mit Sicherheit sagen kann ich das natürlich nicht. Es bleibt spannend und unvorhersehbar. Unbedingte Kaufempfehlung!

 

Message Buch 1: Loading ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3959817103

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König Kohle – Unsere Graphic Novel-Rezension

König Kohle – Unsere Graphic Novel-Rezension

“König Kohle, der Alte, war eine fidele Arschfalte
Eine fidele Arschfalte, war König Kohle, der Alte
Er frug nach ´ner Pfeife, er frug nach ´nem Faden
Und zog sich zurück auf sein Klo zum Entladen
Ach, welch fidele Arschfalte war König Kohle, der Alte”

Wenn man diese Zeilen als Einstieg zur „Graphit Novel“ König Kohle liest, gehen im Kopf bereits einige Schubladen auf und die Erwartungshaltung mag sich in eine etwas derbere Richtung verschieben. Steht uns ein Gedichtband bevor? Werden wir Zeuge von infantilen und geschmacklosen Witzen? Mitnichten. Wobei schon der ein oder andere Furz im Buch entweicht, aber das stellt nicht das Thema des Buches dar. Doch was haben wir hier vor uns?

Angelehnt an die Naturalis historia, einer Enzyklopädie verfasst vom römischen Historiker und Schriftsteller Plinius so ungefähr 77 nach Christus, wo von den Ursprüngen der Malerei fabuliert wird, präsentiert sich König Kohle in einfachen Strichen. Wandmalerei an den Höhlenwänden, mit den Überresten des verbrannten Holzes gestaltet, faszinieren uns noch heute. Das dachte sich auch der Künstler Max aus Spanien, der mit König Kohle nun ein Buch vorlegt, das den einfachen Strich quasi zum Thema nimmt. Dabei nimmt er uns in mehreren kurzen Episoden mit auf die Abenteuer des mit einem schwarzen Körper ausgestatteten Protagonisten, der zu Beginn einen Faden aufnimmt.

Das lateinische Wort „filum“ bedeutet sowohl Faden als auch Umriss oder Profil, wie uns der Klappentext wissen lässt (und der Autor dieser Zeilen vor 25 Jahren bestimmt auch mal im Unterricht gelernt hat). Einen solchen Faden nimmt unser Protagonist zu Beginn des Buches auf und wickelt diesen zu einem Knäuel zusammen. Dabei zieht er am anderen Ende des Fadens, wodurch immer mehr eine Landschaft ins Bild gezogen wird, die den Beginn eines neuen Abschnittes im Buch markiert. Von einer klassischen Panelaufteilung muss sich der Leser, oder eher Betrachter, in diesem Buch sowieso verabschieden. Oftmals finden sich bis zu drei neue Bilder auf einer Buchseite, die von oben nach unten betrachtet die Geschichte fortlaufend darstellen. Zwischendurch erinnert diese Aufteilung durchaus auch mal an Zeitungsstrips, wo zwischen den einzelnen Bildern nicht immer allzu viel passiert. An anderer Stelle durchbricht Max dieses Muster und bindet auch Zeichnungen auf Doppelseiten mit in das Geschehen ein.

Inhaltlich bleiben ohne die vielen Worte – lediglich zum Schluss des Buches findet sich eine kurze Geschichte mit Text – natürlich so einige Interpretationsmöglichkeiten. Dadurch, dass sich alles ohne Dialog abspielt, wird der Leser gezwungen sich seine eigenen Gedanken zum Geschehen zu machen. Um nur mal ein paar Stichworte in den Interpretationsraum zu werfen, arbeitet Max meiner Ansicht nach Themen wie soziale Kontakte, Einsamkeit, Depression, Aktionismus, aber auch Kreativität und die Auseinandersetzung mit seinem inneren dunklen Ich in dieser Arbeit ab. Wie gesagt: Alles ist reine Interpretation und je nach Betrachter mitunter auch völlig Gegensätzlich zu verstehen, vielleicht sogar bis hin zu dem Fakt, in welcher Stimmung man sich das Buch zu Gemüte führt.

Schwarz-weiße Szenarien ziehen sich durch das Buch, Schraffuren lockern das Geschehen auf, bis hin zu detailreichen Zeichnungen.

Fazit

Es tut mir fast ein wenig leid, dass ich nicht so konkret auf die inhaltliche Gestaltung des Buches eingehen kann, ich würde dem Leser dieser Zeilen gerne mehr auf dem Weg geben. Das ist eventuell aber auch ein Teil des Ansatzes, den das Buch verfolgt, schließlich wird Kunst immer auf der Grundlage der eigenen Erfahrungen des jeweiligen Lesers betrachtet, interpretiert und konsumiert. Optisch mit Sicherheit ein Alleinstellungsmerkmal durch die scheinbar mit Kohle versetzten Striche, die uns in diesem hochwertig produzierten Buch fesseln, kann ich König Kohle nicht uneingeschränkt weiterempfehlen. Mich hat der Ansatz und die Simplizität (wohlgemerkt im Ansatz, nicht unbedingt in der Ausführung) fasziniert, weswegen ich neugierig auf das „Kohlemännchen“ war. Aus diesem Grund habt ihr König Kohle nach ca. 10 bis 15 Minuten bereits wieder aus der Hand gelegt, weil sich die Bilder so schnell anschauen lassen, doch wirkt das Gesehene im Leser noch nach. Das optimale Geschenk für Menschen, die sich mit Kunst auseinandersetzen und sich nicht scheuen, der graphischen Darstellung von Ideen und Ansätzen in dieser Form eine Chance zu geben. Für den klassischen Comic-Leser ist König Kohle jedoch nichts, aber für diese Leserschaft, zu der ich mich zum großen Teil auch zähle, gibt es ja genug anderweitiges Material. Ein Experiment für mich, was mich bereichert hat, aber nicht vollständig begeistern konnte.

 

König Kohle eine Graphit Novel ist erschienen im avant-verlag – 160 Seiten, schwarzweiß & vierfarbig, Hardcover
ISBN: 978-3-96445-012-8

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Cells at Work! Band 1 – Unsere Manga-Rezension

Cells at Work! Band 1 – Unsere Manga-Rezension

Mit “ganz schön blutig” lässt sich Cells at Work! wohl gut beschreiben, dreht sich der Manga doch um anthropomorphe Blutzellen im Inneren eines menschlichen Körpers. Der in Japan seit 2015 produzierte Titel von Akane Shimizu bekam aufgrund seiner Popularität 2018 eine 13-teilige Anime-Adaption spendiert. Seit April dieses Jahres wird der Manga außerdem auch hierzulande von Manga Cult publiziert.

Hauptprotagonisten der Geschichte sind das tollpatschige rote Blutkörperchen AE3803 sowie das kämpferische weiße Blutkörperchen U-1146, welche trotz der Geräumigkeit des menschlichen Körpers immer wieder gemeinsam in gefährliche Begebenheiten stolpern. So gilt es, sich gefährlichen Bakterien, gigantischen Pollenallergie-Erregern sowie sich schnell verbreitenden Viren entgegenzustellen. Während das rote Blutkörperchen eher auf den Transport spezialisiert ist, handelt es sich bei dem weißen Blutkörperchen um eine Kämpferzelle, die mithilfe ihres Rezeptors Gefahren aufspürt und vernichtet. Doch auch das weiße Blutkörperchen ist nicht allmächtig, zum Glück gibt es noch die vielen anderen Zellen im Körper, die mithelfen, das System in Gang zu halten.

 

Das neutrophile weiße Blutkörperchen U-1146 ist ein echter Kämpfer und macht in den Körper eindringenden Bakterien schnell den Garaus.

 

Während die Geschichte stark an das Urgestein “Es war einmal … das Leben” aus dem Jahre 1987 erinnert, setzt Cells at Work! wesentlich mehr auf Action als auf die genaue Erläuterung der Abläufe. Zwar werden immer mal wieder kurze Erklärungen der Begrifflichkeiten gebracht, durch die Abstraktion des menschlichen Körpers in Form von verzweigten Bäumen und Hochhäusern lassen sich diese aber eher schwer in Verbindung setzen. Auch setzt die Geschichte ein gewisses Grundwissen voraus, Begriffe wie Erythrozyt und neutrophil werden beispielsweise häufig verwendet aber nicht genauer erklärt. Gerade als Laie wird man außerdem häufig über die doch recht komplexen Schreibweisen der Protagonisten stolpern. So bekommt man es im Laufe der Geschichte beispielsweise mit dem eosinophilen Granulozyt, der dendritischen Zelle oder auch Endothelzellen zu tun.

Etwas missfallen hat mir außerdem die deutsche Übersetzung, die doch stark umgangssprachlich formuliert wurde. Ausrufe wie “Die tragen ganz schön dick auf!” und “Mist, jetzt haben wir den Salat!!” erinnern an Übersetzungsprodukte der Marke Moyse (ehemaliger Übersetzer bei Nintendo) und lassen die zwar humoristisch angehauchte aber doch recht ernst geschriebene Geschichte unweigerlich ins Komödiantische abdriften. Auch Smalltalk zwischen den Figuren klingt oft recht hölzern und zusammenhanglos.

Der Zeichenstil ist gerade bei den Hintergründen und in Actionszenen detailreich und weiß Stimmung gut zu inszenieren. Außerdem kommt der Manga mit vier Farbseiten daher, die alle Protagonisten in Farbe abbilden. Umso bedauernswerter ist es, dass die äußere Buchgestaltung sowohl vorne als auch hinten und an der Seite von der gleichen Illustration geziert wird, was die Gestaltung etwas lieblos wirken lässt.

 

Das Cover von Cells at Work! ziert das ungleiche Pärchen aus roter und weißer Blutzelle, die sich im menschlichen Körper zusammen allerhand Gefahren entgegen stellen müssen.

Fazit

Cells at Work! ist eine interessante Geschichte über den menschlichen Körper, die noch dazu Wissen vermitteln will, dabei jedoch das ein oder andere Mal über das Ziel hinaus schießt. Die liebenswert gestalteten Charaktere geben dem Leser einen ganz neuen Blickwinkel auf die Vorgänge im menschlichen Körper, ohne diese allzu sehr zu verkomplizieren. Die actionlastige Erzählweise sowie die im Kampf doch recht häufig auftretenden Blutfontänen lassen den Titel eher in die Shonen-Rubrik rutschen, durch die slapstickartige Erzählweise kommen jedoch auch Genreneulinge auf ihre Kosten. Alles in allem hat mich die Geschichte um das rote und das weiße Blutkörperchen trotz einiger Makel gut unterhalten und ich bin gespannt, welchen Gefahren sie sich im zweiten Band stellen müssen.

Diese Besprechung wurde von Lisa Zahn verfasst.

 

Cells at Work! Band 1 ist erschienen bei Manga Cult ISBN: 978-3-964331-28-1

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Drifter Band 1: Crash – Unsere Comic-Rezension

Drifter Band 1: Crash – Unsere Comic-Rezension

Ja, ich weiß, ich bin spät dran. Aber es gab immer etwas anderes zu spielen, zu schauen oder zu lesen. Das soll auch keine Ausrede sein, aber ihr kennt das Gefühl sicher, oder? Man bewegt sich seit Jahren immer mal wieder in einem bestimmten Unterhaltungsmedium, sei es Film, Serie, Videospiel oder eben Comic, und man schippert immer wieder um ein bestimmtes Highlight herum. Das muss gar nicht mal mit Absicht sein, es passiert einfach ohne weiteres Zutun. Mal ist man knapp bei Kasse, mal ist der Lesestapel schon so hoch, dass ein weiterer Comic eher eine Ehekrise auslöst, als dass man es riskieren möchte noch mehr zu kaufen. Nun darf ich Drifter Band 1 – Crash für playto rezensieren und möchte euch bereits hier eine Empfehlung aussprechen.

Doch dazu muss ich weiter vorne ausholen. Drifter huschte im Lauf der Jahre immer mal wieder über meinen Bildschirm, vor Ewigkeiten noch als englische Hefte im amerikanischen Raum als Veröffentlichung bei Image Comics. Dann bekam ich Nebenbei mit, dass Drifter bei einem meiner Lieblingsverlage in Deutschland eine hiesige Veröffentlichung im Hardcover spendiert bekam. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit Comics und Graphic Novels aber nicht viel am Hut, weswegen ich da auch nicht zugriff. Nun stellt sich heraus, dass Drifter von Nic Klein gezeichnet wurde. Auch wenn Nic Klein in Kassel lebt und arbeitet, merkt man das selbstverständlich seinem Wirken nicht an. Entschuldigung an Kassel, aber ich darf das, ich wohne auch dort. (Klischeebemerkung: Check)

Der Zeitpunkt der Bruchlandung, optisch wird dem Absturz eine komplette Seite zur Verfügung gestellt.

 

Im Gegenteil, Klein hat als einer der wenigen (der einzige?) deutschen Zeichner bereits mit großen Namen in der Branche wie Rick Remender oder Jason Aaron zusammengearbeitet und sowohl für Marvel als auch DC gezeichnet. Bei Image Comics konnte er eine seiner ersten eigenen Serien in Form von „Viking“ umsetzen (auf Deutsch ebenfalls bei Cross Cult verfügbar). Genau diese Zusammenarbeit mit Autor Ivan Brandon führte dann zum vorliegenden Drifter, der mit 4 Hardcover-Bänden bei Cross Cult vollständig vorliegt. Brandon machte sich vor Viking ebenfalls einen Namen, als er unter anderem für DC mit am Aftermath zur Final Crisis mitschrieb oder für Marvel an Deadpool oder den X-Men beteiligt war.

Doch worum geht es in Drifter denn eigentlich? Die Menschheit scheint sich im gesamten Universum ausgebreitet zu haben, zumindest findet sich auch auf dem Planeten Ouro menschliches Leben. Ouro ist durch eine karge Wüstenlandschaft gekennzeichnet und eher eine Bleibe für gestrandete Existenzen und Überbleibsel der Zivilisation. Auf diesen Planeten stürzt der Pilot Abram Pollux mit einer Bruchlandung ab. Kurz nach der Bruchlandung, die er knapp überlebt, wird er von einem maskierten Wanderer in den Rücken geschossen und verliert wiederum das Bewusstsein. Zuvor hatte Pollux noch eine Begegnung mit einer der ansässigen außerirdischen Spezies, es wird nicht seine letzte bleiben. Nach drei Tagen wacht er wieder auf, versorgt wurde er von der Ärztin Lee Carter, die ihm auch ein wenig mehr über den Planeten und dessen Bewohner verrät. Doch sind wirklich nur 3 Tage vergangen? Warum sieht das Raumschiff von Pollux dann aus, als läge es schon seit Jahren an der Absturzstelle? Drifter wirft im hier vorliegenden Band selbstverständlich zunächst ein paar Fragen auf und liefert weniger Antworten, was dann wohl den weiteren Bänden vorbehalten bleibt.

Im Verlauf des ersten Bandes lernen wir noch weitere gestrandete Persönlichkeiten kennen, wie Della und Chuck, die die einzige Energiequelle des Planeten abbauen. Diese Energiequelle befindet sich tief unter der Oberfläche des Planeten und muss unter Lebensgefahr abgebaut werden, zieht sie doch auch andere Lebensformen an, die für die Menschen eine Gefahr darstellen. Im Verlauf des ersten Bandes kommt es auch zu einem solchen Zwischenfall, der nicht ohne Verluste bleibt. Weiterhin treibt ein zwielichtiger Prediger sein Unwesen in der Siedlung, der anscheinend auch über Leichen geht. Was dahinter steckt, erfahren wir zunächst ebenfalls nicht. Gepaart mit dem mysteriösen Mann vom Beginn, der Pollux niedergeschossen hat, entwickelt sich ein Geflecht aus Beziehungen, die für den Leser nicht vollends zu deuten sind. Zum Abschluss von „Crash“, wie der erste Band genannt wurde, findet Pollux sein eigenes Grab an einem improvisierten Friedhof in der Nähe der Siedlung vor.

 

Eine Szenerie von der Siedlung, in der sich allerlei gestrandete Existenzen aufhalten.

Fazit

Drifter startet stark in die erste Runde. Der Leser wird zu einem großen Teil im Dunkeln gelassen, was es mit der Vergangenheit von Abram Pollux auf sich hat. Aber auch die Gegenwart auf Ouro lässt sich nicht immer präzise definieren, was wiederum an der gewählten Erzählweise von Drifter liegt. Autor Ivan Brandon erzählt die Ereignisse nicht chronologisch, sondern springt mittendrin immer mal in verschiedenen Zeitebenen umher. Das macht das Lesen nicht einfacher, zumal wir als Leser ebenso wie Abram Pollux neu auf Ouro sind und die Welt mit seinen Augen kennenlernen. Auf diese Weise bleibt es aber auch spannend und ich habe nicht das Gefühl sagen zu können, wie Drifter in den weiteren 3 Bänden weitergeht, geschweige denn in Band 2. Optisch brennt Klein hier wie bereits oben geschrieben ein Feuerwerk an Farben und Figuren ab. Er und Brandon können hier aus dem Vollen schöpfen, schließlich befinden wir uns auf einem fremden Planeten – keine Vorgaben und keine Regeln, außer den selbst auferlegten. Das macht die Lektüre von Drifter so spannend und unvorhersehbar, ich bin gespannt wie es weitergeht.

 

Drifter Band 1: Crash ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-86425-678-3

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