Lincoln Band 2: Der in den Wind spricht – Unsere Comic-Rezension

Lincoln Band 2: Der in den Wind spricht – Unsere Comic-Rezension

Zum Ende des letzten Buches bekam Lincoln ungewollt Unterstützung von ein paar halbstarken Jugendlichen, die sich ihm als Bande anschließen wollten. Zu Beginn dieses Bandes sehen wir die Bande direkt in Aktion, auch wenn das Zusammenspiel noch stark ausbaufähig ist. Dennoch streichen sie die eine oder andere Beute ein und kommen über die Runden. Wir erinnern uns: Lincoln war Gott begegnet und wurde von diesem in ein Gespräch verwickelt. Schließlich schenkte Gott Lincoln sogar die Unsterblichkeit, was dieser zunächst nicht wahrhaben wollte, dann aber doch einsehen musste. Nun findet er sich gemeinsam mit den drei Jungs und Gott in einer Bande wieder, die sich so durchschlägt. Aber auch der Teufel ist noch nicht ganz aus dem Spiel und scheint im Hintergrund etwas auszuhecken, auch wenn er selbst vorgibt, nur ein wenig Spaß haben zu wollen. Schließlich beschließt die Truppe in der nächsten Stadt ein wenig die Seele baumeln zu lassen und checkt in einem Hotel ein. In der Stadt besorgt Gott ein Automobil und gerade in dem Moment, als Gott von der Truppe eine Fotografie anfertigen möchte, explodiert im Hintergrund ein Gebäude und setzt damit die vorliegende Geschichte so richtig in Gang.

 

Die Mitglieder der neuen Bande sind noch sehr grün hinter den Ohren. © Schreiber & Leser

 

Lincoln zögert nicht lange und kann den vermeintlichen Täter an der nächsten Ecke ausfindig machen. Einer seiner Jungs schnappt sich den Indianer, doch Lincoln stellt ihn zur Rede. Der Indianer lädt die Gruppe zum Essen in sein Versteck ein, um die Hintergründe des Anschlags in Ruhe zu erläutern. Dort treffen sie auch auf den Vater des Indianers, der die Gruppe herzlich in seinem Tipi versorgt. Es stellt sich heraus, dass den Indianern in der Gegend eine Menge Geld für ihre Ländereien geboten wurde, dieses Geld aber nie ausgezahlt wurde. Dahinter steckt ein Mann namens Mr. Jefferson, der mit dem örtlichen Sheriff unter einer Decke steckt, weswegen den betrogenen Landbesitzern keine Chance auf ihr Geld in Aussicht steht. Aus diesem Grund griff der namenlose Indianer zum Äußersten und sprengte das Gebäude in die Luft, um ein Zeichen zu setzen. Von der Ungerechtigkeit inspiriert, legen sich die Jungspunde der Bande am nächsten Morgen auf eigene Faust mit Jefferson und dem Sheriff an, was zur Folge hat, dass der jüngere Indianer mit dem Leben bezahlen muss. Zurück bleibt sein Vater mit dem Namen „Der in den Wind spricht“ sowie ein griesgrämiger Lincoln, der das natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann. Mit ein wenig Trickserei und passendem Timing nimmt er sich des Sheriffs und Mr. Jefferson an. Doch welche Rolle spielt der Teufel dabei und wird es ein Happy End geben?

Im zweiten Band hat sich Lincoln bereits ein wenig mit seiner Unsterblichkeit auseinandergesetzt. Er setzt diese Tatsache zum einen für einen guten Zweck ein, indem er sich das Preisgeld beim Sheriff schnappt und die Bürger vor den Ganoven bewahrt. Andererseits haut er das erhaltene Preisgeld dann für Alkohol und Prostituierte sowie für Annehmlichkeiten für sich und seine Gang wieder raus. Infolgedessen kommt man nicht umhin zu erkennen, dass in Lincoln unter der Fassade des Flunsch-tragenden Mannes ein Gewissen lauert, was sich ab und zu an die Oberfläche arbeitet. Er besitzt schon ein Gerechtigkeitsgefühl, nur ist es ihm oftmals einfach egal, wenn es nicht ihn, sondern jemand anderes betrifft. Kann man es ihm verübeln, wo er doch all den anderen Menschen in seinem Leben herzlich gleichgültig ist? Jedoch sind ihm die Belange der Indianer nicht egal, dort setzt er sich für die Rechte ein und versucht die Dinge wieder gerade zu biegen, auch wenn das nicht in vollem Maße gelingen kann. Während dieses Abenteuers wird Lincoln aber auch immer wieder vom Teufel in Versuchung geführt. Wer kann schon mit Sicherheit sagen, ob nicht der Beelzebub schon mehr Einfluss auf Lincoln ausübt, als der Leser mitbekommt.

 

Lincoln trifft in diesem Band erstmals auf die amerikanischen Ureinwohner. © Schreiber & Leser

Fazit

Die Künstlerfamilie Jouvray fängt die Abenteuer von Lincoln erneut gekonnt ein und führt die Geschichte souverän weiter. Auch wenn ich noch nicht genau sagen kann, in welche Richtung sich die Erzählung entwickeln wird, so springt mir der Teufel doch immer mehr ins Blickfeld. Auch wenn er sich hier nicht in den Vordergrund drängelt, ahne ich bereits, dass er in den folgenden Bänden eine gewichtige Rolle spielen wird (Ok, er ist auch auf dem Cover von Band 3 zu sehen, Spoiler). Lincoln macht mir sowohl als Charakter als auch als Protagonist im Western-Setting immer noch unheimlich Spaß. Manches Mal könnte man sich von seiner „Scheißegal-Mentalität“ eine Scheibe abschneiden und die Dinge ein wenig gelassener sehen. Dies wäre ja grundsätzlich kein negativer Charakterzug. Solange eine gewisse Ernsthaftigkeit gewährleistet bleibt. Denn auch im zweiten Band gibt es durchaus philosophische Ansätze im Hintergrund, bei denen ich mich über und mit Lincoln prächtig amüsieren kann.

© Newsbild: Schreiber & Leser

Lincoln Band 2: Der in den Wind spricht ist erschienen bei Schreiber & Leser – ISBN: 978-3-946337-69-0

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Moonshine Band 1: Familiengeheimnisse – Unsere Comic-Rezension

Moonshine Band 1: Familiengeheimnisse – Unsere Comic-Rezension

Wenn man sagt, du kannst mich mal im Mondschein besuchen, dann klingt das doch auf das erste Gehör fast schon romantisch, oder? Ich mein, wer möchte nicht in einer lauen Sommernacht mit seinem liebsten Menschen bei Mondschein und einem leckeren Glas Wein zusammensitzen? Gemeint ist bei der Redewendung allerdings eher das Gegenteil, weitere Bedeutungen des Wortes „Moonshine“ wollen wir uns im Zusammenhang mit dem bei Cross Cult erschienenen Hardcover-Buch von Brian Azzarello und Eduardo Risso im Detail ansehen.

Mit 100 Bullets haben sich Azzarello und Risso in der Szene bereits einen Namen gemacht, ähnlich zimperlich geht es auch in Moonshine nicht zu. Das verkünden bereits die 3 Silhouetten auf dem Cover, die 3 Männer zeigen, sowohl mit einem Gewehr, als auch mit Äxten bewaffnet. Auf der Rückseite des Buches zeichnet sich eine Werwolf-Silhouette vor dem weißen Mond ab, ob das auch etwas mit der Geschichte zu tun hat? Und ob, doch der Reihe nach.

 

Die Atmosphäre von Moonshine wird direkt zu Beginn hervorragend eingefangen und stimmt den Leser gut ein. © Cross Cult

 

Wir befinden uns im Jahr 1929, noch dazu in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn unsereins an diese Epoche denkt, kommt einem da fast automatisch die Zeit der Prohibition in den Kopf. Dieses Thema ist auch das Kernstück der Geschichte, natürlich geht es um Alkohol. Damals stand es unter Strafe Alkohol herzustellen und zu verkaufen. Aus der Pädagogik wissen wir jedoch, wenn etwas unter Strafe oder Verbot steht, ist es umso reizvoller sich diesem Verbot zu entziehen. Also wurde der Alkohol illegal gebrannt und hergestellt und selbstverständlich auch konsumiert. Da konnte eine Menge Geld mit verdient werden, was sich in der Unterwelt niemand zweimal sagen ließ. Doch der Nachschub war nicht immer gegeben, weswegen es wichtig und entscheidend war, die Zulieferkette nicht abreißen zu lassen. Neue Zulieferer waren daher immer gerne gesehen, insbesondere in den Städten floss der Alkohol in Strömen. Doch auch auf dem Land war man sich der Wichtigkeit des „Fusels“ bewusst und brannte auch dort was das Zeug hielt.

Die Unterweltbosse in den Städten waren also auch gezwungen, sich immer wieder nach neuen Quellen umzusehen. Von daher wurden auch immer wieder Laufburschen ausgesandt, um neue Zulieferer und Brenner ausfindig zu machen. Ein solcher Laufbursche ist unser Protagonist Lou Pirlo, der für seinen Boss Joe Masseria in die Umgebungen aufbricht, um dort neue Verträge zu schließen. Es sollte klar sein, dass die Verträge zugunsten von Masseria geschlossen werden sollen, das klappt jedoch nicht immer. Da muss Lou dann einfach nachhelfen und Überzeugungsarbeit leisten. Nun wird es von seinem Boss nach Virginia geschickt, genauer gesagt oben in den „verfickten Bergen“, um dort mit Hilram Holt einen Vertrag abzuschließen. Sein Alkohol soll der beste Stoff sein, den Boss Masseria auf jeden Fall für seine Kunden anbieten möchte. Dabei wird Pirlo freie Hand gelassen, wie er an den Vertrag herankommt.

 

Lou Pirlo erhält einen neuen Auftrag, sollte doch ein Kindespiel werden, oder? © Cross Cult

 

Vor Ort in den Wäldern und Bergen von Virginia stellt der Hinterwäldler Hiram Holt für Pirlo doch eine größere Hürde dar als gedacht. Auch wenn es Pirlo die Tochter von Holt angetan hat, stehen sowohl Holt als auch seine Handlanger dem Vorhaben von Pirlo im Weg. Holt denkt nicht im Traum daran seinen Schnaps an andere Leute zu verkaufen und geht auch ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen, um sein Geschäft zu schützen. Zur selben Zeit befinden sich auch FBI-Agenten in den Wäldern, die die Machenschaften von Holt und seinen Handlangern stoppen wollen, dies aber schnell mit ihrem Leben bezahlen. Warum diese Agenten jedoch so zerstückelt aufgefunden werden und was sie so zerfleischt hat, ahnt Pirlo zu Beginn noch nicht. Erst nach und nach wird ihm klarer, dass Hiram Holt eventuell auch seine menschliche Gestalt eintauschen kann und dann zum Tier wird.

 

Wenn das Auto den Mann nicht umbringt, wird er dennoch nicht mehr lange zu leben haben. © Cross Cult

Fazit

Die Atmosphäre von Moonshine ist das Kernmerkmal des Comics. Unterstützt wird dies durch die Farbgebung, das unheimliche und durchaus blutige Artwork und die Bedrohlichkeit, die sich in der Geschichte andeutet. Ab der ersten Seite fühlt man sich in die Welt versetzt und spürt beim Lesen ein Unbehagen, was sich im Lauf der Geschichte des ersten Bandes auch nicht mehr ablegt. Jedoch wird vieles im ersten Band nur angedeutet, mit Traumsequenzen untermalt, als von Alkohol getränkte Wahrnehmung von Lou Pirlo dargestellt. Ich konnte als Leser nicht immer genau sagen, was nun eine Halluzination oder was Realität sein soll. Auch die Motivationen der agierenden Figuren sind nicht immer eindeutig nachvollziehbar. Lou Pirlo reitet sich von einer beschissenen Situation in die nächste, was es als Leser schwer macht, sich mit ihm als Protagonisten zu identifizieren. Hilram Holt hat auch mehr als einmal die Möglichkeit sich Lou Pirlos zu entledigen, macht dies aber nicht, sehr wahrscheinlich, weil der Protagonist noch im zweiten Band gebraucht wird.

Überhaupt mischt Autor Brian Azzarello hier viele Figuren in die Geschichte, die nur einen kurzen Auftritt haben, dann aber schnell das Zeitliche segnen. Was gut funktioniert und das Buch ein wenig über das Mittelmaß hinaushebt, ist die Darstellung der ländlichen Gegend, mit all ihren Facetten. Die Hinterwäldler benehmen sich so, wie man es erwartet, die Landschaft ist dreckig und die Hitze spürbar. Voodoo oder andere Rituale finden Anwendung und über allem steht der Alkohol, der für viele blutige Situationen und Ableben sorgt. Atmosphärisch und optisch ein gelungenes Buch, die Geschichte droht bisher noch sich zu verrennen, man darf gespannt sein, ob und wie Azzarello im zweiten Band die Kurve noch bekommt.

 

Newsbild: © Cross Cult

Moonshine: Band Eins ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-959815-69-7

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Isola: Band Eins – Unsere Comic-Rezension

Isola: Band Eins – Unsere Comic-Rezension

Wir starten unsere Reise mitten in einem Regenschauer. Inmitten des Regens sehen wir eine Kriegerin neben einem sporadisch aufgestellten Zelt sitzen. In sich gekehrt und dennoch aufmerksam beobachtet diese Kriegerin das Lebewesen, das sich innerhalb des Zeltes befindet. Dort erkennen wir, dass es sich um keine menschliche Person handelt, sondern um einen Tiger, der dort in Ruhe schläft. Die Kriegerin, ihr Name ist Rook, wie wir später lernen werden, scheint aber eine besondere Beziehung zu dem Tier zu haben, schließlich deckt sie den Tiger mit einer Decke zu, damit dieser nicht friert. Plötzlich verlangt ein unbekanntes Geräusch ihre Aufmerksamkeit, dem sie zum Schutze des Tigers nachgeht, woraufhin sie auf einen mysteriösen Fuchs trifft. Die ganze Szenerie ist in bläulichem und grünlichem Dunkel gehalten, überhaupt trägt die Farbgebung der Hintergründe und Tageszeiten viel zur Atmosphäre und der Geschichte bei. Rook folgt dem Fuchs auf eine Lichtung, auf der sie mit Schrecken auf den von Pfeilen durchbohrten Tiger trifft, der soeben noch im Zelt schlief. Nachdem sich herausgestellt hat, dass es sich nur um eine Halluzination gehandelt hat, folgen wir dem ungleichen Duo am nächsten Morgen weiter auf ihrem Abenteuer.

 

Schnell wird bei Isola auf den ersten Seiten klar, dass die Farbgebung eine große Rolle spielt. © Cross Cult

 

Isola erzählt eine Abenteuerreise, wir begleiten Captain Rook und den Tiger Olwyn auf der Reise zur Insel Isola. Der Tiger ist jedoch nicht bloß ein Tier, bei ihm handelt es sich um die Königin von Maar, einem der Königreiche des Landes. Damit die Königin wieder von einem stummen Tiger zu einem Menschen werden kann, muss Captain Rook, Anführerin der königlichen Leibgarde, Königin Olwyn zur sagenumwobenen Insel Isola bringen. Auf dem Weg dorthin lauern allerdings viele Gefahren, zum einen haben sich einige diebische Jäger der Clans an ihre Fersen geheftet, zum anderen stoßen die beiden ungleichen Gefährten auf ihrer Reise auch auf mysteriöse Wesen. Diese Wesen haben auch nicht nur Gutes im Sinn, des Öfteren trachten sie nach dem Leben von Königin Olwyn. Aber es gibt auch Unterstützung auf ihrem Weg nach Isola, wenn auch für den Leser eher kryptischer Natur, da nicht immer klar wird, ob es sich bei den Helfern nicht doch auch um Lebewesen handelt, die ihre eigenen Absichten verfolgen.

 

Die Tierwelt und auch die einige mythische Kreaturen sind essenzieller Bestandteil der Geschichte. © Cross Cult

 

Wir lernen auch, dass es zwischen Olwyn und Rook eine etwas innigere Beziehung geben muss, wie innig wird nicht vollständig klar. Fest steht, Rook verteidigte ihre Königin mit ihrem Leben, wenn es darauf ankäme. Weiterhin sehen wir die Hintergründe, wie es zur Verwandlung der Königin in einen Tiger kam und welche Rolle der Bruder der Königin dabei spielt. In einer Auseinandersetzung tötet Captain Rook den Bruder der Königin, kann aber die Verwandlung nicht stoppen, geschweige denn rückgängig machen. Im Hintergrund spielt auch die Politik noch eine Rolle in der Geschichte, auch wenn die genauen Beziehungen der einzelnen Königreiche nicht offengelegt werden. Wir erfahren nur, dass ein Krieg auszubrechen droht, sollten Rook und Olwyn ihren Weg nach Isola nicht vollziehen können. Im ersten Band ist der Weg das Ziel, um uns Leser in die Welt von Isola einzuführen. Es werden eine Menge Beziehungen und Situationen aus der Gegenwart der Reise, aber auch der Vergangenheit gezeigt, ganz durchschauen tun wir das als Leser aber noch nicht. Einiges bleibt davon gewollt im diffusen Bereich und wird in den kommenden Bänden hoffentlich aufgelöst und erklärt. So bleibt uns bisher nur eine simpel gestaltete Geschichte, die keine Preise gewinnen wird, aber umso mehr in den Punkten Zeichnungen und vor allem Kolorierung punkten kann.

Isola kam mit großen Vorschusslorbeeren nach Deutschland und ich sehe auch warum. Was hier optisch abgeliefert wird, ist schon ein starkes Stück Comic und könnte auch locker in ein anderes Medium transportiert werden. Eine Animationsserie von Isola würde ich mir nicht nur gerne anschauen, sondern sehe sie praktisch schon vor mir, wenn ich allein nur das Artwork und die Kolorierung des Buches betrachte. Brenden Fletcher (Assassin´s Creed, Gotham Academy) und Karl Kerschl (Teen Titans: Year One, Gotham Academy) kamen mit der Idee zu Isola in Amerika bei Image Comics unter, dem Verlag also, der die Unabhängigkeit seiner Autoren und Künstler an vorderster Stelle stellt. In der visuellen Ausarbeitung wurden sie von der Koloristin Michele Assarasakorn unterstützt, die auch als M.Sassy.K bekannt ist. Unter anderem hat sie vorher auch an Gotham Academy aber auch an Critical Role Vox Machina Origins gearbeitet. Fassen wir es kurz, optisch ist Isola eine Wucht und kommt in seiner Gestaltung wirklich atemberaubend daher, die inszenatorische Gestaltung hebt das Buch auch über das Mittelmaß hinaus, was der Geschichte in meinen Augen (bisher) noch fehlt.

 

Bereits das Cover zieht einen in die Welt hinein! © Cross Cult

Fazit

Isola wurde von Cross Cult nun nach Deutschland geholt und mit dem ersten Band in einem Softcover-Einband veröffentlicht. Neben den ersten 5 Heften findet ihr auch den Prolog am Schluss des Bandes vor, der in den Vereinigten Staaten in einer separaten Heftreihe veröffentlicht wurde. Ergänzend dazu hat Cross Cult auch noch weiteres Bonusmaterial auf 15 Seiten mit reingepackt, bei dem ihr die verschiedenen Cover der Einzelhefte findet, oder einen kurzen Blick hinter die Kulissen. Ihr erhaltet also einen schönen, runden Band mit einem tollen Einstieg in die Welt von Isola. Wie ich bereits oben angemerkt habe, die visuelle Gestaltung von Isola ist teilweise wirklich atemberaubend, detailreich gestaltet und somit auf jeden Fall einen Kauf wert. Die Geschichte hat mich noch nicht richtig gepackt, es sind noch ein paar Inhalte unklar und nicht abzusehen, wohin uns die Erzählung führen wird. Mich hat es nicht gestört, es lässt auch noch einige tiefergehende Entwicklungen in den kommenden Bänden zu. Denn eines ist klar, ich möchte wissen, wie es weitergeht und welche wahnsinnigen Farben und Zeichnungen mich in den kommenden Abenteuern von Rook und Olwyn erwarten.

Newsbild: © Cross Cult

Isola: Band Eins ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-959813-58-7

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What the Fuck…??! – Unsere Rezension zum verdammt rätselhaften Bilderbuch

What the Fuck…??! – Unsere Rezension zum verdammt rätselhaften Bilderbuch

Wer aber interessiert genug ist, sich mit dem Thema des Buches auseinanderzusetzen und direkt zum zweiten Absatz gesprungen ist, dem wird sich die Lösung dann offenbaren. Ein wenig gemein sicherlich, vielleicht habe ich damit auch schon ein paar Leser verloren. Den kompletten Absatz, den ihr jetzt gerade lest, habe ich in der umgekehrten Reihenfolge der Sätze bereits oben einmal niedergeschrieben, also den letzten Satz hier konntet ihr als ersten Satz oben im ersten Absatz lesen. Da es sich bei dem vorliegenden Buch um ein Buch handelt, bei dem ihr nicht auf dem ersten Blick die Lösung erfasst, sondern auch mit Buchstaben und Wörtern knobeln müsst, habe ich mir erlaubt einen ähnlichen Ansatz in meinem Review anzuwenden. Doch warum wird hier gleich in den ersten Zeilen geflucht und was soll an einem Bilderbuch schon so besonders sein, dass ich es allen Ernstes an erwachsene Tüftler und Wortkünstler weiterempfehle? Nicht umsonst lautet der Untertitel von What the Fuck…??! auch: „Ein verdammt rätselhaftes Bilderbuch.“ Genau, einen großen Rätselspaß und meine erste Weihnachtsempfehlung für Hirnakrobaten. Was erhält man, wenn man obskure Bildchen mit Buchstabensalat anreichert? Wir rezensieren hier auf playto ja schon längst nicht mehr nur reine Comics oder Graphic Novels, sondern wagen auch mal den Blick über den Tellerrand. Dabei handelt es sich um die Rezension zu einem etwas anderen Bilderbuch. Ihr fragt euch gerade sicherlich, was ich hier für eine komische Ansammlung an Sätzen und Wörtern im ersten Absatz geschrieben habe.

 

In diesem Bild sind die Buchstaben des Begriffes mit integriert. © Jaja Verlag

 

Ihr fragt euch gerade sicherlich, was ich hier für eine komische Ansammlung an Sätzen und Wörtern im ersten Absatz geschrieben habe. Dabei handelt es sich um die Rezension zu einem etwas anderen Bilderbuch. Wir rezensieren hier auf playto ja schon längst nicht mehr nur reine Comics oder Graphic Novels, sondern wagen auch mal den Blick über den Tellerrand. Was erhält man, wenn man obskure Bildchen mit Buchstabensalat anreichert? Genau, einen großen Rätselspaß und meine erste Weihnachtsempfehlung für Hirnakrobaten. Nicht umsonst lautet der Untertitel von What the Fuck…??! auch: „Ein verdammt rätselhaftes Bilderbuch.“ Doch warum wird hier gleich in den ersten Zeilen geflucht und was soll an einem Bilderbuch schon so besonders sein, dass ich es allen Ernstes an erwachsene Tüftler und Wortkünstler weiterempfehle? Da es sich bei dem vorliegenden Buch um ein Buch handelt, bei dem ihr nicht auf dem ersten Blick die Lösung erfasst, sondern auch mit Buchstaben und Wörtern knobeln müsst, habe ich mir erlaubt einen ähnlichen Ansatz in meinem Review anzuwenden. Den kompletten Absatz, den ihr jetzt gerade lest, habe ich in der umgekehrten Reihenfolge der Sätze bereits oben einmal niedergeschrieben, also den letzten Satz hier konntet ihr als ersten Satz oben im ersten Absatz lesen. Ein wenig gemein sicherlich, vielleicht habe ich damit auch schon ein paar Leser verloren. Wer aber interessiert genug ist, sich mit dem Thema des Buches auseinanderzusetzen und direkt zum zweiten Absatz gesprungen ist, dem wird sich die Lösung dann offenbaren.

 

So in dieser Art finden sich auf der einen Seite das Bild und auf der gegenüberliegenden die notwendigen Buchstaben. © Jaja Verlag

 

Stellt euch einfach vor, ihr seht ein gezeichnetes Bild und sollt erraten, was damit gemeint ist. Gesucht wird hier in der Regel ein bestimmtes Wort, manches Mal auch zusammengesetzte Wörter. Der Clou dabei ist, dass die Bilder nicht auf den ersten Blick offensichtlich preisgeben, was für ein Wort sie darstellen sollen und manchmal auch nicht auf den zweiten, dritten, vierten Blick… Auf der gegenüberliegenden Seite des Buches steht der gesuchte Begriff dann geschrieben, allerdings nicht in der richtigen Buchstabenfolge. Ihr müsst also entweder anhand des Bildes direkt auf die Lösung kommen, oder aber ihr knobelt anhand der Buchstaben, die euch zur Verfügung stehen. Eine weitere Gemeinheit ist, dass die Buchstaben teilweise übereinander und ineinander verkeilt abgedruckt sind, sodass das Auge auch nicht auf den ersten Blick alle Buchstaben korrekt erfassen kann.

„Manche sind offensichtlich, andere ziemlich weit hergeholt. Meistens geht es um zusammengesetzte Begriffe, manchmal um ein einzelnes Wort und hin und wieder wird eine Person oder ein Anglizismus gesucht“

 

Na, habt ihr schon eine Idee oder die Lösung? © Jaja Verlag

 

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um die Taschenbuchausgabe von „What the Fuck“. Mittlerweile ist auch schon ein Nachfolger mit dem Namen „Hirngespinste“ frisch beim Jaja-Verlag erschienen. Der Vorteil dieser Taschenbuchausgabe liegt im wahrsten Sinne des Wortes „auf der Hand“, schließlich ist es nur 17×13 cm groß und vollgestopft bis hintenhin mit den Rätselbildern auf über 200 Seiten. Wer also hier schon Spaß am Knobeln hatte, kann sich im Anschluss direkt weiteres Material besorgen.

 

Das Taschenbuch ist gut gefüllt mit den rätselhaften Bildern. © Jaja Verlag

Fazit

Da rauchen schon mal die Köpfe und der Ehrgeiz wird geweckt. Auf manche Begriffe kommt man auch noch dem 10. Mal überlegen nicht. Wie gut, dass da immerhin noch die Buchstaben zur Verfügung gestellt werden. What the Fuck ist dadurch zwar kein klassisches Buch zum Durchlesen, was man nicht mehr aus der Hand legen möchte, weil es so spannend ist. Dennoch kann man es immer wieder in die Hand nehmen, darin blättern und entdeckt immer wieder neue Herausforderungen, die es zu knacken gilt. Oder ihr habt einen Geistesblitz und löst endlich das Bild auf Seite 115, was euch schon seit Tagen nicht mehr loslässt. Die Taschenbuchausgabe bietet sich dabei hervorragend als Geschenk zu Weihnachten an, für Menschen, die sowieso schon alles besitzen und eventuell noch eine Herausforderung suchen. Aber ihr solltet dann an den Feiertagen aufpassen, dass im Familienkreis nicht allzu oft ein „What the Fuck“ durch das Haus schallt.

Newsbild © Jaja Verlag

What the Fuck…??! – Ein verdammt rätselhaftes Bilderbuch ist erschienen im Jaja Verlag – ISBN: 978-3-946642-80-0
Softcover, 17 x 13 cm; 216 Seiten in Farbe
; 15,- Euro

Jetzt What the Fuck – Ein verdammt rätselhaftes Bilderbuch beim Jaja Verlag kaufen! oder auch im lokalen Buchhandel.

Lincoln Band 1: Auf Teufel komm raus – Unsere Comic-Rezension

Lincoln Band 1: Auf Teufel komm raus – Unsere Comic-Rezension

Als Kind habe ich gerne auch mal die Lucky Luke-Comics gelesen und die Zeichentrickserie geschaut. Im Fernsehen kamen hin und wieder die „Western von gestern“ und ansonsten habe ich mich bei den Prügeleien von Bud Spencer und Terence Hill amüsiert, sowohl bei den modernen Filmen als auch bei den älteren Westerngeschichten. Ich kenne ein paar der Klassiker aus dem Fernsehen, ansonsten waren Wildwest-Geschichten nie mein Ding. Kurioserweise sprachen mich die Prämisse und das Cover vom ersten „Lincoln“-Band direkt an, entweder weil ich eine lakonische Geschichte erwartete oder weil ich dem Gesichtsausdruck von Lincoln auf dem Cover mehr Bedeutung gab. Eventuell handelte es sich doch um ein sogenanntes „Funny-Comic“, so wie sie früher tatsächlich häufiger auch im franko-belgischen Raum inszeniert wurden.

Wie sich herausstellen sollte, wird der „Flunsch“, wie der Gesichtsausdruck von Lincoln genannt wird, ziemlich weit vorne in der Geschichte bereits thematisiert. Aber sonst hätte ich nicht weiter mit meiner Einschätzung danebenliegen können. Sicher, lakonisch ist unser Protagonist schon, aber alles andere um ihn herum spielt in einer anderen Liga und schert sich einen „feuchten Kehricht“ um ihn oder seine Probleme. Bis dann auf einmal Gott auftaucht und sich unter all den treulosen Seelen und Sündern unseren halbstarken Cowboy aussucht. Doch dazu müssen wir kurz etwas ausholen…

 

Lincoln nimmt sich gerne die Dinge, die er benötigt. © Schreiber & Leser

 

Lincoln ist ein Verlierer, niemand interessiert sich für ihn, also beschließt er, sich auch nicht für die anderen zu interessieren. Wir erfahren auf den ersten Seiten, wie er zu dem 19-jährigen „Mann“ geworden ist, den wir fortan begleiten werden. Er macht sein Ding, überfällt andere Menschen und holt so ziemlich bei all seinen Aktivitäten stets nur das Beste für sich heraus. Gewissensbisse? Fehlanzeige. Eines Tages beim Fischen mit Dynamit kommt jedoch ein Mann zu ihm ans Ufer, mit Hut und Poncho gekleidet, und verwickelt Lincoln ungewollt in ein Gespräch. Dieser Mann stellt sich als Gott vor und prangert den mangelnden Respekt von Lincoln, ihm und den anderen Lebewesen gegenüber, an.

 

Einige Seiten sind völlig ohne Dialoge gestaltet und funktionieren dennoch hervorragend, um die Geschichte voranzutreiben. © Schreiber & Leser

 

Lincoln zu Gott, auf die Frage hin, warum er so unleidlich sei:
„Du hast offenbar nichts Besseres zu tun, deshalb will ich dir antworten. Ich bin unleidlich, weil du mir den freien Willen dazu gegeben hast. Mehr noch, du hast es mir freigestellt, Deine Schöpfung als einen Haufen Mist anzusehen, der mir nur begrenzt Vergnügen bereitet. Und letztlich hast Du mir die Freiheit geschenkt, Dich zum Teufel zu schicken. Ich kann Dir sogar in den Hintern treten. Wie ich es regelmäßig mit einigen Deiner Jünger zu tun pflege.“

Ich möchte diesen Satz als einen Kernsatz im ersten Band herausstellen. An ihm zeigt sich hervorragend, womit wir es bei Lincoln zu tun haben. Der erste Band macht von Anfang an klar, dass es der Leser hier nicht mit klischeebehafteten Geschichten rund um einen Cowboy und seinen Alltag zu tun bekommt. Vielmehr zeigt sich hier bereits eine Richtung, die im Verlauf des ersten Bandes noch weitere Ausprägungen erhalten soll. Lincoln schert sich einen Teufel (Wortspiel beabsichtigt, der Beelzebub hat auch einen kurzen Auftritt) darum, was Gott von ihm hält und bringt sich immer wieder in schwierige Situationen. Schließlich beschließt Gott Lincoln seine Allmacht zu demonstrieren und macht ihn unsterblich. Aber auch das stellt Lincoln natürlich auf die Probe und macht seine Erfahrungen damit. Es dauert nicht lange und Lincoln wird geschnappt, gehängt und begraben, nur um kurz darauf von Gott wieder ausgegraben zu werden. Als Lincoln nach einer Weile anfängt sich um die Nöte eines Dorfes zu kümmern und einen Bankräuber dingfest macht, feiern ihn die Bewohner des Dorfes. Etwas, mit dem er nicht umgehen kann. Als sich dann zum Abschluss des Bandes auch noch Jünger Lincoln anschließen wollen, um mit ihm eine Bande zu gründen, erfährt die Erzählung einen höchst amüsanten Höhepunkt.

 

Auf dem Cover kommt der Flunsch schön zur Geltung. Achtet auch mal auf die Peitschenspitze im Buchstaben I vom Titel… © Schreiber & Leser

Fazit

Lincoln ist ganz anders, als ich es erwartet habe. Hier werden philosophische und theologische Themen angesprochen und bearbeitet, die den Leser bei dem einen oder anderen Gedankengang durchaus kalt erwischen können, was ich bei Weitem nicht in einem „Western-Comic“ erwartet hätte. Das Ganze ist so schön „schnorrig“ und politisch inkorrekt, dass es nur so eine Freude ist. Sicher werden einige gläubige Menschen mit der Darstellung Lincolns oder auch Gottes ihre Probleme haben, erst recht, wenn der Protagonist zum Abschluss des Bandes als Messias gepriesen wird, der Jünger um sich schart. Ich bin gespannt wie es inhaltlich weitergeht, inszenatorisch bleibt Lincoln recht konservativ, was man durchaus auch als Absicht deuten kann. Langweile Anordnung der Panels, kein Ausbrechen nach links oder rechts, keine Splashpages. Dennoch trauen sich Jérôme Jouvray und seine Geschwister auch mal seitenweise nur die Zeichnungen für sich sprechen zu lassen und ohne Dialoge zu inszenieren die Geschichte voranzutreiben. Warum diese Reihe so lange nach Deutschland gebraucht hat ist wirklich unverständlich, im Heimatland Frankreich kam der erste Band bereits im Jahr 2002 heraus. Zum Glück hat Schreiber & Leser bereits weitere Bände von Lincoln im Portfolio, von denen im Original bisher insgesamt 9 erschienen sind. Ich kann gar nicht abwarten die Geschichte von Lincoln weiterzuverfolgen, auch die weiteren Bände werde ich hier in Zukunft auf playto besprechen. Klare Kaufempfehlung!

© Newsbild: Schreiber & Leser


Lincoln Band 1: Auf Teufel komm raus ist erschienen bei Schreiber & Leser – ISBN: 978-3-946337-68-3
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Hilda und der Bergkönig – Unsere Comic-Rezension

Hilda und der Bergkönig – Unsere Comic-Rezension

Wir Trolle sind schon eine ungewöhnliche Spezies. Auch wenn wir ähnliche Strukturen haben wie die Menschen und manche von uns in Familien zusammenwohnen, gibt es doch immer wieder auch grantige Vertreter von uns. Leider müssen wir eine große Zeit des Tages in Höhlen verbringen, weil … nun ja … wir vertragen das Sonnenlicht nicht so gut. Meine Mutter warnt mich davor immer, ich weiß auch nicht genau was dann passiert, anscheinend werden wir zu Stein verwandelt oder etwas in diese Richtung. Aber auch sonst sind wir durchaus ein geselliges Völkchen, wir sammeln gerne Gegenstände, die wir in die Hände bekommen und horten diese dann. Anders als bei den Drachen, die komischerweise nur so güldenes Zeug horten, verstehen wir uns eher darauf auch ungewöhnliche Gegenstände zu sammeln und zu horten wie beispielsweise Tannenzapfen oder Autoteile. Schätze wir Trolle sind da eher die Nerds unter den „Hortern“. Aber auch wenn wir tief in den Gebirgen unsere vorläufige Heimat haben, irgendeine innere Macht zieht uns immer mehr in Richtung der Stadt, die die Menschen Trolberg getauft haben. Bisher halten uns die Glocken an den Türmen der Stadt noch fern, doch so langsam beginnt sich ein Widerstand in unseren Reihen zu formieren. Man sagt, der sagenumwobene Bergkönig könnte etwas damit zu tun haben. Ob das blauhaarige Mädchen etwas darüber weiß?

Ich weiß auch gar nicht, wie es dazu kommen konnte. Doch heute Morgen bin ich im Zimmer des blauhaarigen Mädchens aufgewacht, zumindest kam ihre Mutter auf einmal reingestürmt. Leider verstehe ich ihre Sprache nicht. Ich wollte eigentlich nur spielen, jedoch schien sie davon nicht so begeistert zu sein. Jedenfalls zerrte sie mich kurz darauf wieder aus dem Haus raus und fuhr mit einem Wesen namens Tontu und mir wieder in die Nähe des Berges, wo ich eigentlich zu Hause bin. Zumindest konnte ich dort ein wenig spielen, auch wenn sich sonst niemand um mich gekümmert hat. Die Zeit danach musste ich viel bei der Mutter des blauhaarigen Mädchens daheim verbringen, erst einige Zeit später gelangte ich wieder zu meinem Berg und schließlich auch zu meiner richtigen Mutter.

 

Ein Bild von Hilda und mir! © Reprodukt

 

Was zwischendurch passierte, habe ich nicht alles selbst mitbekommen, Tontu hat mir das im Anschluss an die ganzen Ereignisse erzählt. Jedenfalls wachte das blauhaarige Mädchen wohl zur selben Zeit wie ich bei meiner Mutter im Berg auf und hat sie ganz schön auf Trab gehalten. Ich glaub das Mädchen heißt Hilda, ich selbst wurde von ihr Ba genannt, das einzige Wort, was ich so von mir geben kann. Jedenfalls überschlugen sich zum Schluss des Abenteuers die Ereignisse, Hilda hatte wohl unwissentlich den Bergkönig befreit, welcher sich sofort in Richtung Trolberg aufmachte und diese Stadt zerstören wollte. Dies konnte Hilda natürlich nicht zulassen und versuchte ihn daran zu hindern. Fragt mich bitte nicht, wie sie das als kleines Trollmädchen schaffen wollte. So kam es, wie es kommen musste, der Bergkönig durchbrach die Stadtmauern und die ganzen Trolle fielen in die Stadt ein. Jedoch konnte Hilda die Menschen irgendwie davon überzeugen, die einfallenden Trolle nicht anzugreifen.

Später erfuhr ich noch davon, was bei uns Trollen diesen Drang auslöste in die Stadt einzudringen. Lange Zeit vor mir erschuf unser aller Mutter Amma uns Trolle, sie war eine Riesin und formte aus den Bergen eine Heimat für unser Volk. Als sie damit fertig war, legte sie sich zur Ruhe und schlief für eine lange Zeit ein. Im Lauf der Jahrhunderte bauten jedoch die Menschen eine kleine Siedlung auf ihr, sie war längst nicht mehr als Riesin zu erkennen, so wie sie einfach regungslos dort in der Landschaft lag. Aus dieser Siedlung wuchs im Lauf der Zeit die Stadt Trolberg heran, dennoch riss der Kontakt zwischen und Trollen und unserer Mutter Amma nie ab. Sie rief nach uns und eine innere Macht zog uns zu ihr, ganz so, wie es ein Junges immer wieder zu seiner Mutter hinzieht. Wir haben es Hilda zu verdanken, dass es nicht zu einer Katastrophe gekommen ist. Nun ist es so, dass wir Trolle einmal im Jahr unbehelligt durch Trolberg ziehen und unserer Mutter nahe sein dürfen. Und dafür sind wir Hilda sehr dankbar.

 

Was es wohl mit diesem Riesentroll auf sich hat? © Reprodukt

 

Nun liegt das vorübergehende Ende der Hilda-Reihe mit diesem Band vor und ich muss sagen, da ist Luke Pearson ein runder Abschluss gelungen. Mit dem Bergtroll endet für Hilda die Heldenreise vorerst. Sie hat die Ängste vor Trollen überwunden und lebt nun mit ihrer „Familie“ in der Stadt Trolberg. Was zu Beginn der Abenteuer mit Hilda kaum vorstellbar erschien, ist nun für sie Realität. Sie kannte vorher immer nur ein Leben in der freien Natur, behütet in der Hütte, in der sie mit ihrer Mutter lebte. Auch wenn es zunächst Anpassungsschwierigkeiten an die Umgebung in der Stadt gab, nun hat Hilda nicht nur ihre Mutter bei sich, sondern auch Bewohner vom verborgenen Volk, Tontu, Hörnchen und gelegentlich auch das Trollkind. Hilda hat sich ihre Abenteuer insofern bewahrt, als dass sie nun ständig um sie herum sind.

Inszenatorisch schöpft Luke Pearson auch im letzten Band aus dem Vollen. Nicht nur gelingt ihm ein ähnlich rasanter Einstieg, wie auch schon im Vorgängerband mit dem Steinwald, sondern alle eingesetzten Farben im Buch sind ein wenig gesetzter und dunkler. Mit fortlaufender Reihe wurden die Bände auch immer umfangreicher und aufwendiger, es wäre irgendwann schwierig geworden immer wieder noch etwas draufzusetzen. Der Leser kann nun im Verlauf der Abenteuer von Hilda auch gut die Weiterentwicklung in Pearsons Zeichenkünsten beobachten. Panelanordnungen bleiben in der Regel eher klassisch, dennoch experimentiert Pearson an der einen oder anderen Stelle durchaus damit. Was aber viel wichtiger wiegt, die Geschichte von Hilda ist rund. Im Nachgang fallen den Lesern aller Abenteuer immer wieder kleine Hinweise auf oder wieder ein, die er im Verlauf der letzten Bücher eingestreut hatte. Das Ende muss also grob schon länger festgestanden haben, dennoch gelingt es in der heutigen Zeit immer weniger Künstlern, ihre Geschichten zu einem für den Leser befriedigenden Ende zu bringen. Hilda und der Bergkönig ist zu Recht der große Abschluss der Saga um Hilda, aber bei Weitem nicht das pompöse Ende, was manch anderer Leser erwartet hat. Zu verstecken braucht es sich aber auch nicht. Der Leser und Fan von Hilda bekommt sechs spannende und meist unvorhersehbare Alben, die eine große Geschichte erzählen und ein kleines blauhaariges Mädchen nicht nur einmal über sich hinauswachsen lassen.

 

Ein schönes abschließendes Cover mit Motiven aus dem Album. © Reprodukt

Fazit

Hilda ist für mich ein Phänomen. Ich wurde erst durch die Netflix-Serie auf sie aufmerksam, was ich nicht müde werde zu betonen (viele Wege führen zu Comics). Gekonnt verbindet Luke Pearson Elemente der Legenden und Fabeln aus den nördlichen Ländern mit unserer heutigen Zeit, auch wenn es in Hildas Abenteuern weniger digital zugeht, als in unserer aktuellen realen Welt. Doch er verlässt sich in seiner Geschichte auf die richtigen und wichtigen Werte, namentlich die Familie und deren Zusammenhalt sowie Geborgenheit. Aufgrund ihrer Freiheitsliebe stellt Hilda ihre Mutter das eine oder andere Mal auf die Probe, dennoch lieben und brauchen die beiden weiblichen Protagonistinnen einander. Es ist schon erstaunlich, dass ich zu keiner Zeit den Vater in der Geschichte oder im Leben von Hilda vermisst habe, ich wüsste aber auch nicht, welche Rolle er hätte spielen sollen. Im Verlauf der Geschichte hatte ich insbesondere im vorletzten Band meine Zweifel, ob Luke Pearson sich mit dem Abschluss der Geschichte über zwei Bände wirklich einen Gefallen getan hat. Ich bin immer noch der Meinung, dass sich das hätte durchaus Kürzen lassen, und der Kern der Geschichte wäre erhalten geblieben. Im Bergkönig wiederum ist es keine Seite zu viel, da passt das Pacing wieder und führt die Abenteuer rund um das kleine blauhaarige Mädchen zu einem offenen, aber dennoch tollen Ende.

Newsbild: © Reprodukt


Hilda und der Bergkönig ist erschienen bei Reprodukt ISBN: 978-3-95640-203-6

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