Dort wo wir im letzten Band namens „Kinder ohne Heimat“ als Leser zurückgelassen wurden, finden wir uns in der „Schlangengrube“ von Band 3 wieder. Nach dem Blutbad am Ende des letzten Bandes stehen wir Marcus, Maria und den anderen unmittelbar nach dem Überfall auf Chesters Versteck zur Seite. Doch die Ausgangssituation könnte nicht schlimmer sein, sie stehen nun Chicos Vater und seinen Schergen gegenüber, was bedeutet, dass Marcus und Maria tief in der Scheiße sitzen. Nicht nur hat Marcus den Kopf von Chico in der Hand, als er auf dessen Vater trifft, es handelt sich bei diesem auch um einen Boss eines mächtigen Kartells.

Auf den folgenden Seiten kämpfen sich Maria und Marcus von der Bedrohung rund um den mächtigen Vater und seine Schläger frei, was beeindruckend inszeniert wurde. Überhaupt gelingt Remender, Craig und Loughridge ein fulminanter Einstieg ins Buch, der knapp die Hälfte des Buches einnimmt oder 2 Hefte im amerikanischen Original. Danach folgen die bekannten Versatzstücke der Reihe, wie man sie als Leser von den ersten beiden Büchern her kennt.

 

Mit ihm ist bestimmt nicht zu spaßen, oder? © Cross Cult

 

Die Ereignisse der letzten beiden Bücher überwältigen Marcus (selbst erwachsene Menschen würden dadurch negativ geprägt werden), weswegen er sich weiterhin einer Mischung aus Gewalt, Drogen, Sex und Verrat aussetzt. Sein Selbstvertrauen befindet sich auf einem Level, wo er aufgrund der Tode in seinem Umfeld und der Gewaltausbrüche, zu denen er auch selbst beigetragen hat, nur schwer alleine herausfinden kann. Als dann auch innerhalb der Akademie der tödlichen Künste eine weitere Vertrauensperson wegfällt, kommt es zu einem weiteren kleinen Showdown, der den Leser mit einem Cliffhanger zurücklässt.

Nachdem im letzten Band aufgeklärt wurde, warum Marcus von der Polizei gesucht wurde, bevor er in die Akademie kam, bekommen wir nach und nach zumindest bei einigen weiteren Mitschülern ein wenig Hintergrundgeschichte geliefert. Dabei arbeitet Deadly Class auch weiterhin eine Coming of Age-Entwicklung aus, die in Zusammenhang mit den Mitschülern, Drogen, Waffen und der Frage nach Identität, vor allem bei Marcus, steht. Wiederum wird in Band 3 die Ausbildung nur zum Assassinen nur am Rande thematisiert und könnte im nächsten Band dann zu Beginn ein Thems werden. Doch wer weiß, vielleicht sind einige Ereignisse der letzten drei Bücher schon ein Teil der Ausbildung und wir Leser nehmen das nur noch nicht so wahr?

 

Gerade zu Beginn des Buches führt eine miese Situation zur nächsten. © Cross Cult

 

Passend dazu ergänzen die Zeichnungen von Wes Craig und insbesondere die Kolorierung von Lee Loughridge das Erzählte um ein Vielfaches und heben es erneut auf eine höhere Ebene. Immer wieder löst Craig sich von den starren Panels und verbindet manches Mal auch zwei oder mehr Panels untereinander, auch wenn sie sonst unabhängig voneinander gesehen und gelesen werden. Das macht schon eine Menge Spaß zu Entdecken. Die Protagonisten sind durch die Bank als vom Leben gezeichnete Figuren angelegt, was sich auch im Artwork wiederfindet. Dies gepaart mit den teils neonfarbenen Hintergründen von Loughridge, die sich den Situationen entsprechend mal fiebriges Pink, betäubendes Blau bis hin zum intensiven Gelb und Orange. Es scheint aber in Deadly Class immer Nacht zu sein. Macht das in der ersten Hälfte des Buches noch Sinn, weil der Überfall auf das Versteck nachts stattfand, bekommt man als Leser auch im späteren Verlauf den Eindruck, dass sich alles immer in der Dunkelheit abspielt. Die Kolorierung unterstützt diesen Effekt aber auch gekonnt und vermutlich gewollt.

Fazit

Die erste Hälfte des Buches hat mir viel Freude bereitet, weil es dort Schlag auf Schlag zuging. Eine Situation führte nahtlos in die nächste über, es blieb kaum Zeit zum Luftholen und die Spirale der Gewalt drehte sich gekonnt immer weiter. In der zweiten Hälfte besinnt sich Remender wieder mehr auf die eigentliche Erzählung und spinnt in den Alltag von Marcus Lopez, neben den ganzen Problemen mit seinen Hormonen, der Gewalt und dem Sex, auch noch die Unsicherheit mit ein, dass ihn vermeintliche Freunde hintergehen. Wir als Leser wissen noch nicht, wohin diese Machenschaften führen und was sie für Marcus bedeuten, somit bleibt der Schluss von Band 3 aber auch spannend, weil wir wissen wollen, wie sich dieses Ereignis auflöst. Auch wenn Marcus im letzten Abschnitt des Buches die Sache selbst in die Hand nimmt, ob und wie das für ihn enden mag, kann ich mir aktuell noch nicht ausmalen. Das hält Deadly Class derzeit noch spannend, auch wenn die Gefahr der Wiederholung gegeben ist, sollte sich an der Erzählstruktur im nächsten Band nichts ändern. Ich kenne von Remender noch zu wenig andere Geschichten, als dass ich beurteilen könnte, ob ihm das als Autor gelingen kann. Es bleibt also weiterhin spannend.

© Newsbild: Cross Cult

Deadly Class Band 3: Die Schlangengrube ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-959812-12-2
16×24, SoftCover, 128 Seiten, 16,80 Euro

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