Solange ich denken kann sind Wikinger Teil meines Lebens. Nicht, dass ich je einen getroffen, noch darüber eine Abschlussarbeit geschrieben hätte, aber in den unterschiedlichsten Medien begegnen einem die Menschen dieses Volkes immer wieder. Ich denke da an Erik, der Wikinger, um ein Beispiel aus den 80ern zu nehmen oder auch aktuell mit der Serie Vikings, die über die Bildschirme flimmert. Aber auch im Animationsbereich wurde in meiner Kindheit immer gerne Wickie und die starken Männer geschaut und auch in der näheren Vergangenheit wurden meine Familie und ich mit den Geschichten von „Drachenzähmen leicht gemacht“ hervorragend unterhalten. Schließlich lachen jeden Morgen zahlreiche Menschen in Deutschland in den Comicstrips von Hägar der Schreckliche über Sven Glückspilz, wo wir auch schon im Comic-Bereich angekommen wären.

Die Angehörigen der kriegerischen und seefahrenden Personengruppe sind also auch in unserem Kulturkreis heute noch ein beliebtes Thema. Da wundert es nicht, dass auch im Bereich der Graphic Novels in der aktuellen Comic-Landschaft noch neue Geschichten mit und um die Wikinger erzählt werden. Der niederländische Künstler Erik Kriek hat sich diesmal eine Geschichte ausgedacht, die im 10. Jahrhundert in Island angesiedelt ist. Bereits vorher hat er sich mit “Gutsman“ und der Adaption einiger Kurzgeschichten des Science-Fiction- und Horrorautors H.P. Lovecraft, die 2013 auf Deutsch unter dem Titel “Vom Jenseits und andere Erzählungen“ ebenfalls beim avant-verlag erschienen sind, einen Namen gemacht.

 

In seinen Erinnerungen und Träumen geht es bei Hallstein meist brutal und blutig zu. © avant-verlag

 

Als Hauptfigur in „Der Verbannte“ hat sich Kriek einen Wikinger-Krieger namens Hallstein Thordsson ausgewählt. Hallstein ist dieser Verbannte vom Titel und kehrt nach 7 Jahren zurück in seine Heimat, nachdem er seine Strafe abgebüßt hat. Damals hatte er im Streit seinen besten Freund umgebracht, nachdem Hallstein sich an dessen Schwester vergehen wollte. Das isländische Volksparlament namens Althing beschloss ihn daraufhin ins Exil zu verbannen, wo er seine Strafe absitzen sollte. Wohlweislich auch, weil man davon ausging, dass Hallstein niemals lebend nach Thordsstadir (Thords Bauernhof – Thord war Hallsteins Vater) zurückkehren würde. In den fremden Landen, weit abseits von Island, hat er sich erfolgreich als Söldner verdingt und sehr vielen Menschen das Leben genommen. Nun kehrt er mit 2 weiteren treuen Waffenbrüdern zurück und muss sich fortan Intrigen, Rache und Gewalt stellen. Die Heimkehr bedeutet für ihn und seine Kumpanen keine Ruhe, im Gegenteil, die Zurückgebliebenen sind noch immer nicht gut auf ihn zu sprechen.

Im Buch werden alte Begriffe und Bezeichnungen benutzt, die aber im Glossar am Schluss des Buches auch ausführlich erklärt werden. Man gewöhnt sich schnell daran und es nimmt den Leser mit auf die Reise in die weit zurückliegende Vergangenheit. Atmosphärisch kann Kriek mit seinem Setting also auf jeden Fall punkten. Auch die optische Untermalung der einfachen Geschichte ist durchaus ansprechend gestaltet. So benutzt Erik Kriek hauptsächlich blaue, weiße und schwarze gestalterische Elemente, um seine Geschichte zu illustrieren. Lediglich in den Traumsequenzen und Erinnerungen benutzt er die rote Farbe, um sich von der Gegenwart abzugrenzen und die blutige Vergangenheit zu zeigen, die Hallstein einfach nicht ablegen kann. Zwischendrin lässt uns Kriek immer wieder die wunderschöne Umgebung und Natur Islands erfahren, die er teilweise als Zwischenpanel, manchmal aber auch als komplette Seite nutzt, um den Leser mehr in die Wildnis und Rauheit der Zustände von damals zu entführen. Dabei lenkt er von der Geschichte ab, die in ihrer Gänze nicht wirklich überzeugen kann.

 

Landschaftlich und atmosphärisch kann “Der Verbannte” durchaus punkten. © avant-verlag

Fazit

Letztendlich bedient Kriek die althergebrachten Motive von Schuld und Sühne und konnte mich mit seinen Figuren und Szenarien nicht wirklich packen. Durch die Verwendung der altertümlichen Begrifflichkeiten (sehr schön von Katrin Herzberg ins Deutsche übersetzt) und der Atmosphäre, bekommen die Charaktere ein wenig mehr Hintergrund. Leider fehlt ihnen das in der eigentlichen Charakterisierung, weswegen die Geschichte den Leser eigenartig kalt lässt. Hallstein war mir im Verlauf der Geschichte herzlich egal, ich konnte mich eher mit seiner Schwester identifizieren, die allein mit seinem Halbbruder zuhause klarkommen musste. So hätte ich gerne mehr von den Widrigkeiten im Leben einer Frau in den damaligen Zeiten gesehen und gelesen, als zum wiederholten Male eine Rachegeschichte serviert zu bekommen. Das Setting und die Atmosphäre heben das vorliegende Buch über das Mittelmaß hinaus, was von der Geschichte nicht behauptet werden kann, zu generisch sind die Protagonisten und ihre Motive gestaltet.

Haptisch lässt sich der avant-Verlag bei der Umsetzung nicht lumpen und packt das Abenteuer in ein nahezu Din A4 großes Hardcoverbuch mit guter Papierqualität und tollem Druck. Neben der gelungenen Übersetzung ein weiterer Pluspunkt in der vorliegenden Graphic Novel, die ihren Schwerpunkt zu Recht in der historischen Korrektheit sucht, weil die Geschichte nicht wirklich packen kann. Erzählerisch leider schwach, dafür bildungstechnisch aber Interesse weckend.

© Newsbild: avant-verlag

Der Verbannte ist erschienen im avant-verlag – ISBN: 978-3-96445-003-6; 184 Seiten , vierfarbig , Hardcover, 25,- Euro

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