Wenn man sich den berühmtesten Comic aus der Feder von Robert Kirkman anschaut, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass der gute Herr mit dem Vergießen von Blut kein großes Problem hat, eher im Gegenteil. Mittlerweile sollte jeder halbwegs interessierte Mensch von den lebenden Toten in der Reihe „The Walking Dead“ gehört haben und entweder die Comics gelesen oder die Fernsehserie geschaut haben. Es wäre auch sehr schwer gewesen, diesem Phänomen innerhalb der letzten Dekade aus dem Weg zu gehen. Wer nichts mit den laufenden Toten am Hut hatte, wird auch vermutlich nicht in Die!Die!Die! reinsehen, denn der menschliche Lebenssaft findet sowohl auf dem Cover als auch auf der Rückseite eine prominente Darstellung. Kirkman mag sein Steak wohl offensichtlich blutig, nun gut, dann wollen wir uns dem neuen Machwerk mal widmen.

Ich persönlich bin kein großer Fan von Walking Dead, ich hab der Reihe nach ungefähr dem 10. Band von Cross Cult abgeschworen, weil es damals hieß, Robert Kirkman hätte noch lange kein Ende für seine Erzählung. Und er sollte recht behalten, schließlich sollten es abschließend 32 Bände werden, bis seine Reihe nun vor Kurzem zu Ende gebracht wurde. Aber auch im TV sollten es sich die wandelnden Toten bequem machen, bis zur 7. Staffel hab ich da dann durchgehalten, wurde das Ganze dann doch, zumindest für mich, zu repetitiv. Bei den Arbeiten zur Fernsehserie muss Robert Kirkman dann mit dem zeitweiligen Showrunner der Serie, Scott M. Gimple, das ein oder andere Mal in der Kneipe versumpft sein, anders kann ich mir den Plot von Die!Die!Die! nicht erklären. Denn eben erwähnte Künstler haben sich die Geschichte zu Die!Die!Die! ersonnen und die grundlegende Idee dazu gehabt, wobei Chris Burnham und Nathan Fairbairn dann für die grafische Umsetzung hinzugekommen sind, die es auch echt in sich hat. Um das einigermaßen nachvollziehen zu können, versetzen wir uns mal in die Lage der beiden oben erwähnten Herren und versuchen das zu rekapitulieren. So könnte es sich damals zugetragen haben:

 

Die Brüder sind sehr gut ausgebildet und machen keine halben Sachen, hier ist Paul in Aktion. © Cross Cult

 

Kirkman: “Man sollte mal eine Geschichte über eine Organisation machen, die sich mittels Auftragskiller jedweder Störenfriede entledigt.“

Gimple: “Und diese Organisation agiert im Geheimen, gehört aber eigentlich auch zur Regierung.“

Kirkman: “Genau. Sie greifen mit zielgerichteten Mordattentaten ins Weltgeschehen ein und bringen „die Dinge wieder in Ordnung“. Innerhalb der geheimen Organisation agieren zwei Anführer gegeneinander und machen sich gegenseitig die Hölle heiß. Der eine sieht irgendwie asiatisch aus, ist ein kleiner älterer Herr mit Glatze und Brille und die andere ist eine ältere Frau, die sich gerne sexuell in Gang Bangs verdingt (natürlich mit Maske, wie im Film „Eyes Wide Shut“, nur viel versauter).“

Gimple: “Aber der Herr soll sich auch mit vielen Frauen verdingen dürfen, und wir zeigen dann, wie er scheißend auf dem Klo sitzt und dabei Spaghetti isst.“

K: “Und beide versuchen sich dann gegenseitig zu übertrumpfen und auszutricksen. Quasi ein Wettkampf untereinander, wer der alleinige Chef dann sein darf.“

G: “Aber der Leser weiß das zu Beginn noch nicht, und auch wenn sie sich gegenseitig die Wahrheiten offenbaren, zeigen wir immer nur einen Auszug davon, damit es spannend bleibt…“

K: “Das machen wir, aber irgendwie fehlt da noch was…“

G: “Wir brauchen noch einen Protagonisten, denn mit den alten Säcken kann sich wohl kaum jemand identifizieren…“

K: “Warum nur einen? Wir nehmen gleich 3…”

G: “Drei Brüder, die alle gleich aussehen und alle als Killer ausgebildet sind.”

K: “Au ja, und eigentlich waren es mal 4, aber der eine war nicht stark genug und wurde als Kind schon umgebracht, vom fiesesten Bruder. Die Brüder sind optisch alle kaum zu unterscheiden, deswegen müssen wir ihnen ein Merkmal mitgeben, sonst können die Leser sie nicht auseinanderhalten…“

G: “Was hälst du davon, wenn einer der Brüder dann lange Haare hat?“

K: “Finde ich gut, aber erst wenn wir sie in der Gegenwart erleben, dann sind sie so Mitte 20. Und um diese Brüder gibt es dann auch einen Komplott, der eine Bruder wird vom anderen Bruder ausgeschaltet, damit er den Präsidenten ermorden kann.“

G: “Ja, den Präsidenten ermorden ist immer gut. Das war bei der Umbrella Academy auch schon Thema, das muss rein, aber wir machen das mit dem aktuellen, mit Obama.“

K: “Nun ist aber der andere am Werk.“

G: “Egal, Obama passt da besser.“

K: “OK, aber der eine Bruder soll den anderen Bruder ja ersetzen und der dritte Bruder davon nichts wissen.“

G: “Weißt du was geil wäre?“

K: “Nee, sag an!“

 

Die einzelnen Hefte werden mit schönen Poster-artigen Artworks voneinander getrennt. © Cross Cult

 

G: “Wir schneiden dem einen Bruder die Nase ab, dann sieht er aus wie ein Schweinchen und der andere Bruder muss das dann auch machen, damit er genauso aussieht.“

K: “Krass, ja das machen wir. Und der dritte Bruder, der mit den langen Haaren, der weiß das erst nicht, bekommt das aber dann irgendwie raus. Wird denn der erste Bruder vom zweiten Bruder umgebracht?”

G: “Na klar, und der zweite Bruder ersetzt dann den ersten Bruder und seine Freundin merkt das dann aber ganz schnell, die ist aber auch eine Killerin…”

K: “Alle sind Killer, auch die Kinder sind schon aufs Töten aus. Wir brauchen aber noch ne Bedrohung. Wie wäre es mit einem Atomschlag?“

G: “Der Klassiker, der geht immer. Und Obama soll dann gezwungen werden, aufgrund des Atomschlags zu reagieren…“

K: “Aber der Atomschlag geht schief und alle fliegen mehr oder weniger auf beziehungsweise offenbaren ihre Pläne!“

G: “Wie soll denn ein Atomschlag schiefgehen? Ich meine, wenn die Rakete erst mal unterwegs ist…“

K: “Außerirdische greifen ein!“

G: “Och komm, echt jetzt?“

K: “Ja, eine außerirdische Rasse, die die Menschheit beobachtet und die sich als Katze unerkannt bei den Menschen aufhält. Und die Menschen finden von denen ein UFO und fangen die Rakete ab. Und eine andere Rasse beobachtet diese Rasse dann von der Rückseite des Mondes aus, krass oder?“

G: “Das ist es, wow! Aber ob wir uns morgen nach dem Saufgelage noch daran erinnern können?”

K: “Wir brauchen einen Bierdeckel!“

Zugegeben, der Dialog ist vollständig von mir erfunden, aber manches Mal hab ich mich bei der Lektüre echt gefragt, was sich die Autoren dabei gedacht haben. Nur um das direkt klarzustellen, ich wurde bis zum Schluss gut unterhalten und manchen kleineren Twist sieht man nicht kommen, aber Die!Die!Die! verlangt vom Leser schon viel Entgegenkommen, was die Prämisse und den Verlauf der Geschichte angeht. Wenn ihr da völlig offen seid, erwartet euch eine abgefahrene Geschichte voller Blut, Schimpfwörter, abgetrennter Körperteile und sexueller Anspielungen. Nicht umsonst ist auf der Rückseite des Buches eine Altersempfehlung ab 16 Jahren angegeben. Weiterhin sollten zartbesaitete Naturen sich die Lektüre ebenso sparen, der Comic ist schon explizit, was das Entfernen von Körperteilen angeht.

 

Das Cover macht direkt klar, welche Farbe dem Tintendrucker als erstes ausgehen würde… © Cross Cult

Fazit

Die!Die!Die! schöpft aus dem Vollen und dreht richtig auf. Alle Figuren im Comic halten richtig viel aus und verlieren jede Menge Blut, in den seltensten Fällen aber ihr Leben. Naja, zumindest nicht die Protagonisten, einige Kollateralschäden gibt es dann doch noch. Wenn ihr auf eine möglichst realistische Darstellung der Ereignisse hofft, kann euch der Comic nur enttäuschen. Wenn ihr euch auf jede Menge blutigen und irrsinnigen Nonsens einlassen könnt und wollt, dann kann ich euch Die!Die!Die! durchaus ans Herz legen. Stellt euch aber darauf ein, dass ihr mit den Protagonisten nicht richtig mitfiebern könnt, mit Charakterdarstellung und -entwicklung ist hier nicht. Wir bewegen uns hier eher im Bereich von B-Movie-Plots mit jeder Menge Gewalt und Gore auf allen Seiten. Das kann durchaus auch mal erfrischend sein, wenn das Hirn mal Urlaub hat und man sich überraschen lassen kann, was auf der nächsten Seite wohl passieren mag.

Die!Die!Die! ist erschienen bei Cross Cult
ISBN: 978-3-959811-24-8; 6×24, HC, 4c, 200 Seiten, 22,- Euro

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Newsbild © Cross Cult