Ich mache das in der Regel nur ganz selten. Wenn ich ein Buch oder einen Comic lese, dann mache ich das ohne musikalische Untermalung. Selten schalte ich mal das Radio ein oder lasse etwas Musik auf Spotify im Hintergrund laufen. Meist lenkt mich die Akustik zu sehr ab, wenn dann noch ein bekanntes Lied kommt, wo ich den Text gut kenne, dann bin ich gedanklich eher bei der Musik als bei der Lektüre. Es gibt aber viele Menschen, die beim Lesen auch Musik laufen lassen, die Auswahl ist heutzutage ja gigantisch. Weswegen ich euch damit gleich zu Beginn belästige? Weil ich erst nach Beendigung der Lektüre von Belzebubs bei den Recherchen festgestellt habe, dass die Band aus dem Comic in der Realität existiert und auch Musik veröffentlicht hat…na, oder so in der Art.

Aber mal von Vorne und auch mal in aller Ruhe für mich und die Leser aufgedröselt: Die Geschichten der Belzebubs, die hier nun gesammelt erstmals auf Deutsch im Cross Cult Verlag vorliegen, waren ursprünglich im Internet beheimatet, also ein Webcomic. Dieser wurde in der Metal-Szene (und wahrscheinlich auch nicht nur da, sonst gäbe es jetzt kein Buch) positiv aufgenommen und erfreute über Jahre die Fans mit immer neuen Kurzgeschichten und Comic-Strips. Generell arbeitete der Finne JP Ahonen an den Strips und veröffentlichte diese regelmäßig auf seiner Website, für alle kostenfrei auf Englisch zur Verfügung.

 

Der Ausdruck muss stimmen, sonst wird das nix mit Metal… © Cross Cult

 

Die Belzebubs handelt von einer Black-Metal-Band und deren Problemen zum einen als Band, aber auch als Familie. Die Band besteht dabei aus Sänger und Gitarrist Sløth, der mit seiner Frau Lucyfer auch zwei Kinder hat. Deren Namen sind Lilith und Leviathan, wobei Lilith im Teenageralter ist und Leviathan irgendwo zwischen 8 und 10 Jahren. Die Familie ist dabei vollends im Black-Metal aufgegangen und lebt diese Musikrichtung auch das ganze Jahr durch und durch aus. Weitere Mitglieder der Band sind Hubbath am Bass und Obesyx an der Lead Guitar und es gibt auch einen Drummer, jedoch wird dieser konstant ausgewechselt und keiner der Anwärter kann sich lange in dieser Position halten. Zeitweise wird sogar überlegt, ob das Schlagzeug nicht vom Band eingespielt wird und einfach eine maskierte Sexpuppe im Hintergrund an den Drums sitzen sollte. Als Familienvater und Lead-Singer einer Band hat man es nicht einfach. Weitere Figuren sind die Oma der Kinder, die ihren verstorbenen Ehemann immer wieder ausgräbt und mit an den Essenstisch setzt, sehr zum Widerwillen der Enkelkinder. Und dann wäre da noch Sam, der Schwarm von Tochter Lilith, der nun so gar nichts mit Black-Metal am Hut hat und nur langsam zur zunächst eigenartigen wirkenden Lilith findet.

Das Besondere an Belzebubs ist, dass mittlerweile nicht nur die Comic-Strips existieren, sondern es die Band auch in unserer Wirklichkeit gibt, zumindest theoretisch. Ich hab bei meinen Recherchen nicht herausfinden können, wer genau hinter der Band in der Realität steckt, aber die Hintergründe sind schon faszinierend. Auf der Homepage der Band könnt ihr noch mehr in das Universum einsteigen. Die Band hat mittlerweile auch ein komplettes Album namens „Pantheon of the Nightside Gods“ aufgenommen, welches unter anderem auch auf Spotify zu finden ist. Parallel dazu existieren auch animierte Musikvideos zu einigen der Stücke vom Album, die ihr auf der Website oder auch auf YouTube finden könnt.

 

Sløth weiß, wie er seine Frau mit Romantik begeistert. © Cross Cult

 

Ich habe bei der Lektüre die Chance verpasst, das Album im Hintergrund laufen zu lassen, erst beim Schreiben dieses Artikels habe ich dort mal reingehört. Ich musste feststellen, dass dies nach wie vor nicht meine Musik ist, was im völligen Kontrast zu dem steht, was ich vom vorliegenden Buch halte. Das Artwork ist dabei ein wenig cartoonartig gehalten und die Hintergründe auf das Nötigste beschränkt. Das Ganze ist dann passenderweise auch sehr in schwarz gehüllt. Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt, im Gegenteil, das Hauptaugenmerk sind die Charaktere und deren Eigenheiten sowie Fehler, die hier vom Künstler hier liebevoll porträtiert werden. Ich könnte mir vorstellen, dass einige der Episoden durchaus auch autobiographisch sind, was es nur umso authentischer erscheinen lässt. Auch wenn ich der Musik nichts abgewinnen kann, die Band und die Familie dahinter haben mich direkt auf den ersten Seiten eingefangen und für sich gewonnen.

 

Mehr. © Cross Cult

Fazit

Ich habe die Belzebubs lieben gelernt, auch wenn ich nicht so tief in der Szene verankert bin, wie manch anderer Fan. Die Strips und kurzen Geschichten funktionieren aufgrund der liebevollen Ausarbeitung von JP Ahonen auch ohne fundierte Kenntnisse der Black-Metal-Bewegung. Oftmals findet ihr nur einen kurzen Strip auf einer Seite und auf der nächsten Seite ist wieder eine komplett andere Szene dargestellt, es gibt aber so etwas wie einen roten Faden durch das Buch, der mich köstlich amüsiert hat und mich immer wieder zum Schmunzeln brachte. Dass dahinter nun bereits ein Cross-Media-Konzept samt richtiger Band, Musikvideos und einem kompletten Album steckt, macht es umso spannender, all das braucht ihr aber für die Lektüre des Buches nicht. Die Strips können für sich allein stehen und begeistern. Euch sollte allerdings klar sein, dass hier drin schon mal Dämonen beschworen werden oder andere Ausdrücke verwendet werden, die euren christlichen Glauben in Frage stellen könnten. Wer damit verdammt nochmal kein Problem hat, dem empfehle ich die Lektüre der Belzebubs sehr nachdrücklich.


Belzebubs ist erschienen bei Cross Cult
ISBN: 978-3-959810-26-5; 21×28, HC, 4c, 120 Seiten, 20,- Euro

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Newsbild © Cross Cult