Wer in einer anderen Stadt übernachten möchte und dort keine Person kennt, schläft in der Regel in einer Herberge oder in einem Hotel. Ich bin gerne in Hotels und brauche dort in der Regel keinen großen Komfort, ein sauberes Zimmer und ein gemütliches Bett reichen mir in der Regel, oftmals ist man ja nicht des Hotels wegen in der anderen Stadt. Meine Ansprüche sind also genügsam, die Ansprüche von anderen Menschen können diesbezüglich aber abweichen, manch ein Musiker findet in einem Hotel auch sein Zuhause. In anderen Medien abseits von Comics spielen Hotels ebenfalls eine mehr oder minder wichtige Rolle. Seien es das Grandhotel Budapest, das Hotel in Shining oder das Hotel California…

Nun befassen wir uns in dieser Rezension aber mit dem Hotel Oblivion. Was es damit auf sich hat? Dazu muss ich ein wenig weiter ausholen, denn so einfach sind die Begebenheiten in diesem Fall nicht. Warum, fragt ihr? Nun ja, das Hotel Oblivion ist Teil und Titel der Umbrella Academy-Comicreihe, in diesem Fall auch auf dem Cover vom dritten Band der obskuren Erzählung. Nach knapp 10 Jahren haben Gerard Way und Gabriel Ba endlich die Geschichte um die Academy fortgesetzt. Wer erst dieses Jahr durch die Netflix-Serie zur Comic-Reihe gelangt ist, wird davon nichts bemerkt haben, jedoch hatte der Verlag Cross Cult die ersten beiden Bände der Umbrella Academy bereits vor ca. einer Dekade schon einmal veröffentlicht. Dieses Jahr dann erschienen die beiden ersten Bände in tollen Neuauflagen, in die sich nun der dritte ganz aktuelle Band chronologisch und optisch einreiht.

 

Wenn man so nett in ein Hotel eingeladen wird… © Cross Cult

 

Nach den Ereignissen von Dallas im gleichnamigen Band finden wir die Mitglieder der Umbrella Academy weit verstreut über die Welt vor. Aus diesem Grund verfolgen wir alle paar Seiten dann einen anderen Handlungsstrang, bevor wir gegen Ende dann zumindest einige Mitglieder der Familie versammelt vorfinden. Damit kommen wir auch gleich zu meinem größten Kritikpunkt, bevor ich überhaupt auf die Inhalte eingehen kann. Es vergehen keine 4 Seiten, da springen Way und Ba schon wieder zu einer anderen Location. Das macht es echt anstrengend, den jeweiligen Geschichten zu folgen, weil wir als Leser halt auch nicht wissen, worauf die Geschichte hinausläuft. Das mag der geneigte Fan vielleicht als „cool“ ansehen, dass sich Way und Ba den Konventionen von Erzählungen widersetzen, es gelingt ihnen in meinen Augen aber nicht die einzelnen Stränge gekonnt zusammenzuführen.

Gleich zu Beginn sehen wir wie Reginald Hargreeves, wie er einen Superschurken in das Hotel Oblivion teleportiert. Das Hotel befindet sich im sogenannten Nachraum, einer Dimension, die nur über sogenannte Televator zu erreichen ist. Das Hotel Oblibion stellt sich dabei als ein Weltraumgefängnis für die die Superschurken heraus, was nun für die übriggebliebenen Mitglieder der Familie der Umbrella Academy zu einem Problem wird. Es gelingt den Insassen nämlich, sich aus diesem Gefängnis zu befreien und sie sind daraufhin drauf und dran an den übriggebliebenen Mitgliedern der Academy Rache zu üben.

 

Spaceboy hat sich einen Bart wachsen lassen! © Cross Cult

 

Wir sehen in diesem Band weniger von Nummer 5, der noch im zweiten Band die Hauptrolle spielte. Vanya kommt hier wieder langsam zu Kräften und kann doch schon wieder mehr mit ihrem Körper anstellen, als es der Leser erwartet. Ihr Handlungsstrang ist eigentlich der wichtigste, weil er unmittelbar zum großen Cliffhanger führt, den ich so nicht erwartet hatte und der einen potenziellen 4. Band wieder interessanter werden lässt. Auch Allison und Klaus haben noch mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen, sie trauert ihrer Ehe nach und versucht Kontakt zu ihrem Kind aufzunehmen, er betäubt sich weiterhin auf alle möglichen Weisen mit Drogen. Luther (Spaceboy) und Diego (Kraken) müssen in diesem Band unfreiwillig zusammenarbeiten und kommen dem Geheimnis rund um das Hotel auf die Schliche. Natürlich ist es dann schon zu spät und alles kulminiert in einem großen Showdown, wo es wie oben angedeutet noch eine große Überraschung gibt.

Gerard Way und Gabriel Ba machen wie gehabt mit ihrer Reihe was sie wollen. Das ist oftmals so abgefahren und unlogisch, dass es eine Freude ist zu entdecken. Auf der anderen Seite hätte ich mir persönlich ein wenig mehr Struktur in der Art und Weise, wie sie ihre Geschichte erzählen, gewünscht. Was hab ich als Kreativteam davon, wenn ich den Leser alle paar Seiten quer durch die Welten (Galaxien, Dimensionen?) springen lasse? Der rote Faden ist selbst für Leser der Vorgängerbände nicht immer sichtbar, Neueinsteiger brauchen sich gar nicht erst auf den Band einzulassen, wenn sie einer stringenten Erzählung folgen wollen. Zu sehr wird sich bemüht den Leser ratlos zurückzulassen, manches Mal durch die sprunghafte Erzählung, manches Mal allerdings auch durch die obskure Optik der Zeichnungen von Bá, wenn ich als Leser Schwierigkeiten habe zu sehen, was auf dem Panel dargestellt werden soll.

 

Ein neuer Superheld am Horizont? Oder doch ein Schurke? © Cross Cult

 

Fazit

Nur um das klarzustellen, ich mag den phantasievollen Stil von Bá sehr gern (nicht zuletzt bei seinen Arbeiten im Hellboy-Universum) und bei der Umbrella Academy können er und Gerard Way sich vollends austoben, schließlich ist das ihr „Baby“. Ich hätte mir im mittlerweile dritten Band aber eine klarere Linie gewünscht, was die Entwicklung der Charaktere und auch der Ereignisse angeht. Wenn ihr einfach nur bunte Panels und krasse Figuren entdecken wollt, bei denen nicht erklärt wird, was sie für Fähigkeiten besitzen, dann sind die Umbrella Academy-Comics genau euer Ding. Manches Mal hab ich das Gefühl, die Nebenfiguren und deren Eigenschaften oder Motive werden so im Vorbeigehen entwickelt und dann nicht wieder groß darüber nachgedacht. Ich hab bei vielen Figuren erst durch die Fernsehserie verstanden, was die Motivation und ihre Gefühle untereinander angeht. Diese weicht aber in einigen Details von den Comics ab, weswegen das auch nicht eins zu eins übertragen werden kann. Jeff Lemire, der hier im dritten Band im Vorwort äußerst lobende Worte findet, ist es mit der Einführung seiner Charaktere in Black Hammer viel besser gelungen, den Leser an die Hand zu nehmen. Insgesamt hat man sich bei der Academy nicht die Zeit genommen alle Figuren zu erklären, mir fällt es dann schwer, mich mit ihren Bedürfnissen und Ängsten zu identifizieren. Das Spektakel in den ersten drei Büchern überlagert die Charakterentwicklung in meinen Augen leider. Wollt ihr immer Action und viele skurrile Charaktere ohne groß nachzudenken, dann empfehle ich euch die Bücher aus dem Cross Cult-Verlag uneingeschränkt. Wollt ihr trotz dysfunktionaler Familie hier in der Umbrella Academy auch mit den Charakteren mitfiebern, dann fühlt ihr euch vielleicht wie ich verlassen und vom Kreativteam links liegengelassen. Die Optik ist geil, aber die Geschichte ist fast durchgängig wirr und erst gegen Ende ein wenig klarer strukturiert. Schade, da hatte ich nach 10 Jahren Pause mehr erwartet.

The Umbrella Academy Band 3: Hotel Oblivion ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-959811-64-4
16×24, Hardcover, 4c, 192 Seiten, 22,- Euro

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Newsbild: © Cross Cult