Dieses Mal möchte ich meine Gedanken zum vorliegenden Comic Hilda und die Vogelparade mit einem Zitat aus dem Buch beginnen: „Wenn die Leute das Schlimmste annehmen, sehen sie auch überall Anzeichen dafür.“

Es hatte sich zum Abschluss von Hilda und der Mitternachtsriese schon angedeutet: Hilda und ihre Mutter sind nun in die Stadt umgezogen. Bisher hatte Hilda die Stadt ja immer vermeiden wollen, auf der anderen Seite kannte Hilda nichts anderes als das Leben auf dem Lande. Wir treffen Hilda nun ein Jahr nach den Ereignissen des letzten Abenteuers in der Stadt Trolberg wieder. Gerade einmal drei Tage wohnen sie nun hier und Hilda versucht sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, indem sie ihren gewohnten Routinen nachgeht. Geschickt setzt Autor und Zeichner Luke Pearson hier die gewohnte Morgenroutine von Hilda in ihrem alten Leben mit der neuen Morgenroutine in Kontrast. Hatte Hilda auf dem Land für den neuen Tag bereits am Morgen Pläne geschmiedet, fällt es ihr in der Stadt noch eher schwer, sich für den Tag fertigzumachen. Aber Hilda wäre nicht Hilda, wenn sie den Kopf in den Sand stecken würde, und so macht sie sich gerade für einen Ausflug in der Stadt fertig, als ihre Mutter ihr diese Erkundung untersagt. Hildas Mutter Johanna weiß um die Gefahren einer Stadt und fürchtet Hilda könne sich verlaufen. Hilda entgegnet ihr, dass sie sich gerne verläuft und sieht sich ungerecht behandelt. Sie nimmt die Warnung ihrer Mutter auch nicht ernst, sodass es zum Streit kommt. Dieser hält aber nicht lange an, die beiden vertragen sich wieder und vereinbaren am Abend gemeinsam zur jährlichen Vogelparade zu gehen.

Der Einstieg birgt das erste Konfliktpotenzial, welches auch direkt ausgespielt wird. Johanna macht sich Sorgen um Hilda, weil sie um ihre Tochter Angst hat, dass diese sich verläuft und nicht mit den speziellen Gegebenheiten einer Stadt klarkommt. Sie nimmt das Schlimmste an und sieht Anzeichen dafür. Schließlich klopfen einige von Hildas Mitschüler/Innen an der Tür, um zu fragen, ob Hilda mit ihnen draußen spielen kommen darf. Johanna gibt nach und Mutter und Tochter verabreden sich für den Abend, um dann nach dem Essen gemeinsam zur Vogelparade zu gehen.

 

Zum ersten Mal bekommen wir als Leser einen Streit zwischen Johanna und Hilda zu sehen, aber auch die Aussöhnung. © Reprodukt

 

Draußen erkunden Hilda und ihre Klassenkameraden ein wenig die Gegend und Hilda bekommt gezeigt, was man in ihrem Alter draußen so macht. Ein wenig befremdlich für Hilda werden hier Klingelstreiche gemacht, mit leeren Konservendosen Fußball gespielt und die geheimen Plätze der Stadtkinder aufgesucht. Sie streunen eher durch die Gegend, weil es anscheinend auch keinen richtigen Ort für sie gibt, an dem sie sich aufhalten können. Dies kann durchaus als Kritikpunkt an der modernen städtischen Lebensweise gesehen werden, da es in den urbanen Gegenden heutzutage auch für Kinder und Jugendliche kaum noch Plätze gibt, an denen sie sich aufhalten können. Schließlich einigt sich die Gruppe darauf mit Steinen zu spielen, jedoch anders als Hilda dies vermutet. Mit den herumliegenden Steinen werfen die Kinder nach den Vögeln auf den Bäumen und versuchen diese abzuwerfen. Hilda ist entsetzt und als schließlich ein Rabe getroffen wird und abstürzt, laufen die anderen Kinder davon, nur Hilda nimmt sich dem Vogel an. Dieser kann sprechen und hat durch den Absturz vergessen wie man fliegt. Auch sonst überkommt ihn das Gefühl, er habe eine wichtige Aufgabe, wenn er sich doch nur daran erinnern könnte.

Nachdem sich die Katzen bereits auf die Lauer gelegt haben, läuft der Rabe widerwillig mit Hilda durch die Stadt, auf der Suche nach Hildas Haus. Auf ihrem Weg kommen sie an jeder Menge unbekannter Türen und Gebäude vorbei, beide sind sich einig, dass es schwierig ist sich in einer Stadt zu orientieren, wenn alles so gefühlt gleich ausschaut. Auch wenn Hilda auf die Feinheiten bei der Gestaltung der Eingangstüren hinweist, die sich ihnen auf ihrem Weg offenbaren, wirklich hilfreich ist dies nicht. Wenn der Rabe doch nur wieder fliegen könnte. Nach einem weiteren Zwischenfall mit einem Rattenkönig und einem Salzlöwen am Hafen (beides erfundene Lebewesen, eines davon der Fantasie von Rabe und Hilda geschuldet), beschließen sie auf einen Kirchturm zu steigen und die Stadt von oben zu betrachten.

 

Hilda und der Rabe in seiner wahren Größe. © Reprodukt

 

Oben angekommen macht Hilda ihr Wohnhaus aus, bis auf einmal die Kirchenglocke läutet und sie zum Abstieg zwingt. Zur selben Zeit macht sich Hildas Mutter bereits große Sorgen, auch sie hört die Glocken und es ist bereits 19 Uhr, die Zeit, zu der sich beide zu Hause verabredet haben. Johanna schickt nun den Hirschfuchs Hörnchen los, um nach Hilda zu suchen. Derweil versucht Hilda sich den Weg zu ihrem neuen Zuhause zu bahnen und sieht dabei die ersten Vorbereitungen zur Parade. Schließlich hält es auch Hildas Mama nicht mehr in der Wohnung aus und macht sich auf den Weg zur Parade, in der Hoffnung dort auf Hilda zu stoßen. Wie immer soll hier nicht die komplette Geschichte wiedergegeben werden, sondern ihr sollt euch für das lohnenswerte Ende schließlich auch den Comic kaufen. Nur so viel: Es war natürlich kein Zufall, dass Hilda und der Rabe sich getroffen haben. Schließlich wird dieser noch eine entscheidende Rolle zum Schluss spielen und darf auch mein eingangs erwähntes Zitat zum Besten geben.

Die Bewohner der Stadt Trolberg sehen in der jährlichen Wiederkehr des Raben zur Vogelparade den Segen für ein bevorstehendes fruchtbares Jahr. Fällt diese Wiederkehr aus welchem Grund auch immer aus, sehen sie nur das Schlechte für ihre nahe Zukunft. Hildas Mutter Johanna nimmt für Hilda an, dass sie sich in der Stadt nur schlecht orientieren kann und sich verlaufen wird, weil sie es einfach nicht gewohnt ist. Hilda wehrte sich in der Vergangenheit immer dagegen in die Stadt zu ziehen und verläuft sich am dritten Tag auch prompt, nachdem sie von ihren neuen Bekanntschaften im Stich gelassen wurde. Dennoch sieht Hilda im Verlauf des Tages auch positive Dinge im Stadtleben und beginnt die schönen Dinge dort wertzuschätzen.

Dieses Mal arbeitet Pearson vermehrt auch mit Farben, um die entsprechenden Stimmungen zu unterstützen, in die Hilda geworfen wird. Das kühle Blau der beginnenden Nacht, als Hilda noch ohne Mutter umherirrt, vermehrt orangene bis rote Töne als die Parade beginnt und Hilda sich in Sicherheit oder in bester Gesellschaft mit dem Raben befindet. Auch die Zeichnungen von Hilda nähern sich immer mehr den runden Formen an, nicht mehr so kantig und detailarm wie noch im ersten Buch. Auch spielt Pearson viel mehr mit unterschiedlichen Panelgrößen herum, was der Dynamik in dieser Geschichte sehr zugute kommt.

 

Die Vogelparade ist ein traditionelles Fest in Trolberg. © Reprodukt

Fazit

Geschickt wirft der Autor seine Protagonistin in ein ihr unbekanntes Umfeld, allerdings nicht ohne die spezifischen Merkmale von Hilda auch dort zu platzieren. Hilda ist und bleibt ein neugieriges Mädchen, das sich nicht um Konventionen schert, sondern ihr eigenes Ding macht. Auf dem Kirchturm machen der Rabe und sie in der Ferne auch die umgebenden Trolle aus. Im Hafen treffen sie auf einen Salzlöwen und einen Rattenkönig und dass Hilda den Raben verstehen und sich mit ihm unterhalten kann, ist bestimmt auch kein Zufall. Hier möchte ich ein weiteres Zitat anbringen, diesmal eines von einem weisen Tiger namens Hobbes: „You can take the tiger out of the jungle, but you can’t take the jungle out of the tiger.“ Dies lässt sich mit ein wenig Humor durchaus auch auf Hilda übertragen. Man kann Hilda aus ihrer abenteuerlichen Umgebung herausholen, aber man kann nicht das Abenteuer aus Hilda nehmen.

Newsbild: © Reprodukt

 

Hilda und die Vogelparade ist erschienen bei Reprodukt ISBN Softcover: 978-3-95640-187-9

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