Erinnert ihr euch noch an den Riesen, dem Hilda bei ihrer Flucht vor dem Troll begegnete? Er war nur ganz kurz in der ersten Geschichte zu sehen, hat uns aber direkt klargemacht, dass es in der Welt von Hilda nicht nur Trolle gibt, sondern auch Riesen das Land bereisen. Woffel, Trolle, Riesen, wo soll denn das noch hinführen? Hinterher tischt uns Luke Pearson demnächst auch noch winzige Lebewesen auf, die unsichtbar sind und ganze Städte direkt unter den Füßen von Hilda und ihrer Mutter bewohnen. Also echt…

Doch so abwegig ist das gar nicht, gerade als Hildas Mutter ihr einen Tee zur Aufmunterung gemacht hat, klopft es an der Tür. Wie wir lernen, scheint dies in der letzten Zeit häufiger der Fall gewesen zu sein. Doch an der Tür ist niemand. Moment, doch: Immer wieder liegen winzig kleine Briefe auf der Türschwelle, so auch diesmal. In diesen Briefen, die Hilda mit der Lupe lesen muss, fordern unbekannte Lebewesen vom Verborgenen Volk Hilda und ihre Mutter auf, die Hütte, in der sie leben, zu verlassen. Hilda passt das natürlich überhaupt nicht, weswegen sie umgehend in einem höflichen Ton antwortet und ihren Brief ebenfalls auf die Fußmatte legt. Nachdem Hildas Mutter Johanna und Hilda schließlich auf dem Sofa eingeschlafen sind, fliegen kleine Steine durch die geschlossene Fensterscheibe und der Terror beginnt. Nun macht das Verborgene Volk ernst und fordert die beiden weiblichen Bewohner lautstark und mit Nachdruck auf, endlich auszuziehen. Weitere Steine fliegen und einige Bewohner vom Verborgenen Volk demolieren nun auch von Innen das Mobiliar und versuchen Hilda und ihre Mutter samt Sofa hinauszutragen. Nun reicht es Hilda aber, sie schnappt sich wutentbrannt einen Besen und kehrt die unsichtbaren Belagerer einfach aus dem Haus hinaus. Sie kommt kaum zu Luft, da erblickt sie draußen vor der Tür einen Riesen, der kurze Zeit später auch wieder verschwindet, als Hilda nach drinnen zu ihrer Mutter rennt. Ihre Mutter steht da schon kurz davor zu resignieren und schlägt vor, in die Stadt Trolberg umzuziehen, wo Hilda eine geregelte Schule besuchen und sich menschliche Freunde in ihrem Alter suchen kann.

 

Der Terror im eigenen Hause beginnt. © Reprodukt

 

Bevor es soweit kommt, offenbart sich in derselben Nacht ein Abgesandter vom Verborgenen Volk Hilda. Nun ja, vorher muss erst jede Menge Papierkram erledigt werden, bevor sich der Elfling Alfur Hilda zeigen kann. Er sitzt direkt an Hildas Ohr, damit sie ihn auch hören kann. Nachdem Hilda den vorbereiteten Vertrag (Elflinge sind sehr bürokratisch müsst ihr wissen) unterschrieben hat, kann sie Alfur im Spiegel direkt an ihrem Ohr entdecken. Es stellt sich heraus, dass das Verborgene Volk schon seit Ewigkeiten das Gebiet rund um Hildas Wohnhaus besiedelt hat, die kleinen, maximal kniehohen Häuser jedoch nicht für Menschen sichtbar sind. Also staunt Hilda nicht schlecht, als sie am folgenden Morgen aus ihrem Haus in die Umgebung schaut. Vor ihr offenbaren sich mehrere winzige Städte, die sie die ganze Zeit nicht sehen konnte, wohl aber tagein, tagaus direkt durch die Gebäude gelaufen ist. Zum Glück sind diese transparent und wurden in der Vergangenheit nicht durch Hilda und ihre Mutter zerstört. Dennoch: Wenn so ein riesiger Fuß in deinem Wohnzimmer steht, das kann einen schon schocken.

Alfur erläutert Hilda, dass es sich sogar um mehrere Länder handelt, die sich da über das weite Feld erstrecken. Weiterhin erklärt er Hilda, dass der Premierminister der Elflinge seinem Volk versprochen hat, Hilda und ihre Mutter aus der Hütte zu vertreiben. Das lässt Hilda natürlich nicht auf sich sitzen und verlangt von Alfur, dass er sie zum Premierminister bringt. Nur weiß Alfur gar nicht, wo dieser wohnt, außerdem wäre das ja bürokratischer Irrsinn, wenn jeder einfach so zum Premierminister gehen könne. Aus diesem Grund statten Hilda und Alfur zunächst dem Bürgermeister einen Besuch ab, doch dieser zeigt sich wenig einsichtig, schließlich haben sich Hilda und ihre Mutter in der Vergangenheit gegenüber dem Verborgenen Volk sehr destruktiv verhalten, egal ob sie das Verborgene Volk nun haben sehen können oder nicht. Das ist zu viel für Hilda, sie schmiedet einen Plan und versucht im weiteren Verlauf der Geschichte sich letztendlich mit dem Premierminister zu einigen … wenn da doch die verflixte Bürokratie nicht wäre.

Der titelgebende Riese nimmt dann die zweite Hälfte des Buches ein und bringt ein wenig Melancholie mit ins Geschehen. Der Riese ist mit seiner Freundin verabredet, die er bereits seit Tagen sucht, aber nicht finden kann. Schließlich konfrontiert Hilda den Riesen, nachdem dieser jede Nacht auch das Haus von Hilda beobachtet hat. Mit der Hilfe eines Woffels gelangt Hilda schließlich auf den Riesen, genauer gesagt an die Ohrmuschel, und kann sich mit ihm unterhalten. Im weiteren Verlauf findet Hilda noch weitere Informationen über die alten Riesen heraus und dass diese früher auf der Erde wandelten. Einer der Riesen wurde dabei immer auf den höchsten Berg der Erde beordert, um dort nach Gefahren aus dem All Ausschau zu halten und die Erde zu beschützen. Nach seiner Schicht merkt der Mitternachtsriese nun, dass scheinbar niemand seiner Freunde auf der Erde wandelt, erst recht nicht seine Freundin, mit der er sich vor tausenden von Jahren verabredet hatte. Doch Hilda wäre nicht Hilda, wenn sie dem Riesen nicht behilflich sein könnte, wenn auch völlig ohne Absicht. Das ist eine tolle Geschichte, die mit einem Happy End abschließt – wirklich lesenswert und melancholisch.

 

Auf dem Cover werden schön die beiden Gegensätze gezeigt, in der Mitte dann Hilda. © Reprodukt

 

Scheinbar mühelos baut Luke Pearson seine Welt rund um die blauhaarige Hilda weiter aus. Riesen, die sich gegenseitig suchen, ein verborgenes Volk aus Elflingen direkt vor der Haustür, auch im zweiten Album wird der Leser von Anfang an in die Geschichte förmlich hineingezogen. Hilda entpuppt sich immer mehr als ein aufgewecktes und neugieriges Mädchen, das nur sehr schlecht mit Ungerechtigkeiten umgehen kann. Dabei bietet sie sowohl den jungen als auch den alten Lesern genug Identifikationsfläche, um sich in sie, oder die Welt um Hilda herum, hinein zu versetzen. Sicher werden einige der Themen, die Pearson in seinen Hilda-Comics bearbeitet, für Kinder nicht relevant sein, mit der Bürokratie schlagen sich in der Regel eher Erwachsene herum. Aber auch die Themen Ausgrenzung, Heimat sowie Verlust werden innerhalb der Geschichte aufgegriffen, und das sind definitiv auch Themenwelten für Kinder.

Fazit

Optisch bleibt sich Pearson auch in diesem Album treu und inszeniert die Erzählung mit einfachen Illustrierungen, die manches Mal ein wenig kantig rüberkommen und Details vermissen lassen („Ich hab nicht einmal Hände“). Die Geschichte rund um das Verborgene Volk stellt nur einen Handlungsstrang innerhalb von „Hilda und der Mitternachtsriese“ dar, ist aber mit der Handlung rund um die Riesen im zweiten Teil des Albums verbunden. Zum Abschluss dieses Bandes steht für Hilda und ihre Mutter eine gravierende Veränderung an, die sich unmittelbar im folgenden Band fortsetzen wird. Es bleibt spannend, wie Pearson seine Figuren in neuen Settings weiterentwickeln wird und welche Gefahren sowie Abenteuer noch auf Hilda warten. War der erste Band noch sehr rudimentär ausgebildet, öffnet sich mit der Geschichte rund um das Verborgene Volk und den Mitternachtsriesen die Welt ungemein und lässt uns Leser noch tiefer in das Universum von Hilda versinken. Wenn es so phantasievoll weitergeht, lasse ich mich da gerne mit entführen.

Newsbild: © Reprodukt

 

Hilda und der Mitternachtsriese ist erschienen bei Reprodukt ISBN Softcover: 978-3-95640-115-2

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