Wenn man sich ein wenig mit den Hintergründen von Comics und den Machern beschäftigt und beispielsweise auch Fachmagazine liest oder andere Kanäle verfolgt, dann stolpert man mehrfach über den einen oder anderen Titel. Manchmal ist es nur der Name des Titels, der erwähnt wird, manchmal geht es um Autor/in oder Zeichner/in im Allgemeinen und so baut sich nach und nach ein Bild von der entsprechenden Publikation im Kopf auf. Über Gung Ho stolperte ich ebenfalls schon des Öfteren und alles, was ich davon gehört hatte, war, dass es sich um eine Mischung aus Herr der Fliegen von William Golding und Walking Dead handeln musste. Zumindest suggerierte mir das mein Verständnis, bezogen auf Gerüchte und Informationen aus dritter Hand. Ganz so falsch sind die Assoziationen natürlich nicht, es steckt immer ein Fünkchen Wahrheit darin, schließlich kamen die Informationen von Lesern, die den Comic schon gelesen hatten. Nun war es also an der Zeit, sich selbst ein Bild zu machen. Lange genug hatte ich damit gewartet, auch seit der Cross Cult-Verlag mir den ersten Band von Gung Ho freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

 

Auf dem Weg zur Siedlung 16 noch ganz unbekümmert. © Cross Cult

 

Zunächst muss ich dabei natürlich auf die Zeichnungen von Thomas von Kummant eingehen, die sofort ins Auge springen. Teilweise sehen diese wie gemalt aus, insbesondere wenn keine Lebewesen im jeweiligen Panel zu sehen sind. Das ist schon sehr beeindruckend. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich diese Kunstform des Zeichnens doch ausgestaltet werden kann. Auf der einen Seite gibt es die klassischen Herangehensweisen mit Zeichner, Tuscher und Kolorist und auf der anderen Seite werden heute auch Computer und Tablets zu Hilfe genommen, um gestalterisch tätig zu werden. Dies spaltet mitunter auch die Leserschaft, mir ist das jedoch völlig egal, welchen Ansatz ein Künstler fährt. In der Hauptsache zählt das Ergebnis und ob dieses mir gefällt.

Gung Ho wird in seiner inszenatorischen Wucht mit warmen und freundlichen Farben unterstützt. Wir erleben die Geschichte in einem Europa der nahen Zukunft. Auch wenn die zivilisatorischen Errungenschaften noch präsent sind, spielt ein Großteil der Handlung in der freien Natur. Es gibt weiterhin Gebäude und auch Elektrizität, sowohl in den großen Städten als auch in den Siedlungen, wovon eine im ersten Band die Hauptkulisse darstellt.

 

Die jugendlichen Akteure in der Übersicht. © Cross Cult

 

Die beiden jugendlichen Brüder Archibald (Archer) und Zacharias (Zack) kommen mit einem Versorgungszug aus der Stadt in die Siedlung 16, auch genannt „Fort Apache“. In der Stadt lebten sie bereits in einem Waisenhaus, da sich jedoch insbesondere Archibald nur schwer an Regeln halten kann, obwohl er der ältere der beiden Brüder ist, stellt Siedlung 16 nun ihre letzte Chance dar, sich irgendwie einer Gruppe von Menschen einzufügen. Die Welt wurde von mutierten Raubtieren erobert, die überlebenden Menschen haben sich in versprengten, von der Außenwelt möglichst abgetrennten Festungen zusammengefunden. In Siedlung 16 leben knapp 400 Menschen innerhalb von hohen Mauern und Palisaden, draußen davor machen die sogenannten Reißer (affenähnliche Lebewesen) Jagd auf alles was sich bewegt. Innerhalb der Siedlung haben eine wenige erwachsene Leute das Sagen übernommen, ansonsten finden sich dort auch Jugendliche sowie Kinder, quasi eine Kommune. Ava Kingsten ist eine der Anführerinnen in Siedlung 16, ein weiterer ist Mr. Bagster, der sich gemeinsam mit einigen Handlangern um die Inventarbestände kümmert. Ziemlich früh im Buch wird klar, dass es innerhalb der Siedlung unterschiedliche Gruppierungen gibt, die nicht immer zum Wohle aller zusammenarbeiten.

Diese Zerrissenheit spiegelt sich auch in den jugendlichen Gruppen wider, in der sich Archer und Zack zunächst einmal beweisen müssen. Das Einfinden in die Siedlung und in die jeweiligen Gruppen stellt die Kernhandlung von Band 1 von Gung Ho dar. Insgesamt ist die Geschichte auf 5 Bände angelegt, wovon der vierte Band vor Kurzem erschienen ist. Die Ereignisse kulminieren in einem kleinen Showdown, der den ersten Band gekonnt abrundet und nicht zu viel verrät, es kommt zu einer ersten Begegnung der Leser mit den Reißern.

 

Zack ist zwar der ruhigere der beiden Brüder, dennoch weiß er sich zu wehren. © Cross Cult

Fazit

Über die visuelle Inszenierung habe ich schon positive Worte verloren, aber auch die erzählte Geschichte nimmt sich Zeit, die Protagonisten und mögliche Antagonisten (nicht nur die vor den Mauern, sondern auch die innerhalb) vorzustellen. Dabei gelingt es Benjamin von Eckartsberg nicht in klischeebehaftete Erzählstrukturen abzugleiten und meine Befürchtungen eines weiteren „Endzeit-Szenarios mit Zombies“ zu zerstreuen. Die Charaktere sind jederzeit glaubhaft und verhalten sich entsprechend, wobei ich gespannt bin, wie sich diese weiterentwickeln. Auch wenn Archer hier zunächst als egoistisches Arschloch porträtiert wird, glaube ich, dass wir auch bei ihm eine Entwicklung im Laufe der Reihe sehen werden. Zack hat mich im Verlauf des ersten Bandes bereits überrascht und macht trotz seines älteren Bruders einen vernünftigeren Eindruck, auch wenn man nicht weiß, wann bei ihm vielleicht die Hormone verrücktspielen. Gung Ho hat meine zugegeben niedrigen Erwartungen und mein Schubladendenken bei Weitem übertroffen und mir Spaß beim Lesen und beim Anschauen der Zeichnungen beschert. Für mich ist das nun bereits kein Geheimnis mehr, aber je mehr ich mich mit dem Thema Comic/Graphic Novel beschäftige, desto mehr deutsche Künstler entdecke ich, die sich bei Weitem nicht vor den Großen der Zunft verstecken müssen. Ich kann gar nicht erwarten, mehr von Nic Klein (Drifter), Franziska Ruflair (Adventure Huhn), Christin Wendt & Ronja Büscher (Message) oder auch Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant zu lesen und zu entdecken. Spannende Künstler, von denen ich gerne mehr in die Öffentlichkeit rücken würde.

 

Newsbild: © Cross Cult

Gung Ho Band 1: Schwarze Schafe ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-864253-85-0

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