Mit den dicken Bänden aus der Reihe „Geschichten aus dem Hellboy-Universum“ sammelt der deutsche Cross Cult-Verlag immer einige der amerikanischen Veröffentlichungen im Hardcover-Format. Dabei geht man generell chronologisch vor, umfasst aber nicht nur eine der vielen Hellboy-Ableger-Reihen, sondern veröffentlicht gleich mehrere dieser Spin-off-Serien in diesen Bänden. So fanden sich in den letzten „Ziegelsteinen“ (wie die Bücher liebevoll genannt werden) die Fortführungen der Reihen B.U.A.P. – Hölle auf Erden, Abe Sapien, Witchfinder, sowie Sledgehammer 44 oder auch Lobster Johnson. Speziell in diesem aktuellen Band liegen nun Abe Sapien: Heilige Orte, B.U.A.P. – Hölle auf Erden: Die Teufelsflügel, Witchfinder: Die Rätsel von Unland sowie Abe Sapien: Eine große Finsternis erstmals in deutscher Übersetzung vor. Wie gehabt sind die Bände auf 1.111 Exemplare limitiert, es heißt also schnell zuschlagen, bevor die Chance vertan ist.

Für Neueinsteiger sind die Geschichten in diesem Band nur schwer zu verstehen, bilden sie doch allesamt Fortführungen von den Ereignissen aus vorherigen Veröffentlichungen der entsprechenden Reihen. Zum Abschluss gebracht wird ebenfalls keine der vorliegenden Reihen, da werden in Zukunft (hoffentlich) noch mindestens 3 Veröffentlichungen von Cross Cult folgen, wobei bei der Behörde zur Untersuchung und Abwehr Paranormaler Erscheinungen bereits ein weiterer Zyklus auf Englisch veröffentlicht wurde. Genug Geplänkel, steigen wir mal ein:

 

Sowohl unter als auch über Wasser sind die Kräfte von Abe Sapien gefragt. © Cross Cult

 

Die ersten knapp 140 Seiten des Omnibus-gleichen Werkes widmen sich zunächst der weiteren Reise von Abe Sapien, der von den Erinnerungen an all die Tode, die er gesehen und verursacht hat, heimgesucht wird. Dies veranlasst ihn an den Ort zurückzukehren, an dem seine letzte Verwandlung begann. Auf dieser Suche dringt er unabsichtlich in einen „Garten Eden“ ein und befreit eine gefesselte Frau namens Grace aus einer einsamen Hütte. Auf den ersten Seiten dieser Episode namens „Der Garten“ wird die Geschichte aus Sicht eines jungen Mannes erzählt, der Grace in seiner Hütte gefangen hält. In seinem Wahn sieht er Abe als die Schlange an, die seinen Garten Eden erobern und ihn verführen will. Es kommt zu einer Auseinandersetzung aus der Abe Sapien erfolgreich, jedoch verletzt, hervorgeht. Dies alles geschieht komplett ohne Dialoge und durchgängig mit 3 gleichgroßen Panels pro Seite, wir lernen die Vorgeschichte dieses namenlosen Mannes kennen und wir sehen in Rückblenden auch wie Grace zu diesem Mann kam, mit dem sie vorher keine Verbindung hatte.

Diese ersten knapp 25 Seiten sind mit das Beste, was in diesem Hardcover-Band zu finden ist. Lediglich die Kurzepisode namens „Plage“ aus dem B.U.A.P.-Band sticht für mich ebenso aus der ersten Hälfte des Buches hervor. Im weiteren Verlauf von Abes „Odyssee“ nimmt er Grace mit und sie stoßen auf weitere Überlebende in der Hütte eines „Heilers“, später schließen sie sich dann einer Gruppe an, die einem Totenkult huldigt. Es werden neue Charaktere eingeführt, Grace und Abe schreien sich an, machen sich gegenseitig Vorwürfe und nebenbei schlachtet Abe ein paar Monster ab, die derzeit nun aufgrund seines Verhaltens in der Vergangenheit auf der Erde wandeln. Abe kehrt auch an den Ort zurück, an dem er von Fenix erschossen wurde, und trifft dort auf zwei Kulte, von denen einer zu Abe betet. Durch die Transformation von Abe sehen sie ihn als Teil der großen Monsterinvasion an, da er sich optisch diesen Kreaturen angenähert hat.

Zum Teil kommt im zweiten Abe Sapien-Band „Eine große Finsternis“, der im hinteren Teil des Buches zu finden ist, ein wenig „Hellboy-Feeling“ auf, ohne jedoch den roten Teufel in der Geschichte vorzufinden. Generell muss ich aber sagen, dass mir Abes Geschichte so gar nicht gefällt, mir sind auch die Charaktere, denen er im Lauf seines Road Trips begegnet, herzlich egal. Zwischendurch kommt ein wenig Walking Dead-Gefühl auf, weil die Gruppe sich immer wieder Angriffen ausgesetzt sieht und sich auch kleinere Gruppierungen und Interessensgemeinschaften bilden. Alles in allem sehe ich bei Abe keine große Weiterentwicklung in seiner Geschichte. Im Gegenteil: Es kommt mir eher so vor, als dass diese ganzen Nebenepisoden nur eingesponnen wurden, um die Reihe in die Länge zu ziehen oder sie irgendwann mit der B.U.A.P.-Reihe wieder zusammenzuführen?

 

Kaiju-ähnliche Kreaturen wandeln durch die Gegend und verwüsten alles. Wahrlich die Hölle auf Erden. © Cross Cult

 

Die Mitglieder der B.U.A.P. sehen sich ähnlichen Gefahren gegenüber, betrifft die Hölle auf Erden doch auch sie, schließlich fallen an allen Ecken und Enden neue Monster auf die Erdoberfläche ein. Doch auch in der Behörde ist man nicht sicher vor Gefahren und so wird Kate von einer bösen Macht übernommen, die sie wirre Dinge tun lässt. Parallel dazu stößt Professor O´Donnell im Archiv auf eine Akte und wir durchleben gemeinsam mit ihm eine Episode aus der Vergangenheit. Dies betrifft natürlich auch die aktuellen Begebenheiten mit Kate und alles kommt wieder zu einem guten Ende. Parallel dazu muss sich Johann Kraus in Japan mit gigantischen Monstern aus einer anderen Dimension herumschlagen, die sich in Kaiju (Monsterfilm)-Manier gegenseitig das Fressbrett polieren. Diese Episode ist recht unterhaltsam, weil es dort ein wenig Monsteraction gibt. Dort vor Ort befindet sich auch ein Portal zu einer Paralleldimension, welches von einem Professor, dessen Verstand sich auf der anderen Seite dieses Portales befindet, gesteuert wird. Dieser Professor scheint ein Bindeglied zwischen den Dimensionen zu sein, zeichnete er doch seit Jahren immer und immer wieder eines der Monster, was schlussendlich dann auch aus der anderen Dimension auf die Erde gelangt. Wieder einmal sind die Protagonisten, in diesem Fall Johann und einige andere Agenten, nur Statisten und können nicht wirklich etwas ausrichten. Diese Prämisse zieht sich leider durch das gesamte Buch, doch dazu später mehr.

Ein Lichtblick ist dann die kurze Episode namens „Plage“, in der sich Johann, Liz und einige andere B.U.A.P.-Agenten sich vor Ort in Santa Fe befinden und den dortigen Höllenbewuchs auf der Erdoberfläche begutachten. Protagonist dieser kurzen Episode ist ein Mann namens Aaron, der in einem Café arbeitet und sich schon seit Wochen mit einem toten Monster in der Nähe seiner Stadt klarkommen muss. Gemeinsam mit den verbliebenen Anwohnern versuchen sie das Beste aus der Situation zu machen und versuchen die Pilz-ähnlichen Gebilde zu vermeiden, die einigen anderen Menschen schon das Leben gekostet haben. Auch wenn die Episode nicht gut ausgeht, hatte ich hier endlich mal wieder das Gefühl eine Kurzgeschichte im Stile von Mike Mignola zu lesen.

 

Hellboy hat in diesem Band wirklich nur einen kleinen Auftritt. © Cross Cult

 

Abgeschlossen wird der Geschichtsband mit dem „Rätsel von Unland“ und dem Hexenjäger Sir Edward Grey in einem neuen Buch der Reihe Witchfinder. Sir Edward wird in einen Ort beordert, an dem ein Mord stattgefunden haben soll. Es geht um eine Fabrik, in der ein neues Wundermittel hergestellt wird, das für viele Krankheiten gleichzeitig eingesetzt werden kann. Ein Saft, der den Besitzern der Fabrik Wohlstand und segensreiche Zeiten entgegenblicken lässt, doch irgendetwas stimmt nicht. Vor Ort macht Sir Edward Grey schnell Bekanntschaft mit den redlichen Bürgern und dem Polizeichef, der vermeintlich alles im Griff zu haben scheint. Doch was haben die Sümpfe aus dem Unland mit den Morden zu tun, es werden nämlich immer mehr Leichen gefunden und Grey begegnet nicht nur einmal auch schauerlichen Kreaturen.

Das Rätsel von Unland konnte mich ein wenig für die anderen Geschichten entschädigen, ich mag den Hexenjäger irgendwie. Gekonnt inszenieren Kim Newman und Maura McHugh eine Kriminalgeschichte im besten Sinne von Mike Mignola. Die Zeichnungen von Tyler Crook unterstützen das Szenario und so sinkt man direkt auf den ersten Seiten in das Geschehen ein und fragt sich, wer hinter den Morden stecken könnte. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es hier natürlich nicht im klassischen Krimi-Genre zugeht, schließlich handelt es sich immer noch um eine Geschichte im Mignola-Verse. Abgerundet wird der Abstecher zum Witchfinder Sir Edward Grey mit einer kleinen Bonus-Geschichte im Anschluss, bei der sich ein Affe ein Relikt schnappt und damit vor dem Hexenjäger fliehen kann.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal einen Gedanken von weiter oben im Text aufgreifen. Sämtliche hier gesammelten Geschichten führen bestehende Reihen aus dem Universum von Mike Mignola fort. Stets finden wir mehr oder weniger bekannte Protagonisten in den Erzählungen vor, seien es die Agenten rund um die Behörde, Abe Sapien oder Sir Edward Grey. Der Leser sollte also auf jeden Fall die vorherigen Bücher der Geschichten aus dem Hellboy-Universum gelesen haben oder zumindest den Inhalt kennen.

 

Ein Cover von Mike Mignola zur Witchfinder-Geschichte. © Cross Cult

Fazit

Durch die fortlaufenden Geschichten stehen die meisten der hier gesammelten Geschichten nicht allein, sie beginnen nicht hier und sie enden nicht hier. Aus diesem Grund ist es schwer, Neulesern dieses Buch zu empfehlen, weil ihnen der Hintergrund zum entwickelten Universum und den Figuren fehlt. Erschwerend kommt meines Erachtens noch hinzu, dass auch Kenner der Materie in diesen hier gesammelten Geschichten ständig mit dem Versagen der Protagonisten konfrontiert werden. Was sollen die Agenten der Behörde auch gegen die Hölle auf Erden ausrichten? Abe Sapien kann auch nicht alle Monster in seiner unmittelbaren Umgebung töten. Einzig Sir Edward Grey kann sich in seiner Erzählung ein wenig behaupten. Es ist ermüdend und gleichzeitig auch erschreckend, dass es den Autoren nicht gelungen ist, innerhalb der knapp 600 Seiten aus unterschiedlichen Serien auch nur einen Hoffnungsschimmer den Protagonisten zuzugestehen. Alle Bedrohungen innerhalb der Geschichten werden entweder nicht beseitigt (weil sie im weiteren Verlauf noch gebraucht werden?) und stellen auch so große Herausforderungen für die Protagonisten dar, dass sie nur scheitern können. Wenn denn dann mal ein Monster erledigt wird, dann durch eine andere aufkommende Kreatur. Das stellt zwar zum einen eine große Hoffnungslosigkeit für die betroffenen Charaktere dar, aber zum anderen liest sich das nicht schön, wenn man am Ende eigentlich dort steht, wo man zu Beginn der Erzählung auch stand, lediglich mit einigen Leichen mehr. Da stellt sich mir die Frage nach dem Umfang der Geschichtszyklen der einzelnen Reihen, weniger ist manchmal mehr.

Zu alldem kann der Cross Cult-Verlag natürlich nichts, schließlich ist es nun mal das vorliegende Material aus den Staaten. Der aktuelle Geschichtsband steht in Sachen Umfang, sorgfältiger Übersetzung und imposanter Hardcover-Buch-Optik den anderen Bänden in nichts nach. Wenn ihr Hellboy-Fan seid, dann ist es sowieso ein Pflichtkauf, wenn ihr in die Welt von Hellboy einsteigen wollt, dann ist der vorliegende Band ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Schnappt euch dann entweder den ersten Band des Hellboy Kompendiums (ISBN: 978-3864259852, unten im Text verlinkt) oder ihr steigt bei den Geschichten aus dem Hellboy-Universum: B.U.A.P.: Froschplage 1 ein (ISBN: 978-3959818995, unten ebenfalls verlinkt). Dies sind zwei gute Startpunkte, um in die Welt von Hellboy und Co. einzutauchen, doch muss ich euch warnen. Solltet ihr dann an den Geschichten Gefallen finden, landet ihr schnell, ca. 12 Hardcover-Bände später ;-), auch wieder beim aktuell vorliegenden Band, der auf 1.111 Exemplare limitiert ist. Also kauft euch am besten einen Einsteigerband und dieses Buch, dann legt ihr das aktuelle beiseite und macht es euch mit einem Getränk eurer Wahl mit dem Einsteigerbuch gemütlich.

Newsbild: © Cross Cult

Geschichten aus dem Hellboy-Universum VIII ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-95981-999-2

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Wenn ihr bei Hellboy zu Beginn einsteigen wollt, empfehle ich euch das Hellboy Kompendium 1 erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3864259852

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B.U.A.P. Die Froschplage Band 1 ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3959818995

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