Ja, ich weiß, ich bin spät dran. Aber es gab immer etwas anderes zu spielen, zu schauen oder zu lesen. Das soll auch keine Ausrede sein, aber ihr kennt das Gefühl sicher, oder? Man bewegt sich seit Jahren immer mal wieder in einem bestimmten Unterhaltungsmedium, sei es Film, Serie, Videospiel oder eben Comic, und man schippert immer wieder um ein bestimmtes Highlight herum. Das muss gar nicht mal mit Absicht sein, es passiert einfach ohne weiteres Zutun. Mal ist man knapp bei Kasse, mal ist der Lesestapel schon so hoch, dass ein weiterer Comic eher eine Ehekrise auslöst, als dass man es riskieren möchte noch mehr zu kaufen. Nun darf ich Drifter Band 1 – Crash für playto rezensieren und möchte euch bereits hier eine Empfehlung aussprechen.

Doch dazu muss ich weiter vorne ausholen. Drifter huschte im Lauf der Jahre immer mal wieder über meinen Bildschirm, vor Ewigkeiten noch als englische Hefte im amerikanischen Raum als Veröffentlichung bei Image Comics. Dann bekam ich Nebenbei mit, dass Drifter bei einem meiner Lieblingsverlage in Deutschland eine hiesige Veröffentlichung im Hardcover spendiert bekam. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit Comics und Graphic Novels aber nicht viel am Hut, weswegen ich da auch nicht zugriff. Nun stellt sich heraus, dass Drifter von Nic Klein gezeichnet wurde. Auch wenn Nic Klein in Kassel lebt und arbeitet, merkt man das selbstverständlich seinem Wirken nicht an. Entschuldigung an Kassel, aber ich darf das, ich wohne auch dort. (Klischeebemerkung: Check)

Der Zeitpunkt der Bruchlandung, optisch wird dem Absturz eine komplette Seite zur Verfügung gestellt.

 

Im Gegenteil, Klein hat als einer der wenigen (der einzige?) deutschen Zeichner bereits mit großen Namen in der Branche wie Rick Remender oder Jason Aaron zusammengearbeitet und sowohl für Marvel als auch DC gezeichnet. Bei Image Comics konnte er eine seiner ersten eigenen Serien in Form von „Viking“ umsetzen (auf Deutsch ebenfalls bei Cross Cult verfügbar). Genau diese Zusammenarbeit mit Autor Ivan Brandon führte dann zum vorliegenden Drifter, der mit 4 Hardcover-Bänden bei Cross Cult vollständig vorliegt. Brandon machte sich vor Viking ebenfalls einen Namen, als er unter anderem für DC mit am Aftermath zur Final Crisis mitschrieb oder für Marvel an Deadpool oder den X-Men beteiligt war.

Doch worum geht es in Drifter denn eigentlich? Die Menschheit scheint sich im gesamten Universum ausgebreitet zu haben, zumindest findet sich auch auf dem Planeten Ouro menschliches Leben. Ouro ist durch eine karge Wüstenlandschaft gekennzeichnet und eher eine Bleibe für gestrandete Existenzen und Überbleibsel der Zivilisation. Auf diesen Planeten stürzt der Pilot Abram Pollux mit einer Bruchlandung ab. Kurz nach der Bruchlandung, die er knapp überlebt, wird er von einem maskierten Wanderer in den Rücken geschossen und verliert wiederum das Bewusstsein. Zuvor hatte Pollux noch eine Begegnung mit einer der ansässigen außerirdischen Spezies, es wird nicht seine letzte bleiben. Nach drei Tagen wacht er wieder auf, versorgt wurde er von der Ärztin Lee Carter, die ihm auch ein wenig mehr über den Planeten und dessen Bewohner verrät. Doch sind wirklich nur 3 Tage vergangen? Warum sieht das Raumschiff von Pollux dann aus, als läge es schon seit Jahren an der Absturzstelle? Drifter wirft im hier vorliegenden Band selbstverständlich zunächst ein paar Fragen auf und liefert weniger Antworten, was dann wohl den weiteren Bänden vorbehalten bleibt.

Im Verlauf des ersten Bandes lernen wir noch weitere gestrandete Persönlichkeiten kennen, wie Della und Chuck, die die einzige Energiequelle des Planeten abbauen. Diese Energiequelle befindet sich tief unter der Oberfläche des Planeten und muss unter Lebensgefahr abgebaut werden, zieht sie doch auch andere Lebensformen an, die für die Menschen eine Gefahr darstellen. Im Verlauf des ersten Bandes kommt es auch zu einem solchen Zwischenfall, der nicht ohne Verluste bleibt. Weiterhin treibt ein zwielichtiger Prediger sein Unwesen in der Siedlung, der anscheinend auch über Leichen geht. Was dahinter steckt, erfahren wir zunächst ebenfalls nicht. Gepaart mit dem mysteriösen Mann vom Beginn, der Pollux niedergeschossen hat, entwickelt sich ein Geflecht aus Beziehungen, die für den Leser nicht vollends zu deuten sind. Zum Abschluss von „Crash“, wie der erste Band genannt wurde, findet Pollux sein eigenes Grab an einem improvisierten Friedhof in der Nähe der Siedlung vor.

 

Eine Szenerie von der Siedlung, in der sich allerlei gestrandete Existenzen aufhalten.

Fazit

Drifter startet stark in die erste Runde. Der Leser wird zu einem großen Teil im Dunkeln gelassen, was es mit der Vergangenheit von Abram Pollux auf sich hat. Aber auch die Gegenwart auf Ouro lässt sich nicht immer präzise definieren, was wiederum an der gewählten Erzählweise von Drifter liegt. Autor Ivan Brandon erzählt die Ereignisse nicht chronologisch, sondern springt mittendrin immer mal in verschiedenen Zeitebenen umher. Das macht das Lesen nicht einfacher, zumal wir als Leser ebenso wie Abram Pollux neu auf Ouro sind und die Welt mit seinen Augen kennenlernen. Auf diese Weise bleibt es aber auch spannend und ich habe nicht das Gefühl sagen zu können, wie Drifter in den weiteren 3 Bänden weitergeht, geschweige denn in Band 2. Optisch brennt Klein hier wie bereits oben geschrieben ein Feuerwerk an Farben und Figuren ab. Er und Brandon können hier aus dem Vollen schöpfen, schließlich befinden wir uns auf einem fremden Planeten – keine Vorgaben und keine Regeln, außer den selbst auferlegten. Das macht die Lektüre von Drifter so spannend und unvorhersehbar, ich bin gespannt wie es weitergeht.

 

Drifter Band 1: Crash ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-86425-678-3

Jetzt bei Amazon bestellen: Drifter Band 1: Crash

Unser Entertainment-Blog playto ist Mitglied der Affiliate-Netzwerke Amazon PartnerNet und Affilinet. Bei einer Bestellung über einen unserer Affiliate-Links erhalten wir über den jeweiligen Shopbetreiber eine variable Provision. Für Endkunden entstehen keine Zusatzkosten.