Sechs finstere Sterne werden vom Himmel fallen
und den Donnergott stürzen.
Doch einer von ihnen wird Verrat bringen.
Und Flammen über die Welt…

Mit dieser Weissagung der Hellseherin Kuyoh beginnt die Legende von RG Veda, und mit ihr die Legende des Zeichner-Zirkels CLAMP.

Bereits 1989 wurde CLAMP als insgesamt 12 Mitglieder umfassender Dojinshi-Zirkel gegründet, doch schon ein Jahr später schrumpfte die Zahl der Mitglieder auf sieben zusammen. Mit RG Veda gelang der Zeichner-Gruppe ihr erstes professionelles Manga-Projekt, welches ihnen zu Bekanntheit verhalf. Da sich die Gruppe stets als ein uniformes Wesen verstand, ist recht wenig über die damals am Projekt beteiligten sieben Personen bekannt. Nach einem weiteren Jahr schrumpfte die Gruppe auf die heutzutage bekannten vier Personen zusammen, die sich im Laufe der letzten Jahre dazu entschieden, mehr ins Rampenlicht zu rücken. Nanase Ohkawa, Mokona, Tsubaki Nekoi und Satsuki Igarashi lauten die Pseudonyme des ausschließlich weiblich besetzten Zeichner-Quartetts, welches es mit Werken wie Chobits, Magic Knight Rayearth, X und Card Captor Sakura zu weltweiter Berühmtheit gebracht haben.

 

Das Hardcover zieren König Ashuras rachsüchtige Seele sowie sein Nachkömmling Ashura, welcher Rache für ihn üben soll. Ab und zu ergreift er Besitz über den Körper des noch unerfahrenen Jungen.

 

Durch die gemeinsame Arbeit an gleichzeitig stattfindenden Projekten entstanden viele Werke, die sich CLAMP zwar zuordnen lassen, sich aber, entgegen der Serien unabhängig arbeitender Zeichner, gravierend in Thematik und Zeichenstil unterscheiden. Um den verschiedenen Genres, Themen und Zeitsträngen trotzdem ein gewisses Grundgerüst zu verleihen, wird seit Aufbau des CLAMP-Franchise immer wieder auf Charaktere älterer Werke zurückgegriffen, welche ein Cameo erhalten, sich dabei aber jedes Mal neu erfinden. Auf die Spitze getrieben wird diese Art der Parallelwelt-Gestaltung im Dimensionsreise-Epos Tsubasa Reservoir Chronicle, in welchem Charaktere aus allen bisher existierenden Werken teilweise mehr als nur einen Auftritt haben. Auch König Ashura, Amaterasu, Yasha, Ashura und Soma aus RG Veda fanden in Tsubasa Verwendung. Um eben genau jenes Erstlingswerk von CLAMP soll es heute gehen.

Die Geschichte von RG Veda spielt in der Welt der Götter, welche vom Himmelskaiser in ewigen Frieden geführt wurde. Selbst die niedere und machtlose Spezies Mensch hatte nichts zu befürchten und der Stamm der Ashura, die stärksten Kriegsgötter im Himmelreich, verlernte über die Zeit zu kämpfen. Doch als sich der herrschsüchtige Feldherr Taishaku zu einem Donnergott aufschwang und sich in einem erbitterten Krieg den Kopf des Himmelskaisers als Kriegsbeute sicherte, endete dieser Frieden jäh und eine Epoche der Tyrannei und des Leids begann. Monster erhoben sich, griffen sowohl Menschen als auch Götter an und die Sippen, die Taishaku als Gefahr ansah, wurden ausgelöscht, unter ihnen der Stamm der Ashura.

 

König Yasha ist auf dem Weg, die verschwundene Sterndeuterin Kuyoh zu finden. Noch weiß er nicht, welch verheerende Prophezeiung sie ihm überbringen wird.

 

Unsere Geschichte beginnt rund 300 Jahre nach der gewaltsamen Übernahme des Throns durch Taishaku. Wütend darüber, dass die Sterndeuterin des Hofes, Kuyoh, ihm ihre Dienste verweigert hat und geflohen ist, sendet er seinen stärksten Untergebenen, König Yasha vom Volk der Yasha, hinter ihr her, um sie zu finden und umzubringen. Dies geschieht nicht ganz frei von Häme, so sind König Yasha und Kuyoh seit jeher enge Freunde, die noch immer um den Tod des Himmelskaisers trauern. Dem Befehl des neuen tyrannischen Königs folgend, sucht Yasha Kuyoh auf, jedoch nicht, um sie zu töten. Diese wartet bereits auf ihn, um ihm eine speziell für ihn vorbestimmte Prophezeiung zu überbringen. Yasha soll ein Kind mit ausgestorbener Blutsverwandtschaft finden und großziehen, welches das Rad des Schicksals in Bewegung setzt. Dieses Kind, weder gut noch böse, wird dabei helfen, sechs Sterne zu versammeln, mit denen sie über alles herrschen und dem Himmel Verderben bringen werden. Mit letzter Kraft prophezeit Kuyoh Yasha, dass das Kind mit dem Schicksal geboren wurde, Yasha zu töten. Von diesen Worten wenig beeindruckt, macht Yasha sich auf den Weg, das Kind zu finden und zu Kuyoh zu bringen. In einem finsteren Wald entdeckt Yasha wenig später einen in einen Baum eingeschlossenen Säugling, den er mit seinem mystischen Schwert Yamato daraus befreit. Dem Säugling, welcher sich als Nachfahre des Stammes der Ashura herausstellt, scheinen immense Mächte innezuwohnen, und so nimmt sich Yasha seiner an…

RG Veda, welches sich den Titel von Rigveda, dem ältesten bekannten Buch indischer Herkunft entleiht, ist in den Genres Action, Shojo und Fantasy angesiedelt. Auch wenn man in dem Fantasy-Epos eher weniger indische Einflüsse bemerkt, so hat die hinduistische Mythologie großen Einfluss auf das Werk genommen. Als diese Eingang in die japanische Kultur fand, änderten sich einige Rollenverteilungen und Namen, so wurde beispielsweise aus Asura Ashura und aus Yaksha Yasha. Dennoch nahm die Rigveda großen Einfluss auf den Aufbau der Geschichte, wurde aber auch mit Elementen aus dem Zen-Buddhismus angereichert.

Die in Japan 1989 erschienene Manga-Reihe umfasste ursprünglich 10 Bände und wurde nun in einer Master Edition vom Verlag Manga Cult neu aufgelegt. Insgesamt fünf Bände wird die Neuauflage umfassen, welche als schickes Hardcover daherkommt. Den Buchrücken ziert ein Ausschnitt des Covers, welches die Sammeledition auch im heimischen Bücherregal zu einem Blickfang macht.

 

Kuyohs Prophezeiung verheißt Unheil und Krieg. Wird König Yashas Rebellion gegen den Donnergott Taishaku ein gutes Ende nehmen oder zu noch mehr Schmerz und Leid führen?

Fazit

Mit RG Veda, der Geschichte rund um Ashuras Aufstieg zum neuen Gott der Himmelswelt, begann CLAMP seine bis heute andauernde Karriere. Auch wenn es ihrem Erstlingswerk, verglichen mit heutigen Projekten aus ihrer Feder, etwas an Tiefe fehlt und den Protagonisten durch die schnell voranschreitende Erzählweise häufig die Möglichkeit zur Charakterentwicklung verwehrt wird, so kann man, auch als Nicht-Fan, eine gute Zeit mit RG Veda verbringen. Die Zeichnungen sind auch für damalige Verhältnisse äußerst detailliert und lassen sich am ehesten mit dem Stil von Magic Knight Rayearth vergleichen. Auch wenn es etwas schade ist, dass die Master Edition nicht dazu genutzt wurde, weiteres Zusatzmaterial wie Hintergrundinformationen, Skizzen oder Interviews für Fans bereitzustellen, sollte die Sammeledition aufgrund ihrer soliden Verarbeitung und dem schmucken Aussehen in den Regalen von Fans des Zeichner-Quartetts nicht fehlen. Wer die Geschichte allerdings nicht nur zu Hause lesen möchte, dem würde ich aufgrund des massiven Gewichts von fast einem Kilogramm eher die Taschenbuchausgabe von RG Veda empfehlen.

Diese Besprechung wurde von Lisa Zahn verfasst.

 

RG Veda 1: Master Edition ist erschienen bei Manga Cult ISBN: 978-3-964331-49-6

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