Ich habe lange überlegt, wie ich meine Besprechung zu „Das Goldene Zeitalter“ gestalte, bis mir schließlich eine passende Beschreibung eingefallen ist. Aus diesem Grund fällt diese Rezension auch ein wenig anders aus, denn wie will man so ein tolles Buch auch anders angehen, als über die emotionale Ebene? Das Goldene Zeitalter ist wie ein gutes Jazz-Album, im ersten Moment ob der gewaltigen Impressionen noch einschüchternd, auf den zweiten Blick siegt dann aber die Neugier. Das bedeutet aber auch, sich auf das Buch einzulassen, sich Zeit zu nehmen, die Geschichte und die optischen Reize auf sich wirken zu lassen. Nicht mal eben in der Bahn reinlesen, sondern mit einem guten Getränk entspannt im Sessel oder auf dem Sofa genießen. Eben genau so, wie man sich für ein tolles Musikalbum auch die Zeit nehmen sollte, es von vorne bis hinten durchzuhören, um die Intention des Künstlers zu erfassen.

Vielleicht habt ihr am Gratis Comic Tag 2019 auch schon einen Blick in die Geschichte und vor allem das Artwork erhaschen können? Falls ja, ist euch aufgefallen, dass die Zeichnungen und vor allem die Kolorierung schon sehr speziell sind, was durchaus kontrovers aufgefasst werden kann. Ich wurde direkt davon angezogen, meine Frau konnte sich gar nicht damit anfreunden. Ich bin dem Jazz durchaus gegenüber aufgeschlossen, sie mag überhaupt keinen Jazz – ein weiteres Argument für meinen anfänglichen Vergleich. Die Gestaltung der Protagonisten und Charaktere erinnerte mich direkt an die Gestaltung der Figuren im „Golden Age“ der animierten Disney-Filme in den 50er-Jahren, wie es beispielsweise in Dornröschen umgesetzt wurde. Aber auch bei den 101 Dalmatinern bediente man sich hochgewachsener menschlicher Figuren mit langen, dünnen Gliedmaßen. Weiterhin musste ich auch direkt an die Intro-Sequenz von Monster AG denken, bei der ähnliche Farben wie in „Das Goldene Zeitalter“ eingesetzt wurden. Das alles ist nicht weiter verwunderlich, wenn man sich klarmacht, dass Cyril Pedrosa in den 90er-Jahren auch an Disney-Filmen wie Der Glöckner von Notre Dame und Hercules mitgearbeitet hat.

Tilda wurde ins Exil verbannt. Zum Glück begleiten sie Bertil und Tankred, ohne die sie nicht lang überlebt hätte.

 

Ganz so experimentell wie die optische Gestaltung ist die erzählte Geschichte nicht. Wir befinden uns in einem mittelalterlichen Szenario in einem Reich, das vor kurzem ihren König verloren hat. Schon lange sind die Ländereien nicht mehr wohlhabend und das Volk leidet Hungersnöte. Tilda, die Tochter des verstorbenen Königs, will nach ihrer Krönung endlich die Not des Volkes lindern. Doch ihr Bruder kommt mit einem Komplott an die Macht und verbannt Tilda ins Exil. Doch zum Glück ist sie nicht alleine, zwei Verbündete namens Tankred und Bertil stehen an ihrer Seite. Sie retten Tilda mehr als einmal das Leben auf ihrer Reise durch das Königreich. Gemeinsam halten sie sich im Verborgenen. Auf ihrer Reise wird Tilda schwer verletzt und kommt beinahe ums Leben. Die drei Gefährten kommen schließlich in einer Gemeinschaft von Frauen unter, die sich tief im Wald autark versorgen. Dort macht Bertil Bekanntschaft mit der Lehre aus dem „Goldenen Zeitalter“ und es zeigt sich, dass das Schicksal der Gefährten mit dieser alten Legende verknüpft ist. „Das Goldene Zeitalter“ ist ein lang vergessenes Buch, das die Macht hat, die Welt zu verändern. Es erzählt von einer Utopie, einer Welt ohne Unterdrückung, ohne Krieg und ohne soziale Ungerechtigkeit. Eine Welt, wie sie Tilda in ihrem Königreich etablieren wollte, bevor sie von ihrem Bruder ins Exil verbannt wurde. Doch steckt wirklich ihr Bruder hinter all dem…?

Die Bildkompositionen sind wirklich sehr hübsch anzusehen, der Leser schwelgt förmlich in den Farben.

Fazit

Was Roxanne Moreil und Cyril Pedrosa hier geschaffen haben, ist wirklich außergewöhnlich und wahrscheinlich aufgrund der Optik nicht für jeden Leser gemacht. Ich möchte hier dennoch eine unbedingte Empfehlung aussprechen, sich an das Buch heranzutrauen. Die Geschichte fesselt schnell und der Leser möchte wissen, wie es weitergeht. Inhaltlich werden auch gesellschaftspolitische Themen angesprochen, die zwar im Mittelalter angesiedelt sind, aber selbstverständlich auch auf die Gegenwart angewandt werden können. Nehmt euch ein wenig Zeit für das Buch, gönnt euch ein gutes Glas Wein und genießt die tolle Umsetzung. Der Reprodukt Verlag hat „Das Goldene Zeitalter“ in einem schicken Hardcover-Buch veröffentlicht, was den Artstyle durch das hochwertige Papier noch besser zur Geltung kommen lässt. Auch wenn die Geschichte mit einem kleinen Cliffhanger endet, ich kann es nicht abwarten im nächsten Jahr zu erfahren, wie die Reise von Tilda und ihren Gefährten zu einem Ende geführt wird. Unbedingte Kaufempfehlung.

 

Das Goldene Zeitalter ist erschienen bei Reprodukt – 232 Seiten, farbig, 20,5 × 27 cm, Hardcover
ISBN: 978-3-95640-183-1

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