Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist Captain Dynamo auf seiner täglichen Tour durch die Lüfte auf der Suche nach Opfern … ähm – Hilfebedürftigen, bei denen er sich gut in Szene setzen kann. So wird gerne erst einmal vorab inspiziert, ob auch genug Presse vor Ort ist, bevor der Einsatz startet. Doch Captain Dynamo interessiert uns nur am Rande, denn eigentlich sind es mehr seine Superkräfte, die für die Geschichte treibend sind. “Wie das”, fragt ihr? Nun ja, da ist der untersetzte und „geekige“ Marty, ein Webdesigner, wie er nicht besser in der Klischeekiste bereitliegen könnte. Dazu dann noch die gut gebaute Blondine Alexis von Gegenüber, die Marty vor ein paar Jahren mal durch Zufall angesprochen hatte, wie man sich unter Nachbarn halt vorstellt. Alexis ist natürlich mit Absicht ebenso eine klischeebehaftete Figur, sie ist Anwältin und natürlich so gar nicht an Marty interessiert, sondern drauf und dran den nächsten Karriereschritt zu tun. Beiden ist allerdings gemein, dass sie jeweils Hunde als Haustiere haben, auch wenn sie sonst nicht viele Gemeinsamkeiten haben.

Wie es sich für einen Superhelden wie Captain Dynamo gehört, hat er natürlich auch einen Erzfeind, der ihm ans Leder – oder sollten wir sagen Latex – möchte. Dieser auf dem Planeten Tenalp beheimatete König mit dem Namen Gnik hat es sich zur Aufgabe gemacht, Captain Dynamo ein für alle Mal seiner Kräfte zu berauben und ihn zu demütigen. Dazu hat er jahrelang alle Ressourcen seines Planeten gesammelt, um von seinen besten Wissenschaftlern eine passende Waffe bauen zu lassen, die einen so kraftvollen Laserstrahl bis auf die Erde schießen kann. Als es soweit ist, kann er es natürlich nicht abwarten und ignoriert sämtliche Tests, die Waffe soll direkt und ohne Umschweife eingesetzt werden.

Zur selben Zeit überschlagen sich die Ereignisse auf der Erde, während Alexis mit ihrer Freundin Jennifer in der Wohnung spricht, sinniert Marty mit seinem Hund Bopper über den Sinn des Lebens und auf welche Art und Weise er sie ansprechen kann. Als Alexis dann mit ihrem Hund Waggles vor der Arbeit noch Gassi gehen möchte, kommt alles zusammen. Sie läuft mit ihm über den Flur in Richtung Aufzug, dies wird von Marty durch das Schlüsselloch beobachtet. Also macht er sich startklar, schüttet seinen Topf mit Matzeknödel einfach aus dem Fenster und versucht Alexis noch vor dem Fahrstuhl abzufangen. In der Zwischenzeit kommt Captain Dynamo nach Hause geflogen, er wohnt ironischerweise unter Marty, und bekommt einen Teil der heißen Matzeknödel ab. Also zieht er sich schnell zu Hause um und macht sich auf den Weg, um Marty mal die Leviten zu lesen. Marty erreicht den Fahrstuhl noch gerade rechtzeitig und steckt nun mit Alexis und den Hunden Bopper und Waggles in diesem kleinen Raum. Just in dem Moment, als sowohl Marty und Alexis auf den Knopf im Fahrstuhl drücken, der das gewünschte Ziel-Stockwerk anzeigt, drückt auch Captain Dynamo nun als Jack Gent getarnt auf den Knopf, um den Fahrstuhl in sein Stockwerk zu holen. Wäre das der Zufälle nicht genug, erwischt just in diesem Moment der Laserstrahl vom Planeten Tenalp alle drei Personen und die Hunde gemeinsam, was dazu führt, dass Jeck Gent außer Gefecht gesetzt wird und der Fahrstuhl zusammen mit den Insassen zu Boden stürzt.

 

Plötzlich fühlen sich alle ein wenig schummrig

Fortan müssen sowohl Alexis als auch Marty feststellen, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Nachdem sich Alexis auf dem Weg zur Arbeit macht und dort einfach mal so mehrere Stockwerke hochspringt sowie einen Tisch zu Kleinholz verarbeitet, schwebt Marty bei der Gassi-Runde über dem Boden und setzt versehentlich einen Hitzestrahl mit seinen Augen ein. Captain Dynamo hingegen hat seine Kräfte verloren und muss nun mit seinem Dasein als Jack Gent vorliebnehmen, auch wenn es ein wenig dauert, bis er dies realisiert. Über das Krankenhaus gelangt er schnell in die psychiatrische Klinik, weil er weiterhin glaubt, er sei Captain Dynamo, dies aber nicht mehr beweisen kann. Währenddessen machen sich Alexis und Marty mit ihren Kräften vertraut, auch wenn die Realisation bei beiden nicht so vorstatten geht, wie sie sich das wünschen würden. Das Ganze hat allerdings noch einen Haken, denn die Kräfte wurden auf alle beteiligten Lebewesen im Fahrstuhl aufgeteilt und auch nur komplett einsetzbar, wenn sich Alexis und Marty in gegenseitiger Nähe aufhalten. Was es mit den Hunden auf sich hat, soll hier noch nicht verraten werden, nur so viel: Sprechende Hunde sind noch das kleinste Problem.

Zeichner und Autor Tom Bancroft holt in Opposite Forces zur großen Klischeekiste aus, macht das aber so liebevoll und kreativ, dass es eine Freude zu lesen und anzuschauen ist. Man merkt auf der Stelle, dass Bancroft ein Meister seines Faches ist, hat er doch auch schon an einigen Disney-Zeichentrickfilmen mitgearbeitet. Unter anderem hat er den chinesischen Drachen Mushu im Film Mulan animiert, was sehr schön demonstriert wo Bancrofts Stärken liegen. So sind die Protagonisten in Opposite Forces auch im Cartoon-Stil gehalten, was es für mich direkt noch anziehender gemacht hat. Alle Charaktere könnten so auch direkt in animierter Form dem TV oder der Leinwand entsprungen sein – einfach toll. Bancroft hat auch schon in diversen Fachbüchern seine Kunst weiter erläutert und mit seinem Bruder ein eigenes Animationsstudio gegründet. Die Geschichte von Opposite Forces gewinnt mit Sicherheit keinen Preis, ist aber trotz der klischeebehafteten Charaktere wirklich witzig geschrieben und inszeniert, weswegen man da einfach drüber hinwegsehen sollte. Man verpasst sonst eine wirklich tolle, Spaß machende Geschichte, die für sich allein stehen kann und ein Herzensprojekt von Tom Bancroft war.

Die deutsche Veröffentlichung von Dani Books ist ebenso gelungen und kommt mit tollen Farben im Druck und jeder Menge Bonusmaterial im Anhang daher. Dort sind nicht nur weitere Skizzen zu sehen, sondern Bancroft äußert sich noch zu einigen Entwicklungsstufen der Charaktere und lässt den Leser ein wenig hinter die Kulissen schauen. Von Opposite Forces ist sowohl eine Paperback- als auch eine auf 77 Exemplare limitierte Variantcover-Ausgabe erschienen, die ihr im Shop auf der Verlagsseite mit einem von Tom Bancroft signierten Druck erwerben könnt.

Direkt bei Dani Books könnt ihr das Variantcover ordern, dort sind alle wichtigen Protagonisten abgebildet.

Fazit

Opposite Forces ist ein witziges und heiteres Stück an Comic-Erzählung. Ein ungleiches Paar, das sich zusammenraufen muss, um zu bestehen, ein Bösewicht, den wohl niemand so richtig vorhersehen kann und eine Superhelden-Geschichte, die auch für Verweigerer einen Blick wert ist. Sehr ironisch nähert sich Bancroft dem Thema an und lässt seine Figuren im Schnelldurchlauf eine Entwicklung durchmachen, die es jeweils in sich hat. Das liest sich zwar ebenso schnell durch, allerdings auch, weil der Leser durchgehend gut unterhalten wird. Es ist einfach eine nette Geschichte, ohne viel nötiges Hintergrundwissen (was ja bei Superhelden-Comics heutzutage nicht mehr so einfach ist), für Jung und Alt gleichermaßen attraktiv und witzig gestaltet. Gerne mehr davon!

 

Opposite Forces: Gegensätze ziehen sich an ist erschienen bei Dani Books – ISBN: 978-3-95956-044-3

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