Hellboy von Regisseur Guillermo del Toro hat die Messlatte für zukünftige Filme aus dem Franchise richtig hochgelegt, auch wenn er von dem Comic etwas abweicht. Nun kommt ein Reboot von Hellboy mit einem etwas anderen Ansatz, dabei soll der Film sich diesmal näher an den Comics orientieren. Die ersten Trailer ließen das Schlimmste befürchten und die Fans waren noch nicht so begeistert. Doch vorweg kann ich Entwarnung geben! Der Film kommt sicherlich nicht an die Vision von del Toro ran, aber ist auch nicht so schlimm wie befürchtet und gerade Fans von Hellboy kommen an diesem Film nicht vorbei. Für leichte Unterhaltung reicht es definitiv!

 

Der Halbdämon Hellboy muss diesmal gegen eine mächtige Hexe ran. Genau genommen gegen die wohl mächtigste Hexe überhaupt und Hexenkönigin schlechthin: Nimue. Nimue wurde damals von König Arthur besiegt, in mehrere Stücke zerteilt, und auf der ganzen Welt verstreut. Das Böse schien besiegt aber ein Diener des Bösen flickt die Hexe wieder zusammen und somit beginnt die Schreckensherrschaft erneut. Hellboy hat die Möglichkeit mit dem Schwert von Arthur die Hexe zu bannen. Doch das Schwert bringt auch das Böse in Hellboy zum Vorschein und seine eigentliche Bestimmung soll dadurch erfüllt werden. Ein innerer Konflikt, eine Reise in die Vergangenheit und eine Entscheidung könnten das Ende der Menschheit bedeuten…

Eine klassische Waffe tut es oft auch. © 2019 Universum Film Verleih 2019

Laut eigener Aussage und auch den Aussagen von unserem Comicexperten ist dieser Film näher an den Comics dran. So gibt es auch in diesem Film Professor Broom, den Ziehvater von Hellboy. Mit ihm wird in diesem Film eine kleine Origin-Story geschildert, ohne wirklich eine Origin-Story zu haben. In der einen oder anderen Rückblende sehen wir wie Hellboy entstand und warum er nicht nur geschaffen wurde, sondern warum er für die Menschen kämpft. Auch die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, kurz B.U.A.P, wird in diesem Film thematisiert und spielt eine wichtigere Rolle. Bekannte Figuren wie Ben Daimio, der sich in eine Raubkatze verwandeln kann, oder Alice Monaghan, eine Seherin, werden Fanherzen höherschlagen lassen. Doch Regisseur Neil Marshall (Centurion) kopiert nicht einfach einen Comic 1:1 und damit müssen sich die Fans etwas anfreunden können. So wird Ben Daimio unserem Hellboy zugeteilt und arbeitet mit diesem stark zusammen. In den Comics treffen diese beiden Figuren zum Beispiel gar nicht aufeinander. Keine schlechte Idee eigentlich, nur leider spielt die Beziehung von Hellboy zu anderen Figuren kaum eine Rolle. Selbst die Beziehung zu seinem Ziehvater, Professor Broom, wird nur oberflächlich beleuchtet, was dazu führt, dass das Ende ganz stark nach Klischee riecht und der Zuschauer selbst keine Bindung zu den Charakteren hat.

Allgemein ist der Film ganz typisch nach Schema F und der Zuschauer wird nicht überrascht. Alles ist vorhersehbar und alles läuft nach einem ganz bestimmten Muster ab. Dies ist der Grund warum es auch etwas an Spannung fehlt. Dagegen, ohne zu spoilern, wird eine Geschichte aufgemacht, die sich am Ende als Plothole herausstellt. Eigentlich sollte dieser Punkt noch aufgelöst werden, aber schnell merkt der Zuschauer, das war alles nur Mittel zum Zweck. Außerdem wird ja am Ende auch schon eine Fortsetzung angedeutet, die zur Not diese Lücke auch schließen kann. Ohne gleich an die Fortsetzung zu denken, scheint in der heutigen Zeit wohl unmöglich zu sein. Aber davon ab geht es hier auch mehr um die leichte Unterhaltung und die ist zum Glück ganz gelungen. Der Humor will vielleicht nicht immer zünden aber die Oneliner sind wenigstens nicht zu nervig und das Erzähltempo ist oft sehr schnell. Das tut dem Film gut, wird allerdings immer wieder mit merkwürdigen Erklärungen ausgebremst, die der Zuschauer gar nicht nötig hätte. Das Gefühl, dass die Macher einfach nur die zwei Stunden voll bekommen wollen, um mehr Geld durch die Überlänge zu generieren, kann ich nicht von der Hand weisen. Dabei hätte so mancher Lückenfüller dazu genutzt werden können, um eben den Charakteren, außerhalb von Hellboy selbst, mehr Zeit zu geben. An manchen Stellen hätte ich, gerade weil ich die Comics auch nicht kenne, die eine oder andere Erklärung benötigt. Ganz verständlich ist das also nicht.

Auch wenn die Sicherheitsbehörden nicht die größten Fans von ihm sind, Hellboy kommt gern zur Hilfe. © 2019 Universum Film Verleih 2019

Dafür funktioniert eben Hellboy selbst sehr gut und die Action ist gelungen. Der Film ist ein toller Spaß und gute Unterhaltung für ein Kino-Wochenende. Ja, durch die schnelle Erzählung bleibt wie gesagt wenig Raum für die Charaktere und die eigentliche Geschichte, dafür wird es dem Zuschauer nie langweilig und am Ende hatten besonders die Fans wohl eine gute Zeit. Das liegt auch daran, dass der Hauptcharakter einiges an Sympathien gewinnt und Spaß verbreitet. Auch die Actionszenen wissen zu unterhalten, aber auch zu ekeln. Dieser Film ist kein Splatterfilm, keine Sorge, aber wenn Augen herausfliegen, kann das schon für ein unschönes Gefühl sorgen, obwohl der Film nicht nur düster ist, sondern auch knallige Farben liefert.

Die Kulissen und das Design der Kreaturen oder Objekte aus der Fantasy-Welt sind auch gelungen und passen sehr gut zur Vorlage. Gerade das Haus von einer sehr berühmten Hexe, die ich noch nicht erwähnen will, ist ziemlich beeindruckend und kreativ. Auch viele Anleihen von verschiedenen Mythen und der Arthur-Saga werden im Film gut integriert. Gerade im Trailer haben die meisten wohl vermutet, dass dieser Film vielleicht zu bunt wird und sich mehr dem Mainstream anbiedert. Letzteres kann ich nicht abstreiten und er sticht weniger aus dem Einheitsbrei der Comicverfilmungen hervor, hat aber dennoch bleibende Bilder hinterlassen, ohne jeden Trend hinterherzurennen. Das Beste an diesem Film ist, dass der Film sich die meiste Zeit wenigstens ernst nimmt und der Humor gar nicht so stark im Vordergrund steht, wie vermutet. Lockeres Popcorn-Kino mit dem Fokus auf der Action und weniger auf dumme Sprüche, die nach einer halben Stunde nerven. Schön, dass das wenigstens noch möglich ist! Dazu noch gelungene Effekte und Masken, die das Gesamtbild abrunden.

Bei den Schauspielern müssen wir zuerst den noch unbekannten David Harbour erwähnen, der überwiegend in vielen Serien oder Nebenrollen seine Brötchen verdiente. Sein Hellboy kommt natürlich nicht an Ron Perlman ran, schon alleine, weil das markante Gesicht fehlt. Aber ganz große Sprünge braucht sein Hellboy auch nicht, da der Charakter viel weniger ausgearbeitet ist und einfach nur als Sympathieträger funktionieren soll. Auch Ian McShane als Professor Broom reißt keine Bäume raus und erfüllt seinen Job solide. Daniel Dae Kim, der Ben Daimio spielt und Sasha Lane, die Alice Monaghan darstellt, spielen eine untergeordnete Rolle und machen einfach nur ihre Arbeit. Nicht mehr und nicht weniger. Das liegt aber auch am Drehbuch, dass die Charaktere im Grunde keinen Charakter haben und die Schauspieler gar nichts aus den Figuren herausholen können. Die größte Überraschung ist wohl Milla Jovovich, die wohl doch mehr kann als man ihr zutrauen möchte. Nein, ihre Performance ist nicht die Beste und sie bleibt weiterhin eine sehr limitierte Schauspielerin, aber sie war im gesamten Film tatsächlich die Figur, mit der ich am meisten Freude hatte.

Fazit

Dieser Film muss sich natürlich an seinen Vorgängern messen lassen und bei diesem Vergleich hat er schlichtweg keine Chance, Punkt! Aber unabhängig davon und wenn ihr auch nicht mit zu hohen Erwartungen in den Film geht, werdet ihr einen tollen Abend haben. Kauft euch vorher eine Packung Popcorn und Bier, dann habt ihr eine tolle Zeit und überseht auch das eine oder andere Plothole und könnt die Schwächen verzeihen. Dass der Film wieder eine Fortsetzung aufbaut ist ärgerlich und die Gefahr besteht, dass der Film an den Kassen floppt und wir so manches gar nicht mehr fortgesetzt bekommen. Das ist eben das Problem, wenn sich die Studios ihrer Sache zu sicher sind und ein Film nicht für sich stehen kann.