Im Alter von ungefähr 10 Jahren bekam ich rechtzeitig zu den Osterferien die Windpocken und verbrachte den Großteil dieser Ferien auf dem Sofa unseres Wohnzimmers. Ein paar Tage zuvor erhielt ich von meinen beiden Onkels ein paar Videokassetten (VHS) mit jeder Menge Folgen von Raumschiff Enterprise (TOS) darauf, die ich mir nach und nach an den Tagen meiner Erkrankung ansah. Ich schätze knapp 60 oder 70 Folgen befanden sich auf den Bändern (nein, Schablonen der Gewalt war damals noch nicht dabei), weshalb ich so auf einen Schlag ziemlich viel Enterprise in mich aufsaugen konnte. Dabei blieb es im Lauf der Zeit natürlich nicht, auch die Filme schaute ich mir daraufhin an, sobald sie mir zur Verfügung standen. Als dann ein paar Jahre später die Nachfolgeserie „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ im ZDF lief, konnte ich mit der neuen Crew natürlich nicht viel anfangen und verschmähte diese Serie zunächst. Erst ein paar Jahre später wiederum entdeckte ich The Next Generation (TNG) auf Sat 1 für mich und blieb dann auch bis zum Schluss der Serie verhaftet. Anfang der 90er-Jahre war Sat 1 ja sowieso als DER Star Trek-Sender bekannt, liefen dann dort nicht nur die Abenteuer der neuen Crew, sondern auch die Wiederholungen der alten Crew (irgendwann auch mit den Schablonen) sowie die Nachfolgeserien Deep Space Nine, Voyager und auch Star Trek: Enterprise. Jeden Nachmittag nach der Schule schaltete ich um 14 oder 15 Uhr auf Sat 1 und schaute mir die neueste Star Trek-Folge an oder auch eine Wiederholung, das war völlig egal. Bis zur ersten Staffel Star Trek: Enterprise (anfangs noch ausschließlich Enterprise genannt) blieb ich am Ball, dann ließ das Interesse vorerst nach. Dennoch kaufte ich mir im Lauf der Jahre auch Fachbücher zu den Serien, ging für die neuesten Star Trek-Filme ins Kino und spielte auch das eine oder andere Videospiel aus der Reihe. Star Trek ist mein Wohlfühl-Universum, also die Welten, in die ich immer wieder eintauchen kann und die mich immer wieder aufs Neue begeistern können.

 

Kanon oder Non-Kanon, das ist hier die Frage

Doch warum erzähle ich euch das alles? Ganz einfach, damit ihr wisst, wie ihr meine Rezension zu Star Trek Discovery: Das Licht von Kahless einordnen könnt. Ich bin ein Fan der alten Schule, der die Abrams-Filme als unterhaltsam, aber nicht als Star Trek anerkennt und der sich durchaus etwas aus dem Star Trek Kanon macht. Ich bin kein „Kanon-Nazi“, also jemand der alles auf die Goldwaage legt, aber insgesamt sollte das, was erzählt wird, schon stimmig sein und ins Gesamtkonzept passen. Auftritt Star Trek Discovery im Jahr 2017. Schon die Kinofilme aus dem Jahr 2009 und folgend spielten in einer anderen Zeitlinie oder einem anderen Universum. Zunächst „Abramsverse“ genannt, kristallisierte sich im Lauf der Zeit der Name „Kelvin-Timeline“ heraus, benannt nach dem zerstörten Schiff zu Beginn des Filmes aus dem Jahr 2009. In dieser Timeline sollte nun auch Star Trek Discovery spielen, so nahm man an, weil hier nun mit Michael Burnham eine Halbschwester von Spock präsentiert wurde, die zuvor noch nie Erwähnung fand. Um den Rahmen dieses Reviews nicht zu sprengen, machen wir einen großen Schritt in die Gegenwart, zum Zeitpunkt wo ich diese Zeilen schreibe, sind 11 Episoden der zweiten Staffel von Star Trek Discovery verfügbar und im Internet macht die Aussage die Runde, Discovery würde zum Abschluss der aktuellen Staffel zeigen, wie es in den Kanon passt, also nicht in einer alternativen Zeitlinie stattfindet.

Damit ich jetzt hier nicht das ganz große Fass mit den Erkenntnissen aus YouTube-Videos der letzten Wochen und den 25 Prozent Unterschied zwischen Kelvin-Timeline und Original-Kanon aufgemacht werden muss, kommen wir mal zum Plot des Comics. Nur kurz zum Abschluss, ich bin im Moment nicht der Meinung, dass Discovery in den Kanon passt und es ist mir auch bis heute schleierhaft, warum man immer wieder in dieselbe Zeitperiode zurückkehrt, wo das Star Trek Universum doch so viele Möglichkeiten bietet und insbesondere ein Zeitsprung in ein nächstes Jahrhundert den Machern völlige Freiheit versprechen würde. Nun ja, Picard wird ja auch nochmal vor den Karren gespannt, das scheint das höchste der Gefühle zu sein, was man sich bei CBS derzeit traut. 20 Jahre nach dem Ende von The Next Generation einen alternden Jean-Luc zu zeigen…

Zurück zum Licht von Kahless. Nachdem man in der ersten Staffel von Discovery die Fans mit dem neuen äußeren Erscheinungsbild der Klingonen bereits vor den Kopf gestoßen hatte, schnappen wir uns nun diesen Prequel-Comic zur Serie und schauen einmal, was wir daraus für neue Erkenntnisse ziehen können. Selbstverständlich lässt es sich nicht vermeiden, dass wir dabei Spoiler ansprechen, also wer die erste Staffel von Star Trek Discovery noch nicht gesehen hat, sei gewarnt.

 

Klingonen auf der Suche nach dem Leuchtfeuer

Die Geschichte des Comics beginnt mit T’Kuvmas Tod. L’Rell erzählt Voq die Geschichte vom neuen religiösen Führer der Klingonen T’Kuvma und nimmt den Leser gleichzeitig mit auf dieses Abenteuer. Bereits in jungen Jahren ist T’Kuvma eines der schlauesten Mitglieder seines Hauses, gerät aber schließlich in die Mühlen der Politik und wird auf den Planeten Boreth geschickt. Von dort kehrt man in der Regel nicht zurück, allerdings schafft T’Kuvma diese Herausforderung und geht dort als Sieger hervor. Als er dann nach Hause zurückkehrt, hat sich dort einiges verändert, seine Schwester hat sich mit einem anderen Klingonen verheiraten lassen und versagt ihm nun ihre Unterstützung. Mit Hilfe eines alten Raumschiffes aus dem Fundus seiner Familie geht T’Kuvma auf die Mission, das klingonische Reich zu bekehren. Nach und nach baut er eine Anhängerschaft auf und schreitet auf der Suche nach dem Leuchtfeuer des Kahless fort. Dabei findet er insbesondere unter den Armen und Hilflosen viele Mitstreiter, die sich ihm anschließen. Doch wir wissen ja, schwach zu sein ist unter Klingonen nicht hoch angesehen, dennoch schert sich T’Kuvma nicht um dieses Credo seines Volkes. Unter anderem hier merkt man im Verlauf des Comics doch die Erfahrung von Kirsten Beyer, die in der Welt von Star Trek nun wahrlich keine neue Autorin ist. Es sind dann auch eher die Kleinigkeiten, die den Fans innerhalb der Geschichte positiv auffallen, beispielsweise, dass das Schiff von T’Kuvma eine Tarnvorrichtung besitzt, diese aber noch nicht vollwertig funktioniert.

Wie T’Kuvma nun schließlich seine Machtposition beanspruchen möchte und was es im Detail genau mit dem Leuchtfeuer auf sich hat, wird im Verlauf der Geschichte auch noch geklärt, soll hier allerdings nicht verraten werden. Insgesamt werden die Klingonen innerhalb der Geschichte sehr kanongetreu dargestellt, schließlich hat man mit der Autorin Kirsten Beyer wie bereits erwähnt eine Veteranin mit an Bord, die auch schon für Voyager zahlreiche Romane geschrieben hat und auch im Autorenstab von Discovery mit an Bord ist. Optisch orientieren sich die Zeichnungen von Tony Shasteen sehr nah an der Fernsehvorlage, alle Figuren sind jederzeit wiederzuerkennen und sehen den Schauspielern aus der TV Serie zum Verwechseln ähnlich. Ansonsten orientiert sich Shasteen natürlich an der Ästhetik der TV Serie, was die Hintergründe und Umgebungen angeht, es herrschen also entsprechend dunkle und gedeckte Farben vor.

Wer oder was könnte das Licht von Kahless sein?

Fazit

Für Fans der aktuellen Serie greift der Comic einen Nebencharakter auf, der in der ersten Staffel eine wichtige Rolle spielt, und ergänzt den bisher bekannten Charakter gekonnt mit weiteren Facetten. Wer also nicht genug von den Klingonen aus Star Trek Discovery bekommen kann, dem liefert der Comic eine passende Hintergrundgeschichte, um weiter in das Universum einzutauchen. Wer wie ich an der Darstellung der Klingonen innerhalb der ersten Staffel (und soweit auch der zweiten Staffel) kein Interesse hegte, dem wird auch der Comic nicht gefallen. Überhaupt hat es die Serie bisher bis auf wenige Ausnahmen nicht geschafft, sympathische Charaktere zu präsentieren, die nicht entweder total stur und borniert sind oder als Abziehbilder von oberflächlichen Charaktereigenschaften fungieren. Star Trek Discovery ist für mich nicht im Kanon angesiedelt, auch wenn die Macher das bis zum Ende der zweiten Staffel noch so präsentieren wollen. Aber auch als Serie in einem alternativen Universum oder einer alternativen Zeitlinie bietet sie in den meisten Fällen keine guten Geschichten und teils mies geschriebene Dialoge. Wer wissen will, wie Star Trek nach Voyager weitergeht und wer genug von den Prequel- und Alternativgeschichten hat, dem empfehle ich die Romane, die ebenfalls im Cross Cult Verlag erschienen sind. Der vorliegende Comic hat mich daher ziemlich kalt gelassen und es auch nicht geschafft, mich zum Fan von Discovery zu machen.

 

Star Trek Discovery: Das Licht von Kahless ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3959818308

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