Alfons Zitterbacke! Moment, wer ist eigentlich Alfons Zitterbacke? Das werden sich viele Fragen, die nicht im Osten der Bundesrepublik aufgewachsen sind oder in der ehemaligen DDR. Denn in dieser war Alfons richtig beliebt und berühmt – und selbstverständlich haben zum Beispiel meine Eltern mich die Hörspiele, Kinderbücher und Filme ebenfalls konsumieren lassen. 1986 kam der letzte Film in der DDR und 1995 das letzte Buch in Lettland und der Ukraine. Es gab von den Hörspielen immer wieder Versuche Alfons Zitterbacke noch am Leben zu erhalten, doch nach dem Ende der DDR verschwanden auch die kleinen Abenteuer von Alfons. Das ist ärgerlich, da diese Marke durchaus auch in der Bundesrepublik das Zeug hätte, ein richtiger Hit zu werden. Nun versucht man wieder mit einem gut produzierten Film die Marke wiederzubeleben. Dabei gibt es dann nicht nur ein neues Hörspiel und ein Kinderbuch, sondern das Ganze wird mit einer richtigen Sammlung an Stars vermarktet. Der Plan könnte aufgehen…

 

Eines ist ganz klar: Alfons Zitterbacke wird einmal ein ganz großer Erfinder und Wissenschaftler. Bis dahin muss er sich aber mit dem alltäglichen Schulalltag herumschlagen. Denn weder die Eltern noch seine Lehrer erkennen das wahre Genie und die meisten Mitschüler an seiner Schule können ihn auch nicht ausstehen. Sein großer Traum ist dabei, einmal Astronaut zu sein und ins Weltall zu reisen. Um seine Zweifler zu überzeugen, kommt ein Schulwettbewerb gerade richtig und am Ende winkt gar ein Treffen mit Alexander Gerst, dem berühmten deutschen Astronauten. Sicherlich werden hier seine Eltern nicht so begeistert sein, besonders der Vater, der es irgendwie nicht dulden kann, dass sein Sohn solche Fantasieträume hat. Doch dabei vergisst er, dass er als Kind nicht viel anders war als sein Sohn…

Alfons Zitterbacke ist auch in seinem Film der Star. © X-Verleih 2019

In Zeiten, in denen der deutsche Kinderfilm boomt, grenzt es fast schon an ein Wunder, dass diese Figur so lange nicht wieder aufgegriffen wurde. Doch der Verleih findet: 30 Jahre nach dem Mauerfall wird es endlich auch mal Zeit! Zwischen den ganzen Pferdefilmen und YouTube-Stars, die ebenfalls irgendwelche Filme machen, sticht dieses Werk tatsächlich etwas heraus und bietet auch mal Stoff für ein junges Publikum, das mit Ostwind oder YouTube nichts anfangen kann. Dabei hat das Produktionsteam keine Kosten und Mühen gescheut. Szenen aus dem All mit Alexander Gerst, Stars aus Funk und Fernsehen, wie auch (welch Ironie) YouTube-Stars sind mit von der Partie. Doch nicht nur Stars für die Kleinen, wie Tobi der Checker (der im Übrigen auch einen eigenen Film hat), sondern auch Stars wie Wolfgang Stumph, die besonders ältere Zuschauer aus dem Osten kennen dürften, wie auch Bürger Lars Dietrich oder Olaf Schubert erfreuen Jung und Alt. Jetzt muss nur die Geschichte überzeugen!

Hier entfaltet sich eine typische Pechvogel-Kindergeschichte, in der unser kleiner Held von Mitschülern geärgert wird, von Lehrern nicht ernst genommen wird und auch von den Eltern kein Verständnis erfährt. Dazu kommt, dass alles was Alfons anfasst, auch irgendwie schief geht. Doch er hat natürlich auch Freunde, die ihm helfen, wie auch seine Träume, bei denen er von zwei Astronauten träumt, die ihn unterstützen. Am Ende, trotz aller Widerstände, soll ihm natürlich doch alles gelingen: Die Eltern lernen ihren Sohn ernster zu nehmen und zu unterstützen und wir erfahren wie wichtig Freundschaft sein kann. Ganz wichtig: Gib deinen Traum nie auf! Ja, das klingt jetzt alles nach Rezept und im Grunde ist es das auch. Dafür ist diese Geschichte aber so schön charmant erzählt und kann besonders für die Kids ein unterhaltsames kleines Abenteuer werden. Dazu sei noch erwähnt, dass der Humor wirklich für die gesamte Familie ist. Auch die Erwachsenen werden sich immer wieder einen Lacher nicht verkneifen können. Manche Gags sind sogar explizit nur an die Erwachsenen gerichtet.

Eine kleine Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen. Es kann ja auch Fortsetzungen geben. © X-Verleih 2019

Dabei soll hier auch gar nicht heruntergespielt werden, dass die einzelnen Weisheiten in diesem Film einfach platt heruntergespielt werden. Gerade wenn die Toleranz der Eltern auf eine harte Probe gestellt wird und Alfons die Unterschrift des Vaters fälscht, sieht es der Vater nicht ein seinem Sohn noch den letzten Stoß zu verpassen und gibt bei der Direktorin an, dass es doch seine Unterschrift sei. Ab diesem Moment schafft es der Film sehr schön, dass Kind und Eltern wieder zueinander finden. Als der Vater später nämlich auch seine alten Spielsachen findet und merkt, dass er früher auch einen DDR-Kosmonauten anhimmelte und auch die gleichen Träume hatte, wird der Film sogar etwas rührselig, ohne dabei es zu übertreiben. Besonders interessant ist dabei auch, dass der Film in der heutigen Zeit, aber im Osten spielt und das Ursprungsland dieser Geschichte nicht vergisst. Schon in den letzten Kinderbüchern wird ein wenig impliziert, dass der Vater der frühere Alfons, aus den ersten beiden Büchern, war und auch der Film greift diese Andeutungen wieder auf. Dies ist dann aber eher was für die Fans des Originals und wird im Film auch nur am Rande immer wieder erwähnt. Die wenigsten Kinder werden mit „Kosmonaut“ oder „DDR“ auch wirklich was anfangen können.

Das Ganze ist auch hochwertig produziert und die Traumsequenzen im Weltall sind für eine deutsche Produktion wirklich sehenswert. Auch der eine oder andere Effekt, wie auch die Kamera passen super. Für den Soundtrack gilt das aber nicht unbedingt. Die Rap-Parts sind eher zum Fremdschämen und funktionieren wohl nur bei Kindern. Richtig schlimm wird es, wenn im Film die Kinder selbst ein paar Rap-Parts auspacken, um Alfons zu mobben. Dann verdreht man als Erwachsener Zuschauer schon etwas die Augen. Ebenfalls wenig begeisternd wird es dann im Abspann, wenn Bürger Lars Dietrich seinen Song zum Film präsentiert, wo es dann auch kein Wunder mehr ist, wenn die Eltern frühzeitig den Kinosaal verlassen wollen.

Auch bei dem Cast selbst sollte man das eine oder andere Auge zudrücken. Bis auf Tilman Döbler sind alle Kinderdarsteller und Darstellerinnen eher schwach. Hier kann man dem Produzententeam aber auch schwer einen Vorwurf machen, da die Ausbildung von jungen Schauspielern in Deutschland kaum vorhanden ist. Sein bester Freund Leopold Ferdinand Schill kann in einigen Szenen noch so manchen trockenen Witz retten, bleibt aber ansonsten auch eher schwach. Bei den Erwachsenen sieht das aber schon anders aus. Devid Striesow als Vater von Alfons kann nicht nur in den witzigen Momenten glänzen, auch wenn er seinen Hape Kerkeling aus Ich bin dann mal weg wohl ganz schwer losbekommen wird. In den wenigen Momenten, die er hat, kann Wolfgang Stumph als reicher Opa von seinem verwöhnten Enkel immer wieder für ein paar Lacher überzeugen und seine Maske passt perfekt zu einem reichen Schnösel mit sächsischem Dialekt. Gastauftritte wie von Tobi der Checker dienen wohl nur dazu, um auch ein bestimmtes Publikum in das Kino zu locken und auch Olaf Schubert ist jetzt nicht die größte Bereicherung für den Cast, tut aber auch niemandem weh.

Wolfgang Stumph hätte ruhig öfter zu sehen sein dürfen. © X-Verleih 2019

Fazit

Für Kinder ist das Ganze ein wirklich sehenswertes kleines Abenteuer, was es heute im Kino gar nicht mehr so oft gibt. Die Eltern werden auch keinen unbequemen Kinobesuch erleben und gar an mancher Stelle unterhalten, besonders wenn man hier und da ein Auge zudrücken kann. Der Film glänzt mit Charme und einer gelungenen Portion Humor. Für einen netten Abend mit den Kindern sehr zu empfehlen!