Es war das Jahr 2015, als ältere Herren versuchten einen Tresor zu knacken und gleichzeitig den größten Raub in der Geschichte von England für sich zu verbuchen. Dabei ist die Geschichte so interessant, dass eigentlich ein Film nur eine Frage der Zeit war. Inszeniert wird das Ganze von James Marsh (Die Entdeckung der Unendlichkeit), dieser hat sich wohl die größten älteren britischen Schauspieler dazu geholt, die es aktuell gibt. Laut eigenen Aussagen wollte man für diesen Film Michael Caine als Erstes holen, um mit ihm andere Kollegen anzulocken. Zumindest der Plan ging auf, so wie auch der Heist-Job und am Ende soll doch nicht alles glatt gehen. Es ist witzig, dass dieser Film tatsächlich nicht konsequent zu Ende gebracht wird, wie eben die Rentner im echten Leben ihren Plan nicht konsequent durchgeplant haben…

 

Der frühere Meister-Verbrecher Brian Reader hat durch einen tragischen Tod seine Frau verloren und ihr kurz vorher versprochen, dass er sich zur Ruhe setzen wird. Doch es juckt ihm noch immer in den Fingern und so plant er einen „letzten Job“. Das Ziel? Das berühmte Hatton Garden-Quartier, denn dafür braucht es ein erfahrenes Team und deswegen holt er sich noch vier weitere Veteranen aber auch jemanden der sich mit Computern auskennt, einen jüngeren Ganoven. Der Raub selbst wird gut geplant und dennoch zeigt sich immer mehr, dass das Team sich untereinander misstraut und wohl selbst im Wege stehen wird…

Dieser Raub, den wir in Deutschland wohl kaum so richtig mitbekommen haben, liest sich schon wie ein Drehbuch. Ein Wert von 14 Millionen Pfund gestohlen von einer Truppe von Rentnern, dessen Anführer stolze 76 Jahre alt war. Die Gefahr allerdings, dass wir wieder einen respektlosen und langweiligen Film voller Rentner sehen, bestand dennoch. Hier muss sich aber der Regisseur nichts vorwerfen lassen. Die Witze über das Alter sind meistens respektvoll und nicht komplett unter der Gürtellinie. Doch ein anderes Problem dieser Geschichte zeichnet sich ab. Das Ende ist einfach nicht mehr unterhaltsam.

Da guckt jemand und fragt sich, wie man da durchpassen soll. © studiocanal 2018

 

Noch in der ersten Hälfte hat der Film einige komödiantische Elemente und ist tatsächlich spannend inszeniert, besonders wenn man die Originalgeschichte noch nicht kennt. Die Planungs-Sequenzen aber auch der Einbruch selbst sind wirklich gelungen und hier können die Schauspieler auch richtig glänzen. Ebenso wird an der einen oder anderen Stelle der Streit dieser Bande immer deutlicher, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Ist der Einbruch aber vollendet und es beginnt die zweite Hälfte des Films, baut die Geschichte unglaublich stark ab. Der Film verliert dann auch den komödiantischen Anteil und wird mehr zu einem Gangster-Thriller. Doch für einen guten Thriller braucht es etwas Spannung und am Anfang noch ein paar Fragezeichen. Dabei ist aber von Anfang an klar, wer wen hintergehen wird. Dazu kommt, dass der Zuschauer dann viele Szenen sieht, die uns nun die Verfolger, also die Polizei, näherbringen. Es ist absolut offensichtlich, was demnächst passieren wird. Das liegt auch daran, dass die alten Hasen sich absolut unglaubwürdig verhalten. An dieser Stelle ist es unglaublich, dass diese Geschichte auch zum Ende hin wahr ist und doch, nach eigenen Recherchen, es ist genau so abgelaufen. Wie solche Ganoven, mit dieser Erfahrung, es am Ende so verkacken können, bleibt wohl ein Rätsel. Dem Film tut das jedenfalls nicht gut. Oder die Drehbuchautoren hätten sich dafür entscheiden sollen, den komödiantischen Anteil lieber fortzuführen, um sich über diese Dummheit und diese Ironie etwas lustig zu machen.

Das absolute Highlight von diesem Film ist selbstverständlich die Besetzung. Was bedeutet selbstverständlich? Dieser Cast hat es ja eigentlich auch nicht mehr nötig und dennoch haben alle sichtlich viel Spaß, das überträgt sich auch auf den Zuschauer. Michael Caine als Planer ist wohl die Figur, die hin und hergerissen ist. Zum einen hat er seiner Frau etwas versprochen, zum anderen aber will er dennoch diesen einen Job noch beenden. Die anderen älteren Herren sind dagegen eher für den witzigen Teil zuständig. Tom Courtenay als technophober Rentner, der das Internet nicht versteht oder Jim Broadbent der als kranker Psychopath tatsächlich am meisten Spaß macht. Der junge Charlie Cox fällt hier allerdings etwas heraus und bleibt als Computernerd etwas blass. Das kann aber auch an der Vorlage liegen. Denn Basil, den Charlie verkörpert, ist bis heute nicht gefasst und der einzige kluge Ganove in dieser Gruppe, der sich rechtzeitig absetzte und sich heute wohl kaputtlacht. Über ihn ist so gut wie nichts bekannt und die Autoren wollten ihn scheinbar auch so wirken lassen. Die falsche Entscheidung, denn so wirkt seine Figur wie ein Fremdkörper.

Am Ende haben sich die Ganoven nicht wirklich klug angestellt… © studiocanal 2018

 

Fazit

Leider ist nur die erste Hälfte wirklich unterhaltsam und am Ende wirkt der Film etwas unausgegoren. Die etwas lockere und leichtere Atmosphäre der ersten Hälfte hätten die Verantwortlichen ruhig beibehalten sollen, dies hätte weiterhin gut zu dieser Geschichte gepasst. Der alte Cast kann den Film dafür aber noch etwas retten und so macht es wenigstens Spaß, diese alten Hasen vereint zu sehen.