Wer Blockbuster mag, hat es aktuell nicht einfach. Neben dem x-ten Superheldenfilm, die sich immer weniger unterscheiden, oder anderen großen Franchise-Marken, die sich ebenfalls ziemlich ähnlich und einfach nur noch “more of the same” sind, kann das Blockbuster-Kino nur noch langweilen. Neue Designs, Welten oder Marken? Fehlanzeige! Dieses Jahr ist dabei besonders schlimm, wenn es um das Thema Fortsetzungen geht. Das Jahr ist vollgestopft mit weiteren Blockbustern, eigenständige Filme oder neue Marken? Wieder Fehlanzeige! Doch es gibt auch Licht am Horizont und wenn ihr euch nicht blenden lasst, von dem ganzen Wahnsinn der gerade im Blockbuster-Kino abgeht, und euch auch mal an neue Marken traut, dann findet sich eben doch der eine oder andere Film, der das Blockbuster-Kino bereichern wird. Captive State könnte so ein Film werden, die ersten Trailer machten Lust auf mehr und am Ende kam dann auch tatsächlich ein unterhaltsamer Film heraus.

 

Seit nunmehr 10 Jahren besetzen Aliens die Erde. Als sie ankamen, haben die Regierungen ihre bedingungslose Kapitulation an die Aliens übermittelt. Doch das scheint gar nicht so schlimm zu sein. Denn es gibt keine Kriege, keine Verbrechen oder gar Armut. Die perfekte Welt, zumindest wirkt es oberflächlich betrachtet so. Freie Meinung, Freiheit allgemein, Pressefreiheit und eine Opposition? Gibt es nicht. Armut und auch Verbrechen gibt es noch sehr wohl und dass die Waffen entsorgt wurden, dient nur dazu, dass die Aliens keine Gegenwehr fürchten müssen oder mit Widerstandskämpfern. Einen Versuch von Widerstandskämpfern gab es bereits und die Aliens haben einfach einen kompletten Stadtteil lahmgelegt. Doch es regt sich neuer Widerstand und es beginnt ein Kampf zwischen den Rebellen, der Polizei und den Aliens. Denn die Oberen der Polizei haben sich schon längst auf einen Pakt mit den Aliens eingelassen und sind eingeweiht in die richtigen Pläne der Invasoren…

Was es auch ist, irgendwas verbindet die beiden Kontrahenten © 20th Century Fox 2019

Bereits 2018 sollte der Film eigentlich erscheinen. Erst im März, dann im August und nun? Nun sollte der Film am 28. März 2019 zumindest einen deutschen Kinostart bekommen, also fast ein Jahr später. Im Gegensatz zum Vorjahr ist dieser Film zumindest mittlerweile fertig (sonst könnte ich ja auch diese Kritik nicht schreiben…), dennoch wurde einfach, ein paar Wochen vorher, der Kinostart gestrichen und wann der Film nun laufen wird, weiß niemand. Wir von playto.de werden euch jedenfalls auf den Laufenden halten. Diese merkwürdige Produktionsgeschichte im vergangenen Jahr und die Verschiebung in diesem Jahr sind jedenfalls keine guten Zeichen für den Zuschauer. Vielleicht liegt es auch an der starken Konkurrenz. Die Produktionsschwierigkeiten aus dem vergangenen Jahr jedenfalls merkt der Zuschauer diesem Film nicht an und es soll niemand sich davon abschrecken lassen.

Denn das Drehbuch oder die Geschichte selbst wirkt zu keiner Zeit zerstückelt. Am Anfang sieht man wie zwei Eltern versuchen zu fliehen und dann aber von Aliens angegriffen werden. In dieser sehr atmosphärischen Szene wird klar, dass diese Invasoren scheinbar sehr mächtige Fähigkeiten haben. Mit nur einem Schrei zerplatzen einfach mal die Köpfe. Keine Sorge, der Film ist kein Splatter-Film, dazu aber gleich mehr. Nach diesem tollen Intro folgen ein paar Szenen aus Funk und Fernsehen, die dem Zuschauer erklären, was in den letzten 10 Jahren genau passiert ist. Der Film schafft es sehr geschickt, andere Eckdaten der letzten 10 Jahre oder kleinere Merkmale in die Geschichte einzubinden. So hat zum Beispiel auch jeder eine Art Chip im Hals. Dadurch wird jeder Erdbewohner geortet oder abgehört. Oder man erfährt etwas über eine Rebellengruppe, die sich dem Ganzen widersetzen will und sich ständig versteckt. Was die Aliens genau vorhaben und wie sie diverse Menschen für ihre Zwecke einbinden, wird ebenfalls ganz geschickt während des Films eingestreut und so bröckelt auch immer mehr die tolle Fassade, die von den Aliens aufgebaut wurde.

Wir sind dabei immer bei Gabriel, der ebenfalls ständig verfolgt wird aber eigentlich einen guten Job hat und zufrieden sein könnte. Doch Gabriels Bruder wird vermisst und war eben früher bei der Rebellion. Er weiß also, dass die Aliens nur das schöne Leben vorspielen. Dabei trifft er immer wieder auf den Polizeichef Mulligan, der klare Kante zeigt aber in Gabriel noch etwas Hoffnung hat. Er möchte ihn von seiner Position überzeugen. Diese zwei Hauptfiguren sowie das typische Katz- und Mausspiel hält so die Geschichte am Leben und wird dadurch immer wieder vorangetrieben. Bis Gabriel die Vergangenheit von seinem Bruder aufdeckt und einer Verschwörung auf die Schliche kommt. Auch die Geschichte der einzelnen Personen ist immer wieder interessant, wenn auch vorhersehbar. Hier und da kommt es auch zu kleineren Logiklöchern und wenn man über bestimmte Inhalte oder Erklärungen etwas nachdenkt, bricht hin und wieder auch ein Element aus dem Film zusammen. So fragte ich mich schon sehr früh, wie es überhaupt möglich ist mit so einem Chip im Hals, der dich komplett orten und abhören kann, überhaupt irgendwas zu planen. Später im Film gibt es dazu auch eine Lösung, aber schon vorher wäre es ein Leichtes für die Aliens und der Polizei gewesen, die Rebellen im Keim zu ersticken. Doch der Film gibt dem Zuschauer gar nicht so viel Zeit zum Nachdenken und hat ein sehr gutes Pacing. Captive State springt von einer spannenden Szene zur Nächsten und von einem interessanten Plotpunkt zur nächsten Action-Sequenz. Auch wenn das Finale sehr vorhersehbar wird, schafft es der Film zumindest innerhalb der einzelnen Szenen Spannungen zu erzeugen und hält den Zuschauer so am Ball.

Auf der Suche nach der Wahrheit bemerken wir, es ist doch nicht alles so perfekt. © 20th Century Fox 2019

Das liegt auch an der guten Inszenierung. Sei es die gute Kameraarbeit und die tollen Bilder, wie ein großes Raumschiff über einem Football-Stadion, oder auch der Soundtrack, der den Szenen noch einmal Druck verleiht und etwas pusht. Bei diesem Film, gerade für die Stimmung, sollten auch die Soundeffekte nicht unerwähnt bleiben. Wenn die Aliens in der Nähe sind oder gar kommunizieren, ist das immer ein sehr bedrohliches und beklemmendes Gefühl für den Zuschauer. Dies überträgt damit die aktuelle Stimmung des Films auch auf den Zuschauer. Das Beste dabei ist, gerade heute, dass der Film sich dabei komplett ernst nimmt und selbst coole Oneliner eher ausbleiben. Das verstärkt einfach noch einmal die Bedrohlichkeit, die von diesem Überwachungssystem und den Aliens ausgeht, so wie eben auch die scheinbare Übermacht der Aliens. Das Design der Aliens und deren Raumschiffe sind im Übrigen ebenfalls einzigartig und gelungen. Sie werden dabei nicht zu häufig in Szene gesetzt, viele Raumschiffe sind teils auch einfach nur die Kulisse im Hintergrund, wenn sie zum Beispiel im Wasser stehen und dort nach Ressourcen bohren. Gleichzeitig haben sie eben etwas sehr Gruseliges sowie Gefährliches in ihrem Aussehen und es fällt etwas schwer zu glauben, dass die anderen Erdbewohner solchen Kreaturen vertrauen. Doch was will man machen, wenn mit einem Klacks ein ganzer Stadtteil zerstört werden könnte?

Der Hauptdarsteller, Ashton Sanders, hat schon in Straight Outta Compton sein Talent bewiesen und ist nun auch hier sehr solide. Da seine Figur eher blass bleibt und er mehr dazu dient den Zuschauer an die Hand zu nehmen, hat er auch nicht die größte Aufgabe. Die hat dann eher auch John Goodman, der den kalten und pragmatischen Polizisten darstellt, der aber auch gleichzeitig sich illegal in Bordellen aufhält. Er wirkt auf den ersten Blick ebenfalls wie ein eindimensionaler Charakter, doch wird dem Zuschauer sehr schnell klar, dass seine Figur ein Geheimnis hat, noch dazu ist er wohl doch nicht so eiskalt, wie befürchtet. John Goodman schafft es dem Film auch ein Gesicht zu geben und als Antagonist wird er durch seine Präsenz schnell zur Hauptfigur. Vera Farmiga dagegen kommt zu selten vor und wirkt irgendwie verschenkt, obwohl der Film einen weiteren Sympathieträger gebrauchen könnte. Denn bei der ganzen soliden Arbeit von Ashton, seine Geschichte wirkt gerade am Ende dann auch etwas belanglos und geht etwas unter.

Auf dem Weg zu den Invasoren, um zu verhandeln. © 20th Century Fox 2019

Fazit

Der Film ist definitiv kein Meisterwerk und ist auch im Blockbuster-Kino nicht der heilige Gral. Aber er ist frisch und sticht sehr schön aus dem Einheitsbrei hervor, gerade dank seiner Optik und auch, weil der Film sich komplett ernst nimmt oder aktuellen Trends nicht hinterher jagt. Viel wird in diesem Film erzählt und auch zu Ende geführt, vieles überlässt der Film auch dem Zuschauer oder findet im Hintergrund statt. Captive State ist vielleicht etwas vorhersehbar und hier und da sollte man nicht zu sehr darüber nachdenken, dennoch schafft es der Film, den Zuschauer nicht für blöd zu verkaufen. Entertainment-Kino, wie ich es mittlerweile viel zu selten sehe.