Wir schreiben das Jahr 1325, ganz Gallien ist von den Römern besetzt … Moment, falscher Comic. Dennoch befinden wir uns in Europa, genauer gesagt in Venedig, also doch nicht so weit weg von Rom. Wir sehen einen alten und grauen Marco Polo, der aufgrund der Schilderungen zu den Ereignissen, die er auf seinen Reisen erlebt und gesehen haben will, vor Gericht steht. Doch um Marco Polo soll es in diesem Buch gar nicht gehen, vielmehr um die Gelehrten, die ihm vor Gericht zur Seite springen und seine Erlebnisse als Kinkerlitzchen abtun, nur um für ihre Forschungsreise zu werben. Denn wenn man schon nach Osten aufbreche, dann gäbe es ja eigentlich nur ein Ziel, den Mond! Schließlich geht der Erdtrabant im Osten auf und wenn man nur weit genug in diese Richtung reise, dann müsste man ihn erreichen können.

Parallel zur Reise der drei Wissenschaftler webt Brandenberg immer mal wieder Doppelseiten vom Mond ein. Dort erfahren wir, was den Mond derweil so beschäftigt, ihn erheitert und ihm missfällt. Dabei löst sich das nonverbale Geschehen gekonnt vom Setting der drei Reisenden im 14. Jahrhundert, sehen wir doch Raketen auf dem Mond landen oder auch Städte sich dort ansiedeln. Es scheint aber, dass der Mond gerne seine Ruhe haben will, er war bereits weit vor der Menschheit schon dort oben und er wird auch weit nach der Menschheit (hoffentlich) noch dort oben aufgehen. Wie es schon so schön auf der Buchrückseite heißt: „Hat sich Neil Armstrong eigentlich je gefragt, ob der Mond überhaupt besucht werden will?“

In der Wüste Gobi finden die Gelehrten ihre Erleuchtung.

Für unsere drei Reisenden stellt sich die Frage nach dem Besuchsrecht natürlich nicht, sie wandern über Moldawien, den Aralsee, Kasachstan bis zur Wüste Gobi und werden schließlich auch fündig. Dennoch bleibt es dem Leser und seiner Fantasie überlassen, ob die Reise als Erfolg gewertet werden kann. Nicht selten zweifeln unsere Wissenschaftler an ihrem Reiseziel oder aber auch an ihrem Verstand. Doch das würde ja bedeuten, sich eine Niederlage eingestehen zu müssen, so selbstverliebt kommen die drei Herren daher.

Für sich genommen findet jeder der drei Wissenschaftler den Mond, wenn auch anders als ursprünglich gedacht. Mit viel Fantasie stattet Brandenberg die Reise aus, es passiert im Grunde nicht viel, der Umgang der drei Herren untereinander ist der Stoff, aus dem die Geschichte ihren Reiz bezieht. Optisch zunächst trist und der Umgebung angemessen, werden die Gedankengänge im Verlauf der Reise immer abstrakter und phantastischer.  Je „näher“ man dem Mond kommt, desto bunter werden auch die Ausgestaltung der Zeichnungen sowie die Monologe bzw. Dialoge. Es findet für mich als Leser zu einem befriedigenden Abschluss. Jeder der drei Wissenschaftler findet den Mond auf eine für sich einzigartige Weise vor und zieht seine Lehre daraus, auch wenn sie letztendlich den Mond an sich physisch nicht betreten haben.

Der Mond bleibt eigentlich ganz gerne allein, dennoch ist bei ihm so einiges los!

Fazit

Optisch erinnerte mich die Gestaltung der Protagonisten an eine animierte Episode, die auch in der Sendung mit der Maus laufen könnte. Das ist hier ausdrücklich als Kompliment gemeint, kam mir die Assoziation doch direkt in den Kopf. Selbstverständlich passt der Inhalt nicht zu einer Kindersendung, wobei der Ansatz an sich auch für Kinder durchaus passend aufgearbeitet werden könnte. Ich hatte mit der fantasievollen Gestaltung der Geschichte, den Zeichnungen und den passenden Ende(n) meine Freude und habe das Buch zwischendurch immer wieder beiseitegelegt, damit ich noch ein wenig länger etwas davon hatte. Eine Empfehlung auch für Menschen, die normalerweise keine Comics oder Graphic Novels lesen, aber durchaus einen philosophischen Ansatz zu würdigen wissen.

Joachim Brandenberg: Ein kleiner Schritt für die Menschheit ist erschienen im Jaja Verlag – ISBN: 978-3-946642-58-9

Jetzt Ein kleiner Schritt für die Menschheit beim Jaja Verlag kaufen! oder im lokalen Buchhandel.