Die Marke Ostwind ist bei den Kids einfach unfassbar beliebt. Nicht nur eine Buchreihe gibt es davon, sondern eben auch etliche Filme. Aktuell haben wir den vierten Film zu besprechen und die Reihe gilt für einen deutschen Film als sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass wir in unserer Rubrik “Ein Herz für den deutschen Film” gar nicht herumkommen. Nun bin ich ja jemand, der ungern sagt „Männer-Film“ oder „Frauen-Film“ und Filme in Schubladen einordnet. Doch die Ostwind-Filme sind so stark an eine Zielgruppe orientiert, dass es fast unmöglich ist, eine Kritik zu schreiben, wenn man selbst nicht zur Zielgruppe gehört. Nur gut, waren auch Kinder bei der Pressevorführung eingeladen und damit bekam ich einen deutlich besseren Eindruck, wie der Film eben für die Kids wirkt. Ich kann die Faszination hinter der Marke, zu der es auch Videospiele oder andere Merch-Artikel gibt, mittlerweile etwas verstehen. Dennoch gibt es auch ein paar Punkte, die aus cineastischer Sicht nicht so gut funktionieren und auch Kinder unterfordert, obwohl die Fans der ersten Stunde schon etwas älter sein dürften.

 

Das Gut Kaltenbach ist in Gefahr! Die Großmutter von Mika und Sam sowie Herr Kaan, der auf dem Gut eine Laube hat, versuchen alles um den Hof zu retten. Da kommt die scheinbar nette Isabell gerade Recht, die nach ihrem Studium auf dem Hof anfängt und alles wieder zurechtbiegen will. Doch auch das berühmte Pferd Ostwind ist in Gefahr, Mika selbst liegt im Koma und kann Ostwind nicht helfen. Beide verbindet eine Art mystische Verbindung. Geht es Ostwind schlecht, geht es auch Mika schlecht. So isst Ostwind nichts mehr und ist vom letzten Abenteuer verletzt. Niemand schafft es eine Verbindung mit Ostwind aufzubauen und so droht der Tod des Pferdes. Doch die aufgeweckte Pfanni, eine Freundin von Mika, lernt in ihrem Praktikum beim Jugendamt das Mädchen Ari kennen. Ari gilt als schwer erziehbar doch scheinbar kann sie eine Verbindung zu Ostwind aufbauen…

Die Fans von Mika müssen nun ganz hart sein, sie spielt in diesem Film kaum eine Rolle. Ganz am Anfang sehen wir nur, wie es dazu kam, dass sie im Koma liegt und wie Ostwind sich seine Wunde abholte, ansonsten sehen wir sie nur im Krankenhaus liegend und ganz am Ende. Dass ich das persönlich sogar gut fand, werde ich später noch erläutern. Die Hauptprotagonistin ist diesmal aber Ari und das mag den einen oder anderen Fan eher abschrecken, doch sie bringt tatsächlich etwas frischen Wind in die Reihe. Wie schon bei dem Vorgänger, der nicht in Deutschland spielte sondern in Andalusien, schafft es die Regisseurin Katja von Garnier (Ostwind 1-3) neue Impulse zu setzen. Dabei geht es wieder zurück in das vertraute Setting. Kenner und Fans der Serie werden sich aber sofort wohlfühlen und tatsächlich hat das Gut was Charmantes. Wer aber wieder darauf hofft, tolle Reitszenen zu sehen und die Faszination des Reitens und Pferde allgemein zu verstehen, der wird diesmal enttäuscht sein. Von diesen Szenen gibt es verdammt wenige und wenn, dann sind diese auch nicht wirklich beeindruckend. Fast schon ein Kontrastprogramm zum Vorgänger, wo die Reitszenen und auch das Verhalten der Tiere ein richtiges Highlight war.

Ari ist die neue Hauptfigur in Ostwind und nicht Mika. © 2019 Constantin Film Verleih GmbH/SamFilm GmbH/Marc Reimann

Ari gilt als schwer erziehbar und hat sich kaum unter Kontrolle. Wird sie erschrocken oder ahnt sie etwas Böses, schlägt sie sofort zu. Dadurch wird sie immer wieder von den Pflegefamilien abgegeben und ihr droht eine Aufnahme in einem Heim. Doch auf dem Gut lernt sie eben Ostwind kennen und gleichzeitig lernt sie sich zu beruhigen. Die Schläge ins Gesicht oder auch allgemein einige Situationen in die Ari landet, sind oft sehr humoristisch in Szene gesetzt. Natürlich sind die meisten Gags sehr kindgerecht und als Ari mit Pfanni an einem Kinderheim vorbeifährt, wird mit der Angst, die ein Kind vor so einem Heim haben kann, etwas gespielt und dies humorvoll aufgearbeitet. Doch die Figur Pfanni und der etwas trottelige Sam bringen tatsächlich auch lustige Szenen oder Sprüche für ein erwachsenes Publikum. Hier kommen wir aber auch gleich zu einem kleinen Problem. Ich hatte irgendwie ein wenig das Gefühl, dass der Film diesmal seine Zielgruppe nicht so ganz einfangen konnte. Auf der einen Seite fühlt es sich so an, als wäre Ari eben der Neuanfang dieser Serie, zudem die Geschichte um Mika im dritten Teil einen Abschluss fand. Was eben auch bedeutet, dass diese Reihe ihr bisheriges Publikum, was eben nun auch älter geworden ist, verliert. Doch auf der anderen Seite gibt es eben Momente, wo man genau dieses Publikum wieder abholt und am Ende das Gefühl gibt, dass es für sie weiter geht.

Doch die mittlerweile volljährigen Fans dürften über so manche Gags nicht mehr lachen, manche Geschichten als infantil abstempeln und der Schurke ist für viele wohl viel zu überzeichnet. Auch das nicht immer gelungene Schauspiel dürfte der einen oder anderen Person mittlerweile auffallen. Richtig erschrocken habe ich mich da zum Beispiel bei Hannah Binke, die so steif und schlecht spielt, dass es schwer zu glauben ist, dass sie bisher diese Reihe getragen hat. Aufgrund dessen ist Luna Paiano, die Ari spielt, ein richtiger Glücksgriff gewesen. Kinderdarstellerinnen aus Deutschland haben es nicht gerade sehr einfach und sind selten wirklich gut. Doch Luna spielt ihre Ari locker, frei und hat auch ein gutes Timing. Dies ist auch der Grund, warum das Fehlen von Mika kaum auffällt und wenn sie doch ins Bild kommt, eher negativ im Gedächtnis bleibt. Bei den anderen Schauspielkollegen gibt es auch starke Schwankungen. Amber Bongard spielt ihre Pfanni zum Beispiel ganz solide, während andere aus einer Reality-TV-Serie kommen könnten. Die älteren Darsteller sind alle schon geübt und spulen das übliche Programm ab.

Wer hier der Schurke ist und mit den Pferden nicht gut umgeht, wird direkt klar.© 2019 Constantin Film Verleih GmbH/SamFilm GmbH/Marc Reimann

Dafür ist der Film hochwertig produziert, bietet tolle Kulissen und liefert auch hier und da schöne Bilder. Fans werden sich vielleicht ärgern, dass die Reitszenen eher selten sind und auch die Kamerafahrten oder schönen Momente eher nicht vorkommen. Pferdeliebhaber werden allerdings dennoch auf ihre Kosten kommen und Fans von dem Pferd Ostwind leiden wohl auch während des Films. Überhaupt, Schauspiel hier und Kamerafahrten da. Interessiert es die Kids überhaupt? Sicherlich, Kinder und Jugendliche sollte man auch nicht unterfordern, wie es der Film an mancher Stelle macht, aber im Kino waren die Kinder jedenfalls begeistert von diesem Film und haben richtig mitgefiebert. Auch Fans die schon ein höheres Alter haben und zum Beispiel mittlerweile studieren, fühlten sich weiterhin unterhalten. Ich, der mit solchen Filmen insgesamt nichts anfangen kann, sage auch: Es gibt deutlich schlimmere Filme mit Pferden. Ja, am Ende muss ich dann eingestehen, ich fühlte mich sogar etwas unterhalten. Dann macht der Film ja alles richtig!

Fazit

Pferdeliebhaber und Fans der Bücher sowie Filme werden auch diesmal wieder ihren Spaß haben. Tatsächlich sind diese Filme auch nicht der größte Schund, den der deutsche Film jemals hervorgebracht hat. Im Gegenteil: Gerade in Sachen Kinderfilmen zählt diese Reihe wohl eher zu den besseren Filmen aus diesem Land. Wer nicht zur Zielgruppe gehört, geht eh nicht freiwillig ins Kino. Gleichzeitig werden Eltern aber auch keine schlimme Zeit im Kino verbringen. Zumindest nicht, wenn die Eltern nicht mit verschränkten Armen im Kino sitzen. Vielleicht sollten wir uns alle so locker machen, wie Luna Paiano ihre Ari spielt.