Der Friedrichstadt-Palast ist die größte Theaterbühne der Welt und eine feste Größe in Berlin. Neben dem berühmten Varité des Hauses gibt es dort auch jedes Jahr ein sehr aufwendiges und gut besuchtes Theaterstück, das nur mit Kindern besetzt ist. Genau diese Kinder, das Casting und die vielen Hürden, nimmt diese Dokumentation genauer unter die Lupe und begleitet dabei fünf Kinder auf ihrem Weg zur großen Bühne. Alice Agneskirchner, die Regisseurin, schafft es gut hinter die Kulissen zu blicken und dem Zuschauer einen Einblick in eine andere Welt zu geben.

Es geht dabei um das Theaterstück “Von Zeit zu Zeit”, wo insgesamt bis zu 2.000 Zuschauer erwartet werden. Nach einem, besonders für Kinder, sehr harten und anstrengenden Casting müssen die ausgewählten Kinder mit dem neuen Druck klarkommen und neben ihrem Schulalltag auch noch Texte, Tänze und Songs auswendig lernen. Das Theater stellt dabei hohe Anforderungen in Sachen Schauspiel, Gesang und Tanz. Dabei haben die Kinder auch schon privat mit Ängsten und Sorgen zu kämpfen: Ein Kind hat eine krebskranke Mutter. Ein anderes Kind ist noch nicht über den Tod der eigenen Mutter hinweggekommen. Selbst ein schon frühreifer YouTube-Star, der bis spät abends seine Videos dreht und schneidet, ist dabei und übernimmt sogar die Hauptrolle. Es ist nicht einfach, alles unter einem Hut zu bekommen und am Ende eine gigantische Show abzuliefern.

Ausgefallene Kostüme gehören ebenfalls zur Show. © gebrueder beetz filmproduktion

Die Doku beschränkt sich dabei auf fünf Kinder und gibt einen groben Einblick in die Theaterwelt. Hier und da taucht auch die Regie auf oder die Maskenbildnerin, da die Tante von einem Schauspielkind eben in diesem Theater arbeitet, aber ansonsten fokussiert sich die Doku auf die Dramen und Geschichten der Kinder. Natürlich wissen die Kinder auch nicht so richtig, was auf sie wirklich zukommt, oder sie können das Arbeitspensum nicht richtig einschätzen. Umso größer ist der Respekt aber, wenn die Show gelingt und mit einem enormen Aufwand auch auf die Bühne gebracht wird. Alice Agneskirchner schafft es auch gekonnt die Schwierigkeiten, die man mit Kinderdarstellern hat, aufzuzeigen, aber uns auch den Stress und den Druck der Kinder nahezubringen.

Oft hält die Kamera auch in den intimen Momenten drauf. Wenn zum Beispiel eine Darstellerin über ihre verstorbene Mutter erzählt, die selbst in diesem Theater war, und mit dem Vater über den Druck spricht, bekommt der Zuschauer einen ungefähren Eindruck, wie hart dieses Geschäft sein kann und dass niemand geschont wird. In manchen Situationen darf sich allerdings schon die Frage gestellt werden, ob an dieser Stelle wirklich draufgehalten werden muss und ob das anderen Menschen etwas angeht. Selbstverständlich: Es dient auch dazu den Kindern ein Gesicht zu geben, aber die Balance wird nicht immer gehalten. Besonders interessant ist der YouTube-Star. Dieser ist schon sehr weit für sein Alter und tatsächlich eine kleine Berühmtheit in gewissen Kreisen. Ich bin ehrlich: Mir war diese Person unbekannt, aber im Film wird deutlich, dass seine Videos sehr viele Klicks generieren und Tanzlehrerinnen beschweren sich zum Teil auch über die Fangruppen, die sich um ihn bilden. Dass er ein bekanntes Gesicht ist und sehr gut weiß, wie er sich zu präsentieren hat, wird dem Zuschauer auch schnell bewusst. Da beschwert er sich zum Beispiel, dass eine Szene ziemlich lächerlich aussieht und will sich bei der Regie beschweren. Schade, dass wir das nicht zu Gesicht bekommen.

Die Direktorin des jungen Ensembles: Christina Tarelkin. © gebrueder beetz filmproduktion

Ebenfalls interessant wird es, wenn wir hinter die Kulissen blicken können. Immerhin reden wir hier von der größten Theaterbühne der Welt. Wie Tanzchoreografien oder Songs eingeprobt werden, ist auch so schon spannend und wenn dies auch noch Kinder am Ende auf die Reihe bekommen müssen, bekommen wir einen komplett neuen Einblick. Die Lehrer sind dabei nicht zimperlich und knallhart. Natürlich gibt es auch nicht selten Gespräche mit den Eltern. Dort suchen die Lehrer das Gespräch mit dem Kind, nennen ehrlich die Defizite und geben Empfehlungen. Auch ein Ausschluss oder eine Degradierung ist dann möglich. Wer jetzt denkt, nun sähen wir Eltern, die denken ihre Kinder seien absolute Naturtalente und die die Lehrer anfauchen, der könnte enttäuscht werden. Denn glücklicherweise zeigt die Regisseurin solche Gespräche nicht und die gezeigten Eltern bleiben ruhig, haben sogar Verständnis und geben der Einschätzung ihr volles Vertrauen.

Wenn die Kinder auf der Bühne schon proben oder Gesangseinlagen geübt werden, wird immer wieder etwas vom fertigen Stück gezeigt. So bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack und Lust auf das fertige Werk. Allerdings, das ist klar, bekommen wir nur zum Finale viel zu sehen, aber nicht alles. Allerdings ist es gar nicht mehr möglich sich noch diese Show anzusehen, da sie bereits im letzten Jahr auslief und eine neue Kindershow in Planung ist. Das ist ärgerlich, auch wenn man der Doku nun nicht mehr vorwerfen kann, dass sie ein Werbefilm sei.

Nick in seiner Rolle als Nöli. © gebrueder beetz filmproduktion

Fazit

Insgesamt handelt es sich um eine interessante Doku über das Theaterleben von Kindern und die Schwierigkeiten, die so ein Ensemble nun einmal mit sich bringt. Hier und da wäre etwas mehr Feingefühl erfreulich gewesen und sicherlich wirkt es doch stark konstruiert, dass man eben auch nur die Kinder zeigt, bei denen man spannende oder schicksalhafte Geschichten zu Gesicht bekommt. Doch der Einblick lohnt sich dennoch, da einem oft gar nicht bewusst wird, dass die Darsteller, die wir auf der Bühne sehen, jede Menge Arbeit reinstecken und auch mit enormem Druck leben müssen. Ein Einblick, den wir nicht so oft zu sehen bekommen.