Cyrano ist das berühmteste und beliebteste Theaterstück aus Frankreich und selbst heute noch wird Cyrano aufgeführt oder neu verfilmt. Ihr kennt Cyrano nicht? Ich behaupte, dass jeder die Figur kennt oder einmal was davon hörte. Sein größtes Merkmal ist dabei seine lange und krumme Nase. Doch wie entstand das Werk? Eigentlich als pure Komödie geplant, ist dieses Stück mehr Tragik als Komödie, sind wir also bei einer Tragikomödie. Dazu sollte man wissen, dass es sich für die damalige Zeit um ein sehr unkonventionelles Stück handelte und sämtliche Beteiligte ein gewisses Risiko eingingen. Nicht zu vergessen, dass ein neues Medium gerade das Laufen erlernte und eine richtige Konkurrenz zum Theater wurde: Der Film. Nicht wenige dachten, dass der Film das Theater komplett verdrängen würde. Nun kommt ein Film, der die Entstehungsgeschichte beleuchtet und all seine Schwierigkeiten mit etwas Humor präsentiert.

 

Der junge Edmond ist in 1987 ein erfolgloser Autor in Paris. Jedes seiner Werke ließ ein gewisses Potenzial erkennen, doch dabei blieb es meistens. Nicht zu vergessen, dass diese Theaterstücke einfach richtig floppen und niemand seine Stücke sehen will. Nicht nur, dass Edmond dadurch in ein kreatives Loch fällt, er ist schlichtweg pleite und die Familie besitzt kein Geld mehr. Seine Frau hält zu ihm, doch auch sie weiß, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Als ob es nicht noch schlimmer wird, entfremden sich beide zunehmend. Doch durch einen Zufall lernt er den berühmten Schauspieler Constant kennen, der das Genie von Edmond erkennt und ihn inspiriert. In einer Brainstorming-Session haben sie auch schon die Idee für ein Theaterstück und durch die guten Kontakte auch schon die ersten Schauspieler. Problem dabei ist nur, dass das Stück in 3 Wochen aufgeführt werden muss und ein Skript sowie die komplette Planung noch gar nicht vorhanden sind. Zum Glück lernt Edmond auch eine junge Schneiderin kennen, die ihn inspiriert und die er sich zu seiner Muse macht…

Filme über Künstler und besonders über Autoren, egal ob Theater, Film oder Buch, können sehr zäh oder trocken sein. Doch Vorhang auf für Cyrano streut ein wenig Humor mit ein und liefert gewitzte und unterhaltsame Dialoge, die den Zuschauer immer wachhalten. Auch die Figuren wachsen einem sehr schnell ans Herz, sodass der Film schnell das Interesse weckt. Das wird der irren Produktionsgeschichte nicht nur gerecht, es erzeugt auch eine gewisse Spannung. Dadurch, dass die Figuren uns sympathisch sind und wir auch so manchen Fehler verzeihen, wollen wir auch das am Ende alles gelingt und wir eine herausragende Premiere sehen. Natürlich, geschuldet durch die wahre Begebenheit, ist das Ende natürlich schon bekannt. Doch die Geschichte um die Muse von Edmond und seiner Frau oder wie die Entwicklung der einzelnen Figuren endet, ist dabei nicht bekannt. Auch das “wie” macht neugierig und wie heißt es so schön? Der Weg ist das Ziel! Sicherlich, das fertige Theaterstück nimmt am Ende ganz schön viel Zeit in Anspruch und vielleicht hätte hier die eine oder andere Episode gekürzt werden dürfen, um so auch für das Stück selbst Interesse zu wecken, für die Leute, die es noch nie gesehen haben. Dies soll nicht falsch verstanden werden. Als ich aus dem Kino kam, habe ich mir wieder eine von vielen Verfilmungen angeschaut und das komplette Theaterstück wird natürlich nicht gezeigt. Doch weniger ist manchmal mehr.

Edmond ist das verkannte Genie. ©2019-PROKINO-Filmverleih-GmbH.jpg

Ansonsten ist der Film zur keiner Zeit langweilig oder überfordert den Zuschauer mit Details. Hier und da gibt es dann auch noch kleinere Spitzen gegen Kritiker, das Medium Film oder gegen den Beruf des Schauspielers. Die schwermütige Tragik, die eben auch im Theaterstück vorkommt, ist hier kaum vorhanden und der Film ist eher locker, charmant und dennoch informativ. Für so manchen Experten mag das hier zu wenig sein, doch der Film will eben kein langsamer und trockener Schinken sein, sondern die Kunst und den Autor feiern, aber auch neue Fans für das Theater generieren oder begeistern. Die Liebeleien und die Folgen davon stören nicht, eher im Gegenteil. Der Zuschauer versteht die Beweggründe von Edmond und tatsächlich kann er sie sich selbst erklären. Doch ist diese Geschichte nicht nur zusätzlich ein wichtiger Bestandteil für die Entstehung des Stücks, es hebt den Film auch auf eine kleine emotionale Ebene.

Die Schauspieler tragen selbstverständlich ihren Teil dazu bei. Besonders Thomas Solivérés, der Edmund spielt, kann dem gescheiterten aber gleichzeitig auch hoffnungslosen Künstler viel Leben einhauchen und zu jeder Zeit mit seinem Charme glänzen. Der Rest macht einen, wie für französische Filme meistens üblich, soliden bis ganz guten Job. Manche Schauspieler neigen ein wenig zum Overactin, tanzen in manchen Szenen etwas aus der Rolle, doch insgesamt bleibt das Bild stimmig, was für so ein großes Ensemble nicht selbstverständlich ist. So oder so erkennt man den Spaß, den die Beteiligten wohl hatten und auch die Begeisterung für einen großartigen Künstler.

Der Film bleibt auch in den Kamerafahrten sehr flott und ganz ruhige Minuten sind selten. Was ich gern in anderen Filmen kritisiere, ist hier ein Pluspunkt. Der Film nimmt sich keine Zeit oder ist vielleicht keine Auszeit besser formuliert? Kulissen und das Kostümdesign von einem Paris aus dem 19. Jahrhundert können sich sehen lassen und fangen in jeder Szene die damalige Zeit sehr gut ein, auch wenn sich der Film nur auf die Kunstszene beschränkt. Der Soundtrack dagegen bleibt dabei eher im Hintergrund und fällt gar nicht auf. Er unterstreicht keine Szenerie und spielt im Film eine eher untergeordnete Rolle. Ansonsten blendet der Film nicht mit Effekthascherei sondern konzentriert sich auf das Wesentliche, ohne dabei auf eine schöne Bildersprache zu verzichten.

Am Ende gibt es tobenden Applaus für die Vorstellung und mehrere Verbeugungen ©2019-PROKINO-Filmverleih-GmbH.jpg

Fazit

Wenn ich mit nur einem Wort den Film beschreiben würde, dann wäre das: Charmant. Ohne so richtig den Bogen zu überspannen oder die Dramaturgie zu erhöhen, schafft es der Film den Zuschauer zu unterhalten und gleichzeitig für das Theater zu begeistern. Ein toller französischer Film, der uns einen guten und auch schönen Einblick in die Entstehung eines Klassikers gibt und einen genialen Künstler näher beleuchtet.