Hellboy ist wieder da! Im Jahr 2019 kehrt der große Rote auf die Kinoleinwand zurück. „Doch Moment“, denkt sich da der geneigte Comic-Leser und Hellboy-Fan, „Hellboy war doch nie wirklich weg.“ Stimmt: Jedes Jahr erscheinen neue Hellboy-Comics in englischer Sprache und auch in Deutschland bringt Cross Cult in gewohnt hoher Qualität neue Geschichten raus. Um Hellboy ist längst ein umfangreiches Universum entstanden, welches sich in mehrere fortlaufende Serien unterteilt. Heute schauen wir uns einmal mehr ein paar Geschichten aus Hellboys Jugend an, aus einer Zeit, in der Hellboy noch ein wichtiges Team-Mitglied der Behörde zur Untersuchung und Abwehr Paranormaler Erscheinungen war.

Mit Hellboy und die B.U.A.P. 1954 liegt nun der dritte Band dieser Reihe mit Abenteuern von Hellboy und seinen Kollegen auch auf Deutsch vor. Enthalten sind 4 Kurzgeschichten, wobei „Schwarze Sonne“ und „Geistermond“ mit je über 40 Seiten wohl die Hauptattraktionen sind. Doch erst einmal der Reihe nach, wir starten mit der Schwarzen Sonne:

Kundige Hellboy-Leser können sich bei dem Ausdruck „Schwarze Sonne“ vielleicht schon denken, um was es sich handeln könnte. Eine Geheimorganisation oder eine geheime Mission? Vielleicht sogar beides? Auch wenn Mike Mignola und Chris Roberson mit ihrer Geschichte nicht das größte Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben, kann der Plot doch gut unterhalten. Dachte ich zunächst noch die Geschichte entwickelt sich aufgrund des Settings in einer Eisstation in Richtung von „The Thing“, stößt Hellboy anstatt auf den Yeti doch auf einen ganz anderen Widersacher. So kurz nach dem 2. Weltkrieg ist es nicht verwunderlich, dass auch in den entlegensten Winkeln der Erde immer noch Nazis im Geheimen agieren können. Was genau sie geplant haben, soll hier natürlich nicht verraten werden, unterhaltsam ist es aber allemal. Großes Lob gebührt hier auch Zeichner Stephen Green (Lobster Johnson), der einen jungen Hellboy mit abwechslungsreicher Mimik aber auch die actionreichen Szenen gekonnt einfängt. Ein toller Einstieg in das Buch.

Ein paar Monate später ist „Das vernunftlose Tier“ angesiedelt, Schauplatz ist hier ein Haus in Baltimore, in dem es scheinbar nicht mit rechten Dingen zugeht. Hellboy und seine Partnerin Susan Xiang nehmen sich den Fall vor und versuchen dem Spuk auf dem Grund zu gehen. Ein Familienvater wird von einem geisterhaften Affen verfolgt, drangsaliert und weiß keinen Ausweg mehr aus der Situation. Doch genau dazu ist die Behörde ja da, also versuchen Susan und Hellboy in Gesprächen mit den Familienmitgliedern herauszubekommen, wann sich der Affe zeigt und wie sich diese Erscheinung äußert. Schnell wird dabei klar, dass in der Familie nicht alles so ist, wie es zunächst den Anschein hat. Während hier ebenfalls Mike Mignola und Chris Roberson für die Geschichte verantwortlich waren, fängt diesmal Patric Reynolds (Aliens, Joe Golem) die Verzweiflung der Familie und die beklemmende Situation ein. So spielt die gesamte Geschichte ausschließlich im Haus der Familie Koestler, was Reynolds mit gedeckten Farben im Hintergrund gut zur Geltung bringt. Hellboy sticht mit seiner roten Hautfarbe hervor, in diesem Setting, was sich ausschließlich bei künstlichem Licht im Inneren des Hauses abspielt. Dennoch gelingt es Reynolds auch in den Gesichtern genug Ausdruck zu inszenieren, damit die Geschichte nicht ins Lächerliche abgleitet. Sie endet mit einem kleinen Twist, der an dieser Stelle nicht verraten wird.

Hellboy muss sich in seiner Jugend bereits mit Nazis und Dämonen auseinandersetzen.

Die zweite längere Geschichte mit dem Namen „Geistermond“ versetzt die Behörde in einen Einsatz nach China. Lady Cynthia bittet Professor Bruttenholm um Hilfe bei einem Fall, wo einer Ihrer Agenten in einem Einsatz auf Abwegen gelangt ist. Es geht um die Suche nach einem Artefakt, genauere Angaben bekommt das Team rund um Archie Muraro, Susan Xiang und Hellboy nicht, weswegen sie nicht wissen was sie erwartet. Vor Ort stellen sie schnell fest, dass der verschwundene Agent scheinbar etwas mit dem Artefakt zu tun hat, aber auch die Bewohner vor Ort sind von einer nicht näher definierten Energie befallen. So trifft das Team auf die Dorfbewohner, die in einer Art Trance in einem Kreis aufgereiht liegen und nicht ansprechbar sind. Weiterhin spürt Susan als Medium eine starke Präsenz eines Lebewesens, das die Energie der Umgebung aufsaugt und in einer Art Urne sammelt. Doch das Team ist nicht allein vor Ort, auch zwei Monster, eines mit einem Stierkopf, eines mit einem Pferdekopf ausgestattet, sind auf der Suche nach dem Artefakt beziehungsweise nach dem, was in dem Artefakt gesammelt wurde. Hier scheint sich die gesammelte Energie der Bewohner an einem konkreten Ort zu bündeln, weswegen beide Parteien nicht umhin kommen gegeneinander zu kämpfen. Letztendlich stellt sich heraus, dass sowohl die beiden Monster als auch der Trupp um Hellboy auf der Suche nach dem Artefakt sind. Dies endet alles in einem gelungenen Finale, bei dem Susan noch auf einen einheimischen Menschen trifft, der scheinbar ein weiteres Geheimnis in sich trägt, was innerhalb dieser Geschichte nicht mehr aufgegriffen wird. Man darf gespannt sein, ob dieses Geheimnis in einem der weiteren Geschichten aus dem Jahr 1955 noch aufgegriffen wird. Zum Schluss beenden Hellboy und seine Mitstreiter das Elend der Dorfbewohner und finden den verschollenen Agenten sowie das Artefakt.

In Geistermond schöpfen Mike Mignola und Chris Roberson aus dem Vollen und erzählen eine typische aber auch spannende Geschichte rund um die Agenten der B.U.A.P. und Hellboy. Ich hoffe, dass der kleine Cliffhanger im kommenden Buch mit den Geschichten aus dem Jahr 1955 noch aufgegriffen wird, aber auch so findet die Geschichte um den Geistermond vorerst zu einem befriedigenden Ende. Zeichner Brian Churilla (Hellbreak, Godzilla) „untermalt“ die Geschichte gekonnt mit tollen Zeichnungen, passenden Farbgebungen im Hintergrund  und löst sich von einer starren Panel-Struktur, sodass der Leser nie weiß, was ihn auf der nächsten Seite erwartet.

Abgeschlossen wird der Band von einer 8-seitigen Kurzgeschichte vom legendären Zeichner Richard Corben, der in „Der Spiegel“ nur kurz zeigen kann, warum er nach wie vor zu einem der fleißigsten und besten Künstler seiner Zunft gehört. Wirklich beeindrucken konnte mich diese Geschichte nicht, aber ich will mich natürlich auch nicht beschweren, dass sie hier enthalten ist.

Wie bei Cross Cult üblich, schließt mit der Kategorie „Sketchbook“, in der Skizzen, Storyboards und Cover aus den vorliegenden Geschichten enthalten sind und die wie gewohnt vom Herausgeber der englischen Ausgabe, Scott Allie, kommentiert wurden.

Fazit

Abschließend bleibt mir als Fazit nur zu sagen, dass mit Hellboy und die B.U.A.P. 1954 ein paar schöne Geschichten gesammelt wurden, die sich für den neuen Leser durchaus als typische Hellboy-Geschichten präsentieren. Wer Hellboy neu für sich entdeckt hat, findet hier ein paar tolle Geschichten vor, die nicht allzu sehr im Kontext der Gesamtdramaturgie rund um Hellboy und dem Universum stehen, weswegen ich hier ruhigen Gewissens diesen Band auch für Neueinsteiger empfehlen möchte. Alternativ könnt ihr auch zu den beiden Büchern für die Jahre davor greifen (1952 und 1953), genießen könnt ihr die vorliegenden Geschichten aber auch ohne große Vorkenntnisse. Alteingesessene Fans haben mit Sicherheit schon bessere Geschichten rund um die Behörde und Hellboy gelesen, finden hier aber auch noch ein paar schöne Geschichten rund um Hellboys Jugend vor, losgelöst vom großen Ganzen in der Mignola-Welt.

 

Hellboy 17: Hellboy und die B.U.A.P. 1954 ist erschienen bei Cross Cult – ISBN: 978-3-959818-87-2

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