Ich höre sehr oft, dass es das Jahr der Fortsetzungen wird. Manche würden nun sagen, dass das doch für jedes Jahr gilt und dennoch macht es sich auf der Blockbuster-Releaseliste bemerkbar, dass es dieses Jahr wirklich extrem viele Fortsetzungen gibt. Den Anfang macht Disney mit Ralph Reichts 2: Chaos im Netz oder kurz: Chaos im Netz. Der erste Teil beschäftigte sich noch mit der Videospielwelt und hatte auch einige Gastauftritte von Sonic oder Figuren aus dem Street Fighter-Universum. Für manche Fans war das aber insgesamt zu wenig und enttäuschend. Ich dagegen war damals von dem Film begeistert und freute mich auf die Fortsetzung. Diesmal entdecken die Protagonisten das Internet und stiften, wie es der Titel vermuten lässt, einiges an Chaos an. Auch der zweite Teil zeigt mir ein weiteres Mal, warum ich die meisten Disney-Filme so liebe und auch wenn Disney oder Pixar immer ein Abo auf die Oscars haben und ich das nicht so wirklich begrüße, so wäre es dieses Jahr zumindest nicht unverdient.

 

Ralph und Vanellope sind nun seit sechs Jahren befreundet und unzertrennlich. Das ist nicht nur dahergeredet, sie sind es wirklich. Während Ralph sich sehr wohl fühlt in seiner Videospielwelt und einfach nur das Leben genießt, ohne was daran zu verändern, wird es Vanellope richtig langweilig und wünscht sich etwas mehr Action und Abwechslung, da sie in ihrem Rennspiel alle drei Strecken auswendig kennt. Ein guter Freund, der Ralph nun einmal ist, baut er in ihrer Videospielwelt eine neue Rennstrecke, die aber so schwer zu fahren ist, dass eine Spielerin das Lenkrad des Arcade-Automaten abbricht. Der Betreiber des Ladens kann sich ein neues Lenkrad nicht leisten. Gleichzeitig hat er sich einen Router gekauft und so Zugang zum Internet. Eines Tages entdecken Ralph und Vanellope den Zugang zum Internet und machen sich auf dem Weg, das Lenkrad zu besorgen. Die neue Welt schmeckt Ralph gar nicht, während Vanellope sich richtig wohlfühlt und in einem Internet-Rennspiel auch eine neue Freundin findet…

Nun entdecken unsere Helden also das große Internet und damit eine neue Welt © 2018 – Walt Disney Animation Studios

Sechs Jahre sind auch vergangen, als der Überraschungserfolg Ralph Reichts ins Kino kam. Wer sich damals über zu wenige Referenzen aus der Videospielwelt beschwerte, wird erstaunt sein, wie viele Referenzen es nun aus der Internetwelt gibt. Videospielcharaktere wie Sonic oder Pac-Man kommen am Anfang auch wieder vor, spielen aber kaum eine Rolle. Das Internet wird dabei sehr kreativ und sinnvoll in Szene gesetzt. Die User werden in Form von kleineren Avataren dargestellt und wenn sie eine Seite besuchen, werden sie mit einer Art Kapsel dorthin befördert. Neben erfundenen Webseiten gibt es dabei auch Amazon, Google oder ebay. Schnell wird der Vorwurf der Produktplatzierung laut und gerade bei Google ist fragwürdig, warum diese so präsent im Film sind. Denn inhaltlich spielt diese Firma keine Rolle, da eine erfundene Suchmaschine benutzt wird. Dagegen ist die Einbindung von ebay sinnvoll, da hier das Lenkrad erworben wird. In einer wirklich witzigen Szene bieten Ralph und Vanellope für das Lenkrad und kommen so auf einen extrem hohen Betrag, den sie innerhalb von ein paar Stunden erwirtschaften müssen. Nur gut, dass sie einen Spammer kennenlernten. Denn die Pop-up Fenster, die auch im echten Leben nerven, werden ebenfalls sehr gut in Szene gesetzt durch nervige und aufdringliche Spammer. Wenn ein User einen Blocker hat, dann werden die auch handgreiflich und schubsen ihn ohne Rücksicht um.

Teils schon mutig setzt Disney auf einige Referenzen aus dem Netz, wie die Anspielung auf diverse Pornoseiten oder die Darstellung des sogenannten Darknets. Das kann sogar für kleine Kinder sehr gruselig wirken, besonders wenn unsere Helden auf eine sehr schleimige Kreatur treffen, die mit einem zweiten Kopf selbst in der bunten und versüßten Darstellung einfach nur eklig aussieht. Hier kommt sogar der eine oder andere Gag, den man aus dem Hause Disney gar nicht gewohnt ist. Sogar Selbstkritik zum eigenen Frauenbild aus den früheren Tagen werden ein wenig aufs Korn genommen. Denn Vanellope gerät irgendwann auf die Disney-Homepage und landet irgendwann bei den Disney-Prinzessinnen, die von C-3PO bedient werden. Als Vanellope dann auch noch ein Prinzessinen-Lied für sich sucht und in einer postapokalyptischen Welt, die nicht unabsichtlich an Mad Max erinnert, einen sehr komischen Song anbietet, der jedes Klischee von den typischen Disney-Songs bricht, wünscht man sich einfach mehr davon. Ich gehe noch weiter und sage, dass es mich ärgerte, dass der Film das Disney-Universum nicht weiter parodierte. Die besten Gags kamen genau an dieser Stelle und die Möglichkeiten mit Star Wars, Pixar, Disney oder Marvel sind fast schon grenzenlos dafür. Das Setting für den dritten Teil sollte also gesetzt sein.

Am Ende geht es eben, für Disney eben typisch, auch um diverse Botschaften und hier setzt das Studio auf das Thema Freundschaft. Allerdings so unkonventionell und frisch, wie wir es spätestens seit Rapunzel – Neu verföhnt gewohnt sein sollten von Disney, wo aber die Wandlung des Mäusekonzerns kaum Beachtung fand. Die kreativen Macher von Zoomania beweisen auch hier wieder ihr Talent für die moderne Erzählung. So endet dieser Film ganz klar nicht mit einem tyischen Happy End, sondern schon eher mit einem Kompromiss. Dabei ist allgemein die Erzählung besser gelungen als noch bei dem Vorgänger, wo gegen Ende so ziemlich die Luft raus war und es nur noch ein Action-Abenteuer wurde. Hier haut man schon zu Beginn einiges raus und natürlich darf am Ende ebenfalls ein bombastisches Finale nicht fehlen. Doch tatsächlich entsteht hier eine gewisse Spannung, diese ist emotional in die Story gut eingebunden. Denn durch einen Virus werden mehrere Ralph-Klone erschaffen, die am Ende einen riesigen und großen Ralph errichten, was im Übrigen einfach nur umwerfend und faszinierend aussieht und ich nicht weiß, wie Disney es bei einem möglichen dritten Teil noch überbieten will. Diese Klone sind deswegen erschaffen worden, weil Ralph selbst sehr unsicher ist und wie eine Klette an Vanellope hängt. Ralph sieht also seine eigene Unsicherheit in Form einer großen Gestalt und fängt an sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Auch richtig schön sind so manche Kommentare im Film, die sogenannte Influencer wunderbar symbolisieren oder die wichtigste Regel des Internets, niemals Kommentare zu lesen, wird durch eine weitere tolle Szene für Kinder erklärt. Nicht nur die guten Seiten des Internets werden also thematisiert und im Zuge dessen, dass die Kids von heute auch immer früher ins Web gehen, eine nicht unwichtige Message.

Technisch ist der Film wieder brillant. Nicht nur der gigantische Ralph sieht beeindruckend aus, sondern auch die vielen Massenszenen im Film und die verschiedenen Settings. Die bereits angesprochene apokalyptische Welt ist so detailliert und gut designt, dass der Zuschauer denken könnte, das stammt aus einem komplett anderen Film. Überhaupt ist die Detailverliebtheit aus dem Vorgänger auch hier wieder vorhanden. So bewegen sich die Avatare der User sehr hakelig, durch die unstabile Internet-Verbindung oder bei so manchen Szenen gibt es wieder versteckte Referenzen auf die eigenen Filme oder das Internet allgemein. Auch die Animationen der Hauptcharaktere sind sehr schön. Besonders beeindruckend für mich war es, dass jede Figur dabei auch erkennbar aus einer anderen Welt kommt und sich auch bei den Gesichtszügen unterscheidet. Die Synchronisation ist auf Deutsch ebenfalls nicht zu verachten. Schade ist es allerdings, dass die Originalsprecher der jüngsten Disney-Figuren hier nicht zum Einsatz kamen. Der Soundtrack ist stimmig und bietet dazu einige Popsongs. Richtig überrascht hat mich hier, dass die Band Imagine Dragons sogar den Titelsong beisteuerten, der so ganz nebenbei ein richtiger Ohrwurm ist.

Wie wird man zum Internetstar? Diese Dame kann es euch sagen! © 2018 – Walt Disney Animation Studios

Fazit

Chaos im Netz ist also eine würdige und gute Fortsetzung des Überraschungshits. Ich sage sogar, dass der Film in meinen Augen etwas besser ist, da er sämtliche Kritikpunkte des Vorgängers einfach besser macht oder konsequenter umsetzt. Das liegt auch am Drehbuch und die sinnvolle Einbindung der Referenzen in die Geschichte. Ich hätte noch gern mehr aus der Disney-Welt gesehen, noch mehr Mut zur Selbstkritik. Doch vielleicht hält man dies für den dritten Teil zurück, der hoffentlich nicht so lange auf sich warten lässt.