Die Ähnlichkeiten im Namen zum Klassiker “Beverly Hills Cop” sind nicht zufällig und auch das Poster von Belleville Cop erinnert an die frühere Action-Komödie mit Eddie Murphy. Nur geht die Reise hier etwas weiter. Nämlich von dem Pariser Stadtteil Belleville nach Miami. Mit dabei der Star aus Ziemlich beste Freunde Omar Sy und Luis Guzmán, der aus der Serie Narcos bekannt sein dürfte. Inszeniert wurde diese französische Produktion von Rachid Bouchareb, der mit Days of Glory einige Erfolge feiern durfte. Am Ende kann das inoffizielle Remake nicht so wirklich mit seinem Vorbild mithalten und die dazugewonnenen Ideen gehen nicht ganz auf. Der Film erscheint am 31. Januar 2019.

 

In Belleville hat “Baaba”, wie er von seinen Freunden genannt wird und eigentlich den Namen Sebastian hat, einen ganz gewöhnlichen Polizeijob. Dabei hat er sich auf Taschendiebe spezialisiert. Nebenbei hat er natürlich noch eine Freundin. Doch Sebastian ist noch immer sehr eng mit seiner Mutter unterwegs und diese hilft ihm tatsächlich auch bei einigen Fällen. Irgendwann taucht ein alter Schulfreund von Sebastian auf und berichtet davon, dass der Drogenhandel wieder stark zugelegt hat. Bevor dieser aber entscheidende Hinweise liefern kann, wird er vor den Augen von Sebastian kaltblütig erschossen. Die Spuren führen nach Miami und Sebastian reist zusammen mit seiner Mutter (nicht mit seiner Freundin!) in ein schickes Haus, um den Fall zu lösen. Dabei muss er sich mit dem Polizisten Ricardo anfreunden, der durch einen Zufall auch noch in diesen Fall verwickelt wurde…

Gleich zu Beginn werden die Qualitätsunterschiede zum Vorbild deutlich. Der Film startet direkt mit einer Verfolgungsjagd und demonstriert uns die Kampfkünste von Sebastian. Im Gegensatz zu Eddie Murphy ist Omar Sy nicht so eine Quasselstrippe und schafft es nicht, die Leute damit zu verunsichern. Omar hat eine sympathische Ausstrahlung und allgemein viel Charme, gar keine Frage. Dies kommt dem Film auch hier zugute. Es fehlt aber oft das Timing für gute Gags und dadurch wirken manche Sprüche von ihm einfach zu viel und gar nervig. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass der Regisseur auch nicht wusste, wann gut ist oder wann eine Szene beendet werden sollte. Dadurch wirkte der Film deutlich länger, als er wirklich ist und zieht sich die meiste Zeit wie ein Flug von Europa nach Amerika.

Ein guter Cop hat immer seine Marke dabei! 2018 © Constantin Film Verlei GmbH

Besonders ärgerlich dabei ist, dass viele andere Themen dabei völlig auf der Strecke bleiben. So ist die Beziehung zwischen seinem neuen Partner in Miami eigentlich typisch für eine Buddy-Cop-Komödie. Doch wenn von einer Szene zur nächsten, ohne wirklichen Grund, das gegenseitige Misstrauen und die Missgunst kippt und beide plötzlich wie langjährige Freunde wirken, verliert der Film den Zuschauer. Auch der Mutter-Komplex dient nur für einige Gags und bringt den Film nicht wirklich voran. Die leicht kaputte Beziehung zu seiner Freundin hätte man sich schon fast komplett sparen können. Hier wurde einfach zu viel in einen Film gestopft, ohne dass es dabei komplett auserzählt oder näher darauf eingegangen wird. Die eigentliche Haupthandlung ist dann am Ende auch nicht spannend genug, um den kompletten Film zu tragen.

Dafür gibt es dann aber tatsächlich ein paar, wenn auch allgemein sehr wenige, nette Actionszenen, wo der Regisseur es nicht übertreibt und ziemlich bodenständig bleibt. Besonders beeindruckend ist ein Faustkampf unter Wasser, den ich so auch noch nicht im Kino gesehen habe und die eine oder andere Kampfchoreografie, die an die 80er erinnert. Auch ist es interessant, dass der Film ganz schön auf “Multikulti” setzt. Da ist ein schwarzer Cop in Frankreich, der eine asiatische Freundin hat, nach Miami reist und dort eben auf einen spanischen Kollegen trifft, um dann die Drogendealer bis nach Afrika zu verfolgen. Was hätten hier die Autoren alles herausholen können und auch der Regisseur hätte auf tolle Bilder und Kontraste setzen können. Doch bis auf eine nette Idee bleibt davon nichts weiter übrig. Der Film sieht einfach zu glatt aus und selbst dreckige Viertel erwecken eher den Eindruck, als wäre alles sauber.

Neben Omar Sy kann Luis Guzmán ein wenig Abwechslung und etwas mehr Humor in die Sache bringen, auch wenn sein Charakter natürlich ebenfalls eher blass bleibt. Die restlichen Schauspieler machen eher einen soliden Job, fallen aber kaum auf. Dafür spielen sie auch einfach zu wenig eine Rolle. Das gilt leider auch für den Soundtrack, der gegen den kultigen Sound von Beverly Hills Cop gar keine Chance hat. Kein Musikstück bleibt hängen und keine Szene hat eine mitreißende oder coole Untermalung vorzuweisen. Selbst als die zwei Polizisten in einer Disco sind und ein “richtig krasser” DJ auflegen soll, bleibt von der Musik nichts haften.

Das neue Traumduo in Miami? 2018 © Constantin Film Verlei GmbH

Fazit

Insgesamt gibt es hier und da einen Lacher und der gute Vorsatz ist zu erkennen. Die Ansätze für einen unterhaltsamen Kinoabend wären da gewesen. Doch leider will irgendwie kein Puzzle-Teil so richtig zünden und die Rechnung geht am Ende nicht ganz auf. Da hat das französische Kino auch in diesem Genre wirklich mehr zu bieten. Dann doch lieber Beverly Hills Cop oder andere Buddy-Cop-Komödien der früheren Tage ansehen. Dann verpasst man ebenfalls nichts, aber wird eben gut unterhalten.