Hilda ist seit dem 21. September 2018 auf Netflix verfügbar.

Mit Hilda ist im September eine weitere neue Animationsserie im Programm von Netflix gelandet. Basierend auf den Comics von Luke Pearson ist unter seiner Mitarbeit eine erste Staffel mit 13 Kapiteln entstanden. Die Comics selbst sind auch auf deutsch erhältlich und wurden vom Reprodukt-Verlag herausgebracht. Die Geschichten richten sich an ältere Kinder im Alter von 8-10 Jahren, können aber durch ihre fantasievolle Gestaltung und Themen auch Erwachsene vor dem Bildschirm unterhalten. In diesem Artikel möchte ich euch diese Serie kurz näherbringen, einige Charaktere vorstellen und Themen erläutern, die in der Serie bearbeitet werden.

Hilda lebt mit ihrer Mutter in einer Hütte in der Wildnis. Schon ihr ganzes Leben lang ist sie fasziniert von den Lebewesen in ihrer Umgebung, den tierischen aber auch den phantastischen. Sie genießt dort nicht nur die Natur, sondern auch die Freundschaft mit Trollen, Fuchshörnchen und Holzmännern. Eines Tages stößt sie auf ein Volk von Winzlingen, die sich direkt um die Hütte, die Hilda bewohnt, angesiedelt haben. Wobei die Winzlinge schon länger dort wohnhaft sind, aber nicht von Menschen gesehen werden konnten. Tatsächlich steht Hildas Wohnhaus mitten in diese Elfling-Siedlung und stört dadurch den Frieden der Winzlinge. Hilda nimmt sich der Sorgen und Nöte der Elflinge an und versucht einen Kompromiss zu finden. Als kurz darauf die Hütte durch einen Riesen zerstört wird, bleibt Hilda und ihrer Mutter nichts anderes übrig, als in die Stadt zu ziehen.

Hildas Mutter kommt dieser Schritt ganz recht, machte sie sich doch bereits Sorgen um Hilda, da sie sich lieber mit Tieren und phantastischen Wesen beschäftigt, als sich Freunde in ihrem Alter zu suchen und eine normale Schule zu besuchen. Aber auch in der Stadt Trolberg macht Hilda jede Menge geheimnisvolle Entdeckungen und findet sogar neue Freunde in Frida und David. Doch genau diese Neugier von Hilda nach den mystischen Lebewesen in ihrer Umgebung stellt die neugewonnene Freundschaft auf eine harte Probe…

Hilda hat mir durchgehend Freude bereitet. Schon allein die Prämisse hat mich beim ersten Anblick Neugierig gemacht, ich bin aber auch ein großer Freund von Geschichten mit mystischen Elementen. Die Animationen mögen nicht mit den großen in der Branche mithalten können, aber das brauchen sie auch nicht, haben sie doch ihren ganz eigenen Charme. Die Farbgebung und Atmosphäre dieser Serie sind die Aspekte, die sie in meinen Augen von anderen Produktionen abheben. Dabei bedienen sich die Macher auch der Comic-Vorlagen von Erschaffer Luke Pearson, zumindest in den ersten paar Folgen und zum Abschluss der Staffel wieder. Zwischendrin werden die Charaktere weiter verfeinert und ausgebaut, wenn Hilda beispielsweise Lernen muss in der Stadt zurechtzukommen und neue Freunde zu finden. Hier greift die Serie auch Themen aus der Kinderwelt auf, sei es, wenn man in eine neue Umgebung umzieht, oder wenn man die Schule wechselt. In jungen Jahren sucht das Individuum öfter nach Halt und Identität, was die Serie wie ich finde gut aufgreift. Insbesondere die Episoden, die sich um die Freundschaft von Hilda, Frida und David drehen, spielen mit diesem Thema, da sich eine Person aus diesem Freundeskreis ihrer Rolle nicht immer bewusst ist.

Hilda erlebt mit ihren Freunden viele spannende Abenteuer.

Die Serie greift aber auch in ihrer mystischen Komponente einige klassische Angstfelder von Kindern auf, die neben der Suche nach Identität angesprochen werden. Da geht es sowohl um winzige Elflinge als auch um Riesen, Geister werden beschworen, Unwetter im wahrsten Sinne besprochen, Alpträume gegenseitig erkundet und Trolle sind in diese Serie sowieso fast schon allgegenwärtig. Hilda greift dabei auch Figuren aus Sagen und Legenden auf, die mir vorher nicht bekannt waren, was es umso spannender macht. Dabei sind diese mystischen Elemente nicht nur in Hildas Fantasie gegenwärtig, sondern zeigen sich auch gegenüber den anderen Figuren in der Serie. Dadurch werden sie zu einem Kernelement der Geschichten und der Prämisse, was mir, wie eingangs bereits erwähnt, besonders gut gefallen hat.

Hilda präsentiert auch ein vermeintlich „dysfunktionales“ Familienkonstrukt. Hilda lebt zusammen mit ihrer Mutter, zunächst in der Hütte in der Wildnis, später dann in Trolberg in der Stadt. Dabei wird zu keiner Sekunde ein Wörtchen darüber verloren, ob und was mit ihrem Vater bzw. dem Ehemann der Mutter ist. Vielleicht ist Hildas Mutter auch gar nicht verheiratet, zumindest in der Serie wird das nicht weiter thematisiert. In den bisherigen Geschichten wurde eine solche Vaterfigur auch nicht vermisst, es bleibt einfach offen. Hilda und ihre Mutter haben sich einander, weswegen ich hier nicht von einer kaputten Familie sprechen würde. Sie ergänzen sich gegenseitig und die Mutter nimmt zunächst auch die Rolle der ungläubigen Person ein, bildet also einen Gegenpart zu Hilda, nur um im Verlauf der Kapitel wieder zu ihr zu finden.

Auf deutsch sind bereits 5 Bücher mit den Abenteuern von Hilda erschienen.

Die Episoden von Hilda haben eine Laufzeit von je 24 Minuten, lassen sich also gut nebenbei einschieben, wenn nicht so viel Zeit für Medienkonsum ist. Allerdings werdet ihr nach jeder Folge wissen wollen, wie es weitergeht, weswegen es in der Regel sowieso nicht bei einer Folge bleibt. Hilda wurde sowohl in der englischen als auch in der deutschen Sprachfassung passend vertont und kann auch auf musikalischer Ebene überzeugen. In der deutschen Fassung wird der Elfling, der Hilda in die Welt der Winzlinge einführt, Alpha genannt, zumindest haben wir das in unserer Familie einhellig so gehört. Erst bei den Recherchen zu diesem Artikel wurde mir bewusst, dass der Name Alfur ist, was sich wie gesagt erst durch die Untertitel herauslesen ließ. (für mich bleibt es bei Alpha).

Entgegen der versuchten Analyse in diesem Artikel macht es ganz einfach Spaß sich Hilda anzusehen. Innerhalb der 13 Kapitel könnt ihr lachen, weinen, euch wundern und vor allem auch gruseln. Hilda ist auf Netflix mit einer Kennzeichnung ab 6 Jahren versehen, dem ich als Vater eines 9-jährigen Jungen ganz klar widersprechen muss. Hier werden durchaus angsteinflößende Geschichten und Themen bearbeitet, die für ein 6-jähriges Kind nicht geeignet sind. Meine Empfehlung nach Ansicht der Serie lautet: frühestens ab 8, besser ab 10 Jahren, damit die Freude und spannende Erzählung nicht in Angst und Furcht umschlagen und Hilda euren Kindern in ihren Träumen wiederbegegnet. Die Serie findet mit den ersten 13 Kapiteln einen guten Abschluss, dennoch freue ich mich auf eine 2. Staffel, die bereits von Netflix bestellt wurde.