Die Filmkritik zu Captive State

Die Filmkritik zu Captive State

Wer Blockbuster mag, hat es aktuell nicht einfach. Neben dem x-ten Superheldenfilm, die sich immer weniger unterscheiden, oder anderen großen Franchise-Marken, die sich ebenfalls ziemlich ähnlich und einfach nur noch “more of the same” sind, kann das Blockbuster-Kino nur noch langweilen. Neue Designs, Welten oder Marken? Fehlanzeige! Dieses Jahr ist dabei besonders schlimm, wenn es um das Thema Fortsetzungen geht. Das Jahr ist vollgestopft mit weiteren Blockbustern, eigenständige Filme oder neue Marken? Wieder Fehlanzeige! Doch es gibt auch Licht am Horizont und wenn ihr euch nicht blenden lasst, von dem ganzen Wahnsinn der gerade im Blockbuster-Kino abgeht, und euch auch mal an neue Marken traut, dann findet sich eben doch der eine oder andere Film, der das Blockbuster-Kino bereichern wird. Captive State könnte so ein Film werden, die ersten Trailer machten Lust auf mehr und am Ende kam dann auch tatsächlich ein unterhaltsamer Film heraus.

 

Seit nunmehr 10 Jahren besetzen Aliens die Erde. Als sie ankamen, haben die Regierungen ihre bedingungslose Kapitulation an die Aliens übermittelt. Doch das scheint gar nicht so schlimm zu sein. Denn es gibt keine Kriege, keine Verbrechen oder gar Armut. Die perfekte Welt, zumindest wirkt es oberflächlich betrachtet so. Freie Meinung, Freiheit allgemein, Pressefreiheit und eine Opposition? Gibt es nicht. Armut und auch Verbrechen gibt es noch sehr wohl und dass die Waffen entsorgt wurden, dient nur dazu, dass die Aliens keine Gegenwehr fürchten müssen oder mit Widerstandskämpfern. Einen Versuch von Widerstandskämpfern gab es bereits und die Aliens haben einfach einen kompletten Stadtteil lahmgelegt. Doch es regt sich neuer Widerstand und es beginnt ein Kampf zwischen den Rebellen, der Polizei und den Aliens. Denn die Oberen der Polizei haben sich schon längst auf einen Pakt mit den Aliens eingelassen und sind eingeweiht in die richtigen Pläne der Invasoren…

Was es auch ist, irgendwas verbindet die beiden Kontrahenten © 20th Century Fox 2019

Bereits 2018 sollte der Film eigentlich erscheinen. Erst im März, dann im August und nun? Nun sollte der Film am 28. März 2019 zumindest einen deutschen Kinostart bekommen, also fast ein Jahr später. Im Gegensatz zum Vorjahr ist dieser Film zumindest mittlerweile fertig (sonst könnte ich ja auch diese Kritik nicht schreiben…), dennoch wurde einfach, ein paar Wochen vorher, der Kinostart gestrichen und wann der Film nun laufen wird, weiß niemand. Wir von playto.de werden euch jedenfalls auf den Laufenden halten. Diese merkwürdige Produktionsgeschichte im vergangenen Jahr und die Verschiebung in diesem Jahr sind jedenfalls keine guten Zeichen für den Zuschauer. Vielleicht liegt es auch an der starken Konkurrenz. Die Produktionsschwierigkeiten aus dem vergangenen Jahr jedenfalls merkt der Zuschauer diesem Film nicht an und es soll niemand sich davon abschrecken lassen.

Denn das Drehbuch oder die Geschichte selbst wirkt zu keiner Zeit zerstückelt. Am Anfang sieht man wie zwei Eltern versuchen zu fliehen und dann aber von Aliens angegriffen werden. In dieser sehr atmosphärischen Szene wird klar, dass diese Invasoren scheinbar sehr mächtige Fähigkeiten haben. Mit nur einem Schrei zerplatzen einfach mal die Köpfe. Keine Sorge, der Film ist kein Splatter-Film, dazu aber gleich mehr. Nach diesem tollen Intro folgen ein paar Szenen aus Funk und Fernsehen, die dem Zuschauer erklären, was in den letzten 10 Jahren genau passiert ist. Der Film schafft es sehr geschickt, andere Eckdaten der letzten 10 Jahre oder kleinere Merkmale in die Geschichte einzubinden. So hat zum Beispiel auch jeder eine Art Chip im Hals. Dadurch wird jeder Erdbewohner geortet oder abgehört. Oder man erfährt etwas über eine Rebellengruppe, die sich dem Ganzen widersetzen will und sich ständig versteckt. Was die Aliens genau vorhaben und wie sie diverse Menschen für ihre Zwecke einbinden, wird ebenfalls ganz geschickt während des Films eingestreut und so bröckelt auch immer mehr die tolle Fassade, die von den Aliens aufgebaut wurde.

Wir sind dabei immer bei Gabriel, der ebenfalls ständig verfolgt wird aber eigentlich einen guten Job hat und zufrieden sein könnte. Doch Gabriels Bruder wird vermisst und war eben früher bei der Rebellion. Er weiß also, dass die Aliens nur das schöne Leben vorspielen. Dabei trifft er immer wieder auf den Polizeichef Mulligan, der klare Kante zeigt aber in Gabriel noch etwas Hoffnung hat. Er möchte ihn von seiner Position überzeugen. Diese zwei Hauptfiguren sowie das typische Katz- und Mausspiel hält so die Geschichte am Leben und wird dadurch immer wieder vorangetrieben. Bis Gabriel die Vergangenheit von seinem Bruder aufdeckt und einer Verschwörung auf die Schliche kommt. Auch die Geschichte der einzelnen Personen ist immer wieder interessant, wenn auch vorhersehbar. Hier und da kommt es auch zu kleineren Logiklöchern und wenn man über bestimmte Inhalte oder Erklärungen etwas nachdenkt, bricht hin und wieder auch ein Element aus dem Film zusammen. So fragte ich mich schon sehr früh, wie es überhaupt möglich ist mit so einem Chip im Hals, der dich komplett orten und abhören kann, überhaupt irgendwas zu planen. Später im Film gibt es dazu auch eine Lösung, aber schon vorher wäre es ein Leichtes für die Aliens und der Polizei gewesen, die Rebellen im Keim zu ersticken. Doch der Film gibt dem Zuschauer gar nicht so viel Zeit zum Nachdenken und hat ein sehr gutes Pacing. Captive State springt von einer spannenden Szene zur Nächsten und von einem interessanten Plotpunkt zur nächsten Action-Sequenz. Auch wenn das Finale sehr vorhersehbar wird, schafft es der Film zumindest innerhalb der einzelnen Szenen Spannungen zu erzeugen und hält den Zuschauer so am Ball.

Auf der Suche nach der Wahrheit bemerken wir, es ist doch nicht alles so perfekt. © 20th Century Fox 2019

Das liegt auch an der guten Inszenierung. Sei es die gute Kameraarbeit und die tollen Bilder, wie ein großes Raumschiff über einem Football-Stadion, oder auch der Soundtrack, der den Szenen noch einmal Druck verleiht und etwas pusht. Bei diesem Film, gerade für die Stimmung, sollten auch die Soundeffekte nicht unerwähnt bleiben. Wenn die Aliens in der Nähe sind oder gar kommunizieren, ist das immer ein sehr bedrohliches und beklemmendes Gefühl für den Zuschauer. Dies überträgt damit die aktuelle Stimmung des Films auch auf den Zuschauer. Das Beste dabei ist, gerade heute, dass der Film sich dabei komplett ernst nimmt und selbst coole Oneliner eher ausbleiben. Das verstärkt einfach noch einmal die Bedrohlichkeit, die von diesem Überwachungssystem und den Aliens ausgeht, so wie eben auch die scheinbare Übermacht der Aliens. Das Design der Aliens und deren Raumschiffe sind im Übrigen ebenfalls einzigartig und gelungen. Sie werden dabei nicht zu häufig in Szene gesetzt, viele Raumschiffe sind teils auch einfach nur die Kulisse im Hintergrund, wenn sie zum Beispiel im Wasser stehen und dort nach Ressourcen bohren. Gleichzeitig haben sie eben etwas sehr Gruseliges sowie Gefährliches in ihrem Aussehen und es fällt etwas schwer zu glauben, dass die anderen Erdbewohner solchen Kreaturen vertrauen. Doch was will man machen, wenn mit einem Klacks ein ganzer Stadtteil zerstört werden könnte?

Der Hauptdarsteller, Ashton Sanders, hat schon in Straight Outta Compton sein Talent bewiesen und ist nun auch hier sehr solide. Da seine Figur eher blass bleibt und er mehr dazu dient den Zuschauer an die Hand zu nehmen, hat er auch nicht die größte Aufgabe. Die hat dann eher auch John Goodman, der den kalten und pragmatischen Polizisten darstellt, der aber auch gleichzeitig sich illegal in Bordellen aufhält. Er wirkt auf den ersten Blick ebenfalls wie ein eindimensionaler Charakter, doch wird dem Zuschauer sehr schnell klar, dass seine Figur ein Geheimnis hat, noch dazu ist er wohl doch nicht so eiskalt, wie befürchtet. John Goodman schafft es dem Film auch ein Gesicht zu geben und als Antagonist wird er durch seine Präsenz schnell zur Hauptfigur. Vera Farmiga dagegen kommt zu selten vor und wirkt irgendwie verschenkt, obwohl der Film einen weiteren Sympathieträger gebrauchen könnte. Denn bei der ganzen soliden Arbeit von Ashton, seine Geschichte wirkt gerade am Ende dann auch etwas belanglos und geht etwas unter.

Auf dem Weg zu den Invasoren, um zu verhandeln. © 20th Century Fox 2019

Fazit

Der Film ist definitiv kein Meisterwerk und ist auch im Blockbuster-Kino nicht der heilige Gral. Aber er ist frisch und sticht sehr schön aus dem Einheitsbrei hervor, gerade dank seiner Optik und auch, weil der Film sich komplett ernst nimmt oder aktuellen Trends nicht hinterher jagt. Viel wird in diesem Film erzählt und auch zu Ende geführt, vieles überlässt der Film auch dem Zuschauer oder findet im Hintergrund statt. Captive State ist vielleicht etwas vorhersehbar und hier und da sollte man nicht zu sehr darüber nachdenken, dennoch schafft es der Film, den Zuschauer nicht für blöd zu verkaufen. Entertainment-Kino, wie ich es mittlerweile viel zu selten sehe.

Der mysteriöse Border in unserer Filmkritik

Der mysteriöse Border in unserer Filmkritik

Wer den Trailer zu Border sieht, wird vielleicht getäuscht. Was wie ein schwedisches Drama aussieht, was ein ungewöhnliches Liebespaar zeigen wird, ist am Ende ein Fantasy-Thriller. Am Ende kommt wohl, auch wenn das Jahr noch sehr jung ist, mit die größte Überraschung des Jahres heraus, die schon bei Cannes für viel Begeisterung sorgte. In Schweden feierte der Film bereits im letzten Jahr im August seine Premiere, in Deutschland erscheint der Film erst am 11. April und vorweg sei auch gesagt, dass der Filmstart wohl limitiert ausfallen wird. Selbst in den kleineren Programmkinos wird der Film wohl eher selten gezeigt werden. Doch die Aufmerksamkeit lohnt sich, denn der Film ist tatsächlich etwas, was ihr nicht vergessen werdet.

 

Tina ist anders und das schon immer, zumindest seit sie sich erinnern kann. Nicht nur, dass ihr Gesicht etwas verformt ist und sie schon dadurch eine Erscheinung ist, sie hat auch einen enorm starken Geruchssinn. Sie kann Angst, Stress oder andere Emotionen riechen. Deswegen ist sie in ihrem Job, an der Grenze, eine ausgezeichnete Schnüfflerin und kann Drogenfahnder oder andere Kriminelle regelrecht riechen. Doch dies ist dann auch wirklich ihr einziges Glück im Leben. Ihren Freund Roland, ein Hundezüchter, interessiert das nicht und er nutzt sie aus, die Hunde von ihm reagieren auf sie auch übertrieben aggressiv. Ihr Vater hat Demenz und so eine richtig gute Beziehung hatten sie auch nicht. Doch irgendwann kommt Vore in ihr Leben und aus irgendeinem Grund fühlt sie sich nicht nur zu ihm hingezogen, sie haben auch dieselben Narben, dieselben Verformungen im Gesicht und auch irgendwie dieselben Attitüden. Vore weiß aber auch warum das so ist und klärt Tina immer mehr auf, während Tina sich auch in Vore verliebt. Viel Mystik, in einer realen Welt…

Die Geschichte zu erklären, und überhaupt das Genre festzulegen ist schon ein hartes Stück Arbeit. Es kommen in Border sehr viele Handlungsstränge und teils mehrere Geschichten vor, die einen ganzen Film alleine tragen könnten. Der wichtigste Teil ist einfach die Tatsache, dass Tina und Vore Trollwesen sind. Dies wird in einer sehr verstörenden Szene, die mir wohl ewig im Kopf bleiben wird, dargestellt. Dadurch tun sich aber gleich mehrere Fragen auf und richtig gelungen ist, dass die einzelnen Erzählungen am Ende zusammengeführt werden und es so ein sinnvolles und würdiges Ende gibt. Dabei bleibt der Film immer spannend und dadurch, dass der Film den Figuren viel Zeit gibt, ist es auch möglich mitzufühlen. Hier ist die Fantasie so eng und stark in den Realismus verknüpft, dass dieser mystischer Punkt wie selbstverständlich vom Zuschauer wahrgenommen wird und überhaupt nicht lächerlich oder witzig wirkt. Der Film nimmt sich die ganze Zeit über komplett ernst und selbst Momente, die unfreiwillig komisch sein könnten, sind teils sehr intensiv und ziehen den Zuschauer in den Bann. Wer durch den Titel und den Job von Tina auch etwas Politik erwartet wird enttäuscht. Denn das Wort “Grenze” gilt hier zwischen dem Thema Mensch und Fabelwesen, die immer wieder, wenn auch unterschwellig, thematisiert wird und später eben der springende Punkt sein wird.

Hier lernen sich unsere beiden Figuren zum ersten Mal kennen. © Wild Bunch Germany

Hin und wieder wird auch der Zuschauer ein klein wenig auf die falsche Fährte geführt. Border lässt auch die eine oder andere, scheinbar unwichtige, Szene vergessen, nur um dann mit der Auflösung einen “Aha”-Effekt auszulösen. Deswegen muss der Zuschauer auch wach bleiben und sollte den Film aufmerksam verfolgen. Hier ist es ganz wichtig, dass die Figuren interessant bleiben und die einzelnen Stränge auch logisch zu Ende gebracht werden, damit der Zuschauer eben belohnt wird. All das gelingt Ali Abbasi, der auch schon Regie bei “Shelley” führte, eindrucksvoll und nicht nur die verstörende Szene sorgt dafür, dass ihr diesen Film nicht so schnell vergessen werdet. Gerade durch die vielen Stränge, die alle einzeln schon spannend sind, bleibt der Zuschauer aufmerksam und die Charaktere sind interessant genug, um auch mitzufiebern. Wenn Vore in das Leben von Tina tritt, ist auch der Zuschauer stark von seiner Erscheinung fasziniert und fragt sich, was es mit ihm auf sich hat. Mehr sollte auch zu dieser Geschichte nicht geschrieben werden, da der Film seine ganz eigene Faszination auch über den Überraschungsmoment holt, selbst wenn eine erneute Sichtung sehr viel Sinn ergibt.

Ein weiteres Highlight ist die Maske. Die Gesichter von Tina und Vore sehen glaubhaft aus, sie wirken nicht unglaubwürdig und am Anfang hinterfragt der Zuschauer nicht sofort, warum die Gesichter so aussehen. Besonders nicht nach der ersten Erklärung. Gerade da die Schauspieler dem Zuschauer in Deutschland nicht bekannt sind, könnte man denken, dass das gar keine Maske ist. Dabei wirken diese Masken nicht zu sehr wie ein Fremdkörper und sehen natürlich aus, was dann die Glaubwürdigkeit der Figuren unterstreicht. Die düsteren Szenen oder auch die Bilder im Wald sind ebenfalls toll gefilmt und tragen zur Atmosphäre bei. Wenn Tina und Vore sich lieben, hat das teils was Animalisches und wird mit einem Soundtrack begleitet, der in kitschigen Liebesfilmen gern verwendet wird. Dadurch entsteht wieder ein gelungener Kontrast, dieser lässt gleichzeitig die einzelnen Szenen und den ganzen Film schwerer einordnen. Wer hier in typischen Genre-Mustern denkt, wird schnell an seine Grenzen kommen.

Der Film funktioniert auch dank der tollen Schauspieler. Tina und Vore vermitteln diese seltsamen Figuren nicht zu übertrieben, auch wenn ihr Spiel immer sehr hart an der Grenze des Übertriebenen ist. Besonders Eva Melender als Tina, die nie von ihrer Abstammung wusste und daher in der Menschenwelt fest integriert ist, schafft es ihre Kuriosität am Anfang noch zu verstecken. Selbst wenn sie anfängt an einem Telefon zu riechen, wirkt die Szene nicht zu unglaubwürdig. Eero Milonoff spielt seinen Vore dagegen etwas charmant aber auch rätselhaft. Gegen Ende darf er dann etwas mehr ausbrechen und sein Problem, er kann nicht aus seiner natürlichen Rolle, wird leidenschaftlich gespielt. Beide hätten locker überdrehen können oder das Ganze wie eine Karikatur wirken lassen, schaffen diese Aufgabe allerdings meisterhaft.

Hier sprechen sie von Elfen und wir denken da noch, die machen Quatsch… © Wild Bunch Germany

Fazit

Am Ende sah ich einen Film, den ich lange im Kopf behalten und so schnell nicht vergessen werde. Das liegt auch an einer verstörenden Szene, auf die ich nicht näher eingehen will, wobei ich mich da schon fragte, ob die überhaupt so explizit sein musste. Die atmosphärische Stimmung, die tollen Schauspieler und das extrem gute Drehbuch liefern einen Film, der das Fantastische zur Realität macht und das so glaubhaft, dass der Zuschauer nicht einmal daran zweifelt. Kurios, aber toll!

Ein Herz für den deutschen Film: Weil Du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour

Ein Herz für den deutschen Film: Weil Du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour

Die Toten Hosen! Ein Name, eine Musikgeschichte. Eine Band, über die bereits alles erzählt wurde, die jede Anerkennung, aber auch sämtlichen Spott abbekommen hat. Besonders Campino ist seit seiner Echo-Rede immer wieder gern auf den Arm genommen wurden. Jan Böhmermann macht sich über sein Alter lustig, die anderen wetterten, dies sei gar kein Punk mehr. Helene Fischer unter den Rockbands in Deutschland. Nun kommt eine Doku über diese Band, die älter ist als die meisten Leser unter uns. Die Frage stellt sich natürlich, ob Fans was Neues aus der Doku ziehen können und ob all die anderen überhaupt ins Kino gehen werden? Die Frage bleibt auch nach meiner ersten Sichtung etwas unbeantwortet, aber dafür erleben die Fans eine Reise in die Vergangenheit, bekommen das Live-Erlebnis auf die große Leinwand und lassen sich einfach gute 90 Minuten unterhalten.

 

Ich selbst, das sei vorab gesagt, bin großer Fan von dieser Band. Mein erstes Konzert, meine erste Schallplatte, meine erste CD und überhaupt die erste Band in meinem Leben, die ich verfolgte. Selbstverständlich ist dann diese Doku ein Pflichtprogramm, daran führt gar nichts vorbei. In der Doku erzählt ein Mitarbeiter der Tour auch davon, dass er schon etwas älter ist und es für ihn eine Zeit gab, ohne Die Toten Hosen, doch die meisten Fans so eine Zeit gar nicht kennen. Da fällt es jemandem, der wie ich 1989 geboren wurde, wie Schuppen von den Augen, diese Band gab es für mich einfach schon immer und ohne sie ist es gar nicht vorstellbar. Seit 1982 existiert diese Band und sie hat auch schon einiges erlebt, wie auch einige Weggefährten verloren. Wenn man sich bewusst macht, wie lange diese Band eigentlich schon am Start ist und dass es sie heute noch gibt und sie immer noch ganze Arenen füllen. Sie leben einfach und selbst ein Hörsturz kann diese Band nicht aufhalten. „Weil du nur einmal lebst! Weil du nur einmal lebst Und es uns nicht ewig gibt!“ lautet die Textzeile aus dem titelgebenden Track Du lebst nur einmal. Wer diese Doku sieht wird feststellen, dass sie es ernst meinen und Bis zum bitteren Ende alles geben werden.

Campino ist natürlich auch der Star in dieser Doku. © avanti media fiction 2019

Die Regisseurin Cordula Kablitz-Post, die schon einige Künstlerdokus drehte, schafft zusammen mit Paul Dugdale einen intimen Einblick in den Touralltag. Jedenfalls so weit es die Hosen zulassen. Irgendwie entstand bei dieser Band schon immer ein Gefühl von Distanz und gleichzeitig Nähe. Das Privatleben wird auch hier nur angerissen und dennoch bekommen wir intime Einblicke in das Leben der Hosen. Noch näher ran kommt wohl kein Fan. Damit muss sich aber der Fan gleichzeitig begnügen, denn wirklich neue Einblicke gibt es nicht und die Anekdoten sind meistens auch bekannt. Gerade die Erzählung mit der Rivalität zu den Ärzten, die es so nie gab, ist nach Jahrzehnten auch mal zu Ende erzählt. Selbst Menschen, die nicht so tief in der Materie drin sind, werden die meisten Geschichten kennen und dennoch wird der eine oder andere Kritiker sich vom Charme und auch der Selbstkritik der Hosen überzeugen lassen. Denn dies ist der Doku eindrucksvoll gelungen, sie vermittelt die Faszination, die von dieser Band ausgeht.

Dazu zählen auch die unzähligen Szenen, die diese Band auf der Bühne zeigen. Egal ob im großen Stadion oder im legendären Punk-Keller SO36, der ganz klein ist und von den Hosen schon in ihrer Anfangszeit bespielt wurde. Die Energie, die besonders von Campino ausgeht, ist unbeschreiblich und einfach ein Erlebnis. Noch beeindruckender ist es dann, dass die Fans bis heute von diesen Auftritten sich mitreißen lassen und einfach nur abgehen. Egal ob es junge neue Fans sind oder die älteren Semester. Auf einer Station haben die Eltern auch gleich ihre Tochter mitgebracht und es ist unfassbar, aber die Hosen vereinen Generationen, waren sie doch früher eben auch eine Art des Ausdrucks für die Rebellion gegen die Alten. Die Konzerte werden dabei nicht einfach abgespult, kein Konzert gleicht dem Anderen. Vor jedem Auftritt wird noch einmal die Setlist durchgesprochen, die Hosen verstehen es Sachen aus dem Programm zu nehmen, die vorher nicht so gut funktionierten. Da wird bei dem Auftritt in der Schweiz geprüft, ob es auch da Bofrost gibt, damit es beim Bofrostmann keine Sprachbarrieren gibt. Die Hingabe und auch wie sich diese Band auf der Bühne heute noch Mühe gibt, ist der pure Wahnsinn. Immerhin haben sie es theoretisch nicht mehr nötig. Natürlich wird dann auch kurz das Wir sind Mehr-Konzert in Chemnitz angesprochen, wo auch die Hosen auftraten und es als selbstverständlich ansehen, dort ohne Bezahlung spontan aufzutreten. Wenigstens hierkann der Fan hin und wieder ein paar kleinere Informationen aufschnappen und die Kritiker dürften nun wissen, dass die Hosen vielleicht doch keine Plastikmusik sind.

Ab in die Crowd! Die Fans sind immer voll dabei. © avanti media fiction 2019

Doch bei all den Erfolgen und dem puren Wahnsinn, wird auch die Frage gestellt, ob das noch Punk ist und hier nehmen die Hosen in der Doku ein wenig Stellung. Müssten sie aber gar nicht, denn Punk ist eben nicht nur Musik oder ob die Band dafür unbekannt genug ist. Punk ist ein Lebensgefühl und die Hosen tragen dieses Gefühl auch noch heute im Herzen. Da ist es egal, ob Campino die typischen Starallüren hat und gern zu spät kommt oder die Hosen auch mal in feinen Restaurants sich ein Glas Wein gönnen. Denn sie können auch heute noch anders. Hier und da wird sich gern einmal betrunken, sie starten einen Kommentar gegen Nazis oder klettern in der Nacht über den Zaun, um sich im Freibad noch eine Abkühlung zu holen. Auch die Enttäuschung, dass ein Konzert abgesagt wird, wegen des Hörsturzes von Campino. Selbst hier versucht Campino mit einem Witz die angespannte Stimmung aufzulockern. Doch die Band weiß, dies könnte das Ende bedeuten und wenn nicht, ist es eben auch nicht mehr weit. Schnell bekommen wir den Eindruck, dass sie gar nicht anders können. Sie brauchen diesen Wahnsinn. Selbstverständlich sind die Hosen älter geworden und etwas ruhiger oder vorsichtiger. Doch ist diese Band auf einer Bühne, dann geht der Wahnsinn weiter. Eine Laune der Natur eben. Charmant ist auch, wenn die Bandmitglieder eingestehen, dass sie eigentlich gar keine so guten Musiker sind und das mit viel Übung ausgleichen. An anderer Stelle wird das Rezept, nämlich ein einfacher schneller Gitarrenriff, mit einem kleinen Lächeln erklärt und so mancher Musiker könnte danach wütend den Saal verlassen. Doch ihre Musik entwickelte sich auch weiter und manchmal vielleicht sogar zu weit, sodass jetzt noch mehr Übung notwendig ist.

Durch die vielen Konzertmitschnitte von der Tour, wo Songs teils komplett vorgetragen werden sowie die vielen Anekdoten oder Einblicke ist die Doku ganz schön vollgepackt und leider schleichen sich dann auch, eben gerade für Fans, ein paar Längen ein. Mir kam der Film zum Beispiel deutlich länger vor. Aber bleibt dann auch die Frage, was schneidet man raus? Die Konzertauftritte? Eher nicht, schon gar nicht bei einem Tourfilm. Die Anekdoten? Dann hätten zumindest Neulinge wohl auch nicht so viel Spaß. Ganz am Ende wird, für Konzerte der Hosen auch typisch, das Ganze auf die Spitze getrieben und wenn man denkt es geht zu Ende, immerhin hat man gar einen perfekten Abschluss gerade, gibt es so etwas wie eine Zugabe. Schneidet man dies raus? Nein! Denn jetzt kommt das absolute Highlight dieser Doku. Die Rede ist davon, dass die Hosen auch in Argentinien richtige Stars sind und auch da herumtouren. Wie es dazu kam, wie die Hosen darauf reagieren und sich dabei fühlen sowie die Besonderheiten des argentinischen Publikums sind spannende Fragen, die auch beantwortet werden. Die Lust mit den argentinischen Fans zu feiern steigt sofort. Toll, dass dies auch seinen Platz fand und wir so einen Einblick über die dortigen Konzerte bekommen, die tatsächlich etwas Besonderes sind.

Die Hosen sind live einfach eine Wucht. © avanti media fiction 2019

Fazit

Wer mit der Musik der Hosen gar nichts anfangen kann, wird hier vielleicht zu sehr mit den Live-Auftritten zugeballert und eher mit Kopfschmerzen aus dem Kinosaal gehen. Fans dagegen werden gerade diese Live-Passagen feiern und den letzten Teil der Doku in guter Erinnerung haben. Dann gibt es noch die Neugierigen oder Interessierten und die dürften wohl den meisten Spaß an dieser Doku haben. Vielleicht lassen sie sich sogar einsaugen in diesen puren Wahnsinn, der mich schon mein ganzes Leben begleitet. Ist nur die Frage, wie lange es die Hosen noch machen oder ob wirklich ein Ende in Sicht ist. So fragten sich die Hosen schon auf dem letzten Album: “Wie viele Jahre kann das so weitergehen? Wie viele Jahre, wie viel Zeit, die für uns übrig ist? Ein halbes Leben sind wir schon unterwegs ‚Hasta La Muerte‘, das haben wir uns in unsere Haut geritzt”.

Ein Herz für den deutschen Film – Ostwind 4: Aris Ankunft

Ein Herz für den deutschen Film – Ostwind 4: Aris Ankunft

Die Marke Ostwind ist bei den Kids einfach unfassbar beliebt. Nicht nur eine Buchreihe gibt es davon, sondern eben auch etliche Filme. Aktuell haben wir den vierten Film zu besprechen und die Reihe gilt für einen deutschen Film als sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass wir in unserer Rubrik “Ein Herz für den deutschen Film” gar nicht herumkommen. Nun bin ich ja jemand, der ungern sagt „Männer-Film“ oder „Frauen-Film“ und Filme in Schubladen einordnet. Doch die Ostwind-Filme sind so stark an eine Zielgruppe orientiert, dass es fast unmöglich ist, eine Kritik zu schreiben, wenn man selbst nicht zur Zielgruppe gehört. Nur gut, waren auch Kinder bei der Pressevorführung eingeladen und damit bekam ich einen deutlich besseren Eindruck, wie der Film eben für die Kids wirkt. Ich kann die Faszination hinter der Marke, zu der es auch Videospiele oder andere Merch-Artikel gibt, mittlerweile etwas verstehen. Dennoch gibt es auch ein paar Punkte, die aus cineastischer Sicht nicht so gut funktionieren und auch Kinder unterfordert, obwohl die Fans der ersten Stunde schon etwas älter sein dürften.

 

Das Gut Kaltenbach ist in Gefahr! Die Großmutter von Mika und Sam sowie Herr Kaan, der auf dem Gut eine Laube hat, versuchen alles um den Hof zu retten. Da kommt die scheinbar nette Isabell gerade Recht, die nach ihrem Studium auf dem Hof anfängt und alles wieder zurechtbiegen will. Doch auch das berühmte Pferd Ostwind ist in Gefahr, Mika selbst liegt im Koma und kann Ostwind nicht helfen. Beide verbindet eine Art mystische Verbindung. Geht es Ostwind schlecht, geht es auch Mika schlecht. So isst Ostwind nichts mehr und ist vom letzten Abenteuer verletzt. Niemand schafft es eine Verbindung mit Ostwind aufzubauen und so droht der Tod des Pferdes. Doch die aufgeweckte Pfanni, eine Freundin von Mika, lernt in ihrem Praktikum beim Jugendamt das Mädchen Ari kennen. Ari gilt als schwer erziehbar doch scheinbar kann sie eine Verbindung zu Ostwind aufbauen…

Die Fans von Mika müssen nun ganz hart sein, sie spielt in diesem Film kaum eine Rolle. Ganz am Anfang sehen wir nur, wie es dazu kam, dass sie im Koma liegt und wie Ostwind sich seine Wunde abholte, ansonsten sehen wir sie nur im Krankenhaus liegend und ganz am Ende. Dass ich das persönlich sogar gut fand, werde ich später noch erläutern. Die Hauptprotagonistin ist diesmal aber Ari und das mag den einen oder anderen Fan eher abschrecken, doch sie bringt tatsächlich etwas frischen Wind in die Reihe. Wie schon bei dem Vorgänger, der nicht in Deutschland spielte sondern in Andalusien, schafft es die Regisseurin Katja von Garnier (Ostwind 1-3) neue Impulse zu setzen. Dabei geht es wieder zurück in das vertraute Setting. Kenner und Fans der Serie werden sich aber sofort wohlfühlen und tatsächlich hat das Gut was Charmantes. Wer aber wieder darauf hofft, tolle Reitszenen zu sehen und die Faszination des Reitens und Pferde allgemein zu verstehen, der wird diesmal enttäuscht sein. Von diesen Szenen gibt es verdammt wenige und wenn, dann sind diese auch nicht wirklich beeindruckend. Fast schon ein Kontrastprogramm zum Vorgänger, wo die Reitszenen und auch das Verhalten der Tiere ein richtiges Highlight war.

Ari ist die neue Hauptfigur in Ostwind und nicht Mika. © 2019 Constantin Film Verleih GmbH/SamFilm GmbH/Marc Reimann

Ari gilt als schwer erziehbar und hat sich kaum unter Kontrolle. Wird sie erschrocken oder ahnt sie etwas Böses, schlägt sie sofort zu. Dadurch wird sie immer wieder von den Pflegefamilien abgegeben und ihr droht eine Aufnahme in einem Heim. Doch auf dem Gut lernt sie eben Ostwind kennen und gleichzeitig lernt sie sich zu beruhigen. Die Schläge ins Gesicht oder auch allgemein einige Situationen in die Ari landet, sind oft sehr humoristisch in Szene gesetzt. Natürlich sind die meisten Gags sehr kindgerecht und als Ari mit Pfanni an einem Kinderheim vorbeifährt, wird mit der Angst, die ein Kind vor so einem Heim haben kann, etwas gespielt und dies humorvoll aufgearbeitet. Doch die Figur Pfanni und der etwas trottelige Sam bringen tatsächlich auch lustige Szenen oder Sprüche für ein erwachsenes Publikum. Hier kommen wir aber auch gleich zu einem kleinen Problem. Ich hatte irgendwie ein wenig das Gefühl, dass der Film diesmal seine Zielgruppe nicht so ganz einfangen konnte. Auf der einen Seite fühlt es sich so an, als wäre Ari eben der Neuanfang dieser Serie, zudem die Geschichte um Mika im dritten Teil einen Abschluss fand. Was eben auch bedeutet, dass diese Reihe ihr bisheriges Publikum, was eben nun auch älter geworden ist, verliert. Doch auf der anderen Seite gibt es eben Momente, wo man genau dieses Publikum wieder abholt und am Ende das Gefühl gibt, dass es für sie weiter geht.

Doch die mittlerweile volljährigen Fans dürften über so manche Gags nicht mehr lachen, manche Geschichten als infantil abstempeln und der Schurke ist für viele wohl viel zu überzeichnet. Auch das nicht immer gelungene Schauspiel dürfte der einen oder anderen Person mittlerweile auffallen. Richtig erschrocken habe ich mich da zum Beispiel bei Hannah Binke, die so steif und schlecht spielt, dass es schwer zu glauben ist, dass sie bisher diese Reihe getragen hat. Aufgrund dessen ist Luna Paiano, die Ari spielt, ein richtiger Glücksgriff gewesen. Kinderdarstellerinnen aus Deutschland haben es nicht gerade sehr einfach und sind selten wirklich gut. Doch Luna spielt ihre Ari locker, frei und hat auch ein gutes Timing. Dies ist auch der Grund, warum das Fehlen von Mika kaum auffällt und wenn sie doch ins Bild kommt, eher negativ im Gedächtnis bleibt. Bei den anderen Schauspielkollegen gibt es auch starke Schwankungen. Amber Bongard spielt ihre Pfanni zum Beispiel ganz solide, während andere aus einer Reality-TV-Serie kommen könnten. Die älteren Darsteller sind alle schon geübt und spulen das übliche Programm ab.

Wer hier der Schurke ist und mit den Pferden nicht gut umgeht, wird direkt klar.© 2019 Constantin Film Verleih GmbH/SamFilm GmbH/Marc Reimann

Dafür ist der Film hochwertig produziert, bietet tolle Kulissen und liefert auch hier und da schöne Bilder. Fans werden sich vielleicht ärgern, dass die Reitszenen eher selten sind und auch die Kamerafahrten oder schönen Momente eher nicht vorkommen. Pferdeliebhaber werden allerdings dennoch auf ihre Kosten kommen und Fans von dem Pferd Ostwind leiden wohl auch während des Films. Überhaupt, Schauspiel hier und Kamerafahrten da. Interessiert es die Kids überhaupt? Sicherlich, Kinder und Jugendliche sollte man auch nicht unterfordern, wie es der Film an mancher Stelle macht, aber im Kino waren die Kinder jedenfalls begeistert von diesem Film und haben richtig mitgefiebert. Auch Fans die schon ein höheres Alter haben und zum Beispiel mittlerweile studieren, fühlten sich weiterhin unterhalten. Ich, der mit solchen Filmen insgesamt nichts anfangen kann, sage auch: Es gibt deutlich schlimmere Filme mit Pferden. Ja, am Ende muss ich dann eingestehen, ich fühlte mich sogar etwas unterhalten. Dann macht der Film ja alles richtig!

Fazit

Pferdeliebhaber und Fans der Bücher sowie Filme werden auch diesmal wieder ihren Spaß haben. Tatsächlich sind diese Filme auch nicht der größte Schund, den der deutsche Film jemals hervorgebracht hat. Im Gegenteil: Gerade in Sachen Kinderfilmen zählt diese Reihe wohl eher zu den besseren Filmen aus diesem Land. Wer nicht zur Zielgruppe gehört, geht eh nicht freiwillig ins Kino. Gleichzeitig werden Eltern aber auch keine schlimme Zeit im Kino verbringen. Zumindest nicht, wenn die Eltern nicht mit verschränkten Armen im Kino sitzen. Vielleicht sollten wir uns alle so locker machen, wie Luna Paiano ihre Ari spielt.

Die Filmkritik zu Iron Sky 2: The Coming Race

Die Filmkritik zu Iron Sky 2: The Coming Race

Als Iron Sky damals erschien, war der Film eine Ausnahmeerscheinung. Er wurde komplett über Crowdfunding finanziert – und nicht nur das, die zukünftigen Zuschauer durften sich durch ihre Spende auch am Film beteiligen und am Drehbuch mitwirken. War es wirklich so? Eher nicht! Udo Kier selbst hat in einem Interview verraten, dass der Film nur zur Hälfte darüber finanziert wurde und das Drehbuch bereits bestand. Im Grunde gab es eine Spende für das Drehbuch. Es wäre auch ein Unding, wenn das Drehbuch durch verschiedene Köpfe entstanden wäre. Auch wenn der erste Teil sich bereits so anfühlte: Das wäre ein absolutes Chaos gewesen und hätte eher dazu geführt, dass der Film völlig zusammengewürfelt wirkt – ein Marketing-Gag also. Das Endprodukt war für sein niedriges Budget dennoch ein guter Erfolg und hat gar einige Fans. Bei den Kritikern kam der Film dagegen nicht gut weg und tatsächlich wirkt der Film wie ein einziges Internetmeme, nur dass er selten lustig war. Nun bestimmt das Geld, was in die Kinos kommt, und damit war eine Fortsetzung abzusehen. Eigentlich wäre das die Gelegenheit gewesen sich dem Thema etwas smarter zu widmen und mit weniger Druck einen unterhaltsamen Film erschaffen. Doch scheinbar gab es bei den Verantwortlichen andere Prioritäten.

 

Die Nazis haben einen Atomaren Krieg ausgelöst und die Menschen waren gezwungen auf dem Mond zu leben. Nur auf der Schattenseite des Mondes haben sich bereits die Nazis breit gemacht und so müssen die Überlebenden gemeinsam mit den für diesen Zustand Verantwortlichen zusammenleben. Doch auf dem Mond wird die Menschheit auch nicht lange überleben können, da es dort immer wieder Beben gibt und die Ressourcen ausgehen. Zurück auf die Erde? Dieser Planet ist nicht nur mit atomarem Müll verseucht, sondern allgemein unbewohnbar geworden. Auf der Mondbasis entwickelt sich zudem ein Kult: die Jobsisten, die Steve Jobs und sämtliche Apple-Geräte verehren. Eines Tages kommt ein russisches Team von der Erde mit einem selbstgebauten Raumschiff auf den Mond und auf der Mondbasis entdeckt Obi Washington, eine Mechanikerin, eine Substanz, die Menschen nicht altern lässt. Zu finden ist diese Rettung für die Menschheit nicht auf der Erde, sondern in der Erde. So reisen die Jobsisten, die Russen und die Mechanikerin mit ihrem breit gebauten Freund zur Erde zurück, um in der Erde nicht nur die Substanz zu finden, sondern auch die Vril-Verschwörung aufzudecken.

Das ist nicht der Imperator, dies ist Udo Kier! © Splendit-Film Gmbh

Die Vril sind keine Menschen, sondern eine Art Echsen-Aliens. Die frühere Präsidentin der USA, Sarah Palin, Mark Zuckerberg, Steve Jobs oder Hitler waren solche Echsen, die sich als Menschen verkleideten und die Weltbevölkerung lenkten. Es ist damit also klar, auf was dieser Film abzielt: wieder einmal Verschwörungstheorien! Das könnte klappen und lustig werden, wenn die Gags nicht zu lahm wären. Egal bei welcher Szene, der Gag ist vorhersehbar und so langweilig erzählt, dass er völlig verpufft. Daran ist einfach nichts witzig, was auch an der viel zu plumpen und langsamen Erzählung liegt. In sehr vielen Szenen ist schon längst alles auserzählt und dennoch geht die Szene weiter und zieht sich wie Kaugummi. Viele andere Gags sind auch schon wirklich tausend Mal erzählt worden oder wurden in einem Internetmeme verwendet. Wenn die Obi Washington, völlig sinnlos und ohne Kontext, mit einem Hammer gegen ein Bild von Steve Jobs schwingt und dies als Parodie des legendären Werbespots von Apple gelten soll, dann reicht es nur für ein müdes Gähnen. Dass die Jobsisten auch lieber in einem geschlossenen System leben wollen, ist nun wirklich einfach mittlerweile ausgelutscht.

Allgemein hat der Film ein Problem mit der Aktualität, was auch an der langen Produktionsphase liegt. So kommt im Film nicht einmal Donald Trump vor, dafür Sarah Palin. Die meisten werden diese Frau gar nicht mehr kennen, und dass sie nicht einmal eine Präsidentschafts-Kandidatin wurde, lässt ihre Figur zum Beispiel komplett verpuffen. Auch die jetzt schon angesprochenen Steve Jobs-Witze oder die typischen Russen-Witze sind nun wirklich älter als die Bärte von ZZ Top. Leider kann das restliche Drehbuch ebenfalls überhaupt nicht überzeugen und plätschert so vor sich her. Dazu kommen etliche Plotholes oder Szenen, die dem Film wirklich gar nichts bringen. So wird der Kult der Jobsisten wie ein wichtiges Story-Element eingeführt und wirkt wie ein vorhersehbarer Twist, doch wenig später machen sie im Grunde nichts und werden einfach nur von den Vril aufgefressen. Natürlich, hach wie lustig, wird diese Vril-Gruppe angeführt von Steve Jobs. Der gesamte Kult ist damit einfach nur verschwendete Screentime. Eine Charakterentwicklung gibt es ebenfalls nicht und die Liebesgeschichte, die selbstverständlich auch nicht fehlen darf, wird so lahm heruntergespult, dass der Zuschauer am Ende gar nicht weiß, was er eigentlich aus diesem Film ziehen will.

Auch Tom Green als Apple-Fanatiker kann diesen Film nicht retten. © Splendit-Film Gmbh

Vielleicht die Effekte? Immerhin ist das Budget angewachsen für aufwendigere Effekte. Da reitet ein Hitler-Vril auf einem T-Rex oder es gibt eine Raumschlacht. Dieser Umstand ist auch ein Widerspruch zum Ansatz eines lustigen Trash-Films. Aber das schlimmste daran ist, dass die Effekte alle extrem furchtbar aussehen. Selbst für Filme aus den 2000ern würde das alles nicht reichen. Die Raumschiffe, die Explosionen, der T-Rex oder weitere CGI-Kreaturen sehen einfach unfassbar schlecht aus. Bei den Kulissen oder Kostümen hat man sich gerade noch so Mühe gegeben, was aber nur dazu führt, dass eben dieser Trash-Ansatz überhaupt nicht zur Geltung kommt und der Film sich viel zu ernst nimmt. Dazu kommt es, dass die verpixelten oder verschwommenen Hintergründe dann noch extremer auffallen und zu sehr herausstechen. Die gezeigten Action-Szenen sind dazu auch nicht wirklich gut abgefilmt und wie die Gags provozieren sie eher nur Langeweile. Es gibt wirklich nichts an diesem Film, was in irgendeiner Weise sehenswert ist.

Daran ändern die Schauspielerinnen und Schauspieler leider auch nichts. Die Hauptdarstellerin Lara Rossi gibt die beste Performance und ist als Action-Heldin ganz in Ordnung. Beim Rest der Debütanten frage ich mich, wo das Produktionsstudio sie eigentlich aufgegabelt hat. Wenn es eine Schauspielschule war, waren es wohl nicht die besten Schüler oder diese Schule sollte in Zukunft gemieden werden. Auch Udo Kier, der beim Vorgänger scheinbar seinen Spaß hatte, wirkt in diesem Film diesmal sehr lustlos und scheinbar hat ein dicker Scheck ihn noch einmal gelockt. Dafür hat er dann aber auch, dank seiner Doppelrollen, einiges an Screentime. Funktionieren tut seine Figur dann aber dennoch nicht und sein Schauspiel kann auch nicht mehr glänzen. Auch der sonst immer gute Tom Green kann als Apple-Fanatiker nicht überzeugen und bleibt weit hinter den Möglichkeiten zurück. Wie zum Teufel konnten sich Udo Kier und Tom Green auf so ein Drehbuch einlassen?

Wenn die bewegten Bilder nur auch so schön aussehen würden… © Splendit-Film Gmbh

Das wäre jetzt alles nicht so schlimm, wenn das Ende von diesem Film nicht noch einen dritten Teil ankündigen würde. Bitte nicht! Darin soll es dann auf den Mars gehen und diesmal ist da die Sowjetunion zu finden. Was bei diesen „kreativen“ Köpfen herauskommen soll, kann sich der Zuschauer ja jetzt schon denken: noch mehr alte Witze und noch mehr dumme Klischees. Noch erschreckender ist, dass auch dieser Film wieder zum Teil über Crowdfunding finanziert wurde und ich frage mich ernsthaft, wer sein Geld für so etwas verbrennen will? Bleibt zu hoffen, dass diese Leute ihr Geld wieder zurückbekommen und auf der anderen Seite bedeutet dies, dass eine Fortsetzung wieder möglich wäre. Wie es auch ausgeht, es geht nicht gut aus.

Fazit

Eigentlich hat die Grundidee viel Potenzial für eine unterhaltsame Satire. Doch unterhaltsam ist an diesem Film gar nichts. Von Anfang bis zum Ende ist dieser Film einfach nur eine langweilige Qual. Schon beim ersten Teil konnte ich die Begeisterung kaum nachvollziehen, doch dieser Teil wird selbst Fans abschrecken. Überhaupt keine Empfehlung!