Die Hebel wurden in Gang gesetzt, alle Figuren sind an ihrem Platz, der Plan läuft bisher wie geplant. Jetzt müssen nur noch alle Ereignisse ineinandergreifen und schon steht dem größten Raub der Geschichte nichts mehr im Weg. Ein Fälscher, ein Schauspieler, Vampirjägerin Rosalynd Sledge, der Junge Tao, dazu zwei Gauner-Kumpel sowie James „Finn“ Finnigan selbst – diese Truppe hat es geschafft, kurz vor der Walpurgisnacht in die Burg des Grafen Dracula einzudringen und dort unerkannt zu agieren.

Zur Auffrischung empfehle ich euch nochmal die beiden Besprechungen zu den ersten zwei Büchern Der Fluch des Silberdrachen und Orient Express zu lesen, um wieder auf den aktuellen Stand zu kommen. Die Geschichte geht in Band 3 natürlich nahtlos weiter und wird abschließend in Band 4 mit einem Finale beendet. Auch in „Das Lied vom Blut“ muss sich die Truppe wie bereits erwähnt an die Begebenheiten anpassen, die sich ihr präsentiert. Dabei wird ersichtlich, dass Sledge noch andere Pläne verfolgt, die mit ihrer Vergangenheit zu tun haben. Eines Nachts entdeckt Rosalynd, dass die Vampir-Prinzessin Lillian mitsamt Gefolge das Schloss verlässt. Da sie mit der bluttrinkenden Dame noch eine alte Rechnung offen hat, verfolgt sie die Blutsauger. Dabei droht der ursprüngliche Plan aufzufliegen, wovon Finn weniger begeistert ist und sie verfolgt…

Und somit startet das erste Kapitel des 3. Bandes auch ziemlich actionreich und streut Misstrauen zwischen Finn und Sledge. Letztendlich soll sich dieser Ausflug von Sledge aber für das weitere Vorgehen als durchaus hilfreich erweisen, wobei das Element der Improvisation hier auch eine Rolle spielt. Insbesondere im zweiten Kapitel aus dem Lied vom Blut holt Schreiber und Zeichner Stephan Franck nochmal alles hervor und bereitet Sledge einen ganz persönlichen Moment mit ihrer Schwester. Hier bricht er ein wenig mit dem vorhergehenden Artstyle und präsentiert dem Leser eine optische Abwechslung. Dies erreicht Franck, indem er die Panelstruktur aufbricht und ganzseitige Zeichnungen einbaut, die suggerieren, dass hier die Zeit kurz stillsteht und es für Sledge sehr intim wird. Im letzten Kapitel kommt Franck nicht umhin, die Protagonisten in eine ausweglose Situation zu manövrieren, schließlich bildet dies das letzte Kapitel vor dem Finalbuch.

Fury, wie wäre es mit einem kleinen Ausritt?

Das Finale mit dem Tag des Zorns

Graf Dracula wurde getäuscht und durch einen simplen Trick beinahe für immer vernichtet. Doch er konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen und sinnt nun natürlich auf Rache. Finn und sein Team haben ihm nicht nur seinen kostbarsten Schatz, den Silberdrachen, entwendet, sondern ihn mit einer grandiosen Finte dazu gebracht, sein Schloss in die Hände des Teams zu spielen. Wie das, fragt ihr? Nun ja, in Draculas Schloss gelangt man an sich nicht so einfach hinein, nur durch Tricksereien hat es das Team geschafft. Wenn wir uns nun an den ersten Band von Silver und die Erwähnung von General Chen erinnern, der den Grafen verfolgte und auf einmal bei Tagesbeginn die Spur samt dem Schloss mit einem Mal verlor, dann erhalten wir nun eine Auflösung des Rätsels. Gekonnt spannt Franck hier den Bogen und macht ein für alle Mal klar, dass Silver eine durchgehende, in sich stimmige Erzählung ist, die nur in ihrer Gänze das volle Potenzial entfaltet. Sobald Dracula den Befehl gibt, erheben sich aus den Katakomben der Burg die alten steinernen Leichen, tragen das Gebäude Stein für Stein ab und verfrachten es mittels eines Zuges an einen anderen Standort. Diesen Trick nutzen Finn und Company aus, indem sie die Lokomotive samt Waggons an sich reißen und nun mit dem Material in den Waggons fliehen wollen. Dort befinden sich in den Waggons dann auch sämtlich Schätze und Kostbarkeiten aus den Tiefen der Schatzkammer, also eigentlich ein cleverer Heist, oder?

Ich will hier natürlich nicht das Ende vorwegnehmen, nur so viel sei gesagt: Auch James Finnigan ist trotz aller Gerissenheit nicht davor gefeit auch selbst einmal Opfer eines Trickbetruges zu werden. Wie du mir, so ich dir. Das Ende lässt schlussendlich den Leser zufrieden zurück, nicht ohne noch einen kleinen Epilog mit einzubauen, der weitere Geschichten im Silver-Universum zulässt.

Der heiße Stuhl war auch schon mal bequemer.

Fazit

Insgesamt erzählt Stephan Franck in den vier Bänden der Silver-Reihe eine in sich abgeschlossene Geschichte, die immer wieder auch überraschen kann. Durch die Bank gefällt mir sein gewählter visueller Stil, der nur in vereinzelten Szenen ein wenig die Übersicht auf das Geschehen vermissen lässt. Doch dies führte bei mir nicht dazu, dass ich den Eindruck bekam, er wisse nicht was er tut, denn das gelingt ihm nahezu durchgehend. Man merkt ihm, auch gepaart mit den Anhängen in jedem einzelnen Buch, an, dass er ein Szenerist ist, der sich über jede einzelne Seite und ihre optische Wirkung Gedanken gemacht hat. Hier und da störten mich einige Schwächen im Lektorat, wenn beispielsweise Buchstaben fehlen oder ein Satz nicht ganz Sinn ergibt. Dies störte in keinster Weise das Gesamtwerk und ließ mich auch nicht den Fokus aus der Geschichte verlieren. Licht und Schatten sind in der Darstellungsform bei Silver das Hauptaugenmerk und hier kann Stephan Franck durch die Bank punkten. Strukturell wechseln sich die ruhigen und actionreichen Passagen im Verlauf der 4 Bücher gut ab, es wird nicht langweilig. Im Gegenteil, ich konnte das Werk gut auch nach anstrengenden Tagen auf dem gemütlichen Sofa genießen und war gespannt auf die Auflösung, die mich nicht enttäuscht hat. Es bleibt mir abschließend zu sagen, dass Silver in seiner gänzlichen Form nur mit allen 4 Büchern sein volles Potenzial entfaltet und abschließend durchaus noch die Lust auf mehr Abenteuer rund um Finn und Sledge besteht.

Silver Band 3: Das Lied vom Blut von Stephan Franck ist erschienen bei Schreiber&Leser – ISBN: 978-3946337287
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Silver Band 4: Tag des Zorns von Stephan Franck ist erschienen bei Schreiber&Leser – ISBN: 978-3946337768
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