In Band 2 von Silver ist das Team rund um James „Finn“ Finnigan bereits in Europa angekommen und bereitet sich auf die erste schwere Etappe auf der Suche nach dem Silberschatz vor. Im ersten Band musste sich die Truppe zusammenraufen und machte Pläne, insgesamt präsentierte uns Zeichner und Autor Stephan Franck größtenteils doch eine längere Exposition. Zum Schluss befanden sich alle Personen an Bord eines Schiffes und schauten der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen. Insbesondere der kleine Junge Tao, der die Gabe hat in die Zukunft zu sehen, ist sich seiner Aufgabe durchaus bewusst, dies hält ihn dennoch nicht davon ab, das Team auf der Suche nach dem riesigen Silberschatz zu unterstützen. Doch wer oder was steckt hinter diesem millionenschweren ominösen Schatz?

Dieser Schatz wurde von niemand Geringerem als Graf Dracula selbst zusammengetragen. Der Silberdrachen war ein sagenhafter Schatz der Antike, der sich bis etwa 2800 vor Christus in der Mongolei befand und von einem großen Kriegsherrn namens Drah-Khann in einer Burg zusammengetragen wurde. Drah-Khann oder Drache war ein gnadenloser Herrscher mit einem unersättlichen Blutdurst und einer Vorliebe für Silber. All dieses über Jahre zusammengetragene Silber wurde von ihm zu Barren geschmolzen, aus denen er sorgfältig den riesigen Silberdrachen errichtete. Doch hinter diesem Silber waren auch andere Menschen her, so kam es, dass die Herrschaft Drah-Kanns endete und er von einem General Chen verfolgt und bedroht wurde. Jedoch verschwanden Drah-Khann und die Burg auf mysteriöse Weise und wurden weder von General Chen noch von jemand anderem wiedergesehen, bis ein gewisser Jonathan Harker über diesen Schatz stolperte.

Bei Drah-Khann und Graf Dracula handelt es sich wohl um dieselbe „Person“, wenn man bei Vampiren davon sprechen kann. Dracula sperrt Jonathan Harker in seiner Festung ein und verliebt sich Hals über Kopf in Mina Murray, die Verlobte von Harker, als er ein Bild von ihr bei Harker findet. Harker kann zwar mit einem Silberbarren aus der Burg Draculas entkommen und schreibt seine Erlebnisse in einem Buch nieder, er verliert jedoch seine Verlobte an Dracula. Jahre später findet ein gewisser James Finnigan dieses Buch samt Silberbarren und befindet sich nun auf dem Weg zur Festung von Graf Dracula. Mit dabei: ein Team wie es unterschiedlicher nicht sein könnte.

Finn und Sledge besorgen sich ihre Informationen nicht immer auf legalem Wege.

 

Der Einstieg in Band 2 ist wieder einmal gelungen, wir finden unser Team relativ schnell im Orient Express wieder. Dieser bringt die Passagiere, Menschen und Vampire, direkt bis zur Festung von Graf Dracula. Finnigan und sein Team haben alles soweit ausgekundschaftet und verstecken sich unter den Vampirgästen des Zuges, der sie in die Höhle des Löwen bringt. Jedes Jahr zur Walpurgisnacht im Mai werden besonders redliche Vampire als Gäste zur Burg von Graf Dracula eingeladen. Dieses Jahr steht auch die Vermählung des Grafen an, weswegen sich auch die künftige Braut unter den Fahrgästen befindet. Mina Harker ist es schon mal nicht, soviel sei verraten, jedoch hat sie später in Band 3 noch einen Auftritt.

Im ersten Kapitel des zweiten Buches kommen die Protagonisten des Teams rund um James Finnigan erstmals zum Tragen: ein Fälscher, ein Schauspieler, Rosalynd Sledge, die sich als Vampirjägerin verdingt und Enkelin von einem gewissen van Helsing ist, der Junge Tao, dazu zwei Gauner-Kumpel von Finn und James Finnigan selbst. So ergaunert sich das Team auf der ersten Seite des zweiten Buches eine Einladung zur Feier von Graf Dracula und versteckt sich unter den weiteren Vampiren des Orient Express. Im Verlauf des zweiten Buches gelingt es dem Team sich verdeckt unter den Vampirgästen zu bewegen, sich für den großen Coup in Position zu bringen und die Hochzeitsfeier zu unterwandern. Ob sie sich da nicht zu viel vorgenommen haben? Es bleibt spannend und in Buch 3 werden wir schon bald die Auswirkungen der Vorbereitungen zu sehen bekommen.

In allen 4 Büchern der Silver-Reihe finden sich in den Anhängen noch viele Informationen zu den Vorgängen hinter den Kulissen. Dort beschreibt Franck selbst, wieso er auf bestimmten Seiten in der Geschichte den entsprechenden Blickwinkel gewählt hat, um seine Geschichte zu erzählen. Dort ist auch nachvollziehbar, wie sich Panels oder komplette Seiten vom ersten Entwurf bis hin zur fertigen Seite entwickelt haben. Das liest sich teilweise genauso fesselnd wie die besten Stellen in der Geschichte an sich. Ein Blick hinter die Kulissen des Künstlers, insbesondere eine textliche Einordnung durch den Künstler selbst bekommt der Leser auch nicht alle Tage. Und dadurch, dass sich auch immer nur auf die Kapitel bezogen wird, die im jeweiligen Buch enthalten sind, wird durch den Background auch nichts vorweggenommen. Skizzen und Artworks sind in Anhängen von Comics und Graphic Novels natürlich nichts grundsätzlich Neues, aber solche Einblicke geben dem Leser manchmal schon noch ein wenig mehr auf dem Weg, wie sich ein Künstler dieser Kunstform annähert und diese entwickelt. Bestenfalls unterstützt es die Wertschätzung dessen, was der Leser vorher erfahren durfte, was ich im Falle von Silver so einstufen würde.

Mit dem Zug ins Verderben?

Fazit

Gekonnt inszeniert Stephan Franck durch passende Blickwinkel die Spannung auf den ersten Seiten innerhalb des Zuges. Überhaupt profitiert Franck in seiner Darstellung unheimlich davon, bereits als Regisseur und Storyboard-Artist gearbeitet zu haben. So entwickelt er innerhalb der Geschichte von Silver immer wieder passende Momente der Spannung, aber auch die Abwechslung zwischen ruhigen und actionreichen Passagen gelingt ihm mühelos. Dies erreicht er nicht nur durch die Aktionen der Akteure innerhalb der Geschichte, sondern auch durch eine abwechslungsreiche Anordnung der jeweiligen Panels. Als erfahrener Akteur weiß er nur zu gut, wann die Bilder die Geschichte vorantreiben müssen und dementsprechend detailarm ausgestattet sind und wann der Detailreichtum den Leser zum Innehalten anregt und das Tempo gedrosselt werden sollte.

 

Silver Band 2: Orient Express von Stephan Franck ist erschienen bei Schreiber&Leser – ISBN: 978-3-946337-22-5

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