Zugegeben, das Cover zum ersten Band von Stephan Francks Silver-Reihe irritiert zunächst, lässt es doch einen gänzlich anderen Einstieg in die Geschichte vermuten. Statt einer Kick-Ass Heldin, die mit ihrem Katana ein paar Vampire schnetzelt, beobachten wir im New York Anfang der 30er-Jahre eine Auktion von Wertgegenständen. Langweiliger kann man einen Einstieg in einen Comic gar nicht gestalten? Fehlanzeige, es ist spannend ab der ersten Seite.

Diese Versteigerung bildet nur oberflächlich das Einstiegssetting, spielt sich doch im Hintergrund gleichzeitig ein Raubüberfall ab, ohne dass es den anwesenden Personen weiter auffällt. Wir lernen unseren Protagonisten namens James Finnigan kennen, der sich als FBI-Agent getarnt unbemerkt an eines der begehrten Sammlerstücke in einem Nebenraum begibt. In bester Mission Impossible-Manier sorgt er dafür, dass er mit einer Maske getarnt mit dem Schmuckstück allein im Raum verbleiben darf, um seiner Gaunerei nachzugehen. Scheinbar am Ziel angekommen, nimmt der Heist dann doch noch eine andere Wendung und Finnigan wird gezwungen zu improvisieren. Vielleicht war der Vergleich mit Tom Cruise doch nicht so passend, eher Nathan Drake aus Uncharted…?

Auf seiner Flucht vor FBI-Agenten und Polizisten ist Finnigan per Funk mit seinen Kumpanen draußen in einem Van verbunden, doch die können ihm nicht helfen, also muss er improvisieren. Dabei bekommt er überraschende Hilfe von einem Küchenjungen, als dieser ihm ein passendes Versteck aufzeigt, wo er nicht gefunden wird. Der Junge wird im Verlauf der Geschichte noch eine weitere Rolle spielen, zunächst führt er Finnigan aber in eine weitere vermeintliche Falle. Letztendlich gelingt Finnigan die Flucht und er stößt auf ein altes Buch sowie einen beigefügten Silberbarren. Dennoch muss der Coup als Fehlschlag angesehen werden, da der Schlüssel zu einem Bankschließfach, um den es eigentlich die ganze Zeit ging, bei der Flucht verlorenging und somit die Aussicht auf mehrere Millionen endgültig besiegelt scheint.

Zu Beginn des zweiten Kapitels scheint alle Hoffnung nun verloren, doch da sind ja noch das ominöse Buch und der Silberbarren. Im Buch stößt James Finnigan auf einen weiteren Hinweis, der ihn auf die Enkelin von Abraham van Helsing stößt und auf ein Schloss, in dem noch viel mehr Silber lagert, als sie es sich jemals erträumen können. Also macht sich Finnigan auf den Weg, Rosalynd Sledge, die einzige noch lebende Nachfahrin von van Helsing, aufzuspüren und sie für die Mission nach dem Silber zu akquirieren.

Im Verlauf des ersten Bandes von Silver lernen wir noch weitere Verbündete kennen und so stellt Finnigan ein Team aus Fälschern, Schauspielern, Vampirschlächtern und einem Kind zusammen, das sich auf die Reise nach Europa macht, um das sagenumwobene Schloss voller Vampire zu finden und das Silber zu bergen. Der erste Band endet mit der Schiffsreise in eine ungewisse Zukunft, mit einer Truppe, die gut und gerne auch in einem Film aus der Ocean´s Eleven-Reihe stammen könnte.

Gleich zu Beginn steigt Stephan Franck mit seiner Reihe actionreich ein und nimmt den Leser mit auf eine Tour de Force durch das erste Kapitel. Zwischendurch bleibt keine Verschnaufpause, auch wenn in den beiden anschließenden Kapiteln die Geschichte mit ein wenig mehr Fleisch ausgestattet wird. Optisch verbleiben wir in dieser Reihe im Bereich der schwarz-weißen Gestaltung des Geschehens und das passt nicht nur gut zum Setting, ich habe im ersten Abenteuer rund um Finnigan auch keine farbliche Gestaltung vermisst. Irritiert hat mich zunächst die Arbeit von Franck im Bereich der Aufrasterung von größeren Flächen. Die Zeichnungen werden von ihm am Computer scheinbar noch mit Druckrasterung nachbearbeitet, um eine größere Tiefe zu erreichen und um innerhalb der komplett schwarzen und weißen Bereiche eine Zwischenstufe zu haben, die mehr Tiefe darstellt. Im Verlauf der Geschichte hat sich diese Irritation selbstverständlich gelegt und ich konnte die Arbeit als künstlerischen Ansatz akzeptieren, der sich durchaus von anderen Gestaltungen unterscheidet.

Silberner Stahl trifft auf Vampire – Rosalynd Sledge macht keine Kompromisse!

Fazit:

Die Exposition der Geschichte bildet nahezu den kompletten ersten Band ab. Gäbe es nicht den fulminanten kalten Einstieg in die Erzählung, man müsste das Vorhaben als zu langweilig kritisieren. Dennoch baut Stephan Franck ein interessantes Setting auf, welches wahnsinnig viel aus der zeitlichen Verortung in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts profitiert. Es mag gewagt erscheinen, in der heutigen Zeit ernstzunehmende Vampire in eine Geschichte mit aufzunehmen und sie zum Kern der Erzählung zu machen. Ähnlich wie Zombies sind Vampire in den neuzeitlichen Medien der letzten Jahre doch arg in Mitleidenschaft gezogen worden, was ihre Bedrohung angeht (danke Twilight und Co.). Franck schafft es aber spielend, dieses Dilemma zu umgehen und schafft es mit stimmungsvoller Perspektive in seinen Bildern und passenden Dialogen uns die Charaktere näher zu bringen. Gegen Ende hat der Leser das Verlangen nun endlich richtig in die Geschichte einzusteigen, was im folgenden Band auch geschehen wird, so viel sei verraten. Der Fluch des Silberdrachen ist stark genug die Protagonisten in ihren Bann zu ziehen, den Leser hat er zumindest am Haken, auch wenn die weitere Reise noch nicht klar dargelegt ist. Ob der silberne Schatz halten kann, was er hier verspricht, wird sich spätestens im Orient Express in Band 2 herausstellen.

 

Silver Band 1: Der Fluch des Silberdrachen von Stephan Franck ist erschienen bei Schreiber&Leser –
ISBN: 978-3-946337-24-9

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