Deutsche Buddy-Filme sind seit den 2000ern schon fast Tradition. Richtig beliebt war der Film Friendship! vom Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg, der nun auch das Drehbuch zu 25 km/h schrieb und für den Film auch im Cinestar Leipzig zu einer Vorführung anwesend war. Zusammen mit der Schauspielerin Sandra Hüller (Toni Erdmann, In den Gängen) stellte er sich kurz nach dem Film einigen Fragen von mir und den Zuschauern im Kinosaal. Dadurch können wir euch nicht nur einen guten Eindruck von diesem Film vermitteln, sondern auch einige Intentionen erklären. Legt eure Skepsis schon einmal ab, denn tatsächlich kann 25 km/h richtig überraschen und das ohne wirklich das Rad neu zu erfinden.

 

Die Brüder Christian und Georg Schneider haben sich schon seit 30 Jahren nicht mehr gesehen. Erst zur Beerdigung ihres Vaters treffen beide aufeinander. Doch Christian, der lieber seine Karriere vorantrieb und für ein Jahr in Singapur lebt, kommt durch diverse Umstände natürlich zu spät und Georg, der sich lieber um den Vater kümmerte und hoffte, dass der Bruder ihm dabei auch ein wenig hilft, war natürlich sehr sauer. Kein guter Start für die beiden Brüder. Doch Blut ist dicker als Wasser und durch ein Tischtennis-Match und eine Reise in die Vergangenheit, raufen sich die beiden wieder zusammen. Dabei finden sie eine Karte mit einer Route, die durch ganz Deutschland führt. Diese Karte haben beide Jungs mit 15 gezeichnet und mit Regeln versehen. Eine Regel war, dass dieser Roadtrip nur mit dem Mofa stattfinden darf und das Ziel die Ostsee ist, wo beide in das Meer pinkeln wollen. Was eben so Jungs mit 15 Jahren sich ausdenken. Also haben beide, auch leicht angetrunken, die Idee sich diese alten Mofas zu packen und diesen Roadtrip endlich anzutreten. Natürlich kommen sich beide wieder näher und lernen ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen oder Vergangenes wieder gut zu machen.

Klingt jetzt wie ein typischer deutscher Buddy-Film und einen Roadmovie mit Mofas als rasant zu bezeichnen ist ziemlich schwierig. Immerhin nennt sich der Film nicht umsonst 25 km/h. Allerdings schafft es der Regisseur Markus Goller ziemlich gut diese Momente perfekt einzufangen, ohne dabei das Tempo zu verlieren. Wie uns Oliver Ziegenbalg verriet, wurde diese Route auch als Drehort verwendet und so tourten die Schauspieler und das Produktionsteam ebenfalls durch Deutschland. Die Mühe kann sich sehen lassen! Denn neben den tollen Fahrten sind auch wirklich tolle Landschaftsaufnahmen zu sehen. Der Trip geht in einer Provinz im Schwarzwald los, führt am Rhein vorbei und die Brüder halten noch einen Zwischenstopp in Berlin ab. Wie Oliver Ziegenbalg verriet, war seine Intention, das Land zu zeigen, wie es wirklich ist. Immerhin liest man über Deutschland so viele negative Kommentare, dass der Eindruck entsteht, dass dieses Land vor dem Verfall steht. Das ist dem Autor und auch der Regie wirklich gelungen. Besonders die Aufnahmen aus der Vogelperspektive zeigen schöne Orte aus Deutschland.

Der Film ist leicht, charmant und schlichtweg sympathisch und die Sympathie wird auch durch die tollen Bilder auf die Zuschauer übertragen. Ein Wohlfühl-Film ohne das negativ zu meinen. Von den Zuschauern kam die Frage, ob dieser Film nicht eine neue Art des Heimatfilms sei, wie bereits ein anderer Kritiker diesen Film betitelte. Das Wort Heimat wollte aber der Drehbuchautor nicht verwenden und es kommt auch im Film nicht vor. Dabei braucht der Film sich gar nicht für diesen Begriff zu schämen, da er völlig locker und politisch unbefangen an die Sache herangeht. Auch das gutbürgerliche Leben wird nicht dumm oder lächerlich dargestellt, sondern nur leicht ironisch aber nie respektlos. Einen Mittelfinger an die Spießer konnte sich Oliver Ziegenbalg dann aber wohl doch nicht verkneifen und dieser führt mit zu den größten Lachern im Film.

© 2018 Gordon Timpen/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Sunny Side Up GmbH

Obwohl der Film das Genre nicht revolutioniert, kann er doch überraschen und bricht sogar mit dem einen oder anderen Klischee. Wenn Christian, gespielt von Lars Eidinger (Alle Anderen), im Film als typischer Business-Mensch eingeführt wird, dann rollt der Deutschfilm-Kenner gern mit dem Auge. Schon zu oft wurde dieses Abziehbild benutzt und natürlich besinnt er sich am Ende wieder zurück zu den Wurzeln und lernt die wichtigen Dinge im Leben kennen. Doch es dauert nicht lange und es findet mit dem Charakter ein kleiner Bruch statt. Denn tatsächlich ist er es, der die Schnapsidee mit dem Roadtrip hatte und seinen Bruder Georg, gespielt von Bjarne Mädel (Gundermann), motiviert und die Angst nimmt. Dieser ist nämlich regelrecht in seiner Provinz gefangen und hat nie wirklich sein Leben gelebt. Beide Charaktere können sich im Grunde ähnliche Fehler im Leben vorwerfen und so bleiben auch sentimentale Stellen nicht aus. Doch der Film trägt nie zu dick auf und es sind eher die kleinen Szenen die Gefühle transportieren. Beide Schauspieler waren so oder so ein Glücksgriff und am Set soll die Chemie auch gestimmt haben. Dies ist im Film auch deutlich in diesen kleinen Szenen zu erkennen, auch der Humor kommt nicht zu kurz. Beide spielen sich perfekt die Bälle zu und harmonieren super. Ebenfalls eine Überraschung, dass der Film immer authentisch bleibt und seine lockere Stimmung dabei nicht aus dem Auge verliert.

Dies verdanken wir auch dem restlichen tollen Cast. Dieser liefert auch noch einige andere Stars, die nur in kleinen Nebenrollen den Brüdern über den Weg laufen. Hängen geblieben ist dabei Wotan Wilke-Möhring (Tatort) als Schrebergarten-Proll, der mit Pfeil und Bogen die Brüder jagd und wohl die deutsche Antwort auf Rambo abliefern soll. Auch Fack Ju Göhte-Star Jella Haase kann als Hippie-Mädchen, über die sich auch nicht lustig gemacht wird, für einige Lacher sorgen und ist gleichzeitig eine Art Schlüsselfigur für den Film. Denn sie ist es, die beide darauf aufmerksam macht, dass sie diesen Trip nicht umsonst machen und beide hoffen etwas zu finden oder über sich zu erfahren. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Wahl-Leipzigerin Sandra Hüller (Toni Erdmann, In den Gängen). Die ursprüngliche Thüringerin überrascht mit einem so guten schwäbischen Akzent, dass der Zuschauer denken könnte, sie käme auch aus Baden-Württemberg. Wie sie im Interview verriet, dachten dies wohl auch einige Schwaben. Der Cast trägt also ebenfalls gut zur Stimmung bei, selbst Franka Potente ist sich für ihre Rolle nicht zu schade und liefert eine witzige Sex-Szene ab, ohne wirklich Sex dabei zu haben. Die Stargäste wollten scheinbar sogar so sehr in diesem Film mitspielen und mit den zwei Brüdern agieren, dass sie einfach dazugestoßen sind, als die Film-Crew am jeweiligen Ort war. Bei diesem authentischen Spiel ist die Vermutung natürlich groß, dass die Schauspieler auch viel improvisierten. Doch Oliver Ziegenbalg verriet mir, dass die Dialoge aus dem Drehbuch zu 90 % übernommen wurden, er aber diese Bemerkung als Lob ansieht, immerhin sagt das viel über die Glaubwürdigkeit der einzelnen Szenen aus. Es stimmt auch, dass sich dieser Film durch die glaubwürdigen Dialoge von vielen Genre-Vertretern absetzt und dies positiv auffällt.

© 2018 Gordon Timpen/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Sunny Side Up GmbH

Ebenfalls verriet Oliver Ziegenbalg, dass die Musik eine wichtige Rolle spielt und dafür das Budget sogar erhöht wurde. Hier gibt es neben T-Rex oder The Cure auch Musik von der Band Bilderbuch oder Camouflage. Liest man das, wirkt die Tracklist teils sehr zusammengewürfelt, aber es passt perfekt, auch zur wechselnden Stimmung des Films. Die Musik drängt sich in manchen Szenen sogar in den Vordergrund und trägt zur Erzählung der Geschichte bei. Besonders Boys Don’t Cry von The Cure zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und fasst den Film gut zusammen. Bei aller Melancholie kommt auch im Soundtrack die gute Laune nicht zu kurz. Den Soundtrack könnt ihr im Übrigen auch über die bekannten Plattformen erwerben oder ganz klassisch als Vinyl bestellen. Der Film läuft seit dem 1. November in den deutschen Kinos und ein Erfolg wäre ihm zu wünschen. Denn dieser Film beweist, Deutschland kann Wohlfühl-Kino ohne dabei peinlich zu wirken.

Fazit

Dieser Film wirkt wie ein typischer deutscher Road-Movie oder eine Buddy-Komödie, wie wir sie jetzt schon tausend Mal gesehen haben. Doch ihr solltet euch dabei nicht blenden lassen und diesem Film eine Chance geben, gerade wenn ihr mit einem guten Gefühl aus dem Kino gehen wollt. Dabei verzichtet er, im Gegensatz zur Konkurrenz, auf homophobe, sexistische oder respektlose Witze und Erzählungen. Oliver Ziegenbalg wollte ein positiveres Bild von Deutschland zeigen und dies ist ihm charmant gelungen.