Nächstes Jahr wird ein sehr spannendes Jahr für Netflix. Immerhin starten Disney und Warner ihre Streaming-Dienste und damit fallen große Marken wie Star Wars, Marvel, Harry Potter oder Herr der Ringe für Netflix weg. Wenn wir schon von Herr der Ringe reden: Auch Amazon erweitert das eigene Portfolio und will sich mit einer Herr der Ringe-Serie gegen die Konkurrenz rüsten. Netflix startete bereits in diesem Jahr eine Qualitätsoffensive und scheinbar trägt diese schon die ersten Früchte. Nachdem noch im zweiten Quartal des Jahres Netflix sehr enttäuscht über die Benutzerzahlen war, kamen nun einfach sieben Millionen neue Nutzer dazu. Netflix selbst hat mit fünf Millionen gerechnet und zeigte sich überrascht. Damit hat Netflix 137 Millionen Kunden und 9,4 Millionen weitere Kunden sollen noch bis zum Jahresende dazu kommen. Mit rund 150 Millionen Kunden wäre Netflix schon einmal gut aufgestellt für den Kampf gegen die großen Konzerne.

Auch die Avengers werden Netflix bald fehlen.

Auch in Deutschland will Netflix den Markt erobern, wo noch immer Amazon der Marktführer ist. Um den deutschen Markt noch weiter zu erobern, gab Netflix auch bekannt, dass man fünf weitere deutsche Serien produziert. Nach dem großen Erfolg von Dark, auch international, will Netflix das Portfolio weiter ausbauen. Allgemein sind deutsche Serienproduktionen wieder sehr beliebt und erfreuen sich eines großen Publikums. Neben Dogs of Berlin und Die Welle erwarten uns noch folgende Serien aus Deutschland: Tribes of Europa, Don‘t try this at Home, Skylines, The Barbarians und eine Weihnachtsserie, die noch keinen Namen hat.

Auch erweitert Netflix das Nischen-Angebot. Anime, Stand-Up oder eben auch viele europäische Produktionen schaffen es in das Angebot. Das ist ziemlich clever. Wenn Anime-Fans zum Beispiel eine Anlaufstelle haben und fast keine Alternative finden, hat Netflix hier einen sicheren Kundenstamm. Auch die sehr beliebten Dokumentationen von Netflix bieten einige Argumente, die weder Disney noch Warner anbieten können. Genau dies wird Netflix wohl als eine Art Absicherung sehen und mit den Anime-Produktionen greift das Unternehmen auch den wichtigen Markt in Asien an. Mit Der Pate von Bombay und Ghul hat Netflix zum Beispiel auch Produktionen aus Indien. Weitere Filme aus China oder Japan sind natürlich ebenfalls geplant und hier könnte Netflix besonders Disney etwas Kundschaft abgraben.

Doch auch wenn die Aktienpreise stiegen und die Nutzerzahlen wieder nach oben gehen, Netflix ist keine große Firma wie Amazon, Disney oder Warner, die alle ihr Geld noch anders generieren können. Netflix startete als einfacher Streaming-Dienst und bot sehr langsam eigene Produktionen an, um eben der Konkurrenz den Kampf anzusagen und dem Kinomarkt die Stirn zu bieten. Die Folge? Leben auf Pump. Anders kann die Strategie von Netflix nicht mehr bezeichnet werden und an dieser Stelle befindet sich Netflix in einer Spirale. Wenn immer mehr große Filmstudios ihren eigenen Dienst aufbauen und so ihren eigenen Produktionen von Netflix entfernen, ist Netflix wieder gezwungen eigene Produktionen anzubieten, um überhaupt eine Konkurrenz darzustellen. Nachdem Netflix sich im Blockbuster-Film versuchte und sich dabei hoch verschuldete, setzte das Unternehmen auf billige Produktionen, die teilweise an einem Tag gedreht werden und diese brachten überhaupt keinen Erfolg. Dazu erlitt Netflix einen großen Image-Schaden und so war die Marke Netflix kein Qualitätssiegel mehr. Dadurch kam es überhaupt zur großen Qualitätsoffensive seitens Netflix und die Nutzerzahlen stiegen wieder, allerdings auch die Schulden, da Netflix wieder mehr Geld in die Hand nehmen musste.

Das Risiko ist hoch. Entweder wird Netflix tatsächlich in sämtlichen Bereichen Marktführer und kann durch seine Stellung dann auch wieder Gewinn erwirtschaften oder die Blase platzt und Netflix gibt es schlichtweg nicht mehr. Letztes Jahr war der Schuldenstand noch bei 4,89 Milliarden Dollar, mittlerweile sind es 8,34 Milliarden Dollar. 18,6 Milliarden sollen bereits für die nächsten drei Jahre geplant sein. Hier zeigt sich aber die Gefahr. Wenn die neuen Portale von Disney und Warner nämlich einschlagen und Netflix dadurch Kunden verliert, dann wird Netflix keine weiteren Argumente mehr für die Kredit-Institute haben und die Schulden tilgen. Allgemein fragen sich viele Experten, wie Netflix das überhaupt schaffen will bei ihrer Preispolitik. Netflix scheint aber auch dafür eine Lösung zu probieren. So soll zwischen den Folgen einer Serie auch kommerzielle Werbung kommen. Ein Probelauf kam aber überhaupt nicht gut an. Allerdings sollten die Fans von Netflix eben berücksichtigen, dass diese Plattform keine weiteren Möglichkeiten hat Geld einzunehmen und hier wird sich zeigen, ob die Kunden dafür wirklich Verständnis zeigen. Für Netflix ist Werbung die einzige zusätzliche Möglichkeit Geld zu generieren, während die Konkurrenz eben auch anders Geld generieren kann. Wenn Kunden diese Werbung zwischen den einzelnen Folgen also nicht akzeptieren, gibt es einen Grund mehr zur Konkurrenz zu wechseln. Da wie bereits erwähnt diese Probephase nicht gut ankam, nimmt Netflix auch Abstand davon, aber früher oder später werden sie nicht drauf verzichten können und wenn die Investoren sie dazu zwingen müssen. Ob dann viele wirklich wechseln oder diese Werbung in Kauf nehmen, ist entscheidend für die Zukunft von Netflix.

Das kalifornische Unternehmen Apple ist ebenfalls am Markt interessiert.

Witzig dabei ist, dass Disney, Amazon oder Apple bereits mehrmals versuchten Netflix aufzukaufen, aber das Kartellamt in den USA dies verweigerte, da Netflix zu viele Kunden hat und dadurch das Angebot erweitert. Hohe Kundschaft hält Netflix also noch am Leben. Paradox wird es auch deswegen, weil Disney nur wegen dieser Größe von Netflix dann wieder Fox aufkaufen durfte. Das Kartellamt meinte nämlich dazu, dass die Firma Netflix das Angebot erweitere und dadurch Disney keine Monopolstellung hätte. Doch wie lange wird Netflix dieses Angebot anbieten können und eben einen großen Markt bedienen? Aber selbst, wenn diese Firma Disney oder Warner überlebt, der nächste große Riese steht auch in den Startlöchern. Denn niemand geringeres als Apple plant ebenfalls einen Streaming-Dienst. Wie genau dieser aussehen wird, daraus macht Apple noch ein großes Geheimnis. Bekannt ist nur, dass der IT-Gigant bereits einige Serien einkaufte und auch Filme produzieren will. Es ist daher noch nicht abzuschätzen, wie gefährlich Apple wirklich für Netflix wird. Gerüchte besagen aber auch, dass Apple einen weltweiten Start plant und damit wäre der Vorsprung von Netflix und Amazon schon zunichte. Auch nicht zu unterschätzen sind YouTube oder Facebook, die in den USA ebenfalls schon einen eigenen Dienst für Filme und Serien anbieten. Es wird also nicht leichter für Netflix die Kunden zu halten und neue Kunden zu akquirieren. Das bedeutet, Netflix muss noch mehr investieren. Doch die Frage ist auch, wie lange machen das die Geldgeber noch mit? Für die Investoren ist Netflix für die nächsten Jahre weiterhin eine Wette auf die Zukunft und die Chancen auf einen Sieg stehen schon lange nicht mehr so gut. Am Ende entscheiden die Kunden und die sollten sich ganz genau überlegen, wem sie den Markt überlassen wollen.

So oder so: Netflix ist in einer schwierigen Lage und hat sich in diese Lage auch selbst gebracht. Niemand kann ihnen absprechen, dass sie es nicht versuchen. Doch wenn die anderen Dienste in Zukunft besser einschlagen als erwartet und über die Jahre auch Netflix einige Kunden kostet, dann sieht es für die Zukunft des Unternehmens düster aus. Allgemein sollte sich Netflix fragen, ob sie wirklich mit den Kinoproduktionen konkurrieren wollen oder ob sie sich nicht lieber auf den Arthouse-Markt fokussieren und Filme aus Europa, Asien oder anderen Kontinenten fördern. Ob Netflix überhaupt mit solchen Giganten mithalten kann, ist die Frage. Wenn Netflix ehrlich ist und sich nicht überschätzt, dann sollte sich die Firma von diesem Gedanken verabschieden. Damit wird Netflix kein Marktführer, aber eine stabile Alternative zum Rest.